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The final C-ountdown

Vielleicht ist das, wenn man Heilig Abend mit der Dreijährigen in der Notaufnahme sitzt, schon der Wink vom Universum: „Ja, du hast viel gelernt 2021, aber das Jahr hat noch einiges zu bieten. Kannste von ausgehen …“

Die Bescherung zuhause verspätete sich nur um etwa eine Stunde. Meine Tochter war unglücklich auf die Heizung gestürzt – Loch im Kopf. In der Notaufnahme der Uniklinik wurden wir freundlich empfangen und kamen – entgegen meiner Befürchtungen – schnell an die Reihe. Weihnachten war noch nicht verdorben. Und ich war so dankbar. Weil mir in der sterilen Umgebung des Krankenhauses mit blauen Lichterketten am Fenster doch bewusst wurde, dass die meisten hier weitaus größere Probleme hatten, als Platzwunden am Hinterkopf. …Dass die meisten hier nicht so schnell wieder raus konnten und garantiert nicht um den Tannenbaum tanzen würden.

Der C-Test

Und dann kam der 27. Dezember, der Tag nach Weihnachten also. Die Zeit, auf die ich mich in diesem Jahr wirklich gefreut habe. Dabei kann ich mich nicht immer mit der Leere der Tage zwischen den Jahren anfreunden. Denn Advent hat für mich eine besondere Bedeutung und das was danach kommt, ist irgendwie nichts Halbes und nichts Ganzes: Das Jahr ist so gut wie vorbei, aber das Neue hat noch nicht angefangen. Diesmal jedoch sehnte ich mich nach Langsamkeit und zäh fliessenden Stunden. Ich wollte nachdenken, lesen und mich mit aller Aufmerksamkeit den Kindern und meiner Familie widmen. Ich wollte ein wildes Jahr Revue passieren lassen, das (scheinbar) alles zu bieten hatte und ich wollte meine Visionen für 2022 manifestieren. Vom Einzug ins neue Haus träumen. Und dann mit voller Wucht im Januar die neuen Jobs starten. 

Sofort Symptome!

Aber dann – ich hatte noch keinen Kaffee getrunken und nicht gefrühstückt – rief mein Mann aus seinem Büro an und sagte, sein Corona-Test sei positiv.  Und von diesem Zeitpunkt an schenkte mir 2021 noch mal so richtig ein. Ich spürte alles und nichts. Vor allem konnte ich nichts essen und nichts trinken. Man hat sofort Symptome. Die Frau vom Gesundheitsamt lachte Tage später, als ich, auf ihre Frage nach Symptomen sagte: „Nachdem mein Mann mir von seinem positiven Schnelltest erzählte, hatte ich Kopfschmerzen. Zählt das?“ Besonders spürte ich aber Schwere. Schuld. Scham. Das habe ich selten so erlebt. Ich sah bereits am 27. so blass aus, als hätte ich seit sieben Tagen Corona. Ich war wütend auf meinen Mann und schaffte es gerade noch so, die Kurve zu kriegen. Was sollen diese verdammten Schuldzuweisungen in einer Pandemie? Es ist wahrscheinlich nicht möglich, sich nicht irgendwann irgendwo anzustecken. Es kann jedem passieren. Wir waren immer vorsichtig. Wir haben Geburtstage – außer die der Kinder – nicht gefeiert, uns letztes Jahr Silvester nur mit einem weiteren Paar getroffen. Wir verzichteten auf die Hochzeit meiner Kousine. Fahren seit zwei Jahren nur im Sommer zu meinen Eltern. Meinen noch nicht ganz einjährigen Neffen habe ich erst einmal gesehen. Covid kann jeden treffen. Und es tut mir leid aber ich befürchte, es wird fast jeden treffen. Ich tat das einzig Richtige: Ich verwandelte das Wutgefühl in Sorge um ihn. Das PCR-Ergebnis kam noch am selben Tag. Positiv.

Ingwer gegen Corona

Nachts lag ich wach. Ich fragte mich, wie lange das in der Quarantäne so sein würde? Wie lange man schlaflose Nächte haben würde, aus Sorge um andere und die Kinder oder ob das irgendwann weg gehen würde, wie alles, an das man sich so Schritt für Schritt gewöhnt. Da ist ständig die Frage: Wen haben wir angesteckt? Am nächsten Morgen presste ich Ingwersaft, trank Salbeitee, schob den Kindern löffelchenweise Tee in den Mund und Vitamine. Ich übte zwischendurch Pranayama. Dabei wechselte sich der Gedanke: „Ich rette mich mit allen Haustricks, die es nur so gibt“ mit dem „Das haben wohl auch schon andere alles versucht“ im Fünfminuten-Takt ab. 

Fiese Grippe, leichter Verlauf

Einen Tag später war auch mein PCR-Test positiv, meine Nase begann zu laufen und noch mal einen Tag später hatte ich dann das, was Virologen als einen leichten Verlauf bezeichnen: fiese Grippesymptome. Die Tage verliefen trotz dickem Kopf erstaunlich schnell. Noch nie stand nach Weihnachten so schnell Silvester vor der Tür. Ich hatte keine Sekunde Zeit gehabt, über mein Jahr nachzudenken. Stattdessen mehrmals mit der Kassenärztlichen Vereinigung, dem Gesundheitsamt, meiner Hausärztin, Arbeitskollegen, meiner Familie telefoniert. Ich schleppte mich durch Grippetage. Die Nächte wurden besser. Besser als die Tage. Ich konnte schlafen, und spürte, dass mein Körper die Erholung dringend nötig hatte. 

Kater ohne Party

Silvester verpennte ich. Das war auch nicht anders zu erwarten. Der 1. Januar fühlte sich an, als hätte ich den übelsten Kater meines Lebens. Nur hatte es vorher keine Party gegeben. Was für ein Jahresanfang, dachte ich und sah plötzlich in allem nur grau. Und dann kam der 2. Januar und mit ihm offenbar irgendein Hormoncocktail – keine Ahnung, aber alles wurde heller. Zu dem Zeitpunkt waren die Kinder immer noch negativ und mir wurde klar, dass sich die Quarantäne verlängern würde, aber was machte das schon? Ich hatte von Anfang an keine Angst vor der Quarantäne gehabt. Wir hatten ja auch schon diverse Lockdowns mitgemacht und nun verlängerte sich eben der Weihnachtsurlaub. In Schleswig-Holstein explodierten die Infektionszahlen. Omikron auf dem Vormarsch. Ich war irgendwie auf einmal froh, dass wir das offenbar jetzt, zu einem Zeitpunkt, zu dem wir ohnehin zuhause waren, durchgemacht hatten. In der Zwischenzeit waren die Kinder positiv, sie blieben Gott sei Dank mehr oder weniger symptomfrei. 

Mein JA!hresmotto

Während ich noch Grippesymptome hatte, las ich das Buch von Michael Lehofer: „Die Welt sagt den ganzen Tag Ja zu uns. Aber wie oft habe ich das Ja des Lebens übersehen? Wir bilden uns ein, das Leben ist dann in Ordnung, wenn es den Bedingungen entspricht, die wir für ein glückliches Leben unabdingbar finden. Wenn das Wetter schön ist, ist der Urlaub schön. Solcherart entging mir in meinem Leben eine Fülle lebensspendender Ja. Das Ja ist der Sauerstoff für unseren Seelenfrieden. Wir dürfen nicht vergessen, diesen Sauerstoff einzuatmen, nur weil er nicht in der Weise an uns herangetragen wird, wie wir es erwarten.“ Das richtige Buch zum richtigen Zeitpunkt, würde ich sagen. Das „tägliche Ja des Lebens“ wurde plötzlich zu meinem Jahresmotto. Das Ja sehen, auch wenn Nein manchmal zu überwiegen scheint, das finde ich, ist ein schönes Bild. Und geht es nicht letztlich darum, die Jas des Lebens zu schmecken, zu fühlen, zu riechen? Nur so entdecken wir ja jeden Tag aufs Neue wie wertvoll dieses Leben ist. Und so hatte ich dann mein Jahresmotto: „JA(hr)!!“

Testen, testen, testen

Und dann wurde es besser. Ich bin froh, dass ich geimpft bin. Ich schreibe das nicht, um andere zu überzeugen, sondern das ist meine persönliche Meinung. Mein Mann ist geboostert und hatte deutlich geringere Symptome als ich – allerdings ging die Ansteckung innerhalb unserer Familie auch von ihm aus; das bedeutet, auch mit Booster überträgt sich die Krankheit. Deswegen darf ein Booster auch nicht der Freifahrtschein für alles sein. Regelmässige Schnelltestes sind meiner Erfahrung nach unabdingbar. Die haben übrigens auch bei meinen (kleinen) Kindern sehr gut funktioniert und Ergebnisse geliefert. Testen tut nicht weh. Mein Mann und ich waren so neugierig darauf, wie unsere Schnelltests in allen Stadien der Krankheit reagieren würden, dass wir uns ständig selbst testeten. Es sollte niemand als Affront empfinden, wenn vor einem Treffen nach Tests gefragt wird. Im Gegenteil. Ich kann es nur empfehlen. Es ist niemals persönlich gemeint, sondern schützt einfach.

