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Neue Liebe: Buchweizen-Pfannkuchen ohne Zucker

Hier gab es schon lange kein Rezept mehr – vielleicht liegt es daran, dass sich kaum etwas hier fotografieren lässt bevor es in hungrige Mäuler wandert. Jetzt kommt aber ein Rezept für die leckersten Lockdown-Pfannenkuchen – gesund, vegan, glutenfrei und ohne Zucker. Kann nicht schmecken? Doch! Ich könnte sie täglich essen. Am liebsten wenn sie noch ganz warm sind …

Der Teig besteht aus der Basis Buchweizenmehl und dieses Mehl kann wirklich was. Buchweizen klingt zwar nach Getreide, ist aber keins. Er ist ein Pseudogetreide, genau wie Amaranth und Quinoa. In Frankreich und den USA werden Pfannkuchen häufiger und schon lange aus Buchweizenmehl gemacht – das ist also keine neumodische Erfindung.

Was ich an diesen Pfannkuchen besonders gut finde: sie schmecken wirklich süß genug und kommen ganz ohne zugesetzte Süßungsmittel aus. Ideal also, wenn du gerade etwas weniger Zucker essen möchtest aber mal ein leckeres Komfort-Food brauchst. Sie gehen schnell und lassen sich in der Pfanne auch einfach wenden. Lockdown-Volltreffer.

Kleiner Glücksmoment …

Rezept

Zutaten:

150 g Buchweizenmehl

200 ml Hafermilch

1 kleine Banane

1 EL Cashewmus

1 Messespitze Backpulver

1 Prise Meersalz

optional: gefrorene Blaubeeren

optional: eine Prise Vanillepulver

Kokosöl zum Backen

Zubereitung:

Die Banane mit dem Cashewmus zusammen zerdrücken und mischen bis eine klebrige, homogene Masse entsteht. Hafermilch unterrühren und dann Buchweizenmehl, Backpulver und Salz hinzugeben. Alles gut verrühren bis der Teig glatt ist. Optional kannst du auch noch ein paar gefrorene Blaubeeren hinzugeben.

Nun eine Pfanne mit Kokosöl auf mittlerer Stufe erwärmen und für jeden Pfannkuchen einen gut gefüllten Esslöffel Teig in die Pfanne geben. Nach etwa drei Minuten die Pfannkuchen wenden und noch eine kurze Zeit lang auf der anderen Seite nachbacken. Fertig.

Verantwortung. Wie geht das?

Gestern habe ich bereits über die Sendung Sternstunde Philosophie auf SRF geschrieben, in der Historiker Philipp Blom erklärt, warum die Natur irgendwann zurückschlagen muss.  Am 25. Dezember 2019, also vor über einem Jahr, postete Bryan Kest, einer der erfolgreichsten Yogalehrer unserer Zeit, auf Instagram diese Sätze: „Yoga will not tell you what to do, it will just ask you to wake up and see what you’re doing and ask yourself four questions: 1) does this help me? 2) does this help my family? 3) does this help my community? 4) does this help the planet?“ (deutsch: „Yoga wird dir nicht erklären, was du zu tun hast, er wird dich höchstens bitten, aufzuwachen und dir selbst vier Fragen zu stellen: 1. Hilft mir das? 2. Hilft das meiner Familie? 3. Hilft das meiner Gemeinde? 4. Hilf das dem Planeten?“) Letzteres ist wohl die alles entscheidende Frage in einem Jahr wie diesem.  

Philipp Blom sagte im SRF: „Stellen Sie sich mal vor, wir würden uns wirklich dafür einsetzen, auch etwas aufopfern, damit wir sagen können: Wir wollen ein Europa bauen, das 2050 oder 2100 ein besserer Ort ist als jetzt. Dann wissen wir: Wir müssen uns nicht schämen! Wir haben echt versucht, eine grüne Infrastruktur aufzubauen, unsere Wirtschaft ist jetzt auf Carbon null. Wir haben alles getan, was wir tun konnten, um die Grundlagen unseres Lebens zu entgiften, dass ihr auch noch leben könnt auf dieser Welt. Ich glaube, das wäre ein wichtiges und wertvolles Projekt.“ 

Das Projekt

Oh ja. Es wäre das Projekt, oder? Wie das gehen soll? Das muss jeder wohl im Einzelnen für sich beantworten, denn es geht nicht ohne Opfer. Ich frage mich täglich, wie die aussehen könnten und was ich in meiner Welt dazu beitragen kann. Ich weiß, ich mache noch vieles falsch. Ich wünsche mir, dazuzulernen ohne zu viel Mist zu bauen. Heute Morgen beobachteten wir eine Möwe vor unserem Fenster, die den offenstehenden Müllcontainer vor dem Haus ausräumen wollte. Also bin ich raus und habe jedes Fitzelchen Müll, jede zerfetzte Apfelsinenschale wieder eingesammelt und den Müll in der Mülltonne so zusammengedrückt, dass die Tonne wieder zu ging. Das war keine Heldentat, aber noch während ich Studentin war, hätte ich nicht weiter darüber nachgedacht. Oder besser ausgedrückt: Ich hätte mich nicht dafür verantwortlich gefühlt, den Müll zu beseitigen, den die Möwe großzügig verteilt hatte. Heute weiß ich, dass ich dafür verantwortlich bin, wenn die Fische – sofern es sie hier in der Ostsee noch gibt – diesen Müll in den Hals kriegen. Denn ich habe gesehen, wie der Müll verteilt wurde. Ich will mich nicht mehr nicht dafür verantwortlich fühlen, wenn Klimawandel nicht aufzuhalten ist. Weil ich glaube, dass auch ich ganz viel dagegen tun kann, ohne gleich waghalsigen Umweltaktivismus betreiben zu müssen. Auch 2019 postete die vegane Köchin und Aktivistin Sophia Hoffmann auf ihrem Instagramprofil ein Foto von einer Toilette mit leerer Klopapierrolle und schrieb dazu: „Manchmal frage ich mich schon wie wir den Klimawandel stoppen wollen, wenn Menschen es nicht mal schaffen, Verantwortung für unsere eigene Kacke zu übernehmen (…) nun, da ich wieder regelmäßig in einem gastronomischen Betrieb arbeite, begegnet es mir täglich. Genauso auf öffentlichen Toiletten in der Deutschen Bahn usw. Erwachsene Menschen übernehmen keine Verantwortung für ihre Experimente. Egal ob es sich um das letzte Stückchen Klopapier handelt, das von der Rolle gezupft wird, 99 % der Menschen schaffen es nicht, die neue Rolle auf den Halter zu manövrieren. Wer glaubt ihr, ist dafür verantwortlich?Der Barista? Die Köchin? Die Deutsche Bahn Angestellte? Mutti? Angela Merkel? Noch ärger: Toilette sauber machen. (…) Menschliches Miteinander heißt Verantwortung für seinen eigenen Mist übernehmen. Jeden Tag. Basta.“ 

Weniger Wachstum, mehr Unkraut

Das ist über ein Jahr her, aber ich mochte es. Ich fühlte mich verstanden. Und so ist es auch mit jedem Fitzelchen Müll, das mir begegnet. Mit jedem Stück Amüsement, für dass vielleicht ein Tier oder ein Stück Erde geopfert werden musste. Ich kann es ignorieren, weil ich der Meinung bin, dass andere dafür verantwortlich gemacht werden müssen, aber dann darf ich mich auch nicht wundern, wenn die Natur mir irgendwann eins auf die Fresse gibt. Meine Kinder könnten 2100 theoretisch noch leben. Ich habe mich gefragt, wie deren Welt aussehen sollte und was ich mir für sie wünschen würde? Ich brauche nicht mehr Wachstum. Aber ich brauche auch nicht weniger Unkraut. Nicht noch mehr Bequemlichkeit als ich schon habe. Müll aufsammeln reicht nicht. Das ist klar. Und ich bin in vielem im Bereich Umweltschutz ein Amateur.

Verantwortung. Hier. Jetzt.

Ich will Corona nicht. Auch ich habe Lust auf Leute. Ich habe Lust auf Gemeinschaft, die nicht nur über Zoom stattfindet. Ich habe Lust auf Yogastudio mit Teilnehmern, statt mit leeren Matten und Filmset-Atmosphäre nur ohne Regie und Catering. Ich habe Lust darauf Olympische Spiele im Fernsehen zu verfolgen – aber bitte mit vollen Zuschauerrängen. Ich habe Lust auf offene Cafés obwohl der Kaffee bei mir zu Hause immer besser schmeckt. Ich habe Lust auf so vieles. Ist doch klar. Ich habe nicht gesagt, bitte liebes Universum, schick mir eine Pandemie, damit wir hier alle aufwachen. Denn das wird ohnehin nicht passieren. Ich wäre ziemlich gut ohne Corona klar gekommen. Logisch. Ich habe nur keine Lust zu meckern. Und es kommt mir immer wieder so vor, als müsse ich mich dafür rechtfertigen. Und alles was ich sage, ist: Ich will nicht jammern. Weil hier immer noch alles in Fülle ist. Und: weil es mir wirklich mehr Spaß macht, gut gelaunt zu sein als schlecht. Meckern kostet so wahnsinnig viel Energie. Bryan Kest, der coole Yogalehrer aus Kalifornien, postete auch in diesen Tagen etwas Kluges auf seinem Instagram-Profil:“ If you are depressed, you are living in the past. If you are anxious, you are living in the future. If you are at peace, you are living in the present.“ (deutsch: „Wenn du depressiv bist, lebst du in der Vergangenheit. Wenn du ängstlich bist, lebst du in der Zukunft. Wenn du im Einklang mit dir bist, lebst du in der Gegenwart.“) Verantwortung passiert im Hier und Jetzt. Das ist alles nicht so einfach, das ist klar. Aber es funktioniert. Und so kann ich vielem was abgewinnen, was ich in diesen Tagen erlebe: Ich sehe die Möwe. Ich bin enstpannt. Ich gehe zum Müll und räume ihn auf. Es war gar nicht schlimm. Die Kinder stehen am Fenster. Ein Lockdown-Moment: Nicht schlechter als Kino. Am allermeisten mag ich, wenn sie laut lachen. Das erlebe ich hier in unserem Lockdown oft. Dann sind wir alle im Einklang mit uns. Dann denke ich auch nicht an die Zukunft. Ob sie die so unbeschwert erleben können wie jetzt eine Corona-Pandemie?

Lauschangriff und Lesestoff vom 15.1.2021

So, hier ist dann nun auch endgültig die Weihnachtsferien-Stimmung vorbei. Meine Zweijährige sagte mir am Dienstag in aller Deutlichkeit: „ICH WILL MEINE KITA“ Tja, so kriegt jeder von uns mal den Lagerkoller. Meine bisherige Pandemie-Überlebensstrategie lautete: nicht zu viel Zeitung lesen, nicht zu viel Fernsehen wenn es um Corona geht. Mir wird da viel zu viel geredet und diskutiert, das ertrage ich nicht so gut. (Ich sage es aber auch gleich mal dazu: Ich gucke mir auch keine Action- und schon gar keine Horrorfilme an. Wenn ich Fernsehen gucke, dann muss ganz klar sein, dass in dem Film nicht besonders viel passiert. Schon gar nichts Schlimmes.) Aber die Sendung Sternstunde Philosophie auf SRF, dem Schweizer Fernsehen, habe ich mir angeschaut. Dass sie mich so fasziniert hat, mag auch an der ruhigen und besonnenen Art von Philipp Blom gelegen habe, aber vor allem fand ich das was er gesagt hat, einfach wahnsinnig wichtig, spannend und weitsichtig. Auch erschreckend und etwas … perspektivlos. Er hat beispielsweise gesagt, dass wir akzeptieren müssten, dass diese Pandemie womöglich nicht ein einzigartiges Ereignis sei, sondern sie eine Konsequenz desselben  Phänomens wie die Klimakatastrophe, nämlich aus der Tatsache entstanden sei, dass wir immer tiefer in die Natur eingreifen. Systeme verändern und so weiter.

Der Planet braucht uns nicht so sehr …

Er sagte auch: „Wir glauben eigentlich instinktiv wir stehen über der Natur. Wir sind etwas anderes. Wir sind schon etwas unangenehm berührt, wenn wir als Säugetiere angesprochen werden.“ Ich habe so etwas wie eine Corona-Pandemie niemals kommen sehen, natürlich nicht. Aber das, was Blom sagt, habe ich schon oft gedacht. Wieso denken wir eigentlich, uns Menschen stehe alles zu? Wieso vergiften wir Nahrungsmittel, um noch mehr davon produzieren zu können? Beispielsweise. Wieso behandeln wir Tiere wie Scheiße, nur weil wir denken, wir müssten sie essen, um zu überleben. Und wieso schreiben wir Völkern vor, wir wüssten, wie sie zu leben haben? „Der Mensch ist für den Planeten nicht so besonders wichtig“, sagte Blom. Lange beispielsweise nicht so wichtig wie Ameisen … Think about it! Menschen sind vor allem für Menschen wichtig.