„Die Krankheit verläuft bei jedem anders. Auch deshalb sollten wir umsichtig beim Kontakt mit unseren Mitmenschen sein“, schreibt der Fotograf Mathias Haltenhof auf seinem Blog, der dort auch einen Erfahrungsbericht zum Verlauf seiner Krankheit veröffentlicht hat. Und genauso ist es. Ich glaube immer noch, dass wir, dafür dass wir in einer weltweiten Pandemie stecken, viele Freiheiten haben. Dass die Pandemie nervt, steht ausser Frage. Aber gemeinsam einsam ist besser als einsam einsam, oder? Das habe ich nämlich auch gelernt, in diesen Tagen: Wir haben wahnsinnig liebe Nachbarn, ein tolles Netzwerk an Menschen um uns herum, die uns geholfen haben, für uns einkauften und die Kinder zwischendurch mit besonderen Kleinigkeiten überraschten. Andere zu schützen muss immer das oberste Gebot sein. Deswegen fährt man ja auch nicht besoffen Auto. Ich weiß, das ist ein dummer Vergleich, aber letztlich dann eben auch wieder nicht. 

Psychische Belastung

Im Sommer habe ich bereits diesen Artikel gelesen und empfohlen und deswegen hat mich die psychische Belastung, der ich mich von Anfang an ausgesetzt fühlte, vielleicht nicht so sehr überrascht. Im Übrigen hatte ich mit drei verschiedenen Mitarbeiterinnen des Gesundheitsamtes Kontakt und kann hierzu nur sagen: Das waren durchweg sehr freundliche, unterstützende Telefonate. Während die 116117 sich zum Teil eher angestellt hat, als geholfen. Aber egal. Dafür hatten wir zum Glück sehr kompetente Haus- und Kinderärzte und brauchten die Kassenärztliche Vereinigung somit nicht. Uns geht es gut. Ich bin immer noch etwas erkältet. Ich starte ziemlich positiv gestimmt ins neue Jahr. Im wahrsten Sinne des Wortes 😉 Ob ich in acht Wochen ohne Probleme joggen gehen kann, werde ich dann irgendwann hier mal ergänzen. Noch gehe ich davon aus.

Euch allen: Ein Wunder im Chaos!

An einem Dezembermorgen hatte ich mich ertappt. Alle außer mir waren aus dem Haus. Die Adventskerze flackerte. Ich hatte morgens für die Kinder Rolf Zuckowskis CD „Mein allerschönster Weihnachtstraum“ aufgelegt. Tatsächlich. In unserer Küche steht noch ein CD-Player. Eine Loewe Soundbox. Irgendwann im letzten Lockdown hatte ich den Eindruck gewonnen, dass die Familie harmonischer miteinander umging, wenn Zuckowski Weihnachtsstimmung verbreitete. Nun saß ich alleine in der Küche. Und liess die Musik laufen. Zuckowski sang: „Da war mit einem Mal der Himmel nicht mehr fern. Da sang ein Engelschor: Die Welt ist nicht verloren. Und über allem strahlte hell der Weihnachtsstern.“ Ich wählte die Wiederholungsschleife. Ein Kinderlied tröstete mich. Muss ich mich dafür schämen? 

Wie 2020. Nur noch schlimmer

Wer von uns hätte wohl letztes Jahr im Dezember gedacht, dass wir auch 2021 im Advent dieselben Nachrichten lesen, dieselben Diskussionen führen, dieselben Sorgen teilen würden? Nur noch schlimmer. Weil jetzt war ja auch noch: Afghanistan, militärische Aktivitäten an der Grenze zur Ukraine, überall Konflikte und ein neues Wort, das eigentlich gar nicht so fürchterlich klang, wie es sein sollte: OMIKRON. Die Weihnachtspläne werden wir wieder verschieben müssen. Zur dänischen Familie fahren bei einer Inzidenz von über 900? Möchte ich die 800 Kilometer in einem übervollen Zug zurücklegen, um zu meinen eigenen Eltern zu kommen?

Das Kostbare kostbar lassen

Ich hatte gerade einen Blogbeitrag für ein Schweizer Reiseunternehmen geschrieben. „Corona hat uns gelehrt, zu verstehen, dass Reisen keine Selbstverständlichkeit sind“, schrieb ich da. Wir hatten sie uns einfach erschaffen: Eine Welt, in der alles möglich sein sollte und musste. Dafür überrollten wir alles, was sich uns in den Weg stellte. Das Wohl der Natur, der Tiere, der Menschen. Reisen sind kostbar. Die Erfahrungen, die wir dabei machen, noch kostbarer. Und ist nicht alles, was uns kostbar ist, auch so zu behandeln? Wir müssen wieder lernen, dass wir nicht alles in der Hand haben. Aber trotzdem bedeutet das nicht, dass ich jetzt Trübsal blase, mich aufrege, Gräben grabe zwischen denen, die anderer Meinung sind und mir. Wenn Weihnachten vorbei ist, werde ich zwischen den Jahren, der einzigen Zeit, in der Langsamkeit erlaubt ist, darüber nachdenken wie 365 Tage verlaufen sind. Es werden auch dieses Jahr mehr schöne als schlechte Erinnerungen bleiben.

Chaos. Wunder. Das ist Weihnachten

Vergangenen Dezember hatte ich ein Interview im Süddeutsche Magazin mit dem Münchener Pfarrer Rainer Maria Schießler gelesen. Da sagte er: „Wissen Sie was, die Leute reden immer von einem harmonischen Weihnachtsfest. Warum eigentlich? Als Jesus geboren wurde, war nichts harmonisch: Volkszählung, Militärtruppen, Wucherpreise, Guerilla-Anschläge, das war ein riesiges Durcheinander, und dann wird in einem Stall dieses Kind geboren, ein Wunder im Chaos, das ist Weihnachten.“ 

Dieses Bild trägt mich nun schon zum zweiten Mal durch die Weihnachtszeit. Ich schiebe es mit einem Schmunzeln vor mir her: Ein Wunder im Chaos. Das ist Weihnachten. Deswegen dürfen wir uns auch ruhig über Weihnachten freuen. Über den Christbaumstollen und die leuchtenden Augen der Kinder. Über jede neue Kerze am Adventskranz, jedes Türchen am Adventskalender. Jede Umarmung, jedes „Frohes Fest“. Den Geruch von Frischgebackenem. Geschenke unterm Tannenbaum. Und natürlich: Rolf Zuckowski. Merry Christmas. 

Selbstwert statt Kardashian

Dieser Text enthält unbezahlte Werbung für die gute Sache

Wie geht es eigentlich der Jugend? Gerade hat eine Frau als Kanzlerin abgedankt, die für Jugendliche ein ganzes Leben lang das Land regierte. Corona hält Jugendliche seit zwei Jahren zurück. Versprechungen werden gebrochen. Aufgehoben ist heute aufgeschoben. Und dann auch noch: Instagram. „Fotografie ist die größte Bewusstseinsmaipulationsmaschine der Welt, und es wird immer schlimmer“, sagte der Fotograf Thomas Ruff Mitte November im Interview mit dem Süddeutsche Magazin. „Jeden Tag werden Millionen von Bildern ins Netz geladen und damit auch Millionen von Lügen. Denken Sie an Millionen Mädchen, die jeden Tag verzweifelt versuchen, sich wie Kim Kardashian zu schminken.“ Ja. Ich denke daran. Schon länger. Jacqueline Draheim-Frank auch. Die passionierte Yogalehrerin studierte Biologie und Germanistik auf Lehramt sowie Psychologie. Sie besitzt die Zulassung als Heilpraktikerin für Psychotherapie und arbeitet in Berlin und Potsdam mit Jugendlichen. Sie kennt sowohl diejenigen, die behütet aufgewachsen sind, überschüttet werden mit Liebe und Erwartungen, aber auch diejenigen, die aus dem sozialen Brennpunkt in der Hauptstadt kommen. Sie kennt Jugendliche mit Burnout und welche, die nie Nestwärme kennengelernt haben. Und sie weiß: Yoga für Jugendliche hat nichts mit Kinderyoga zu tun. Ich wollte schon lange mit ihr reden. Denn sie hat ein Buch geschrieben, gemeinsam mit Jugendlichen. Es heißt „Online mit mir selbst“

Wie ist sie darauf gekommen? Beim Yoga natürlich. Da gab es junge Leute, die sagten ihr plötzlich: „Das was wir durch Yoga kennengelernt haben, das sollten mehr Jugendliche kennenlernen.“ Und dann nahm das Projekt seinen Lauf.

Yoga für Jugendliche: Yoga meets Bodywork

Jacqueline sagt: „Im Yoga dürfen die Jugendlichen mal durchatmen.“ Aber bis sie an diesen Punkt kommen, dauert es meistens ein bisschen. Deswegen, sagt Jacqueline, selbst Mutter von Jugendlichen, dürfe Yoga für junge Menschen zunächst ruhig einem Fitness-Konzept ähneln. „Am Anfang muss eigentlich die Asana-Praxis im Vordergrund stehen. Ich mache dann so eine Art „Yoga meets bodywork“. Die Jugendlichen wollen sich bewegen, die Mädchen wollen Bauch-Beine-Po. Als Yogalehrer kann man dann entweder aufschreien oder man sagt: ‚Okay, komm, das ist gut; die müssen erst mal in ihren Körper kommen.‘ Ich habe es nicht gewertet, wenn die Jugendlichen gesagt haben: ‚Ich will den Sixpack.‘ Irgendwann später kann man das dann mal thematisieren und fragen: ‚Oder ist es die starke Mitte, die eigentlich wichtig ist?‘ Aber am Anfang wollen Jugendliche nicht zum Yoga kommen, um zu meditieren.“

Jugendliche wollen kein Kinderyoga

Die Realität ist: Für Jugendliche gibt es wenig Yogaangebote. Oder besser: wenig gute. Dabei brauchen gerade die Heranwachsenden einen Herzenskompass. „Wir müssen Jugendliche stärken. Ihnen Selbstwertgefühl geben. Alles, was in dieser Zeit nicht gut läuft, hat einen wahnsinnig starken Einfluss. Und hier kann Yoga so viel bewirken“, sagt Jacqueline. Sie unterrichtet seit vielen Jahren bei Spirit Yoga in Berlin. Kürzlich habe sie gelesen, dass ein Viertel aller Jugendlichen psychische Störungen habe. „Wie heftig ist das denn?“, sagt sie schockiert. 