Ob Blom Recht hat oder nicht mit seiner Vermutung, dass wir in den nächsten Jahrzehnten noch weitere Pandemien erleben werden oder nicht, wer weiß es schon? Ich bin auf jeden Fall gespannt, ob unsere Kinder in 20 Jahren darüber lachen, dass wir uns heute in unserer Freiheit eingeschränkt fühlen, weil wir manchmal dazu angehalten sind, einen Mundschutz zu tragen … Und ob sie ganz andere Probleme mit sich herumtragen müssen …

Scheitern darf sein

Wahnsinnig gut getan hat mir mal wieder die kluge Claudia Schaumann. Du kennst sie natürlich. Ihren Blog Wasfürmich lesen 50.000 Leser. Und bevor sie sich in ihre Winterpause verabschiedete, schrieb sie diesen Artikel, der vermutlich all meinen Freundinnen aus der Seele spricht. Und während ich ihn las, dachte ich natürlich: Und mir besonders! 😉

Nur Zeit zum Atmen

Gehört habe ich in dieser Woche nur einen Podcast. Es blieb einfach für keine Zeit für mehr. Dafür war der aber auch auf Englisch, ich musste also ganz genau zuhören – da konnte ich nicht nebenbei noch Kochtöpfe spülen! Es ging um ein Thema, dass nicht einfach nur so nebenbei abgehandelt werden konnte. Wie es der Zufall so will bin ich auf den Podcast von wemove.world aufmerksam geworden. Es geht da nämlich um Bewegung und Atmung, wichtige Dinge! Das Interview mit Patrick McKeowne, dem Atemexperten unserer Zeit, ist zwar schon fast ein Jahr alt, hat mich aber sehr gefesselt. Der Titel dieser Podcastepisode lautete: „Is the way you breathe holding you back?“ Jetzt will ich unbedingt McKeownes Bücher lesen!

Veganes Ei – der Crashkurs

Vielleicht hast du auch schon vom Veganuary gehört. Eine britische Organisation hat ihn 2014 zum ersten Mal ins Leben gerufen. Da das neue Jahr ja oft und gerne zum Anlass genommen wird, Vorsätze anzugehen und derjenige, weniger Fleisch zu essen, mittlerweile in jedes Hirn vorgedrungen sein sollte, ist das doch eine gute Sache. Viele Prominente, Blogger, und Influenzier machen mit und sogar Lebensmittelhersteller nehmen das zum Anlass ihre veganen Produkte zu bewerben – wenn’s das Ziel, Menschen dazu zu animieren, weniger Fleisch zu essen, unterstützt – super! Deswegen gibt es heute hier den aktuellen Blogbeitrag von Natalie von yayfortoday. Ich liebe veganes Rührei. Wahrscheinlich weil ich finde, dass es so gar nicht nach Rührei schmeckt. 

Wie macht man weiter ohne ein Ziel?

Vieles was uns zu Beginn eines neuen Jahres Mut macht, was wir mit Vorfreude erwarten und worauf wir hinarbeiten, ist uns durch Covid-19 abhanden gekommen. Wie also können wir weitermachen, wenn ein Ziel fehlt? Wie stehen wir auf, wenn es keine Struktur mehr gibt? Und wie finden wir Orientierungspunkte in einer unbeständigen Zeit? Darüber habe ich mit jemandem gesprochen, der darin ungewollt zur Expertin geworden ist: Die Stabhochspringerin Katharina Bauer (30) gilt als medizinisches Wunder. Sie trägt in ihrem Körper einen implantierbaren Defibrillator. Hätte sie auf andere gehört, wäre ihre sportliche Karriere schon mehr als einmal vorbei gewesen. Im vergangenen Jahr wollte sie zu den Olympischen Spielen in Tokio. Dann kam Corona. 

Es ist noch kein Jahr her, da hast du mitten in der Vorbereitung für die Olympischen Spiele gesteckt, die eigentlich im Sommer 2020 stattfinden sollten. Kannst du dich noch an das Silvester 2019 erinnern und deine Gedanken und Vorstellungen von diesem – für uns alle so ungewöhnlichen – Jahr 2020?

Katharina Bauer: Ich kann mich noch sehr gut an das Silvester erinnern. Das war in Düsseldorf bei meiner Freundin Yvonne und es war das Ende des Jahres, in dem ich einen schweren Bandscheibenvorfall erlitten hatte. Die Vorweihnachtszeit habe ich als sehr schmerzhafte Zeit in Erinnerung, ich konnte morgens kaum stehen, kaum laufen. Und gerade um Weihnachten herum besserte sich das. Ich war also sehr dankbar und habe mich auf das kommende Jahr gefreut. Ich habe das Gefühl gehabt, dass ich endlich komplett schmerzfrei werden könnte. Zudem standen natürlich große Dinge bevor: Die Olympischen Spiele sollten 2020 stattfinden, ich würde im Sommer meinen 30. Geburtstag feiern, wir beide würden an einem Buchprojekt arbeiten … So habe ich den Jahreswechsel natürlich sehr positiv wahrgenommen, aber ich war auch vorsichtig optimistisch aufgrund meiner Rückenschmerzen. Das Thema Gesundheit stand also für mich schon sehr im Vordergrund.

Im März 2020 warst du mit einer Gruppe Athleten im Trainingslager in Südafrika. Während in Deutschland der Lockdown beschlossen wurde, informierte euch die Verbandsleitung, dass euer Trainingslager abgebrochen werden muss. Was ging da in dir vor? Hast du zu dem Zeitpunkt schon geglaubt, dass die Olympischen Spiele verschoben werden müssen und dass das Jahr eine solche Wendung nehmen würde?

Mein Anker nach dem Bandscheibenvorfall und der langsamen Genesung im Winter war das bevorstehende Trainingslager in Südafrika im März. Dieser Ort hat für mich energetisch eine große Bedeutung. Ich liebe das Land und dort kann meine Seele auch immer heilen. Die Sonne, das Wetter, die Leute, das Team, die Trainingsbedingungen – all das macht den Ort sehr besonders und ich wusste, ab dann würde es Vollgas Richtung Olympische Spiele gehen. Wir waren genau eine Woche in Südafrika, dann wurde der Lockdown beschlossen. Wir wurden von einem auf den anderen Tag zurück nach Deutschland geholt. In Südafrika lebten wir wie in einer Blase, hatten kaum Nachrichten gehört und keine Panik mitbekommen. Das, was in Deutschland zu diesem Zeitpunkt passierte, war für uns nicht greifbar. Wir rätselten freitags noch darüber, ob es Sinn machen würde, länger in Südafrika zu bleiben. Zu dem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass der Deutsche Leichtathletikverband uns auch schon Flüge für unsere Rückreise gebucht hatte. Das wurde kurz später Realität. Ein hartes Erwachen. Und dann war das für uns zunächst einmal sehr erschreckend. Weil wir als Sportler auch gar nicht wussten, was auf uns zukommen würde. Es war direkt auch im Gespräch, dass die Trainingsanlagen gesperrt werden müssten. Ich habe also sofort realisiert, dass die ganze Jahresplanung über den Haufen geworfen wird. Das war zunächst ein Schock. Das Jahr sollte mein viertes Comeback werden und nun stand ich wieder vor einer Zwangspause. Immer wieder an die Leistungsgrenze zu gehen, kostet sehr viel Energie. Als Sportler bist du in so einem Jahr im Feuermodus. Du brennst für ein Ziel und das Ziel war plötzlich weg.

Katharina in Südafrika, ihrem „Happy Place“. Kopfüber versteht sich.

Wie hast du das, was dich in diesem Moment so bedrückt hat, dann wieder – wie schon so oft in deinem Leben – in positive Energie umwandeln können?

Das hat tatsächlich erst einmal eine Zeit lang gedauert. Als wir zu Hause ankamen, war ja noch gar keine Entscheidung darüber getroffen, ob die Olympischen Spiele stattfinden oder nicht. Wir hatten also entschieden, dass ich zunächst nicht in Leverkusen, wo ich lebe und trainiere, bleiben, sondern zu meiner Familie nach Wiesbaden fahren würde. Da die Trainingsanlagen ohnehin geschlossen waren, sollte ich mich dort fit halten. So wie das eben alle Leistungssportler während des Lockdowns machten. Und man muss natürlich klar sagen: das, was da zuhause möglich ist, was wir auch auf Instagram zeigten, das Hometraining, die Challenges und so weiter, ist kein Vergleich zum Spitzensport. 

Dann wurde glücklicherweise relativ schnell die Entscheidung getroffen, dass Olympia 2020 nicht stattfinden würde. Da war ich zum einen natürlich schockiert, weil der Fokus weg war, aber andererseits war es auch eine Erlösung. Ich weiß noch, dass ich zu Beginn des Jahres guter Dinge war, denn mein großes Ziel, schmerzfrei trainieren zu können für Olympia, war beinahe erreicht. Aber da war auch eine große Müdigkeit aufgrund all meiner Verletzungen und Rückschläge und so hatte ich eigentlich auch das Bedürfnis mich einfach mal hinzulegen und liegenzubleiben. Durch die Absage und die Verschiebung auf das nächste Jahr, wusste ich, dass ich mich neu orientieren kann. Eine neue Erfahrung war es aber auch für mich, dass wir über gewissen Situationen keine Kontrolle haben können. Nicht trainieren zu dürfen obwohl man schmerzfrei ist, war für mich ganz neu. Aber wie immer habe ich dann relativ schnell verstanden, dass ich auch aus dieser Situation das Beste machen muss. Ich konnte dann das wertschätzen, was ich hatte: Zeit mit meinen Eltern, die ich sonst zu dieser Zeit niemals so gehabt hätte. Das habe ich aufgesaugt. Und dann hat mein Körper mir das einfach gedankt. Eine Zwangspause – das war für meinen Körper ideal.

Wann hast du realisiert, dass das Jahr 2020 und damit die Verschiebung der Olympischen Spiele ein Geschenk sein kann?

Das ging sehr schnell. Am Anfang tut es weh und dann bin ich problemlösungsorientiert. Der erste Gedanke muss immer sein: Was ist daran jetzt positiv? Und ich habe natürlich sehr schnell gewusst, dass es für meinen Körper definitiv gut ist. Ich wusste: Ich kann neue Kräfte sammeln, und das kann ich tatsächlich bei meiner Familie immer am besten. 

Hast du einen Tipp, wie wir den Fokus auf die wesentlichen Dinge des Lebens legen und wie wir akzeptieren, dass Zwangspausen positiv genutzt werden können?

Es ist der dahingesagte Spruch: Im Hier und Jetzt leben, der aber einfach der Schlüssel dazu ist, wertzuschätzen, was wir eigentlich haben. In welch privilegierter Situation wir in einem Land wie Deutschland sind, das sollte man sich in so einer Lage als erstes klar machen. Ich sitze in einer warmen Wohnung und das mag banal klingen, aber andere haben das nicht. Ich kann immer noch in den Supermarkt gehen und dort alles einkaufen, was ich haben möchte. Und wenn ich gesund durch diese Pandemie komme, ist das auch ein Geschenk. Also Dinge wahrnehmen, die für uns selbstverständlich sind und die man dann noch mal neu wertzuschätzen lernt. Unabhängig von Corona mache ich das fast täglich: mir darüber bewusst werden, wofür ich dankbar bin. Was aber in so einer Phase auch sehr wichtig ist: Wir dürfen negative Dinge auch mal abschalten und den Fokus auf das Schöne legen. Also auch mal die Nachrichten auslassen und sich kleine Dinge vornehmen, die glücklich machen. Sich etwas suchen, was man vielleicht immer aufschiebt. Das kann man jetzt machen. Und anderen helfen ist natürlich immer auch sehr heilsam.

Hast du tatsächlich eine regelmäßige Praxis, ein festes Ritual, wie eine Dankbarkeitsmeditation am Abend?

Ich mache häufig Meditationen, gerade vorm Schlafengehen und ich habe eine Visualisierungstafel in meinem Schlafzimmer, da habe ich Ziele aufgeklebt, schöne Dinge. Alleine der Blick auf mein Visionboard gibt mir ein positives Gefühl. Das ist schon sehr bewusst in meinem Leben. 

Wenn du auf die Ärzte gehört hättest, wäre deine sportliche Karriere schon lange vorbei. Vertraust du dir selbst in schwierigen Situationen am besten und hast du eine Art Urvertrauen entwickelt, dass dich auch durch brenzlige Situationen trägt?

Das Wort Urvertrauen trifft es sehr schön. Meine Mutter ist Hypnose- und Mentalcoach und dadurch bin ich mit Themen wie Urvertrauen, Erdung und positives Denken früh in Berührung gekommen. Ich bin durch so viele sportliche und gesundheitliche Tiefs gegangen und wieder zurückgekommen, dass ich mir heute über meine mentale Stärke sehr bewusst bin. Dieses Urvertrauen habe ich also über Jahre entwickelt. Und so vertraue ich mir im Leben tatsächlich selbst sehr. Ich habe noch nie aufgegeben, und auf den Sport bezogen weiß ich, so lange ich einen inneren Antrieb habe, ein Feuer in mir brennt, so lange mache ich weiter. Das kann ich sicher auch auf andere Bereiche meines Lebens übertragen. Ich sammele kleine Erfolge und feiere sie wie einen Geburtstag. Ich habe mich nie daran gemessen, wo ich mal war, sondern mich immer an jedem Fortschritt erfreut. 

Wie hilft dir Yoga im Alltag und wie hat es dir speziell in diesem verrückten Jahr geholfen?

Das hat in diesem Jahr wirklich eine neue Dimension erreicht. Ich praktiziere ja schon lange Yoga, aber es gibt ja immer Phasen im Leben, da kommt es zu kurz. Ich habe in diesem Jahr so viel Yoga, so viel Atemübungen und Meditation gemacht, dass auch mein Trainer jetzt gemerkt hat, wie gut es mir tut, wie weit ich dadurch gekommen bin. Und ohne Yoga wäre ich bestimmt nicht so weit, wie ich jetzt bin. Ich habe durch meinen Bandscheibenvorfall enorm an Beweglichkeit eingebüßt, und die ist jetzt wieder da. Was Corona betrifft, hat Yoga mir natürlich mental auch sehr geholfen. Während dem ersten Lockdown hatte ich das Gefühl, ich gehe in einen Schildkröten-Modus, spare mir meine Energie und lasse sie nur für das Training raus und ansonsten warte ich ab, was sich tut. So hatte ich einfach wahnsinnig viel Ruhe in diesem Jahr – auch für den Kopf. 

Hohe Infektionszahlen, Ungewissheit in Sachen Impfung, wir wissen nun, auch 2021 wird nicht ‚normal‘. Und wir wissen auch: Wir haben nichts in der Hand. Wie stellst du dich als Leistungssportlerin darauf ein, dass es eventuell wieder nur ein paar wenige Wettkämpfe geben wird und Olympia ein Traum bleiben könnte?

Das ist mittlerweile keine gedankliche Belastung mehr für mich. Da habe ich mich sehr intensiv mit meinem Trainer ausgetauscht und wir wissen alle, wir können nichts voraussehen. Im Januar sollen noch Wettkämpfe stattfinden, die stehen jedoch jederzeit in der Schwebe. Vor Weihnachten habe ich die Information bekommen, dass alle Wettkämpfe im Januar ausfallen werden, aber dass im Februar Deutsche Meisterschaften stattfinden sollen. Sind wir mal ehrlich: Wir wissen es nicht. Also haben wir uns überlegt, was wir machen. Vom Prinzip her könnte ein Athlet in meinem Alter aufhören. Und so haben wir die Strategie entwickelt, dass wir alles was wir jetzt machen, für uns machen. Wenn ich im Training in diesem Jahr über 4,70 Meter springe, dann habe ich doch schon meine Bestleistung erreicht. Wer kann mir das wegnehmen? Dafür bin nur ich verantwortlich. Der Bezug zum Außen ist ja zunächst weg, und das kann einen Sportler schon verrückt machen. Aber wie ich an meine Leistungsgrenze gehen kann, wie hoch ich in meinem Leben springen kann, das kann ich selbst herausfinden. Und das ist eine Strategie, die mir sehr gut getan hat. Wir haben wahnsinnig hart trainiert aber haben auch wahnsinnig viel Spaß im Training. Ich bin momentan physisch und emotional wirklich stark, es wäre nahezu ideal, wenn jetzt Wettkämpfe mit Zuschauern stattfinden würden (lacht) – aber egal. Für einen Sportler ist auch klar: der Sport, den wir kennen, den gibt es nicht mehr so. Das Zusammensein, die Freude mit den Zuschauern, Olympische Spiele, so wie wir das kannten – von dem Gedanken mussten wir uns alle verabschieden. Wenn die Spiele stattfinden, werden sie ja anders organisiert werden müssen als wir es gewohnt waren. Das ist die Realität. Aber wenn ich mich qualifiziere, geht natürlich trotzdem ein Traum in Erfüllung. 

Deine Mutter Christine J. Bauer hat mal über dich gesagt, dass du ein neugieriges Kind warst. Neugier hat mich in vielen Situationen vor Angst beschützt. Beispielsweise bei der Geburt meiner Kinder. Glaubst du, dass Neugier einer deiner Antriebe ist? Also alleine die Neugier dich treibt, wie weit du mit deinem Körper gehen kannst?

Ich habe tatsächlich erst darüber nachgedacht, nachdem du mir diese Frage gestellt hast. Aber da ist definitiv eine Neugier, wie weit ich gehen kann, wie weit ich aus meiner Komfortzone ausbrechen kann und wo meine Leistungsgrenze liegt. Kann ich meine Grenzen übersteigen? Wie oft habe ich in meinem Leben schon gehört: Katharina, das wird nichts mehr. Ich hatte schon so oft in meinem Leben das Gefühl: Ich habe nichts zu verlieren. Ich kann nur gewinnen. Also will ich es rausfinden. Das war auch, nach der Implantation meines Defibrillators, für mich der spannende Teil der Reise: Wie weit kann ich meinen Arm heben mit diesem Defibrillator? Kann ich damit überhaupt Stabhochspringen? Welche Übungen kann ich eigentlich machen und wie muss ich sie neu erlernen? Das war spannend. Und grundsätzlich muss ich zugeben, ich bin generell ein neugieriger Mensch. Ich hinterfrage viel und will vieles herausfinden. Ja, auf jeden Fall: Neugierde ist mein Antrieb. Bleibe also neugierig!

Lauschangriff und Lesestoff vom 8.1.2021

Bis zum Dreikönigstag fühlte sich der Lockdown hier noch nicht so richtig wie ein Lockdown an. Nicht etwa, weil wir die Kontaktbeschränkungen nicht eingehalten hätten, nee, nee. Es fühlte sich einfach an wie ein verlängerter Weihnachtsurlaub und die Kinder fanden es ganz gut, dass wir zuhause in unserer Adventswelt lebten. Sind die erst mal drinnen am Spielen, haben sie eigentlich gar keine große Lust hinaus in die Welt zu gehen.

2021 bringt jetzt auch nicht die Erleuchtung, oder?

Mir war auch vorher schon klar, dass das Leben am 10. Januar nicht normal weitergehen würde. Dass Silvester und der Jahreswechsel nicht die Erleuchtung und schon gar nicht die Vernichtung der Corona-Pandemie bringen würden. Auch keinen Frieden auf Erden. Das hat man ja am Königstag schön an den USA gesehen. Nichtsdestotrotz musste auch ich einmal tief durchatmen, nachdem ich die neuen Bestimmungen zur Eindämmung des Corona-Virus am Dienstagabend vernommen hatte. Aber so ist es dann eben auch: atmen, einmal den Kopf durchschütteln und weitermachen. Damit ich nicht ganz in meiner Mama-Blase verblöde, tragen mich Podcasts durch die Zeit. Sie begleiten mich beim Aufräumen und Kochen, abends höre ich sie, statt in die Glotze zu gucken. Und so habe ich mich besonders über den Artikel von Sheila Ilzhöfer auf FuckLuckyGoHappy gefreut, die dort ihre liebsten Podcasts vorgestellt hat. Musst du unbedingt lesen, denn dann weißt du auch, was du in den nächsten Wochen des Wahnsinns-Lockdown auf die Ohren packen kannst.

Besser leben – weniger Müll

Ich habe nicht viele Vorsätze für das neue Jahr. Aber mir ist in den letzten Jahren aufgefallen, wie viel Müll hier bei uns immer durch die Haustüre getragen wird. Ich hatte Anfang des Jahres 2020 noch zwei Kinder zu wickeln und beim Gedanken an die Müllberge, die Windeln, Nasstücher und Co. produzierten, habe ich manchmal einfach die Augen verschlossen. Nun werden die Kinder größer und ich habe mir vorgenommen, die Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit auch in die Erziehung mit einzubauen. Dazu werde ich in den kommenden Monaten sicher auch häufiger etwas schreiben. Bei der Reduktion von Müll kann man da glaube ich ganz gut anfangen, vor allem wenn man so nahe am Meer lebt wie wir. Einen neuen Podcast zum Thema Nachhaltigkeit gibt es vom Bayrischen Rundfunk seit Anfang Dezember. Er heißt „Besser leben. Nachhaltig im Alltag mit dem Umweltkommissar“ und in der aktuellen Folge geht es um die Vermeidung von Mikroplastik in der Kosmetik.

Glaube ist kein Leistungssport

Einen Text, der mich sehr berührt hat, habe ich bereits vor Weihnachten gelesen. Weil er mich lange beschäftigt hat, will ich ihn hier gerne erwähnen. Das Interview mit dem Münchener Pfarrer Rainer Maria Schießler in der Süddeutschen Zeitung vom 21. Dezember hat mich über die Weihnachtstage zum Nachdenken gebracht. Yoga und Glaube – egal welcher, passen für mich sehr gut zusammen. Dazu werde ich in diesem Jahr wahrscheinlich auch noch etwas schreiben. Die erste Frage des Interviews lautete: „Ein Satz, den man immer wieder hört: »Ich würde ja gern an Gott glauben, aber ich schaffe es nicht.« So kurz vor Weihnachten – was raten Sie solchen Menschen?“ Und nachdem ich die Antwort auf die Frage gelesen hatte, war mir klar, dass ich dieses Interview auf jeden Fall in seiner ganzen Länge lesen würde. „Ich rate ihnen: Lass dich aufs Leben ein. Und hör auf damit, den Glauben unter einem Leistungsaspekt zu sehen. Setz dich nicht unter Druck. Glauben kann man nicht messen, man kann nicht besser oder schlechter, mehr oder weniger glauben“, sagte der Pfarrer. Den Glauben nicht unter einem Leistungsaspekt sehen – das ist ein schöner Satz, egal was und/oder an wen wir glauben, oder? Was mir besonders gut gefallen hat, ist Schießlers Einstellung zum Thema Tod. Wer Angst davor habe, dem würde er sagen: „Du brauchst keine Angst zu haben. Vor dir sind so viele gestorben, das schaffst du auch.“ Herrlich. Und egal was wir glauben, am Ende geht es immer um das, was auch Patanjali rät: Lebe bewusst. Lebe hier. Lebe jetzt. In diesem Interview sind noch viele weitere sehr kluge Sätze gefallen. Und dann, ganz zum Schluß kam die Aussage, die mich durch die Weihnachtstage getragen hat. In der Frage ging es natürlich um Corona, darum, dass wir jetzt dann ja endlich mal besinnlich feiern könnten, wo alles verboten wäre. Und da antwortete Schießler: „So ein Unsinn, Corona ist kein Glücksfall, ich hätte gern darauf verzichtet. Und ganz ehrlich, ich wäre auch gern mit ein paar Freunden zum Glühweintrinken gegangen. Wissen Sie was, die Leute reden immer von einem harmonischen Weihnachtsfest. Warum eigentlich? Als Jesus geboren wurde, war nichts harmonisch: Volkszählung, Militärtruppen, Wucherpreise, Guerilla-Anschläge, das war ein riesiges Durcheinander, und dann wird in einem Stall dieses Kind geboren, ein Wunder im Chaos, das ist Weihnachten.“ Ich glaube, davon mache ich mir ein Poster für den nächsten Adventskalender: „Ein Wunder im Chaos. Das ist Weihnachten“. 

Ein Wunder im Chaos …

Weniger Vorsätze, mehr Gefühle und immer genug Topinambur

Neu entdeckt habe ich den Blog ichmachdannmalsport von Nina-Carissima Schönrock. In dem Artikel „Gute Vorsätze 2021: Warum sie scheitern und wie sie gelingen“, schreibt sie darüber, warum wir unsere Ziele nicht zu hoch setzen sollen und uns nicht zu viel für das neue Jahr vornehmen sollen. Das ist genau meine Strategie: weniger Vorsätze, mehr Gefühle. 

Auf meine Podcast-Liste hat es übrigens nun auch der TCM-Podcast von Anna Reschreiter geschafft. TCM – dafür interessierte ich mich vor allem weil es beim Frühstücksbuffet im Hotel Alpenressort Schwarz – dort habe ich vor zwei Jahren meinen Yogaretreat „Fit in den Frühling“ angeboten – ein Müsli gibt, das auf dem Prinzip der 5-Elemente-Ernährung der Traditionellen Chinesischen Medizin basiert. Es ist wirklich das beste Müsli, das ich jemals gegessen habe. Also dachte ich: TCM – muss in meine Küche. Und deswegen – also eigentlich nur wegen diesem einen bestimmten Müsli – höre ich jetzt TCM-Podcasts …

So kommt das Rezept diese Woche natürlich von Anna Reschreiters Blog. Topinambur hat sich schon im vergangenen Winter zu meinem liebsten Wintergemüse entwickelt. Wenn in meinem Gemüsefach kein Topinambur mehr liegt, ist irgendwas falsch gelaufen. Oder es ist Markttag.