Das Soziale Dilemma

Wir kommen natürlich schnell auf Social Media zu sprechen. Weil ich schon lange beobachte, was das mit einem macht. „Jugendliche haben heute eine ganz andere Aufgabe als wir noch damals. Sie müssen nicht nur eine Identität in ihrer Klasse entwickeln, in ihrem Freundeskreis, sondern auch eine digitale Identität. ‚Hast du Insta?‘, das ist heute die erste Frage, die Jugendliche einander stellen, wenn sie sich kennenlernen. Und dann ist da sofort ein enormer Druck.“ 

Zum Beispiel der Druck, sich so zu schminken, wie die Kardashians. Das Schwierige an der ganzen Sache ist: Schon Erwachsene haben oft kein Selbstwertgefühl. Und Selbstwertgefühl ist so wichtig, wenn wir uns in die Sozialen Medien begeben. Wie sollen Erwachsene es also Jugendlichen und Kindern vermitteln? Das ist ein bisschen so, wie dem gestressten Gymnasiallehrer zu erzählen, er müsse jetzt auch Achtsamkeit mit in den Lehrplan nehmen. „Instagram ist wie eine Bewerbungsmappe“, sagt Jacqueline. Und Instagram bedeutet, den ganzen Tag über Vergleiche zu ziehen. Und so kommt man automatisch ins Leiden. Gibt es einen Weg dort hinaus? „Alle löschen, die einem nicht gut tun“, sagt Jacqueline, „dann kann Instagram natürlich auch gute Seiten haben. Aber wer hat schon so viel Selbstwert, dass du immer damit umgehen kannst und es verstehst, im Moment zu leben?“ In ihren Yogastunden lehrt sie ihre Schüler/innen Achtsamkeit. „Kümmere dich um den Mensch der vor dir steht und nicht um irgendeinen schönen Bauch auf Instagram“, sagt sie. 

Sei dir selbst ein Freund

Als Eltern habe man die Aufgabe, den Kindern immer wieder zu zeigen, dass sie gut sind, wie sie sind. „Das ist unser Erziehungsauftrag“, sagt sie bestimmt. Den Jugendlichen zeigt sie, wie sie sich selbst ein eigener Freund, eine eigene Freundin sein können. „Das haben viele verlernt.“ 

In „Online mit mir selbst“ geht es um Felicy, ein Mädchen, das auf dem Weg ist, erwachsen zu werden. Und das ist manchmal ganz schön anstrengend – vor allem, wenn man mit seiner durchgeknallten Ökomama in Berlin-Mitte lebt und sich unglücklich verliebt. Die Geschichte von Felicy ist aber nicht nur eine Geschichte, sondern zeitgleich ein Ratgeber für die Pubertät. Promis, Mediziner, Psychotherapeuten, Influencer, Sportler, Yogalehrer, Unternehmer und die Jugendlichen selbst geben Tipps, Erkenntnisse und zumeist Antworten auf die Frage: Was hättest du deinem jüngeren Ich gesagt? Das Buch ist ein Werkzeugkoffer mit Tools für das Selbstwertgefühl.

Yogalehrer/in für Jugendliche

Jacqueline Draheim bietet übrigens bei Spirit Yoga auch eine Ausbildung als Yogalehrer für Jugendliche an. Denn Yoga für Jugendliche muss sich unbedingt von Kinderyoga unterscheiden. In dem Kurs vom 1. bis 3. April in Berlin lernst du unter anderem, welche Themen besonders relevant für die Unterrichtsgestaltung sind, warum nur wenige Jugendliche zum Yoga finden und wie wir das ändern können, auf welche Schwierigkeiten bei dieser Arbeit du vorbereitet sein solltest und vieles mehr. 

Wie bleiben Paare Paare (Teil 2)

In der vergangenen Woche berichtete ich über das Schweizer Paar Sylvia und Holger. Die beiden leben seit 45 Jahren zusammen und haben während dieser langen Zeit besondere Strategien für eine zufriedene Paarbeziehung auf Augenhöhe entwickelt.

Sylvia Furrer und Holger Hoffmann reisten mit Rentieren durch Sibirien, sie lebten bei Indianern im Amazonas, besichtigten die höchsten Sanddünen der Welt in der Inneren Mongolei, zogen mit einem Guide, der mit Gesten kommunizierte, durch Mauretanien. Gerade planen sie eine Camperreise von der Schweiz bis nach Südafrika. Von 1977 bis heute haben sie gemeinsam 78 Reisen außerhalb Europas unternommen, davon die Hälfte in Asien und knapp ein Drittel in Afrika. Lediglich acht Reisen waren „on the beaten track” und drei mit dem eigenen Fahrzeug. 

Nachdem es auf einer der ersten Reisen fast zu einer Katastrophe gekommen war, entwickelten sie angelehnt an Star Trek ihre „Strategie 1“ – den Schadensbericht. „Als sich nach dem Studium ein Zeitfenster von fünf Monaten öffnete, wollten wir dieses für eine längere Rucksackreise nach Indien, Sri Lanka und Nepal nutzen. Zu Beginn machten wir alles falsch: Wir sparten bei den Unterkünften, tranken eisgekühlte Getränke statt heißem Tee und ließen uns ein paar Mal leichtfertig übers Ohr hauen. So litten wir unter den Bissen von Bettwanzen und Flöhen, hatten Bauchkrämpfe und Durchfall und waren dauernd auf der Hut vor weiteren Betrügereien. Die Reise drohte zu einem Desaster zu werden. Der Tiefpunkt kam in Varanasi: Sylvia fühlte sich miserabel und bat mich, sie ins Guesthouse zurück zu bringen. Ich wollte aber fotografieren und verstand nicht, wo ihr Problem lag. Sie war zu schwach, um meine Fragen zu beantworten und ich verstand nicht, warum sie sich nicht klarer ausdrückte. Wir hatten ein Kommunikationsproblem. Erst als sie sich nicht mehr von der Stelle rührte, realisierte ich die Ernsthaftigkeit der Situation. Da wurde uns beiden klar, dass wir so nicht weiter miteinander reisen können.“ Heute weiß Holger, dass Sylvia in Situationen, in denen es ihr schlecht geht, stiller wird.

Strategie 1: Schadensbericht

Gerettet hat sie Science Fiction. In Anlehnung an die Schadensberichte in „Star Trek“ begannen sie damit, sich auf Reisen allmorgendlich gegenseitig über die Befindlichkeit von Kopf bis Fuß abzufragen. Dabei ging es zuletzt immer um den Allgemeinzustand und die Moral, welche die beiden mit einer Note umschreiben. „Weniger als 4 ist Alarmzustand. Dann wäre z.B. ein Ruhetag angesagt“, erklärt Holger. Der Nutzen des Schadensberichts liegt in der frühzeitigen Erkennung sich anbahnender Probleme. Sind diese kommuniziert, kann der Partner bei der nächsten Rast oder am Abend nachfragen, seine Anteilnahme ist gesichert und Maßnahmen werden frühzeitig ergriffen. „Das ist ein Ritual, einer von uns fängt an und man hört primär mal zu. Wichtig ist: Den anderen vollständig aussprechen zu lassen. Bis alles raus ist. Man darf natürlich unterbrechen und nachfragen“, sagt Sylvia. 

Strategie 2: Recovery Tent

„Ermutigt von den positiven Erlebnissen auf unseren Reisen, öffneten wir uns Kulturen, die ganz anders funktionieren als wir. Oft kamen wir jedoch an unsere Grenzen, sei es bezüglich extremer Klimaverhältnisse, körperlicher Anstrengung beim Trekking, schlechter Hygiene, uns anfänglich ekelnder Speisen. Dazu kamen für uns unvorstellbare Gesundheitsprobleme der Bevölkerung und das Versagen gewisser Staaten bezüglich Schulung von Kindern oder Bereitstellung der primitivsten Infrastruktur wie Brunnen, brauchbare Straßen oder Versorgung mit Energie. Unser Bestreben war immer, jedem Einzelnen mit Respekt zu begegnen. Aber es ist nicht immer leicht, wenn uns Wohlstandsverwöhnten so viel Elend und systemimmanente Probleme begegnen. Und wie schaffen wir es, unsere Betroffenheit und Stimmung nicht an ihnen oder am eigenen Partner oder der Partnerin auszulassen? So entwickelten wir mit den Jahren auf unseren Reisen, die uns zunehmend zu entlegenen und nicht immer leicht zugänglichen Kulturen führten, Schritt für Schritt eine weitere Strategie“, berichtet Holger.

Als sie in Kamtschatka mit drei Russen unterwegs waren, nahm ihr Guide eine Flasche Alkohol hervor und jeder musste vor dem Trinken aus dem kleinen Glas einen Trinkspruch zum Besten geben. Meist ging es um die Freundschaft zwischen den Völkern oder um Wünsche bezüglich Gelingens des gemeinsamen Trekkings. Dabei war nie einer betrunken, eher liebevoll konzentriert auf die mit dem Gesagten verbundenen Emotionen.“

Ein anderes Ritual lernten sie, als sie mit ihrem Guide im Südwesten von Angola unterwegs waren: „Sobald wir einen Übernachtungsplatz im Busch gefunden hatten, wurden zuerst die Campingstühle und der Tisch aufgestellt, dann aus der mitgeführten Kühltruhe Gläser mit Cola und Brandy gefüllt und beim Sundowner ein Tagesrückblick ausgetauscht. Erst danach stellten wir das Zelt auf und machten uns ans Kochen des Abendessens.“ Diese Rituale übernahmen sie teilweise für das eigene Wohlbefinden. „Auf unseren Trekkingreisen in Irian Jaya, bei den Kogi in Kolumbien oder den Naga in Myanmar, während denen wir den ganzen Tag eng mit Menschen ganz anderer Kulturen verbracht haben, lernten wir, wie wichtig es für unsere Psychohygiene ist, uns am Abend vor dem Nachtessen für eine halbe Stunde in das Zelt zurückzuziehen und von all den intensiven Eindrücken etwas Distanz zu gewinnen. Wir nennen das ‚Rückzug ins Recovery Tent‘“.