Der Jahresrückblog – oder: Will eigentlich irgendjemand noch etwas über 2020 lesen?

Warum schreibe ich Anfang des Jahres 2021 einen Jahresrückblick auf das Jahr 2020? Dieses 2020. Ausgerechnet. Davon will doch niemand mehr was lesen, oder? Ich habe noch nie so viele Menschen über ein Jahr schimpfen hören. So viel Gemecker.

Nimmt das nicht viel mehr Energie als ’ne Covid-19-Pandemie (Kleiner Reim-Scherz, sorry!)?

2021 – massiv unter Druck

Und jetzt, nur weil plötzlich wieder Januar ist, jubeln alle. Ich bin immer für positives Denken. Daher sage ich: Sehr gut! Nur: Wir kennen das große Ganze nicht. Aber jetzt schreibe ich schnell noch etwas Schönes über das Jahr 2020. Über all das, was ich aus 2020 mit in das neue Jahr nehme, das von allen Seiten so massiv unter Druck gesetzt wird. Ich habe wenig Vorsätze (ein paar aber schon), vor allem aber Vorstellungen von Gefühlen, die ich mit in das neue Jahr nehme.

Am 24. Dezember des Jahres 2020 habe ich es wirklich fertiggebracht, kurz bevor ich ins Bett bin, noch mal darüber nachzudenken, wie dieses Jahr für mich verlaufen ist. Das Erstaunliche ist, während mir kurz zuvor auf Instagram Postings wie „Arschweihnachten“ ins Auge gesprungen waren, ist mir viel mehr Positives zu diesem Jahr eingefallen als Negatives. Dazu schiebe ich jetzt noch kurz eine kleine Bemerkung ein: Dieses Jahr habe ich vor Weihnachten viel mehr Post verschickt als in den vergangenen Jahren. Ich war wohl nicht die einzige, die auf diese Idee gekommen ist. Die Briefkästen waren in der Woche vor Weihnachten hier in unserem Kiez zum bersten voll. An einem Abend kam ich mit meinen beiden Kindern zeitgleich am Briefkasten an wie ein junger Vater mit zwei kleinen Jungs. „Da geht noch was!“ strahlte er mich an, steckte seine Hände in den Briefkastenschlitz und presste mit aller Kraft die Post zusammen, damit auch wir noch unsere Karten in den Briefkasten stecken konnten.

Dürfen wir das?

Eine andere schöne Begegnung mit einer Fremden hatten wir im Frühsommer. Die Kinder spielten im Vorgarten. Corona war in aller Munde. Mein Mann war gerade nach Hause gekommen und wir standen vorm Haus und sahen den Kindern dabei zu, wie sie Fangen um das Haus herum spielten. Vor uns auf dem Gehweg kam plötzlich eine Frau mit ihrem Fahrrad zum Stehen. Die Kette war gerissen. Mein Mann erklärte sich bereit, das Problem zumindest provisorisch zu lösen. Es war ja Pandemie-Zeit, die Frau zögerte, dann huschte ein dankbares Lächeln über ihr Gesicht. Sie war Ärztin, erzählte sie uns, jetzt auf dem Weg nach Hause, zu ihrem kleinen Sohn. Mein Mann machte sich an dem Fahrrad zu schaffen, es kam mir vor, als würde es noch eine Weile dauern und ich fragte, ob ich einen Kaffee machen sollte. Wieder dieses zaghafte Lächeln zwischen: „Dürfen wir das jetzt?“ und „Eigentlich wäre das schön.“ Ich bin hoch, wusch mir die Hände, machte den Kaffee, wusch mir wieder die Hände und brachte ihn nach unten. Etwa eine Woche später stand vor unserer Haustür ein Päckchen. Da standen die Vornamen von mir und meinem Mann drauf, eine kleine Karte klärte mich auf: „Danke für die schöne Begegnung, den Kaffee und die Hilfe mit dem Fahrrad.“ Eingepackt hatte sie uns eine Packung hochwertiger Kaffeebohnen …

Keine Begegnungsüberfrachtung

Dieses Jahr sind mir wirklich so einige Begegnungen mit Menschen in Erinnerung geblieben, die sehr schön waren. Vor allem natürlich Begegnungen mir Freunden. Und ich fragte mich natürlich, ob mir nur aufgefallen ist, wie besonders schön diese Begegnungen waren, weil es eben nicht so viele waren als sonst. Liegt es daran, dass wir uns in diesem Jahr auf so wenige Begegnungen konzentrieren konnten, dass sie uns als besonders schön in Erinnerung geblieben sind? Oder weil wir es einfach vermissten, andere zu treffen? Oder habe ich die Begegnungen nur so intensiv wahrgenommen, weil mein Jahr nicht so überfrachtet von Begegnungen war? Ich will damit nicht sagen, dass ich das immer so haben möchte. Nein, auch ich bin froh, wenn ich wieder ständig Leute treffen darf. Wenn meine Küche wieder voll ist und ich nicht nachkomme, Kaffee zu brühen und Milchhäubchen darauf zu verteilen. Aber ich kann diesem Jahr einfach etwas abgewinnen.

Mama – eine dankbare Aufgabe

Das erste Halbjahr des Jahres war ich vor allen Dingen eines: Mama. Wir hatten fast nur gute Tage. Meine Kinder waren nicht schlechter gelaunt als an Kitatagen. Irgendwann habe ich mich hingesetzt und zusammengerechnet, wie viel Zeit wir in Frühjahr und Sommer ausnahmslos miteinander verbracht hatten. Und ich dachte: „Lächerlich! Am Ende meines Lebens wird es mir vorkommen, als wäre das gar nichts gewesen!“ Wie dankbar werde ich dann auf das Jahr 2020 blicken! Ich weiß noch, dass der Frühling so dahinplätscherte, dass ich noch am Anfang zu einer meiner Freundinnen sagte: „Ich fühle mich um diesen Frühling betrogen“, obwohl in Kiel ausnahmslos die Sonne schien – wie skurril. Aber ich fühlte mich um ihn betrogen, weil ich normalerweise Ostern im Garten meiner Eltern feierte und das nicht möglich war, weil ich um Spielplätze einen Bogen machen musste und meine Freundinnen nicht zum Kaffee treffen durfte. Und dann, irgendwann, ich hatte fast vergessen, wie er sich anfühlte, kam der Sommer. Wir verliebten uns in einen Maulbeerbaum. Aßen schwarze Maulbeeren wie Himbeeren. Saßen an der Ostsee im Sand. Entdeckten Buchten, die so abgelegen waren, dass ich mich fragte, ob ich einen erneuten Lockdown verpasst hatte. Und verbrachten dann drei wahnsinnig schöne Wochen bei meinen Eltern in der alten Heimat. Ich habe diese drei Wochen ganz intensiv mit meiner Familie verbracht, denn ich wollte so lange ich bei meinen Eltern war, zu deren Schutz niemand anderen treffen. Das läuft sonst natürlich anders ab bei Heimatbesuchen. Und was ich mir zunächst noch ein bisschen schwierig vorgestellt hatte, wurde wunderbar. Es gab keinen Lagerkoller. Auf der Rückreise machten wir zwei Zwischenstopps bei Freunden. Das waren unter anderem die schönen Begegnungen des Jahres 2020. Zwei Übernachtungen bei anderen Familien. Zeit, die man intensiv miteinander verbringen konnte. Als die Kinder schliefen, sassen wir mit unseren Freunden im Garten bis in die Nacht hinein. 

Vergessene Pandemie in Kiel

Den Rest des Sommers verbrachte ich am Meer. Denn da wohnen wir. In diesem Jahr habe ich mich in die Ostseeküste verliebt. Für viele meiner Freunde klingt das erstaunlich, schließlich habe ich schon am Pazifik gelebt, bin in meiner Freizeit am Wochenende um die Channel Islands getaucht, hab beim Joggen Delfinen beim Baden zugesehen, feierte Weihnachten mit Spaziergängen am Ozean und 18 Grad. Nun aber liebe ich die Ostsee. Ich habe jeden Tag, an dem ich mit den Kindern im Sand saß, voller Dankbarkeit für dieses Leben auf das Wasser geschaut. Meine Töchter rannten mit mir durch die Wellen. Da war sie ziemlich in Vergessenheit geraten – die Pandemie. Meinen Rückblick auf den Sommer mit vielen Tipps für Aktivitäten mit Kindern in und um Kiel findest du hier.

Ich habe in diesem Jahr nicht viel vermisst. Außer meine Eltern. Die Möglichkeit, wann immer ich möchte, die Kinder in den Zug setzen zu können und die acht Stunden durch Deutschland zu rollen, um dann meine Eltern in die Arme schließen zu können. Und ich weiß auch heute nicht, wann exakt wir uns wiedersehen können. Und ob. Mein Vater wird in ein paar Wochen 81.

Das dritte Buch, Yoga Ups and Downs und ein Lockdown ohne Grenzen

Beruflich war das Jahr für mich kein schlechtes. Ich habe an meinem dritten Buch gearbeitet, das im April 2021 im riva Verlag veröffentlicht wird und meiner Meinung nach ein wichtiges Buch für unsere Gesellschaft ist. Die Arbeit daran hat viel Spaß gemacht, war aber auch kräftezehrend. Hier habe ich darüber berichtet. Ich durfte tolle Yogaklassen unterrichten und erlebte das Hin-und-Her zwischen Lockdown, Wiedereröffnung von Yoga- und Fitnessstudios, Teillockdown und Lockdown 2 wie eine Berg- und Talfahrt. Ende März hatte ich mich noch darüber geärgert, dass ich meinen Yogaretreat in Österreich nicht hatte durchführen können. Es dauerte nicht lange, da war mir das ziemlich egal. Online-Yoga hat auch für mich seine Berechtigung erhalten. Der direkte Kontakt mit den Schülern fehlt mir trotzdem. Eigentlich hatte ich dieses Jahr beruflich richtig durchstarten wollen, nachdem meine Kinder nun seit August beide einen Ganztagesplatz in der Kita beanspruchen dürfen. Aber na ja, wie wir alle wissen, war die Kita Mitte Dezember dann ja wieder zu. Wann sie wieder öffnet, weiß nun gerade niemand. Im vergangenen Jahr habe ich in dem Podcast Wandaful Yoga von Wanda Badwal das Interview mit Veit Lindau gehört. Das war eine schöne Inspirationsquelle und der Hinweis von Veit Lindau, dass man das, was man tut, mit Hingabe tun sollte, dass man sich genau an das, was man gerade tut, verschenken soll, hat mir sehr gut gefallen. Lindau sagt: „Es ist ein großes Missverständnis, zu denken, dass es in unserer Berufung darum geht, dass wir etwas bekommen.“

„Mama, der Mundschutz ist nicht blöd.“

Und dann war da der 24. Dezember, der so anders war als sonst. Weil wir wirklich niemanden getroffen haben. Es war ein schönes Weihnachten. Und ich ließ den Tag Revue passieren und dann das Jahr. Und wie gesagt, da fällt mir vor allem Positives ein. Ich habe wieder angefangen, zu bloggen und veröffentlichte seit Juni pro Woche mindestens einen, seit November mindestens zwei Artikel. Ich habe Dinge gemacht, die ich schon lange machen wollte. Zum Beispiel eine Lehrerin bezahlt, die mit mir nichts anderes als Pranayama, also Atemtechnik, übt. Ich war im Systemischen Coaching und in einer Therapiestunde. Ich habe mich für ein Kinderyoga-Lehrer-Training angemeldet. Ich habe mich 365 Tage an einer Zweijährigen erfreut und über eine Fünfjährige gestaunt. Vor zwei Wochen war mir draussen in der Kälte die Brille über dem Mundschutz angelaufen. „Blöder Mundschmutz“, sagte ich und meine Tochter sagte: „Mama, der Mundschutz ist nicht blöd.“ Auch darüber habe ich übrigens schon einen Text geschrieben.