Das Paar realisierte schnell einmal, dass es unter Spannung steht, sobald es sich außerhalb der vertrauten Zivilisation aufhält. Das betrifft uns alle. Das Erlebte beschäftigt uns meist stärker, als wir das wahrhaben wollen. 

Auch hier denke ich wieder an die Kinder, die häufig mit Situationen beschäftigt sind, die für uns Erwachsene kaum Belang haben. „Emotionale Spannung kann leicht falsch ausagiert werden. Eine Möglichkeit sie zu reduzieren, ist der ritualisierte Tagesrückblick im Recovery Tent. Es ist ein Rückzug zum Reflektieren. In islamischen Ländern machten wir die Erfahrung, dass dieses Ritual auch ohne Alkohol wirkt“, sagt Holger. Zuhause brauchen Sylvia und Holger zwar kein Recovery Tent, aber dafür gönnen sie sich gelegentlich eine „Happy Hour“. Das bedeutet dann, dass sie einfach mal gemeinsam etwas geniessen, besprechen, innehalten.

Strategie 3: Lola rennt! 

Selbst in einer langjährigen Beziehung ist die Kommunikation zwischen den Partnern oft von Missverständnissen geprägt. Das führt unweigerlich zu gehässigen Reaktionen und Streit. „So sehr wir uns immer wieder mehr Gelassenheit wünschen und dauernd daran arbeiten, haben wir uns gelegentlich in einer Negativspirale mit unnötigen Verletzungen verrannt, aus der es fast kein Zurück mehr gab. Das Konzept mehrerer Optionen wird oft in Filmen umgesetzt. Dies geschieht durch die Darstellung alternativer Handlungsstränge („Was wäre, wenn…?“). Gute Beispiele dafür sind die Filme „Und täglich grüßt das Murmeltier“ und „Lola rennt“. Letzterer zeigt dreimal dieselbe Zeitspanne von 20 Minuten, jeweils mit kleinen Detailunterschieden, die die Handlung zu einem völlig anderen Ausgang führen“, berichtet Holger.

Eine ihrer ersten gemeinsamen Reisen: „Wir haben so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann.“

Auf einer fast sechs Monate dauernden Reise nach Zentralasien entwickelten sie folgende Regel: Sobald sich einer durch Äußerungen oder Handlungen verletzt fühlte, sprach er die Zauberworte: „Schnitt! Lola renn!“ Dem anderen wird damit klar, den „bisherigen Film“ hier anzuhalten und einen Moment innezuhalten. So erhalten beide die Gelegenheit, emotional etwas Distanz zu gewinnen und zu reflektieren, was bisher schief gelaufen ist. Erst dann ist es möglich, eine alternative Realität zu kreieren mit einer Wortwahl oder Handlung, die einen weniger verletzenden Effekt hat. Je früher die Intervention erfolgt, desto leichter fällt es dem anderen, darauf einzugehen. Oft führt dies dann sogar zu einem Lachen auf beiden Seiten. Grundsätzlich will ja keiner den anderen verletzen.

Die „Lola-rennt-Strategie“ habe ich tatsächlich schon bei meinen Kindern angewendet, bevor ich mit Holger und Sylvia gesprochen hatte. Beispiel: Ein Kind knipst abends vorm Schlafengehen das Licht aus, das andere bricht in Tränen aus, weil es auch das Licht ausknipsen wollte. Ich frage nach, wo das Problem liegt und wende dann „Lola rennt“ an. Das andere Kind darf das Licht ausknipsen. Manchmal lasse ich beide tatsächlich einige Male das Licht ausknipsen. Denn wem bricht es einen Zacken aus der Krone? Dem Stromnetz? Mir? Nein. Für die Kinder hat es aber eine große Bedeutung. Manchmal kommt es zu Konflikten zwischen mir und einem Kind. Und es gibt Gelegenheiten, da muss ich mir eingestehen, dass das Kind eine bessere Lösungsmöglichkeit vorgeschlagen hat als ich. Auch dann kommt „Lola rennt“ ins Spiel – meine Kinder dürfen dann ihren statt meinen Lösungsvorschlag umsetzen.

Selbst entscheiden, wer ich bin

„Es lohnt sich, um eine Paarbeziehung zu kämpfen, nicht nur auf Reisen“, sagt Holger. „Wir haben auch gelernt, dass wir die Bedürfnisse des anderen wahrnehmen und respektieren müssen“, sagt Sylvia. Sie erzählt ein Beispiel: „Manchmal kamen wir in ein Hotel, waren hundemüde und einer von uns warf sich sofort aufs Bett. Doch der andere sagte: Das hier stimmt für mich nicht. Lass uns woanders übernachten. Es gab Zeiten, da haben wir das nicht ernst genommen, waren genervt, weil wir nur an die eigene Befindlichkeit gedacht haben. Aber das Unwohlsein des anderen hat einen Grund. Das ungute Gefühl hat sich oft bestätigt. Und so haben wir gelernt das zu akzeptieren.“

Sie nennen es eine Co-Evolution, die sie auf den Reisen durchgemacht haben: „Wir haben gelernt, aufeinander zu hören und Vertrauen ineinander zu haben“, sagt Sylvia. „Uns hat die Auseinandersetzung mit dem radikalen Konstruktivismus geholfen: „Jeder Mensch kreiert sich seine eigene Wirklichkeit.“ Das ist nicht wertend. Ich muss nicht die die Wahrheit für mich in Anspruch nehmen. Jeder hat seine Sichtweise.  Manchmal ertappen wir uns  dabei, dass wir uns nicht nach diesen Erkenntnissen verhalten“, bekennt Holger. „Wenn etwas unerträglich wird, dann muss man das Gespräch suchen. Dem anderen sagen, ich leide darunter.“ Holger zitiert gerne den Kybernetiker Heinz von Förster: „In jedem Augenblick, kann ich entscheiden wer ich bin.“

Mehr über Sylvia und Holger: www.chaostours.ch

Fotos: privat

Wie bleiben Paare Paare? (Teil 1)

Direkt nachdem ich vor einigen Monaten ein Interview mit Sylvia Furrer und Holger Hoffmann für einen Reiseblog geführt hatte, fühlte ich mich wie nach einem guten Coaching. Dabei hatten die beiden mir bloß von ihren Reisen erzählt. Das Gespräch führte von ihren spannenden Reisen hin zu ihrer Art, miteinander umzugehen und zu leben. Furrer und Hoffmann sind seit über 45 Jahren ein Paar. Mir war gleich aufgefallen, wie die beiden übereinander sprachen. Das waren keine übertrieben verliebten Töne, sondern sie hatten einen guten Humor. Sie konnten über die vermeintlichen „Schwächen“ des anderen lachen, sich liebevoll aufs Korn nehmen, und gleichzeitig war in jedem Satz auch zu spüren, dass da Respekt ist. Ich wollte also unbedingt ein weiteres Interview führen. Ein Gespräch, in dem es um das Geheimnis einer funktionierenden Paarbeziehung gehen sollte. Was für ein Thema. Gibt es das überhaupt?

Die großen Herausforderungen für Paare beginnen, wenn einschneidende Erlebnisse den Alltag komplettieren. Kinder, Schwangerschaften mit unerwartetem Ausgang, gewünschte ausbleibende Schwangerschaften, Schicksalsschläge, Krankheiten, Jobverlust, Neuanfang an einem fremden Ort, … 

Vergleiche nicht

Die Geschichte einer Partnerschaft lässt sich niemals auf eine andere adaptieren. Ich habe damit aufgehört, Vergleiche zu ziehen, denn meine Familie ist einzigartig. Genau wie deine. Die Herausforderungen, vor denen wir stehen, sind – wenn ich jetzt doch wieder Vergleiche ziehe – Luxusprobleme, aber in ihrer Summe einzigartig: Wir sind in den vergangenen acht Jahren sechs Mal umgezogen. Wir sprechen zwei unterschiedliche Muttersprachen. Wir haben zwei Kindergartenkinder und keine Großeltern oder andere Verwandtschaft in unserer Nähe. Mein Mann ist angestellt, ich bin selbständig. Viele Umzüge, viele Neuanfänge. Viele Kita-Eingewöhnungen, viele Kranktage, viel Pandemie-Zeit. Wenn es Schwierigkeiten gibt, liegt das meistens daran, dass mindestens einer oder eine überfordert ist. Und das hat häufig rein gar nichts mit dem/der anderen zu tun. Trotzdem werden wir dann ungemütlich. Das gilt für Erwachsene genau wie für Kinder.

Leidenschaft und Herausforderung

Es mag etwas verrückt klingen – aber die große Herausforderung von Sylvia Furrer und Holger Hoffmann ist gleichzeitig ihre große Leidenschaft: Das Reisen. Das verbindet natürlich auch. „Unser Stil zu Reisen ist jedoch für eine Paarbeziehung immer wieder eine harte Belastungsprobe. Dass wir immer noch ein Paar sind, schreiben wir drei Strategien zu, die wir in den letzten 45 Jahren miteinander auf unseren Reisen entwickelt haben“, sagt Holger. Sylvia und Holger reisten mit Rentieren durch Sibirien, sie lebten bei Indianern im Amazonas, besichtigten die höchsten Sanddünen der Welt in der Inneren Mongolei, zogen mit einem Guide, der mit ihnen lediglich mittels Gesten kommunizierte, durch Mauretanien. Gerade sind sie unterwegs auf einer Camperreise von der Schweiz bis nach Südafrika. Von 1977 bis heute haben sie gemeinsam 78 Reisen außerhalb Europas unternommen, davon die Hälfte in Asien und knapp ein Drittel in Afrika. Lediglich acht Reisen waren „on the beaten track” und drei mit dem eigenen Fahrzeug.

Fairness, Augenhöhe, Verantwortung

Sie lernten sich in Bern im Studentenwohnheim kennen . Holger, Medizinstudent, Sylvia studiert Jura. Das war 1975. Später unterstützt Holger Sylvia, als sie ihren MBA in Rochester, New York macht. Holger wird Chefarzt am Zentrum Psychiatrische Rehabilitation an der Uni Bern. 

Von Anfang an führten sie eine Beziehung auf Augenhöhe. Keiner nahm sich selbst wichtiger als den anderen. Sylvia hatte Holger im Studentenheim gezeigt, wie man ein Hemd bügelt, Holger hatte Sylvia gezeigt, wie man die Waschmaschine bedient. Ein Grundsatz der beiden – von Beginn an: „Wir streiten nicht wegen Haushalt.“ Sie unterstützen den jeweils anderen im Erreichen der beruflichen Ziele. „Wir hielten uns von Anfang an an an die beiden Hauptsätze der Verantwortungsdynamik, die sich an die der Thermodynamik in der Physik anlehnen: Erstens: Die Summe der Verantwortung in einem System ist konstant. Zweitens: Wer die Verantwortung übernimmt, der hat sie auch (und behält sie auch meist). Mit anderen Worten: Wenn einer Unordnung schlechter erträgt, als der andere, sorgt er für Ordnung eund der andere kann sich darauf verlassen und sich zurücklehnen“, sagt Sylvia. Deswegen sei es im Übrigen auch so schwierig, Kindern Aufräumen beizubringen. „Für Kinder ist klar, dass das der Job der Eltern ist. Denn die wollen die Ordnung ja auch und nicht die Kinder. Und daher ist es nur normal, dass Kinder nicht aufräumen“, erklärt Sylvia. Dieser Grundsatz habe die Beziehung ungemein entspannt. „Es gibt innerhalb einer Beziehung genug Konfliktpotenzial“, sagen die beiden. 

Ein weiterer Grundsatz sei der der Fairness. „Um herauszufinden, was faire Verhältnisse bedeuten, muss ich eigentlich nur mein Hirn anschalten“, sagt Sylvia. Und so war es auch für Holger schon in den 70er-Jahren klar (immerhin gibt es in der Schweiz Kantone, in denen Frauen erst seit 1966 das Wahlrecht haben), dass seine Partnerin beruflich dieselben Möglichkeiten haben sollte wie er. 

Neue Strategien

Nach diesen Regeln lebten sie von Beginn ihrer Beziehung an. Herausforderungen blieben selbstverständlich dadurch nicht aus. Sowohl in ihrem Alltag als auch auf den spannenden Reisen. Daher mussten sie neue Strategien entwickeln, um auch diesen Herausforderungen standhalten zu können. 

In Teil 2 erfährst du, welche Strategien die beiden für sich entdeckten und sowohl auf ihren Reisen als auch zuhause anwenden, wenn es wild wird. Und hier geht es zu Teil 2.

Mehr über Sylvia und Holger: www.chaostours.ch

Die Instacrux

Am Montagabend blieb für einige die Welt stehen. Für mich nur Instagram, Facebook und WhatsApp. Das war – ehrlich gesagt – angenehm. Von mir aus können die sozialen Netzwerke ab und zu ruhig für ein paar Stunden zusammenbrechen.

Auch ich scrolle abends durch Instagram und halte angeblich via Facebook den Kontakt zu vielen Menschen aufrecht. Aber ich schreibe hier nicht, weil ich gerne Influencerin wäre oder glaube, mein Instagramprofil müsse unbedingt Tausende Follower haben. Ich freue mich, wenn sich jemand auf diese Seite verirrt und einen Text hier liest. Die sind aber den meisten Menschen heute ohnehin zu lang. Wenn ich ehrlich bin, juckt mich nicht, wie viele sich Fotos auf meinem Account anschauen. Bin ja keine Fotografin. Mein Leben wird durch „Likes“ nicht eine Sekunde lang heller. Kürzlich las ich unter einem Instagram-Profil: „Your number of followers does not make you better than anyone else. Hitler had millions. Jesus had twelve.“ Zugegeben: Ich musste schmunzeln.

Bin ich noch zu retten?

Ich stelle mir ziemlich häufig die Frage, ob jemand, der wie ich selbständig arbeitet und dann auch noch mit den Themengebieten Text, PR und Yoga, nicht auf jeden Fall einen Instagram-Account bedienen muss. Ich bin mir sicher, dass ich kaum Kunden über Instagram akquiriert habe. Aber wie finde ich sie? Oder: wie finden sie mich?

Ich bin nicht mehr 22. Meine Kunden auch nicht. Manchmal denke ich, ich sollte mehr Zeit in LinkedIn stecken, in eine vernünftige Webseite und den Rest einfach lassen. Stattdessen suche ich mir für diesen Artikel bewusst ein Bild aus, das mich in Poser-Pose zeigt. Hirnverbrannt? Oder nur normal? Bin ich noch zu retten?

Ich beobachte mit Sorge, dass junge Sportler, die es bis in die Weltspitze schaffen, von potentiellen Sponsoren zu hören bekommen, sie müssten sich Instagram-Follower kaufen, bevor sie einen Vertrag bekommen könnten. Und ich sehe schon lange das „Social Dilemma“ oder wie ich es auch nenne, die „Instacrux“: Während wir sozialen Netzwerken viel abgewinnen können, lassen sich gerade junge Menschen (besonders Mädchen) von den sogenannten Influencer/innen hinters Licht führen. Damit meine ich nicht, dass sie jeden Scheiß kaufen, der glatte Haut, schöne Haare oder schmerzfreie Menstruationstage verspricht. Ich meine, dass sie glauben, die Welt sei Instagram. 

Inszenierte Identität

Autorin Jacqueline Draheim-Frank ist Biologie- und Germanistiklehrerin und studierte Psychologin. Sie beschäftigte sich mit dem Thema „die digitale Identität als Stressor für Jugendliche“ und sagt: „Jugendliche können ihre Identität inszenieren und andersrum perfekt kreierten Identitäten folgen. Es findet eine immer abrufbare Konfrontation eines Vergleichssystems auf Knopfdruck statt. Die Person, der ich folge, ist schöner, schlanker, sportlicher, erfolgreicher, fröhlicher, mutiger, hat mehr Freunde, erlebt mehr, sie stellt das dar, was ich nicht habe und nicht bin, zumindest auf den ersten Klick.“ Das heißt: Die Jugendlichen müssen sich nicht nur im realen Leben behaupten und Anerkennung in der gleichaltrigen Gruppe finden, sie müssen es auch in der digitalen Welt schaffen. „Sie müssen Freunde und Follower finden und stehen in Konkurrenz mit perfekt inszenierten Scheinrealitäten. Das Fotoshop-Selfie, die Fotografie des eigenen Selbst, wird ständig begleitendes Darstellungsmittel und sucht nach Likes“, sagt Draheim-Frank, die auch Yogalehrerin und Heilpraktikerin ist.

In einer ihrer Hausarbeiten zitierte sie die Direktorin für Medien- und Kommunikationsmanagement der Uni Graz: „Es geht nicht um die ehrliche Suche nach dem: ‚Wer bin ich?‘  sondern nach:  ‚Wie muss ich sein, damit mich die andern liken?'“

Depressionen, Magersucht

Die Befragung von 1479 Jugendlichen zwischen 14-24 Jahren durch die „Royal Society for Public Health“ informiert, dass jeder sechste Jugendliche aufgrund sozialer Mediennutzung unter Angstzuständen leidet. Vor allem seien es Depressionen, verminderte Selbstwahrnehmung, Schlafmangel und Cyperbulling (Internet Mobbing), sowie die Angst davor, etwas zu verpassen (FoMO, Fear of missing out, www.safersurfing,de, Jugendliche und der Einfluss von social Media, 24.6.2018). So gesehen war das also gar nicht so überraschend, was Whisteblowerin Frances Haugen kurz vor dem stundenlangen Shutdown gegen Zuckerbergs Konzern ausgesagt hatte.  Es ist eher logisch.

Kein Geheimnis, dass Facebook und Instagram von Empörung profitieren. Ihre Algorithmen sind darauf ausgerechnet, denn ein bestimmtes Gefühl lässt sich leicht in den Sozialen Netzwerken triggern: Wut. Das haben wir besonders schön während der noch andauernden Corona-Pandemie zu spüren bekommen. 

Kann das yogisch sein?

Also fragte ich mich in dieser Woche mal wieder: Wie möchte ich meine Kinder im Umgang mit sozialen Netzwerken sehen? Was sollen sie von ihrem Leben preisgeben und mit einer Öffentlichkeit teilen? Wie sehr soll sich unser Leben generell auf das Netz beschränken? 