Demut, Dankbarkeit, Rücksicht

Für mich stehen in diesem Jahr drei große Worte ganz weit oben. Demut. Dankbarkeit. Rücksicht. Und während ich so über alles nachdachte, fragte ich mich, ob wir Deutschen wirklich krisenfest sind. Ich höre und sehe so viel Gejammer. Aber wie würden wir uns verhalten, wenn eine wirkliche Tragödie uns erfassen würde? Wie zum Beispiel 2011 die Menschen in Fukushima. Oder die Menschen in Thailand, die im selben Jahr eine dramatische Flutkatastrophe erleben mussten. Oder die Menschen, denen 2005 Hurrikan Katrina einfach so die Häuser weggeweht hatte. Diese Liste ist beliebig lang weiterzuführen. Wir beanspruchen für uns selbst, das uns so etwas nicht widerfährt. Und das finde ich wahnsinnig hochmütig. In den letzten Wochen des Jahres sollte ich eine Reportage über kleine Unternehmer im Tourismus an anderen Orten der Welt schreiben und darüber, wie sie die Covid-19-Pandemie in diesem Jahr erlebt hatten. Und da war der Tourguide aus Kuba, der mir schrieb, dass seit Beginn der Pandemie nur zwei Touristen seine Tour gebucht hatten und dass er nun darauf wartete, dass alles wieder besser werde. Dass er nun als seine Aufgabe sehe, andere Menschen davor zu bewahren, krank zu werden. Er jammerte nicht.

Ich habe 2020 endlich auch mal wieder viel gelesen. Wo ich die Zeit hergenommen habe? Keine Ahnung. Und so habe ich viel gelernt in diesem Jahr. Das alles nehme ich mit ins neue Jahr. Auch, dass Egoismus out ist. Das ist eigentlich mit die schönste Erkenntnis des Jahres. Eine Frau, die ich auch erst in diesem Jahr kennenlernen durfte, schickte mir im Dezember eine schöne Geschichte. Sie passt auf das letzte Jahr. Als wäre sie dafür geschrieben worden. Und sicher auch auf das neue.

Der Chinesische Bauer
Autor unbekannt
Im alten China lebte ein Bauer, dessen einziger Besitz ein wundervoller schwarzer Hengst war. Dazu muss man wissen, dass das zur damaligen Zeit ein sehr wertvoller Besitz war. Selbst der Kaiser träumte von so einem Pferd! Die Dorfbewohner kamen eines Tages und sagten: »Mein Gott du hast ein ein Glück, so einen tollen Hengst zu besitzen, der dir auf deinen Feldern so fein zur Arbeit geht!« »Ja« sagt der Bauer, »das ist richtig! Es ist wies ist! Ist´s Glück, ist´s Pech – man wird sehen!«

Eines Tages lief er fort und der Bauer und sein Sohn mussten ihre Felder selbst pflügen. Die Nachbarn sagten: »Was für ein Pech, dass euer Pferd weggelaufen ist!«. Aber der Bauer antwortete: »Ja, das ist richtig! Es ist wies ist! Ist´s Glück, ist´s Pech – man wird sehen!«

Eine Woche später kam das Pferd zum Bauernhof zurück und brachte eine ganze Herde wilder Pferde mit. »So viel Glück! Mein Gott, was du für Glück hast! Jetzt hast du statt einem Pferd so viele!« riefen die Nachbarn, aber der Bauer sagte: »Ja, jetzt hab ich so viele! Schön. Aber es ist wies ist! Ist´s Glück, ist´s Pech – man wird sehen!«

Kurz danach versuchte der Sohn des Bauern, eines der wilden Pferde zu reiten, aber er wurde abgeworfen und brach sich ein Bein. »Oh, so ein Pech! Jetzt ist dein einziger Sohn vielleicht ein Krüppel und kann dir nie wieder richtig zur Hand gehen!« Die Nachbarn hatten Mitleid, aber der Bauer sagte wieder: »Ja, darüber bin ich sehr traurig! Aber es ist wies ist! Ist´s Glück, ist´s Pech – man wird sehen!«

Ein paar Tage später zog der Landesherrscher alle jungen Männer in sein Heer ein, um in die Schlacht zu ziehen. Aber den Sohn des Bauern ließen sie wegen seines gebrochenen Beins zu Hause: »Was für ein Glück, daß dein Sohn nicht in die Schlacht ziehen muss! So viele junge Burschen verlieren dort täglich ihr Leben!« freuten sich die Nachbarn. Aber der Bauer bemerkte nur: »Könnte ich euch nur helfen, weiter und tiefer zu sehen, als ihr es bisher vermögt. Wie durch ein Schlüsselloch betrachtet ihr euer Leben, und doch glaubt ihr, das Ganze zu sehen. Niemand von uns weiß, wie sich das große Bild zusammensetzt. Was eben noch ein großes Unglück scheint, mag sich im nächsten Moment in Glück erweisen. Anderseits erweist sich scheinbares Unglück auf längere Sicht oft als Glück und umgekehrt gilt das gleiche. Was daraus wird, weiß keiner von uns. Und jetzt geht nach Hause, und teilt die Zeit miteinander, die euch bleibt.«

Frohes neues Jahr.

Wozu denn Zucker?!

Fünf Tage vor Weihnachten kommt sie hier wirklich mit dem Vorschlag von Zuckerverzicht um die Ecke? Ehrlich? Geht’s noch!? Ja. Ich weiß, daß Ernährung ein emotionales Thema ist. Immer. Es gibt da so viel, was uns triggert. Es gibt so viele Ernährungsweisen, so viele angeblich „richtigen“ Wege. Dabei ist klar, dass man nicht alles jedem überstülpen kann. Es gäbe eigentlich so viel zu beachten. Alleine schon aus ethischen Gründen. Aus ökologischer Sicht. Und so weiter. Deswegen ist das mit der Ernährung und dem „richtig“ so schwierig. Ich bin auch überzeugt davon, wenn du die für dich richtige Ernährungsweise schon gefunden hast, musst du dich von niemandem belehren lassen. Bei mir ist das so: Jetzt gerade habe ich Lust auf weniger Zucker. Jetzt, da wieder die Zeit beginnt, in der wir uns Gedanken um gute Vorsätze machen und eine gewisse Vorstellung davon entwickeln, wie das neue Jahr aussehen sollte, will ich mit Vorsprung in dieses Jahr gehen. Letztlich ist ja seit März klar: Wir haben eh nichts in der Hand. Das Jahr macht was es will.

Das Gute ist: Es gibt Dinge, die haben wir eben doch in der Hand. Zum Beispiel unsere Ernährung. Ich komme gerade jetzt auch darauf, weil ich vor drei Jahren, im Herbst 2017, für ein Fitnessmagazin einen Artikel zum Thema Zuckerverzicht schreiben sollte. Also startete ich den Selbstversuch und begann sieben Wochen vor Weihnachten damit, industriellen Zucker komplett aus meinem Leben zu streichen. Die ganze Weihnachtszeit ohne einen einzigen Lebkuchen, ohne Selbstgebackenes. Ich fühlte mich so, als würden alle um mich herum denken: „Tickt sie noch richtig?“ Tatsächlich sagte das niemand. Aber es fühlte sich trotzdem so an.

Gute Vorbereitung ist alles

Ich erstellte mir mein eigenes Challenge-Programm. Ich entschied mich dafür, dass es keine Low-Carb-Diät werden sollte. Ich wollte meinen Körper von Zucker entwöhnen, dafür musste ich nicht auf sämtliche Kohlenhydrate und auch nicht auf frische Früchte verzichten. Ich rief Dr. Brigitte Bäuerlein an, eine Ökotrophologin, bekannt aus vielen Fernsehsendungen, und freute mich darüber, dass sie meine Strategie unterstützte: „Der Zucker in Früchten ist nichts Schlechtes, weil wir ihn im Verbund mit Ballaststoffen zu uns nehmen. Dadurch sickert er ganz langsam in unser Blut und zusätzlich nehmen wir Mineralstoffe und Vitamine auf.“ Anders ist das bei industriellem Zucker. Verboten war daher Haushaltszucker, egal ob weiß oder braun und auch jegliche Süßungsmittel wie Honig, Agavendicksaft, Kokosblütenzucker, auch keine Süßstoffe, kein Stevia, kein Xylit. „Grundsätzlich sollten wir darauf achten, alles zu meiden, was auf den Inhaltsstoffen mit der Endung -ose oder -it gekennzeichnet ist“, sagte Bäuerlein. Die Schwierigkeit dabei: Es gibt fast 70 Begriffe für Zucker. Während meines Experimentes verzichtete ich sogar auf Datteln, mit denen ich sonst ganz gerne experimentiere, wenn es um das Süßen geht. Auch hierfür gab Bäuerlein mir im Übrigen grünes Licht. Datteln seien zwar sehr süß, aber sie enthielten eben auch sehr viele Ballaststoffe. Wenn ich in Zukunft statt zur Schokolade zu Datteln greifen würde, wäre das schon sehr gut. In den ersten drei Wochen wollte ich aber ganz auf Trockenfrüchte verzichten, um meine Geschmacksnerven auf natürliche Süße zu schulen. Zusätzlich dazu stellte ich mir eine persönliche Regel auf: Der natürliche Zuckergehalt eines Lebensmittels sollte pro 100 Gramm sechs Gramm nicht überschreiten – mit einer Ausnahme: Früchte.

Vegan ist nicht gleich zuckerfrei

Ich bin nicht der Meinung, dass es nur einen Weg gibt. Aber klar ist: Was für mich funktioniert, funktioniert vielleicht nicht für dich und umgekehrt. Vielleicht brauchst du einen harten Entzug und musst auch zu Beginn auf Obst und Weizen verzichten. Kann sein. Muss aber nicht. Meine Ernährung ist seit vielen Jahren schon „ziemlich gesund“. Ich gehe ohnehin sparsam mit Zucker um, beschäftige mich schon lange damit, wie Ernährung wirklich „nährend“ sein kann und tappe weil ich mich weitestgehend vegan ernähre, weniger schnell in die üblichen Fallen: Kuchen beim Bäcker, herkömmliche Schokoriegel und die Überraschungseier der Kinder – das alles gab es für mich sowieso nicht. Doch machen wir uns nichts vor: Seit vegan in Trend gekommen ist, alleine schon wegen dem Klimawandel und aus ethischen Gesichtspunkten, gibt es allerhand veganen Mist in den Supermärkten zu kaufen. Zusätzlich dazu, haben einige Nahrungsmittelhersteller vermutlich gedacht, wenn es schon vegan ist, dann muss es auch ordentlich gesüßt werden, sonst kann es ja nicht schmecken. Daher gibt es leider häufig gerade in veganen Produkten unfassbar viel Zucker. Es gibt heute jede Menge Infos und Erfahrungsberichte zu dem Thema zuckerfrei leben, beispielsweise auch hier und hier und hier. Unzählige Bücher sind auch auf dem Markt. Zum Beispiel: „Für immer zuckerfrei. Meine Glücksrezepte“ von Anastasia Zampounidis. „Raus aus der Zuckerfalle“ von Marion Selzer oder auch „Goodbye Zucker – Zuckerfrei glücklich in 8 Wochen“ von Sarah Wilson.

Ich für meinen Fall recherchierte einen Vormittag lang im Internet, suchte mir Rezepte heraus, die für mich und meine Familie (mein Mann hat diverse Lebensmittelallergien) umsetzbar waren, schrieb mir auf, warum ich durchhalten wollte, mit welchen Experten ich darüber sprechen wollte und machte dann eine Einkaufsliste. Auf diese setzte ich für den Notfallplan eine Tafel Schokolade aus 100 Prozent Kakao.

Gute Motivation: Neugier!

Dann ging es los. Vor allem war ich neugierig darauf, was passieren würde. Wie mein Körper den Zuckerentzug verkraften würde, welche Veränderungen ich wahrnehmen würde. Es war der zweite Tag der Challenge, als ich nachmittags Kopfschmerzen wahrnahm. Ein Druck, der nicht nachlassen wollte. Ich war zu diesem Zeitpunkt noch so naiv zu glauben, eine Erkältung sei im Anflug. In dieser Nacht träumte ich davon, Gummibärchen gegessen zu haben – dabei mag ich die nicht mal. Für mein Frühstück hatte ich im Bioladen einen Vollkornbrei gefunden – Müsli zu finden, ist sehr sehr schwierig –, dazu gab es immer frisches Obst, meistens Nussmilch, manchmal etwas Sojaquark dazu – ohne Zucker natürlich. Genau da liegen nämlich die Fallen. Sojamilch – beispielsweise – enthält häufig Zucker. Man muss schon explizit nach der zuckerfreien Version suchen, wenn man sich beim Zuckerfrei-Experiment nicht selber veralbern möchte. Wenn es schnell gehen soll, entscheidet man sich am besten für einen Porridge, dessen Zuckergehalt unter 1 Gramm pro 100 Gramm liegt. Den kann man dann mit Saaten, Nüssen und Früchten „pimpen“. Auch Hafermilch – besonders bei der heutzutage sehr beliebten Barista-Variante (hierzu empfehle ich diesen Artikel) sollte genau unter die Lupe genommen werden – nicht jede ist ungesüßt. Wer Milchprodukte mag und beispielsweise morgens sein Frühstück mit dem eiweißreichen isländischen Joghurt Skyr „versüßt“ muss ebenso aufpassen. Auch da ist Zucker zugesetzt. Diese Fallen lauern überall. Während man die Produkte in sich hineinschaufelt, kommt man nicht einmal darauf, dass man gerade Zucker zu sich nimmt. Das gilt auch für Soßenbinder, Fruchtjoghurt, verschiedene Brotsorten vom Bäcker, Fruchtsäfte, salzige Chips oder Wurst-Aufschnitt. Und das betrifft auch Bioläden. Erstaunlich, oder? Ich hatte mir für Heißhunger-Attacken ein zuckerfreies Knäckebrot gekauft. 