Wie lässt sich auch in der aktuellen Zeit ein gesunder Umgang mit den sozialen Medien lernen (schließlich habe ich meinen heutigen Mann auf Facebook „wiedergefunden“ und übrigens über das soziale Netzwerk mit manchen früheren eher flüchtigen Bekanntschaften begonnen, einen innigeren Kontakt zu pflegen …)? Möchte ich Teil einer Welt sein, die logischerweise nur im Außen stattfindet? Ich erwarte keine Antworten und gebe in diesem Artikel auch keine. Er berichtet einfach von meinen Gedanken, die natürlich auch immer wieder um das Thema kreisen: Sind Yogis auf Instagram tatsächlich yogisch?

Fünf Wochen Staunen

Doris Iding ist in der Yogaszene keine Unbekannte. Sie ist seit 20 Jahren Redaktionsmitglied von Yoga Aktuell und hat viele Bücher zu den Themen Meditation, Achtsamkeit und Yoga geschrieben – 18 davon wurden in andere Sprachen übersetzt. Ich habe mit der MBSR- und Meditationslehrerin über ein ganz besonderes Erlebnis in ihrem Leben gesprochen: ein fünfwöchiges Schweigeretreat in Thailand, ausgerechnet kurz bevor die weltweite Corona-Pandemie ausbrach …

Vor Weihnachten 2019 und bis Ende Januar 2020 warst du in Thailand auf einem fünf Wochen andauernden Schweigeretreat. Wie war der Tagesablauf?

Morgens begann die erste Meditation um vier Uhr. Um sieben war die nächste gemeinsame Meditation, bei der wir auch gemeinsam gechantet haben. Dann gab es Frühstück und danach war eigentlich erst einmal freie Zeit. Zwischen 11.30 Uhr und 13 Uhr gab es Mittagessen, danach gab es immer einen Vortrag. Der Nachmittag war dann wieder frei und um 18 Uhr gab es eine letzte gemeinsame Meditation. 

War euer Retreat-Leiter, ein ehemaliger buddhistischer Mönch, sehr streng mit euch?

Nein, überhaupt nicht. Wir waren alle sehr frei. Das schätze ich auch so an Master Han Shan. Das war auch das Tolle an dieser Zeit: Wir konnten so viel meditieren, wie wir wollen. Nichts war Pflicht. Für mich, jemanden, der sehr unruhig ist und sich beispielsweise sehr schwer damit tut, den ganzen Tag lang zu sitzen, war das wunderbar. 

Und was hast du dann in der freien Zeit eigentlich gemacht? Wie kann man sich das vorstellen, fünf Wochen ohne „Geschwätz“?

Oh, ich habe das einfach sehr genossen. Ich habe viele Sitzmeditationen und auch sehr viele Geh-Meditationen gemacht. Es gab einen kleinen Wald, in dem mehrere Tempel standen. Dort habe ich mich sehr viel und sehr gerne aufgehalten. Ich habe die Natur genossen. Einfach gestaunt. Und ich habe auch viel geschrieben. In so einer Zeit fliesst es natürlich nur so aus einem heraus. Und ich habe viel gemalt. Das ist aber auch eine Art Meditation.

Fünf Wochen keine Gespräche. Nicht mal mit dir selbst, war das nicht sehr hart?

Ich habe das sehr genossen, weil ich normalerweise sehr viele Menschen treffe. Ich fand es auch sehr entspannend, mich nicht austauschen zu müssen über die bekannten Yogalehrer, die ich für Yoga aktuell interviewt habe. Wir alle definieren uns auch in der Yogaszene doch sehr über solch äußere Dinge. Deshalb habe ich es sehr genossen, einmal nur für mich zu sein. Allerdings habe ich um Weihnachten, Silvester und Neujahr ein paar SMS geschrieben – das war auch total okay. Ich hatte auch sehr klare Träume in dieser Zeit. Und wenn ich von jemandem träumte, den ich kannte, habe ich auch mal eine WhatsApp geschrieben. Das war völlig okay für mich. Ich habe mich dabei auch sehr gut beobachten können und konnte erkennen, wie viel Energie so ein Handy absorbiert. Die Nachrichten, die ich dann gelesen haben, haben mich natürlich auch sofort wieder weggebracht von der inneren Stille: raus aus der Stille, rein ins Gedankenkarussell. Es war sehr spannend, diesen Prozess zu beobachten. Es war auch sehr spannend, wie gut es mir dann mit etwas Übung gelungen ist, mich wieder zu mir selbst zurückzuholen. Davon abgesehen: Ich finde wir müssen nicht immer so streng mit uns sein. Die Strenge während eines Retreats oder während der spirituellen Praxis ist für mich etwas sehr Männliches. Sie stammt aus den alten, patriachalen spirituellen Traditionen. Die sind meiner Ansicht nach heute nicht mehr gültig. Ich glaube wir dürfen eher lernen, etwas mehr Selbstmitgefühl mit uns zu haben. Aber natürlich braucht es ein gewisses Maß an Selbstdisziplin, um während eines solchen Retreats tiefe Erfahrungen machen zu können. Selbstverantwortung war hier auch eine wichtige Botschaft für uns. Wir sollten selbst entscheiden, wie viel wir praktizieren. Und das fand ich sehr schön.  

Fünf Wochen sind aber nun nicht sieben Tage. Gab es nie den Moment, an dem du dir gesagt hast: Jetzt reicht es?

Doch, den gab es natürlich. Und du hast Recht, fünf Wochen sind sehr lang. Das sagte übrigens auch unser Retreatleiter. Jemand, der so etwas noch nicht gemacht hat, sollte vielleicht nicht unbedingt mit fünf Wochen starten. Eher mit drei. Und genau das war auch der Zeitpunkt, da habe ich gedacht: „Jetzt habe ich genug.“ Ich mache so etwas aber auch nicht zum ersten Mal, ich würde sagen, einmal im Jahr gehe ich in die Stille. Das mache ich schon viele Jahre. Aber so lange am Stück habe ich das natürlich auch noch nie gemacht. Ich hatte dann nach drei Wochen wirklich den Impuls: Jetzt reicht es mir, jetzt habe ich so viel erfahren, so viel gelernt. Und dann habe ich mir einfach gesagt: Jetzt mache ich es mir hier schön. Jetzt genieße ich das einfach. Wir waren ja wahnsinnig gut versorgt, das Essen war superlecker. Da war eine gute Energie, das wollte ich nutzen. Und: ich wollte natürlich auch durchhalten. Früher hätte ich nach drei Wochen meine Koffer gepackt und wäre an den nächsten Strand gefahren und hätte mir dort noch zwei schöne Wochen gemacht. Deshalb war es eine schöne Erfahrung für mich, dazubleiben und nicht wegzulaufen für mich in einem Moment, in dem es mir reicht. 

Was hast du als besonderes Learning mitgebracht?

Das Staunen. Das habe ich auf diesem Retreat wirklich wieder gelernt. Zu staunen. Beispielsweise über den Sternenhimmel. Der war wirklich unglaublich. Und dann dieser Moment am frühen Morgen, wenn es in Asien von einem auf den anderen Moment hell wird. Ein unfassbarer Moment. In so einer Situation hast du ja wirklich wieder Zeit, dich auf solche Dinge zu fokussieren, sie bewusst wahrzunehmen. Ich erinnere mich aber auch noch an einen Schmetterling, den ich tagelang beobachtet hatte und der mich sehr faszinierte. Eines Tages habe ich einfach meine Hand geöffnet und er hat sich auf diese Hand gesetzt. Das war eine absolut bildliche Erfahrung: Die Dinge kommen schon zu mir, ich muss ihnen nicht hinterherrennen …

War es schwierig, nicht mit den anderen Gästen zu sprechen?

Ja und nein. Es gab einen Retreatleiter, der sehr genau darauf geschaut hat, dass wir uns nicht unterhalten. So etwas macht mich jedoch eher wütend. Ich bin keine drei Jahre alt, sondern kann selbst entscheiden, was ich tue. Und davon abgesehen, wenn man sich unbedingt mit jemanden austauschen wollte, gab es doch immer eine Gelegenheit, sich zu treffen ohne das andere es gesehen haben. Aber alles in allem hat es schon sehr gut getan, bei sich zu bleiben. Wir sind normalerweise ja doch sehr abhängig davon, ob andere uns anlächeln, mit uns sprechen etc. Und mal ganz für sich zu sein, ohne anderen gefallen zu wollen, Anerkennung zu bekommen etc. hat schon auch etwas sehr Befreiendes. 

Der Retreat war kurz vor dem Lockdown, du bist am 23. Januar zurückgekommen. Aus der Stille in eine eigentlich neue, veränderte Welt. Wie war das?

Ich bin aus der Stille zunächst nach Bangkok auf den Flughafen gekommen und das überforderte mich total. Ich hatte da den Impuls: jetzt ist mal Schluss mit dieser ewigen Reiserei. Diese fünf Wochen haben mich so in mein Herz gebracht, und da dachte ich wirklich: Ich will nicht mehr so viel Reisen. Als ich in München ankam, hat sich dieser Gedanke noch mehr verfestigt. Und dann kam ja auch schon bald Corona. Eigentlich war Corona ein Geschenk für mich. Denn in der gewohnten Umgebung musste ich erst einmal ein gutes Mittelmaß an Treffen mit Freunden und Familie und Stille finden. Ich war unvorbereitet darauf, wieder in das normale Leben zurückzukommen. Ein weiteres Mal würde ich mir aber auch einfach mehr Zeit lassen mit dem Ankommen. Ich hatte beispielsweise kurze Zeit später Geburtstag und dachte, ich wolle das unbedingt mit einigen Leuten feiern. Ich habe bei der Vorbereitung gemerkt, dass mich alleine das einkaufen überfordert hat. Ich habe das Fest wieder abgesagt. Gespräche haben mich die ersten Wochen sehr angestrengt. So gesehen war der Retreat eine tolle Vorbereitung auf die Pandemie-Zeit. 

Kannst du das noch etwas genauer erklären?

Ja, wir denken ja auch immer, wir müssten arbeiten oder irgendetwas tun oder erledigen. Am besten 24 Stunden rund um die Uhr kreativ sein. Dürften keine Minute dabei verlieren. Die Corona-Zeit hat uns gezeigt, dass das eben nicht so ist, dass es auch mal anders geht. Und das ist eine Erfahrung, die ich auch während dieser Reise gemacht hatte. Und fünf Wochen Schweigen haben natürlich sehr gut auf den gesellschaftlichen Stillstand vorbereitet.

Müssen wir, um uns selbst kennenzulernen, beginnen, zu schweigen?

Ich finde, dass Meditation eine wunderbare Art ist, sich kennenzulernen. Dieses „Nachinnenschauen“ offenbart uns, wer wir sind, wie wir denken, wie wir fühlen. Das kann natürlich für viele sehr erschreckend sein. Besonders dann, wenn man sehr auf äußere Reize fixiert ist und von der Anerkennung anderer durch Klicks und Likes angewiesen ist. Dann kann einen schon mal ein Gefühl von Leere überkommen, wenn man schweigt und sich mit sich selbst konfrontiert. Aber man braucht nicht gleich mit einem Fünf-Wochen-Retreat beginnen. Vor 20 Jahren hätte ich fünf Wochen Schweigeretreat nicht ausgehalten. Ich glaube, wer wirklich achtsam ist, lernt sich jeden Tag neu kennen. 

Mehr über Doris Iding: http://vomglueckderkleinendinge.blogspot.com

8 Tipps für den“ Yoga-Glow“

Kürzlich sprach ich mit Freundinnen über die Zeit vor den Kindern, als ich fünf Mal in der Woche zum Yoga rannte. Für Sport hatte ich danach auch noch Zeit. Heute ist das anders. Vor ein oder zwei Wochen habe ich den Podcast von Wanda Badwal „Yoga beyond the asana“ gehört, in dem sie mit der langjährigen und bekannten Yogalehrerin Gabriela Bozic spricht. Mal wieder so ein tolles tiefgründiges Gespräch zwischen zwei Frauen, die ich mir im Anschluss ans Hören der Podcast-Folge als beste Freundinnen wünschte. Alle beide! Ich musste schmunzeln, als Wanda Badwal, zum Zeitpunkt des Interviews im dritten Trimester ihrer Schwangerschaft, lachend davon berichtete, wie sie sich nun langsam von ihren Routinen verabschiede: Stundenlange Meditation am Morgen, Asanas, Journaling. Gabriela Bozic sagte sehr schön: „Ich kenne keine Mutter, die fünf Mal in der Woche 90 Minuten auf der Matte übt.“ Zwischen Familie, Beruf und dem, was sonst noch zum Leben gehört, auch Routinen für die Selbstfürsorge einzubauen, ist nicht einfach. Das ist auch gar nicht schlimm. Ich habe für mich ein paar Tricks entdeckt, die mir helfen, meinen „Yoga-Glow“ – wie ich es nenne – zu behalten, auch ohne stundenlanges Meditieren und Asana-Praxis.

Diese acht Tipps helfen mir dabei, in meiner „Mitte“ zu bleiben. Natürlich schaffe ich es auch nicht immer, alle acht Tipps umzusetzen. Aber mindestens ein paar davon.

1. Prep deine Ernährung

Einige werden denken: Ausgerechnet mit dem Thema kommt sie um die Ecke! Jeder normale Mensch weiß, dass gesunde Ernährung und stressiger Alltag nicht miteinander in Einklang zu bringen sind. Dennoch: es gibt ein paar Regeln, die sich sehr wohl gut einhalten lassen. Dabei ist Vorbereitung alles. „Meal Prep“ ist so ein typischer in Mode gekommener eingedeutschter Begriff für „Vorkochen“. Ist trotzdem toll. Die Speisen selbst zuzubereiten, bedeutet, ein besseres Bewusstsein dafür zu bekommen, was wir unserem Körper zumuten. Meal Prep verhindert Heißhungerattacken, die immer – sowohl während ihrer Entstehung als auch nach der Tilgung mit etwas Süßem, Fettigen, Fertigen – zu Unmut führen. Das was wir essen, hat einen wesentlichen Einfluss auf unsere Stimmung und unser Wohlbefinden. Wenn ich weiß, dass die kommende Woche anstrengend wird, nehme ich mir am Wochenende bewusst Zeit dazu, vorzukochen. Auch wichtig: Der Körper braucht Essenspausen, damit die Verdauungsorgane zur Ruhe kommen können. Deswegen – wenn dir Intervallfasten zu anstrengend ist (was ich verstehen kann), führe ab und zu eine Essenspause von 14 Stunden ein. Das ist umsetzbar. Beispielsweise: Letztes Essen des Tages um 18 Uhr, Frühstück um 8.00 Uhr. Lass es zu einer Routine werden, morgens zunächst einen warmen Tee zu trinken oder warmes, abgekochtes Wasser. Und der Super-Tipp: Ernähre dich (wenn es irgendwie geht) pflanzlich.

2. Optimiere deinen Schlaf 

Schlaf zählt zu den wichtigsten Regenerationsstrategien des Menschen – und leider schlafen die wenigstens von uns gut. Ich eingeschlossen. Fünf Jahre Stillen haben meinen Schlafrhythmus komplett durcheinander gebracht. Durchschlafen? Was ist das? Ein paar kleine Helfer habe ich mir zugelegt. Einer davon ist die Meditation. 16 Minuten reichen, um meinen Körper herunterfahren zu lassen. Manchmal spüre ich nach einer Meditation am Abend, dass sich mein gesamter Körper wie Wackelpudding anfühlt: Null Spannung. Wenn ich in diesem Zustand auch nicht unbedingt durch die Welt laufen möchte – so ins Bett zu gehen, ist wirklich angenehm. Wenn du nicht weißt, wie du starten sollst, probiere geführte Meditationen aus. Davon gibt es viele im Netz, und darunter richtig gute. Vermeide den Fehler, nach dem Meditieren das Smartphone zu checken oder Fernsehen zu schauen. Wenn ich abends meditiere, kommt das nach dem Zähneputzen. Und danach kommt dann nichts mehr, höchstens der Gedanke, die Flasche Wasser am Bett nicht zu vergessen. Ein anderer Einschlaftrick ist übrigens Golden Milk – aus Pflanzenmilch – mit  Kardamom. Kardamom wirkt beruhigend. In den kalten Monaten ist das ein wundervolles, für mich nahezu sinnliches Ritual.

3. Atme

Oben habe ich von 16 Minuten Einschlafmeditation geschrieben. Das gelingt mir nicht jeden Abend. Generell geistert in der Yogaszene der Gedanke, nur stundenlanges Meditieren sei Meditieren. Das stimmt nicht. Es gibt viele Arten von Meditation. Integriere sie in dein Leben wie einen Espresso oder ein Stück Schokolade. Übe es, in den verschiedensten Situationen deines Alltags, für eine 30-sekündige Erinnerung inne zu halten. Das reicht, um zu spüren, was wichtig ist, was dich bewegt oder warum du aufgebracht bist. Lerne, bewusst zu atmen. Das klappt nicht 24 Stunden am Tag. Es geht darum, die Besinnung auf die Atmung immer wieder in den Tagesablauf einzubauen.

4. Less Multitastking

Es gibt eine Ausnahme bei der Multitasking in meinem Leben effektiv ist: Wenn ich putze oder aufräume und gleichzeitig einem inspirierenden Podcast lausche. Das funktioniert sehr gut. Ansonsten ist Multitasking etwas, was meiner Meinung nach leider irgendwann in Mode gekommen ist und in Wahrheit dazu führt, dass wir zwei wesentliche Dinge verlernen: wirklich zuzuhören und uns mit Hingabe einer Sache zu widmen.

5. Less Social Media

Leg das Handy weg, wenn du mit den Kindern spielst oder zusammen bist. Wer oder was etwas auf Instagram postet, ist nicht wichtig. Und ich glaube, selbst bei meinem Job, wo es um Redaktionsschluss, Endabnahmen und Interviewtermine geht, kam noch selten eine Email nach 15.30 Uhr, die so wichtig war, dass sie zwingend vor dem nächsten Morgen hätte beantwortet werden müssen. Dieser Punkt zählt sozusagen zu Less Multitasking.

6. Mach Krafttraining

Muskeln machen glücklich. Ja, das klingt wahnsinnig oberflächlich und albern aber es ist wissenschaftlich erwiesen. Wenn Muskeln aktiv sind, produzieren sie einen Zauberstoff. Myokine sind Botenstoffe, die alle inneren Organe stimulieren und die Aktivität unseres Gehirns beeinflussen. Ich bräuchte, um das zu spüren, keine wissenschaftlichen Belege. Immer wenn ich Krafttraining gemacht habe, durchflutet meinen Körper ein gutes Gefühl, auch wenn er manchmal erschöpft ist. Noch lange ist nicht alles darüber erforscht, was Myokine können, von den vermuteten über 1000 Arten, sind bislang nur etwa 100 bekannt. Manche von ihnen sollen das Immunsystem fördern, vor Diabetes und Herzinfarkt schützen, sogar Krebs und Arteriosklerose entgegenwirken können. Ausdauersport ist toll, dient aber nicht dem Muskelwachstum. Bevor du jetzt an Bodybuilding denkst: es reicht, mit dem eigenen Körpergewicht zu arbeiten. Es gibt Unmengen von Übungen, manche davon lassen sich sogar am Schreibtischstuhl ausführen. 