In die engste Jeans

Ich erinnere mich noch daran, dass ich während dieser „Challenge“ nicht wenig aß, trotzdem passte ich schon ziemlich schnell wieder in meine engste Jeans. Man kann ziemlich viel essen und nimmt trotzdem ab. Das liegt daran, dass Zucker von unserer Leber in Fett umgewandelt wird. Wenn wir Zucker essen, produziert unsere Bauchspeicheldrüse Insulin. Bei gesunden Menschen lässt es den Blutzuckerspiegel wieder sinken. Das Insulin der Bauchspeicheldrüse sorgt dafür, dass Zellen Fett einlagern und hemmt den Fettabbau. Wer wirklich abnehmen will, für den ist der Zuckerverzicht unumgänglich. Die Taktik, die mir geholfen hat, durchzuhalten, war auf jeden Fall eine gute Vorbereitung. Ich hatte in den Läden die Zutatenlisten der Produkte durchgelesen, die ich kaufen wollte, und mir Alternativen gesucht, falls es Lust auf Knabbereien geben sollte, oder falls andere vor meinen Augen Knallereien genießen würden. Nüsse, Karotten, Obst beispielsweise. 

Die Strategie, die für dich passt

Ich weiß noch, dass ich gegen Ende der ersten Woche für einen klitzekleinen Moment Lust auf Lebkuchen verspürt hatte. Ich hatte zusätzlich eine kluge Taktik: Treffe dich mit Freunden, die dich verstehen. Und nicht mit denjenigen, die sagen: „Ach echt? Verzichtest du jetzt wirklich auf Zucker? Gönnst du dir überhaupt noch etwas?“, und sich währenddessen genüsslich einen Donut reinschieben. Aktuell ist das Thema „andere treffen“ ja ohnehin etwas schwierig. Daher ist gerade jetzt vielleicht tatsächlich der ideale Anfang deines Lebens ohne Zucker. 

Ziemlich schnell hatte ich das Gefühl, dass Äpfel unfassbar süß schmeckten. Diese Erfahrung machen alle, die auf Zucker verzichten: Die Geschmacksnerven werden wieder umgepolt. Wahnsinn, wie schnell wir uns an etwas gewöhnen und uns aber auch wieder entwöhnen können. Nicht ganz einfach wurde es allerdings, als die Weihnachtsmärkte pünktlich Ende November des Jahres 2017 eröffneten. Nun konnte man nicht mehr durch die Stadt gehen, ohne dass einen der Duft von gebrannten Mandeln und Lebkuchen umgab. Und dann ging ich an all diesen Menschen vorbei, die mit strahlenden Gesichtern Crêpes und frische Waffeln auf Papptellern vor sich her trugen. Und was soll man auf dem Weihnachtsmarkt bitteschön trinken, wenn man sich gerade zuckerfrei ernähren möchte? Glühwein ist tabu (Die Kombination Zucker und Alkohol lässt den Zucker besonders schnell ins Blut schießen), Kinderpunsch geht auch nicht. Kakao ging auch nicht. Ich suchte nach einem Pfefferminztee. Heute bin ich schlauer und weiß: Im Grunde genommen, kann ich es auch komplett lassen, auf einem Weihnachtsmarkt herumzuturnen 😉

Zucker macht tatsächlich süchtig

Während dieser Zeit sprach ich auch mit einer Zuckerentzugs-Expertin. Marion Selzer hat den Blog inspiriert-sein.de gegründet. Sie ist Ernährungs- und psychologische Beraterin. Die diplomierte Juristin hat einen Zuckerentzug hinter sich, gegen den meine sieben Wochen Kinderkram sind. Ganze acht Monate verzichtete sie auf Zucker, sie mied sogar stärkehaltige Produkte. „Weil ich tatsächlich zuckersüchtig war. Ich musste einen richtigen Entzug machen.“ Wer süchtig nach Zucker sei – und diese Sucht gibt es wirklich, denn Zucker füttert die Darmbakterien an, das bestätigte mir auch Dr. Bäuerlein – habe verschiedene Trigger. Das könne beispielsweise Schokolade sein oder aber auch schon Pasta und Brot, also stark weizenhaltige Produkte, so wie in Marion Selzers Fall. „Deswegen musste ich so konsequent sein.Heute bin ich nicht mehr so streng mit mir selbst, weil ich nicht mehr süchtig bin.“ Aber was hatte sich nach acht Monaten noch geändert? „Meine Haut war reiner, ich hatte keine Regelschmerzen mehr und das wichtigste: keine Stimmungsschwankungen.“ Was Selzer für einen Charakterzug gehalten hatte, waren in Wirklichkeit die Auswirkungen ihres Zuckerkonsums.

Gift für die Zellen

Und sonst? Was ist jetzt eigentlich so schlimm am Zucker? „Für unsere Zellen ist er natürlich Gift“, sagt Selzer. Wenn zu viel Zucker gegessen wird, zu häufig Insulin ausgeschüttet wird und Entzündungsbotenstoffe in den Körper abgegeben werden, ist das nicht gut für unsere Gefäße. Für einen gesunden Menschen sei Zucker in Maßen aber in Ordnung, sagt sie. Es komme eben auf die Menge an. ErnährungsexpertinBäuerlein schlägt vor: „Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 50 Gramm am Tag, ich würde sagen, belassen wir es bei 40.“ Das sind, führt man es sich vor Augen, immer noch ziemlich viele Stücke Würfelzucker. Ein Würfel wiegt zirka drei Gramm, heißt es …

Ich bin bereit. Bist du es auch?

Warum ich das alles hier jetzt noch mal aufwärme? Ich habe echt Lust drauf. In den letzten Jahren war ich nicht streng mit mir. Das hatte sich nach einer weiteren Schwangerschaft und der Stillzeit einfach wieder so eingestellt. Und das ist auch völlig okay. Jetzt habe ich gerade das Gefühl, dass Zucker mir nicht mal fehlen würde. Und all die positiven Nebeneffekte – auf die habe ich richtig Bock! Na ja, jetzt könnte man meinen, der Lockdown wäre schon anstrengend genug, da müsse man sich nicht unbedingt mit Zuckerentzug quälen … Ich finde es gerade ganz passend. Ich mache jetzt gerne was für meine Gesundheit. Vieles ist für mich im Lockdown organisatorisch sehr schwierig, auf Zucker zu verzichten ist da eher ein Klacks. Und deswegen mach ich das jetzt wieder. Machst du mit? Die kommenden zwei Wochen bleibe ich mal im Offline-Modus. Deswegen sage ich jetzt: Hab schöne Tage. Mach es dir gemütlich und umgebe dich mit Menschen, die dir gut tun. Genieße die Ruhe und die Gemütlichkeit. Nimm dir Zeit, für die Dinge, die oft liegenbleiben. Und dann lesen wir uns im neuen Jahr wieder. Gleich am 2. Januar, wenn du Lust hast.

Lauschangriff und Lesestoff vom 18.12.2020

Seit zwei Tagen befinden wir uns im Lockdown und die Stimmung zuhause ist großartig. Das war beim ersten Lockdown am Anfang auch so; ich erinnere mich daran, dass meinen Kindern das Gefühl vom „Runterfahren“, von „Ferien auf unbestimmte Zeit“ wohl gutgetan hat. Diesmal fühle ich mich gestärkter, gleichsam auch deutlich müder, aber ist es nicht ein bisschen so, dass wir jetzt irgendwie ja auch schon wissen, wie „Lockdown“ geht?

Vielleicht liegt auch das am Lockdown: Ich habe in dieser Woche tatsächlich mehr Empfehlungen für Podcasts als fürs Lesen. Wie praktisch. Ich habe im Lockdown 1 die Strategie entwickelt, Podcasts immer dann zu hören, wenn ich in der Küche beschäftigt war: Beim Kochen, beim Abwasch, beim Aufräumen. Das habe ich so beibehalten.

Jedem die Nase, die er sich wünscht

Den ersten Podcast dieser Woche hörte ich, während ich das völlig im Chaos versunkene Kinderzimmer aufräumte. Da schlief der Rest der Familie bereits. Und ich hörte Sandra von Zabiensky zu, wie sie für ihren Podcast House of Grace mit dem plastischen Chirurg Dr. Jan Nebendahl sprach. Das war wahnsinnig unterhaltsam. Das Thema war: „Wie verändert sich der Blick auf die Menschen, wenn Schönheit der Beruf ist?“ Ich habe sehr viel gelernt. Was für ein spannendes Gespräch! Ich hatte mir um das Thema Schönheitschirurgie bislang nicht viele Gedanken gemacht – obwohl es bei mir sicher jede Menge zu verbessern gäbe. Mir war schon immer klar, dass jeder frei entscheiden darf, was er mit sich und seinem Körper machen möchte und ich habe auch schon vorher verstanden, dass plastische Chirurgie Menschen unheimlich viel Lebensqualität schenken kann. Sandra hat mir da allerdings noch mehr die Augen geöffnet. Jegliche Vorurteile weggeblasen. Jeder soll so sein dürfen wie er will – wir überschlagen uns ja förmlich dabei, unseren Kindern diesen Grundsatz glaubwürdig zu vermitteln. Ich hatte mir bislang aber noch nie überlegt, dass das Thema Aussehen da natürlich mit einbegriffen ist. Dabei liegt das auf der Hand. Und dazu gehört dann eben auch, dass jeder die Nase haben darf, die er sich wünscht (trotzdem an der Stelle bitte gut zuhören, was Dr. Nebendahl zum Thema Nasenoperationen sagt ;-))

Wie willst du dein Weihnachten?

Einen Tag später schrieb meine beste Freundin mir, ich solle mir den aktuellen Podcast von „Die friedliche Geburt“ anhören. Ich war erst mal ein bisschen stutzig. Ich bin nämlich nicht schwanger. Zum Glück höre ich meistens auf meine Freundin. Ich habe mich gleich in die Stimme von Kristin Graf verliebt. Sie ist Mentaltrainerin und Hypnose-Coach für Frauen in der Geburtsvorbereitung. Der aktuelle Podcast heißt „Weihnachten planen“. Wie passend. Mich hat diese Podcast-Folge sehr inspiriert. Kristin Graf empfiehlt darin, unter anderem, dass wir uns vor Weihnachten Gedanken darüber machen sollen, was für uns – wenn wir das Fest feiern – wichtig ist, welche Vorstellungen wir haben und sie gibt auch Tipps, wie diese Vorstellungen umsetzbar werden. Außerdem berichtet sie darüber, wie das Fest in ihrer Familie nachhaltiger geworden ist. Ich kann dir diesen Podcast wirklich wärmstens an Herz legen, wenn du Lust auf Weihnachten hast und keine Lust auf Enttäuschungen. Am besten hörst du ihn bei einer Tasse Tee und Weihnachtsplätzchen.

Was ist eigentlich Spiritualität?

Spannend ist auch das Interview von Kristin Rübsamen mit dem Jesuiten und Professor an der Hochschule für Philosophie in München Michael Bordt im YogaEasy Podcast „Besser leben mit Yoga“. Sie spricht mit ihm darüber, woher die Sehnsucht nach Spiritualität kommt, was das überhaupt ist und warum Yogastudios – außerhalb von Corona-Zeiten zumindest – voll und die Kirchen leer sind. Das Wort Spiritualität ist heute einerseits negativ behaftet – viele denken an „räucherstäbchenselige Sinnfindungsinstitute“, wie es die Journalistin Hania Luczak einmal im Magazin Geo so schön nannte. Sogar in der Yogaszene gibt es manchmal eine gewisse „Genervtheit“ von der spirituellen Szene. Der Philosoph erklärt sehr schön, dass wir uns von den gängigen Klischees freimachen können und warum uns Spiritualität besonders in der aktuellen Zeit helfen kann. Er erklärt, warum Spazieren im Wald schon spirituell ist und weshalb sich Yoga und auch unsere Religion wunderbar miteinander verbinden lassen.