7. Gönn dir Auszeiten

Vor kurzem hatte ich die erste richtige Auszeit seit ich Mama bin. Yep. Meine älteste Tochter wird bald sechs. Ich war einige Male ein bis zwei Nächte am Stück weg. Dann war ich immer auf Terminen, hatte Engagements als Yogalehrerin, Lesungen oder Lehraufträge. Länger als 48 Stunden war ich nicht von meinen Kindern getrennt. Das hat sich meiner Meinung nach ausgezahlt. Aber es ist unheimlich erholsam Zeit mit sich selbst zu verbringen. Besonders fruchtbar ist das, wenn ich dann wirklich Zeit für mich habe. Diesen Sommer war ich fünf Tage und Nächte alleine zu Hause, während mein Mann noch mit den Kindern Ferien machte. Ich hatte Zeit. Das kann wunderbar heilsam sein, Erstaunliches hervorbringen und letztlich führte es natürlich dazu, dass ich wieder gestärkt in den Alltag zurückkehren konnte. Wenn du spüren willst, was dich bewegt, brauchst du Zeit für dich. Das geht nicht immer und auch für mich bleiben solch längere Auszeiten die Ausnahme. Dafür aber habe ich mir vorgenommen, mich regelmässig mit kleineren Auszeiten zu verwöhnen – wie beispielsweise der Thai Yoga Ausbildung vor einer Woche oder einem Yogalehrer-Training, dass ich demnächst nur einen Tag lang in Hamburg absolviere.

8. Vergebe

Rege dich weniger über andere auf, schimpfe weniger. Versuche dich daran zu erinnern, warum alle Menschen unterschiedlich sind, jeder andere Wahrheiten hat und dass wir in Wahrheit niemals wollten, dass Männer wie Frauen und Frauen wie Männer fühlten. Vergebung ist das ultimative Tool, das mir geholfen hat, noch entspannter, gelassener und damit glücklicher durchs Leben zu gehen. Einfach ist Vergebung nicht. Aber du kannst sie üben und alleine das ist schon heilsam. 

Berührung, Berührung

Endlich beginnt meine Thai Yoga Körperarbeit Ausbildung. Darauf warte ich schon lange. Als ich schwanger war mit meiner jüngsten Tochter wollte ich diese Ausbildung unbedingt machen. Da durfte ich nicht. Thai Yoga ist zwar für Schwangere besonders wohltuend, aber meine Ausbilderin fürchtete, dass ich als Gebende eventuell zu schwer heben müsse. Und dann, als ich mich bereit fühlte, die Ausbildung erneut anzugehen, kam Corona. Thai Yoga. Corona. Vielleicht klingelt es. Es geht um Berührung.

War da nicht was?

Berührung? Hä? War da nicht was? Ja genau. Eigentlich war da gar nichts. Jedenfalls nicht beim Yoga in den letzten 500 oder so Tagen. Weiß eigentlich irgendjemand was das überhaupt ist? Und nun wird also genau das stattfinden: Berührung on masse. Vier Tage lang. Ich freue mich wirklich. Ich werde so tief eintauchen, kannste glauben!

Entspannung auf einer tiefen Ebene kennenlernen – das bedeutet Thai Yoga. Achtsame Berührung üben und die Magie, die darin steckt, zu erfahren: Thai Yoga. Fühlen, Loslassen und stille Kommunikation. Ach, wie gut das klingt! Und ich freue mich auf eine tiefe Art von Verbindung, die, wie ich finde, in den letzten Jahren irgendwie verloren gegangen ist, weil wir alle glauben, wir müssten immer und überall mit anderen einer Meinung sein. Ich nehme mich da nicht aus. Ich kann mich sehr gut aufregen über andere Meinungen. Aber jetzt geht es vier Tage lang um Verbindung. Was für ein Glück!

Plädoyer für die Schusseligkeit

Ich freue mich auch darauf, wieder so tief in ein Thema einzutauchen, mich stundenlang mit nur einer Sache zu beschäftigen, viel zu meditieren und zuzuhören. Dass der Alltag wahnsinnig anstrengend für unser Gehirn ist, ist nichts Neues. Trotzdem war auch ich ganz dankbar, als ich Claudia Schaumanns neuesten Beitrag auf wasfuermich.de lesen konnte. „Ach guck mal“, dachte ich. Ich bin so gut darin, achtsam im Unachtsamen zu sein, hihi. Ich habe auch schon viele Sachen verloren und verlegt. Schaumann schreibt da eine Art Plädoyer für die Schusseligkeit. Das ist eine schöne Erinnerung daran, dass wir nicht mehrere Dinge gleichzeitig machen sollen. Und ich darf mich vier volle Tage lang ganz auf diese eine Sache konzentrieren.

In den Flow …

Per Zufall – und ein bisschen auch aus gutem Grund – bin ich übrigens über diesen Text gestolpert. Sehr sympathisch fand ich den Hinweis zur Morgenroutine. Denn wer hat schon im normalen Alltag die Möglichkeit stundenlang zu meditieren? „Eine Runde Dankbarkeit, zehn Minuten Meditation und eine Atemübung – dann der Kaffee“ – das klingt, als lasse es sich einrichten, oder? Ist meiner neuesten Start-in-den-Workflow-Routine nicht unähnlich. Zwischen zehn und 16 Minuten Meditation bedeuten am Ende des Tages nämlich nicht, dass ich für irgendetwas anderes tatsächlich weniger Zeit gehabt hätte. Im Gegenteil. Ich mache das meistens gerade bevor ich mich an den Schreibtisch setzen möchte. Klingt klischeehaft, aber mir ist in den letzten Tagen vieles gelungen, was ich schon lange mal fertigbringen wollte …

reConnectem… for free

Ich schreibe es vorweg: Ich scrolle manchmal durch Instagram, während meine Kinder einschlafen sollen und ich habe in meinem Leben viele SMS verschickt, während ich stillte. Bekenne mich schuldig!

Am Freitag habe ich etwas beobachtet. Covid-19 hat seltsame Dinge in unser Leben gebracht. Dazu gehört, dass Eltern ihre Kinder an den Eingangstüren von Kindertagesstätten in Empfang nehmen, als würden sie am Morgen vorm Heiligen Abend in der Bäckerei die Brötchenbestellung abholen. Wenn es eine größere Einrichtung ist oder die Eltern auf neue Erzieher/innen treffen, hört sich das auch ein bisschen so an wie in der Bäckerei: „Den Levi, bitte.“ „Für mich die Juli.“ „Mit Sahne bitte“, rutscht mir manchmal raus. Ist albern. Weiß ich. Am Freitag kam ich zur Eingangstür. Ich musste nicht klingeln, weil vor mir schon weitere wartende Erziehungsberechtigte standen. Und auch eine Oma aus Asien. Die kenne ich schon vom Sehen. Jedes Mal wenn ich sie sehe, telefoniert sie sehr laut in einer Sprache, die ich nicht verstehe. Das ist ihr gutes Recht. Gut, die Lautstärke könnte sie drosseln, aber ich gehe einfach davon aus, dass sie vermutet, sie müsse die tatsächliche Distanz zu dem Gesprächspartner durch die Frequenz der Lautstärke überwinden. Mir ist aufgefallen, dass sie jedes Mal, wenn sie die Kinder (oder das Kind, meine Güte, so genau hatte ich es bislang nicht betrachtet) in Empfang nahm, das Mobiltelefon nicht aus den Augen lassen konnte. Die Gespräche waren meistens beendet, aber das Telefon immer noch das Objekt der Aufmerksamkeit. Ich dachte immer, da hat jemand wirklich Heimweh. Muss bestimmt noch die ganzen Nachrichten aus Asien sichten, da ist ne Menge los, das ist mir klar. Na ja. Seit Freitag weiß ich es besser.

Diesmal telefonierte sie gar nicht. Sie tippte wie verrückt auf ihr Smartphone ein. Dann kam das Kind. Da wurde gesprochen, ich habe nichts verstanden. Geht mich nichts an. Aber vor allen Dingen wurde weiterhin in die Tasten gehauen. Der Blick galt dem Smartphone. Nicht dem Kind. Und dann – ich dachte erst, die warten noch auf ein weiteres Kind – hatte sich die Oma vor dem Kind in die Hocke begeben, mit dem Rücken zu mir. Ich konnte – ich geb’s zu – einen Blick auf das Smartphone werfen. Sie spielte – und das habe ich recherchiert, ich kannte es nicht, Ehrenwort – reMovem free. Oder so etwas ähnliches, ich will mich nicht zu 100 Prozent festlegen, aber das was ich gesehen habe, entsprach meinen Recherche-Ergebnissen. Das ist … erschreckend. In erster Linie für das Kind. In zweiter – und das meine ich ehrlich – für diese Frau. Wie viel, habe ich mich gefragt, muss dieser Kopf aushalten, dass er permanent zugedröhnt wird? Mit einem Computerspiel. Während er gleichzeitig noch zuhören muss, was das Kind zu sagen hat. Es kam übrigens kein zweites Kind aus der Kita. Wahrscheinlich musste das Kind nur abwarten, bis Oma das Spiel zu Ende gespielt hatte. Dann setzten sich Kind und Oma zusammen in Bewegung. Ich glaube – ich bin mir nicht ganz sicher – da wurde das Smartphone weggepackt. Jetzt überlege ich mir, eine App zu entwickeln. ReConnectem … for free, soll die heißen.

Schöne Woche! Bleib achtsam!