Perfektionismus kann draussen bleiben

Mit Lockdown-Start postete ich auf meinen sozialen Netzwerk-Kanälen ein Foto, auf dem ich einen Pullover mit der Aufschrift: „Never perfect. Always awesome“ trage. Als Erinnerung an alle, die sich die nächsten Tage und Nächte im Vorweihnachtsstress um die Ohren schlagen, weil sie alles perfekt machen wollen, im Homeoffice gefangen sind, während Kinder um sie herumspringen und dann auch noch den Anspruch haben, die Wohnung müsse immer aufgeräumt sein, die Worte immer achtsam gewählt. Im Interview mit dem Süddeutsche Magazin spricht die Psychotherapeutin Friederike Potreck darüber, wie wichtig es ist, dass wir die Ansprüche an uns selbst auf ein Maß reduzieren, dass sie auch erfüllbar sind. Sie erklärt, wie wichtig Selbstwert ist und dass wir mit Achtsamkeit zu Selbstakzeptanz finden. Dabei meint sie nicht die buddhistische Meditation, sondern das achtsame Wahrnehmen und Annehmen von dem was ist und wie wir sind. Sie nennt das: „achtsames Sich-Akzeptieren“. Sie erklärt auch, was ich Anfang November genau so an einem Vormittag einmal fühlte, als meine Kinder in der Kita waren und in dem Blogbeitrag „Guet gnueg“ beschrieben habe: „Wenn Sie drei Viertel Ihrer To-do-Liste abgearbeitet haben, müssen Sie nicht mit sich hadern, dass noch ein Viertel übrig ist, sondern können sich darüber freuen, dass Sie drei Viertel erledigt haben.“ Außerdem macht sich deutlich, wie wichtig Muße und Nichtstun für uns sind. Das Interview sollte also wirklich jeder – gerade jetzt vor den Feiertagen – noch lesen.

Zum Schluss noch den Hinweis darauf, was ich in den letzten Wochen ab und zu gekocht habe …Vielleicht hast du dich auch schon lange gefragt, wie man Tofu so zubereiten kann, dass er wirklich richtig gut schmeckt. Wenn du das Rezept von Heavenlynn Healthy noch nicht kennst, probier es aus. Was soll ich sagen. Es ist wirklich der Weltbeste Tofu …

Der nächste Lauschangriff und Lesestoff erscheint hier am 8. Januar 2021.

Last-Minute Weihnachtskekse – einfach, schnell und wahnsinnig gut

Nun also Lockdown Runde 2. Alle zusammen. Kurz vor Weihnachten kommt die Welt noch mal zum Stillstand. Ich glaube, ganz wichtig ist mal: Perfektionismus können wir gerade ruhig hinten anstellen. Und wenn du trotzdem keine Lust hast, die Weihnachtsplätzchen selbst zu kaufen 😉 dann habe ich hier ein super geniales Rezept für dich. Das sind nämlich – auch schon vor Corona-Zeiten – meine absoluten Lieblings-Weihnachtsplätzchen. Die Kokos-Sesam-Plätzchen sehen unspektakulär aus aber sie sind ziemlich fix gemacht. Und das Beste ist: Sie schmecken wahnsinnig gut, sind glutenfrei und ziemlich gesund – ja nachdem, was du als Süßungsmittel verwendest – sind sie sogar vegan. Es ist also ein ziemlich unglaubliches Weihnachtsplätzchenrezept. 

Kokos-Sesam-Plätzchen sind meine absoluten Lieblingskekse.

Für ca. 20 Kekse braucht man:
6EL Kokosraspeln
2EL Agavendicksaft oder Honig
2EL Tahin oder Cashewmus
2EL Sesamkörner
eine Prise Salz

Magst du die Plätzchen gerne ein kleines bisschen salziger, nimm Tahin. Die süßere Variante ist die mit Cashewmus. Probiere einfach beides aus, denn beide Sorten schmecken super. Ich verwende übrigens Honig, ich bin kein großer Fan von Agavendicksaft und kenne den Imker, von dem mein Bio-Honig kommt. Alle Zutaten werden miteinander vermischt und geknetet, bis eine gleichmäßige klebrige Masse entsteht. Mit Hilfe von zwei Teelöffeln lassen sich kleine Häufchen formen. Leg sie auf das Backpapier. Im vorgeheizten Ofen werden die kleinen Kokos-Sesam-Häufchen bei 140 °C etwa 10-15 Minuten goldbraun gebacken. Laß sie am besten nicht aus den Augen, sie dürfen nicht dunkel werden. Anschließend die Kekse abkühlen lassen. Sie werden dann automatisch fest.

Bei uns ist es eine alte Weihnachtstradition, Mandelhörnchen selbst zu machen. Dieses Jahr habe ich die von heavenlynn healthy ausprobiert. Rezept ist aus ihrem Ebook.

Sesam gehört übrigens zu den selenreichsten Lebensmitteln überhaupt. Ein Esslöffel Sesam enthält mehr Calcium als ein halbes Glas Milch und auch jede Menge Eisen. Damit wir stressfrei durch diesen Lockdown kommen, eigenen sich diese Plätzchen also hervorragend. Kein Schnickschnack aber köstliches Soulfood. Kaum zu glauben, oder?

Yoga während Corona … oder ein Mutmachtext

Wie kommen wir – und damit meine ich jetzt Yogalehrer – durch diese Zeit? Gibt es dann, wenn sie wieder öffnen dürfen, also vielleicht irgendwann im Jahr 2021, überhaupt noch Yogastudios? Kaufst Du Onlinestunden und Gutscheine bei Deinem Lieblingsstudio, damit Du auch wirklich irgendwann wieder in den Genuss einer Yogastunde mit Yogalehrer und anderen Yogis kommen kannst? Und was können wir Lehrer machen, in einer Pandemie, in der Yoga so wie wir es gewohnt waren, nicht mehr stattfinden kann?

Das hier sollte ein Artikel über das „Studiosterben“ werden. Denn Studios werden sterben. Manche sind schon während des ersten Lockdowns gestorben. Nun ist der Text ganz anders geworden als ich mir das vorgestellt habe. Vielleicht ist das ein gutes Zeichen. Ich habe mit vier Frauen gesprochen – jede von ihnen betreibt, eröffnete oder schloss ein Yogastudio in der Pandemie. Eine davon ist Gaby Rottler. In München kennt man sie. Sie ist die Frau, die das Wanderlust Café & Yoga in Neuhausen betrieben hat. Wenn man so will, kommen in Gaby alle Branchen zusammen, denen Corona in diesem Jahr so richtig auf die Schnauze gegeben hat: Gaby ist Künstlerin, sie war Gastronomin mit Café und Catering-Unternehmen und auch noch Yogastudio-Betreiberin. Als wir uns zum Interview verabredet haben, kommt sie gerade von einem dreitägigen Schweigeretreat. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich denken, dass es deswegen aus ihr so heraussprudelt. Aber diese Frau sprüht nur so vor positiver Energie. Das liegt nicht am Schweigeretreat. Sie macht mir ein Geständnis: Als die Nachricht vom ersten Lockdown kam, war sie mitten in einem Catering. „Mein erster Gedanke war Erleichterung.“ 

Es scheint, als kommen in Gaby alle Branchen zusammen, denen Corona in diesem Jahr so richtig auf die Schnauze gegeben hat. Aber das macht nichts: Gaby sprudelt nur so vor Ideen.

Befreiungsschlag: Corona

Das Wanderlust Café & Yoga stand unter einem guten Stern. Bei Gaby gab es Soulfood, immer nette Leute, gute Gespräche, tiefgründigen Yoga. Gaby Rottler hatte gemeinsam mit einer Partnerin einen Ort geschaffen, an dem alles sein durfte. Schnell war eine Yogacommunity entstanden. „Ich war stolz auf das, was wir geschaffen hatten. Wir waren eines der ersten Studios in München, die in der Pandemie nahezu mühelos und schnell auf online umstellen konnten. Wir hatten ein schönes Konstrukt, der Laden boomte aber ich war körperlich am Ende.“ Ihre Partnerin war kurz nach der Eröffnung vor über einem Jahr bereits ausgestiegen und Gaby Rottler stand alleine da. „Mein Körper hat einfach nicht mehr mitgemacht, das war eine schmerzhafte Erkenntnis. Corona hat mich von meinem schlechten Gewissen befreit. Und so konnte die Einsicht kommen, dass es nichts bringt, wenn ich kraftlos bin, den Laden aber weiterführen muss. Ich kann anderen nur Gutes tun, wenn es mir selbst auch gut geht.“ Die Covid-19-Pandemie war für Gaby Rottler eine Art Befreiungsschlag. „Ich durfte plötzlich innehalten und ohne Druck nachdenken, wie die Reise weitergehen sollte.“ 

Die Türen im Wanderlust Café & Yoga wurden geschlossen. Die monatlichen Fixkosten blieben natürlich. „Ich habe zum Glück sehr schnell die Soforthilfe bekommen und konnte damit erst einmal Luft holen. Ich wusste, ich hatte jetzt ein wenig Zeit zum Nachdenken. Die Kosten für meinen Lebensunterhalt konnte ich mit der Soforthilfe natürlich nicht decken, ich musste mir von Freunden Geld leihen, und dann hatte ich Glück: Im Juli habe ich sehr liebe Nachmieter für das Café gefunden, bei denen es auch in sehr guten Händen ist. Ich habe das Café mit allem Inventar abgegeben und dadurch bin ich zu etwas Geld gekommen.“ 

#don’tlivewithoutart, #don’tlivewithoutyoga

Der erste Teil der Pandemie war für Gaby Rottler anstrengend aber befreiend. Corona hatte Prozesse angestossen, auch bei den anderen Lehrern. „Ich bin freiberuflich in meinen alten Job zurückgegangen, mache Marketing für ein kleines Unternehmen, das ökologische und nachhaltige Produkte verkauft. Und wir haben gemeinsam eine gesunde Wandfarbenserie entwickelt, die von den Farben der Chakren inspiriert ist. Zudem habe ich begonnen, alle meine Bilder zu verkaufen. Ich brauchte Platz.“ Unter dem Hashtag #don’tlivewithoutart postet sie auf Instagram jeden Tag ein Foto von einem ihrer Werke und verkauft es für relativ wenig Geld in alle Welt. Gerade verschickte sie ein Bild nach New Jersey. „Ich wollte den Menschen einerseits die Möglichkeit geben, sich Kunst leisten zu können, andererseits habe ich gedacht, meine Bilder müssen raus. Irgendwohin, wo sie leben dürfen. Egal wie viel Geld ich dafür bekomme.“ Jetzt hat sie eine neue Idee. Zusammen mit anderen Frauen aus der alten Wanderlust Community möchte sie einen Online-Raum für selbständige Yogalehrer schaffen. „Wir wollen diejenigen unterstützen, die nicht die Manpower haben. Wir können nur gemeinsam aus der Krise wachsen.“

Gaby Rottler hat viele Ideen und nutzt die „besondere“ Zeit dafür, diesen Ideen Raum zu geben. Sie schreibt an einem veganen Kochbuch, macht gerade ihren veganen Ernährungsberater und findet endlich wieder Zeit für Dinge, die sie normalerweise liegenlassen würde. Mit den Hunden geht sie in die Natur, um Kraft zu schöpfen. Das dreitägige Schweigeretreat in den Bergen mit ihrem Partner und den Hunden hat Themen hervorgebracht, die sie im Rausch des Alltags scheinbar begraben hatte. Sie hat ein schönes Bild für das, was diese Pandemie uns gebracht hat: „Corona hat uns in die Häuser zurückgeschickt, jetzt brauchen wir wieder Community. Die darf aber auch online stattfinden, wenn es gerade nicht anders geht.“

Was Verrücktes

Auch in München macht Kerstin Gröber etwas „Verrücktes“. Sie eröffnet mitten in der Pandemie ein Yogastudio. Anfang Oktober – als in München gerade wieder Corona tobte – öffnet sie die Türen vom HAIRU Yoga Studio. Sie lacht. „Rational gesehen, hätte ich jetzt sagen müssen, ich stampfe diese Idee ein. Aber in mir brodelte etwas.“ Eigentlich sollte das „Hairu“ im Frühjahr 2020 eröffnet werden, Covid-19 machte den Plänen einen Strich durch die Rechnung. Dann kam der Sommer und Kerstin war nach allen Planänderungen, Sorgen und Überlegungen einfach noch nicht bereit dafür, ihr Vorhaben umzusetzen. „Es brauchte noch eine Weile, bis ich mir sicher war, dass ich, trotz eines in der Luft liegenden zweiten Lockdown, eröffnen wollte. Ich hatte plötzlich die Einstellung: Ich will es jetzt durchziehen.“ 

Das HAIRU Yoga Studio kam nur kurz in den Genuss von offenen Türen. Nun ist das Bild aus dem Spätsommer Wunschdenken.

Hairu ist japanisch, es heißt so viel wie, „nach innen gehen“. Kerstin hat bewusst kein Sanskrit-Wort gewählt. Außerdem mag sie die Mentalität der Japaner. Das passe zu ihr. „Ich habe mich für ein Konzept entschieden, dass anders ist und während der Covid-19-Pandemie ist in mir der Entschluss gereift, dass es genau so ein Studio jetzt braucht.“ Schmunzelnd und liebevoll sagt sie, sie biete „Randgruppen-Yoga“. „Eigentlich sind wir doch alle Randgruppen.“ Sie will, dass sich alle wohlfühlen, Männer, Frauen, Schwangere, Ältere, Unbewegliche, Extremsportler, Flexible, Ashtangis. Sie lacht. „Zusätzlich wünschte ich mir einen Ort, an dem alle zufrieden sind, die Schüler wie die Lehrer und die Studioleitung natürlich auch. Mir ist aufgefallen, dass wir Yogalehrer so viel über Selbstliebe und Nächstenliebe predigen und am Ende ist da doch eine sehr egoistische Welt. Ich weiß, dass der Satz: ‚Jeder ist willkommen‘ sich erst mal schön anhört und dann noch lange nicht umgesetzt ist. Aber das ist mein Anspruch.“ 

Krise schafft Einfallsreichtum

Mit den Lehrern, die im HAIRU unterrichten, teilt sie die Erträge. Niemand arbeitet auf Honorarbasis. Damit will sie die Lehrer mit ins Boot holen, ihnen Mitspracherecht geben, sie machen lassen. „Die Lehrer sollen hier gerne unterrichten, das ist mir sehr wichtig. Durch Corona ist vielen Lehrern aufgefallen, dass sie als Online-Lehrer ihr eigenes Ding machen und die Erträge direkt in die eigene Tasche stecken können. Lehrer sind aktiver geworden, sie haben mehr Erkenntnis, was eigentlich geht und genauso sieht ein Studio auch, dass man sich nicht auf Komfortzonen verlassen darf. Studiobetreibern muss klar sein, dass Online ein Wettbewerb bleiben wird. Wir müssen alle alarmierter sein. Und das ist für mich das Gute an einer Krise. Sie schafft Einfallsreichtum“, sagt Kerstin. Sie glaubt, dass das gewohnte Modell eines Studios nicht mehr richtig funktioniere. „Wenn wir die Lehrer involvieren, sind sie glücklicher und das spürt auch der Schüler. Im HAIRU wird alles geteilt. Es gibt keinen Stundenlohn. Aber genauso wird dann auch igrgendwann der Gewinn geteilt.“

Gleichberechtigung auf allen Ebenen

Als Yogaschülerin habe sie die Erfahrung gemacht, dass sie sich auf allen Ebenen gleichberechtigte Begegnungen wünsche. „Ich stellte mir die Frage, wie ich als Schülerin behandelt werden möchte und gleichwohl dann auch die Frage, wie Lehrer von der Studioleitung behandelt werden wollten. Ich glaube, mit der Krise haben wir die Erkenntnis gewonnen, dass wir neu handeln müssen, um überleben zu können.“ Das HAIRU befindet sich in einer alten Autowerkstatt – ein großer Yogaraum mit einem kleinen Vorraum, einer Sitzecke, Teeküche, Garderobe, WCs. Das war es.

Natürlich gehe das finanziell noch nicht auf, doch das wäre ja auch ohne Corona so. „So ein Business braucht Zeit.“ Am wichtigsten sei es nun, mit den Schülern in Kontakt zu bleiben.

Eine weitere Erkenntnis, zu der sie in der Pandemie gekommen sei: „Wenn ich etwas will, dann bleibe ich dran. Dann ziehe ich das durch. Es ist sicher wichtig, sich treu zu bleiben. In so einer Krise kann man schnell abgelenkt werden, man hinterfragt mehr, hört weniger auf seine Intuition. Ich glaube, das muss man ablegen. Wie beim Yoga eben. Den Fokus auf das legen, was wirklich zählt. Nach innen gehen.“ 

Yoga für Senioren

Silke Wagner betreibt in Büttelborn in der Nähe von Frankfurt das Studio 1fach Yoga. Der Name soll Programm sein: Silke wollte einen Ort kreieren, an dem auch die Menschen ein Zuhause finden, die sich in vielen Studios überfordert fühlen, weil Asanas zu schwierig für sie sind. „Als ich meine Ausbildung gemacht habe, merkte ich schnell, dass mir die älteren Leute wegbrechen würden. Ich dachte: Wie schade, denn eigentlich soll Yoga sich den Teilnehmern doch anpassen. Ausgerechnet die Älteren würden doch so sehr von Yoga profitieren.“ So begann sie, Yoga für die Altersklasse 50plus anzubieten. Das sprach sich schnell herum. „Die Zielgruppe war dankbar. Die Menschen spürten, dass sie ihren Körper besser kennenlernen konnten. Dann kam Corona. Und gerade die Älteren haben unter der langen Pause sehr gelitten.“

Müde aber planlos glücklich

Im „Lockdown light“ ist Silke müde, „das Thema kann ich langsam nicht mehr hören“, sagt sie. „Das ganze Jahr war ein einziges Organisationschaos. Ja, ich fühlte mich angetrieben, habe getan und gemacht aber wenn ich inne halte, stelle ich fest, das Jahr war sehr aufreibend.“ Sie steckt den Kopf nicht in den Sand, auch nicht, als sie im ersten Lockdown auf online umstellen will und das gesamte Equipment erst ankommt, als Yogastudios längst wieder geöffnet haben. 

Silke Wagner ist „Corona-müde“. Kein Wunder, sie fährt das Tablet höchstpersönlich zu ihren Senioren-Schülern, damit auch wirklich all ihre Kunden weiterhin Yoga üben können.

„Wenn ich etwas gelernt habe, dann, dass Planen im Voraus nicht viel Sinn macht“, sagt die Mutter zweier Kinder. „Und diese Erkenntnis hat auch etwas Heilsames. Kürzlich fragte mich eine Freundin: ‚Was machen wir eigentlich im Januar, wenn es so weitergeht?‘ Und da sagte ich: ‚Erstmal ist ja Dezember. Also warum soll ich schlaflose Nächte wegen Januar haben?‘“

Stolz ist sie darauf, dass der Großteil ihrer Kunden mit online gegangen ist. Sie unterrichtet hauptsächlich Senioren und die meisten davon machen jetzt Yoga mit einem Videolink. Dann hat sie noch eine Idee: Um allen Yoga zu ermöglichen, auch denjenigen, die sich das Internet nicht mehr zutrauen, fährt sie ihr eigenes Tablet zu den Kunden nach Hause. 75 Minuten später holt sie das Tablet ab, manchmal bringt sie es direkt zum nächsten.  

Senioren machen Online-Yoga

„Zu sehen, wie sich die Senioren reinfuchsten, das war unheimlich schön. Die haben sich auch was einfallen lassen, da half dann das Enkelkind oder so.“ Alle ihre Kurse sind jetzt online. Sie vermutet, dass sie ungefähr 20 Prozent ihrer Kundschaft verloren hat. Silke arbeitet zusätzlich als Spiraldynamik-Pädagogin. Sie kämpft dafür, Einzelstunden weiterhin anbieten zu dürfen – und siegt. „Ich konnte nicht zulassen, dass meine Kunden, die mit ihrer Schmerztherapie auf einem guten Weg waren, wieder vermehrt Schmerzen spüren.“ Ihre Kosten kann sie auch mit vorhandenen finanziellen Reserven tragen. Trotzdem sagt sie: „Bei jedem Kunde, der mir sagt: ‚Online mache ich nicht mit‘, tut es trotzdem weh.“

Enorm findet sie den Aufwand, den das ganze Online-Geschäft mit sich bringt. „Die Organisation, Videolinks, Einladungslinks, Aufnahmen komprimieren, dazu noch das Studio, das ja weiterhin da ist – das ist alles anstrengend. Ich muss meine Mitarbeiter bezahlen, musste das Equipment anschaffen und muss immer darauf achten, dass alles klappt, dass das Mikro geladen ist, der Laptop läuft, …“

Sie spüre Existenzängste, vor allem, weil niemand sagen kann, wie lange die Situation andauert aber sie sagt auch: „Wenigstens läuft es nun. Es ist entspannter geworden. Ich bin nicht mehr hilflos bei dem Gedanken an ‚Online‘. 

Zoom? Was ist das?

Isabelle Bartmann ist Inhaberin und Yogalehrerin des isayoga in Regensburg. Ein Teil des Kursplanes läuft nun online. Wenn sie an den Tag vorm Lockdown im März denkt, kann sie heute lachen. „Eine österreichische Freundin hatte mir früh gesagt: ‚Stell um auf online. Deutschland wir betroffen sein von diesem Virus.‘ Ich war völlig irritiert. Zoom? Was war das? So etwas hatte ich noch nie gehört. ‚Wir brauchen ein Mikro‘, hieß es dann und wir haben einfach irgendwas ausprobiert und schnell festgestellt, dass das nicht ging. Ich hatte wirklich null Ahnung.“ Einen Tag bevor alle Läden schliessen sollten, fährt sie zu einem großen Elektromarkt. „Ich brauche Air Pods“, sagte ich zum Verkäufer.  Der schaute mich an, sagte, ‚ja ich habe eine Lieferung gekriegt‘ und dann kam er mit einem Paar und sagte mir: ‚So dann wären die jetzt auch wieder ausverkauft.‘ Ich bin naiv dahin gefahren und hatte also ein Schweineglück.“

isayoga: Die Matten warten auf ihre Schüler. Wie lange noch, weiß niemand.

Nach einer Woche war sie dann bereit. Nach und nach stieg sie dahinter, wie die Qualität besser werden könnte. Sie erhält viel Unterstützung aus ihrem Team. „Am Anfang war alles verrückt“, sagt sie. „Wir hatten unser Wohnzimmer ausgeräumt, weil es im Yogastudio noch gar keine Internetverbindung gab.“ Ihre Kunden waren geduldig. „Ich glaube, sie waren einfach sehr dankbar, dass wir irgendwas anbieten.“ Auch sie entwickelt in der Krise Ideen. Ihr kommt in den Sinn, ihre Kunden zu fragen, ob sie für andere Kunden Yoga spenden wollten. Sie nennt das Projekt „Soforthilfe Yoga“. Damit möchte sie vor allem diejenigen unterstützen, die von der Pandemie besonders betroffen sind. Das Feedback überwältigt sie. Anderen Selbstständigen, die ihr sagen: ‚Isa, es tut uns leid, Yoga ist finanziell bei uns gerade nicht drin‘, gibt sie einfach die Zugangsdaten für die Onlinestunden. „Ich finde, in so einer Situation muss man zusammenhalten.“ Nach den Stunden finden online Gespräche statt. „Die Community ist mir wichtig. Ich gebe allen die Möglichkeit, miteinander in Verbindung zu bleiben.“

Alle Gefühle

Im ersten Lockdown habe sie so ziemlich alles gefühlt. Sie wollte hinschmeissen, hatte dann wieder unbändige Energie, dann ganz viel Wut. „Ich habe mich oft gefragt, wie ich das alles schaffen soll. Und dann begann ich, zu sehen, was mir Corona Positives gebracht hatte. Mehr Zeit beispielsweise. Weniger Termine. Ich arbeite viel, kann mir die Zeit aber auch freier einteilen. Ich habe das Gefühl, die ganze Welt ist so überdreht. Und nun bekamen wir die Möglichkeit, herunterzukommen. Wir sehnen uns einerseits nach einer Pause, wenn sie als Geschenk einer Zwangspause kommt, können wir sie allerdings schlecht annehmen.“ 

Sie bleibt im Vertrauen. „Das große Ganze können wir jetzt noch nicht sehen. Ob mein Studio, das in den letzten sechs Jahren fantastisch lief, überlebt, weiß auch ich heute nicht. Aber für mich ist da auch eine Erkenntnis, dass es immer einen Weg gibt.“ Was schmerze, sei, dass das, was die Seele nähre in vieler Hinsicht nicht erlaubt sei. Kunst, Musik, Theater, Bewegung, Massage, … während Shops geöffnet blieben. 

Sie appelliert an die Kunden, die sagen: ‚Ich warte bis die Studios wieder öffnen‘, die Pause nicht zu lang werden zu lassen. Wir dürfen nicht damit warten, bis Studios wieder offen sind. Denn vielleicht gibt es sie dann nicht mehr. Vielleicht kann die Lieblingslehrerin dann nicht mehr bezahlt werden, vielleicht macht sie dann lieber was anderes. Und deswegen: buch Onlinestunden. Verschenk Yoga-Gutscheine. Verschenke große Portionen Mut. Meckern nützt nichts. Die Gespräche mit diesen vier unterschiedlichen Frauen haben mich sehr inspiriert – unabhängig von diesem Artikel. Und da war vor allem der Gedanke von Zusammenhalt, von „Sisterhood“ – allerdings gleich welchen Geschlechts. Einander helfen bringt mehr als egoistisch zu handeln, das ist glaube ich, eine der großen Erfahrungen dieser Krise. Findest Du nicht auch?

Diese vier Frauen und die genannten Yogastudios stehen stellvertretend für viele andere. Mir geht es nicht darum, für genau diese Studios Werbung zu machen. Alle vier Frauen kannte ich vor unseren Gesprächen nicht persönlich.