Tadasana in jedem Asana – wie wir Haltung üben

„Tadasana in jedem Asana“, sagte meine Yogalehrerin in Kalifornien immer. Damit machte sie vermeintlich Widersprüchliches klar: Der Berg, oder auch „Tadasana“ ist gar keine einfache Yogahaltung. Doch: gelingt es uns, Haltung anzunehmen, werden auch komplizierte Asanas einfacher …

Beziehung zur Erde

Asana – das bedeutet eigentlich „Beziehung zur Erde“. Es heißt auch „Sitz“ und das verdeutlicht, dass Yoga ursprünglich, also so ungefähr vor 2000 Jahren oder so – wer weiß es schon genau? –, vor allem im Sitzen praktiziert wurde. Die Asanas, die wir heute kennen und auf der Matte als Yogahaltungen üben, sind zum Teil keine 100 Jahre alt. Früher wollten Yogaübende den Körper mobilisieren, um länger im Meditationssitz verweilen zu können. Sie wollten die Wirbelsäule dabei mühelos aufgerichtet halten, um Energie durch alle Chakren fließen lassen zu können.

Stabil und leicht – klingt umwerfend!

Asana kann aber auch so etwas wie der Sitz, auf den ich mich setze, bedeuten. Und nicht zuletzt hat es etwas mit der eigenen Haltung zu tun. Damit ist nicht nur die körperliche, sondern die innere gemeint. Die Haltung, die wir zum Leben einnehmen oder die, die wir anderen Menschen und auch Dingen gegenüber einnehmen. Wie die Beziehung zur Erde auch, sollte unsere Haltung – gerade beim Yoga üben – stabil und leicht sein. Klingt das nicht umwerfend? Davon, gerade stabil und leicht durchs Leben gehen zu können, wünsche ich mir jetzt so viel, wo hier drinnen wie draussen alles chaotischer nicht sein könnte. Sogar das Wetter macht was es will.

Und deswegen: Tadasana

Damit uns Leichtigkeit und Stabilität während der Asana-Praxis gelingt, brauchen wir ein stabiles Fundament. Das kann fast jeder mit der Berghaltung üben. Berg bedeutet auf Sanskrit „Tada“. Während viele Schüler/innen glauben, es handele sich dabei um eine sehr simple Haltung, ist das doch eigentlich gar nicht so einfach: Aufrecht zu stehen, ohne die Schultern hochzuziehen, die Bauchmuskeln etwas anzuspannen ohne den Bauch panisch einzuziehen, die Füße so zu positionieren und das Gewicht optimal zu verteilen, damit sich unser Fußgewölbe richtig ausbilden kann, die Oberschenkel und die Schienbeine leicht nach innen zu ziehen, während die inneren Knöcheln eher nach hinten ausgerichtet sind und die äußeren Knöcheln nach unten. Hä? Und dann weiter: Das Becken neutral halten, das Schienbein Richtung Steißbein ziehen, den Rücken lang lassen und die vorderen Rippen zusammenziehen? Und dann sagt der Lehrer: Entspanne die Wirbelsäule. Geht’s noch? Ja.

Körperbewusstsein, wie geht das eigentlich?

Körperbewusstsein zu schulen – auch darum geht es bei der Asanapraxis. Und gleichzeitig immer die Frage: Wie ist meine Beziehung zur Erde nun? Stabil und leicht? Yoga sollte keine Schmerzen verursachen. Das wird in der heutigen Zeit, in der wir doch alle auf Leistung ausgerichtet sind, häufig vergessen. Doch noch lieber eine Position einnehmen, die Instagram-like in Szene gesetzt werden kann. Ich gebe aber zu: Die Grenze zu finden, zwischen dem Üben in komplizierten Haltungen eine stabile und leichte Haltung einnehmen zu können, und dem übertriebenen Üben von imposanten Posen und tiefen Stretches, ist nicht immer leicht. Genau dabei hilft die Schulung des Körperbewusstseins. Wie geht es mir in dieser Haltung? Soll ich weitergehen oder ist das zu viel für mich? Wenn wir diese Fragen in unserer Asana-Praxis betrachten, sie ernst nehmen und lernen zu beantworten, dann können wir das auch auf unseren Alltag übertragen, lernen Stopp zu sagen oder zu verstehen, wenn etwas nicht stimmt. Damit wir das spüren, sind ruhige und einfache Posen, bei denen wir zur Ruhe und in die Stille kommen, im Yoga unabdingbar. Ich komme nur darauf, weil mir kürzlich jemand die Frage stellte, ob Yoga und Meditation denn nun zwei verschiedene Sachen wären. Sie sind untrennbar miteinander verbunden.

Finde deine eigene Haltung

Tadasana korrigiert Fehlstellungen unseres Körpers, die wir im Alltag kaum wahrnehmen. „Die Kunst des fehlerlosen Stehens“, nannte B.K.S. Iyengar die Übung einst. Energetisch lehrt uns die Berghaltung, uns zu erden, Balance zu finden und Klarheit. Die „richtige“ Haltung einzunehmen, ist auch im übertragenen Sinne nicht leicht. Das wird in Zeiten wie diesen besonders deutlich. Mir hilft die Matte und damit die Asana-Praxis zusammen mit Pranayama – also der Atemübung – zu meiner eigenen Haltung zurückzufinden. Manchmal macht es mir einfach auch nur gute Laune. Das ist dann wiederum gut für die Menschen, gegenüber denen ich eine Haltung einnehmen muss.

Lauschangriff – kaum Lesestoff – vom 9. April 2021

Die Woche war kurz – und kalt. Ging dir das auch so? Ich hatte einen gewaltigen Auftrag Arbeit, der bis zum 9. April erledigt sein sollte und dachte dummerweise am Mittwoch, es sei noch Dienstag. Deswegen habe ich in dieser Woche hier auch nicht so viel zu sagen. 

Der längste Winter der Welt

Stattdessen haue ich in die Tasten und schiebe den Gedanken beiseite, dass kommende Woche ja auch schon Lockdown Nummer 3 beginnen könnte. Gefreut habe ich mich in dieser kurzen April-Woche allerdings darüber, dass ich obwohl ich es vorhatte, doch noch nicht die Winterjacken verräumt habe. Ist der Winter 2020/21 nicht irgendwie der längste, den wir je hatten? 

Die Angst vor dem Nichts und die Liebe für das Spiegelbild

Ich habe zwei Podcast-Empfehlungen. Die eine, weil ich am vergangenen Samstag einen Artikel zum Thema „Yoga und (christlicher) Glaube“ veröffentlicht habe. Vielleicht kennst du ja schon den Podcast „Unter Pfarrerstöchtern“. Die Schwestern Sabine Rückert, stellvertretende Chefredakteurin der ZEIT, und Johanna Haberer, Theologieprofessorin, sprechen über die Bibel. Sie räumen dabei auch gewaltig mit Klischees auf. Die aktuelle Folge heißt Protest gegen den Tod und beschäftigt sich mit den vielen Anstrengungen der Menschen, den Tod zu überwinden und dabei auch mit der Frage: Warum fürchten wir uns eigentlich vor dem „Nichts“? Spannend! Im Yogaeasy Podcast sprechen Kristin Rübesamen und Yogalehrerin Nina Heitmann, die ich persönlich für eine unfassbar schöne Goddess halte, über das Thema Body Positivity. Dass sie 1,58 Meter groß ist und damit „nur“ beziehungsweise „immer noch“ ganze fünf Zentimeter größer als ich, habe ich übrigens gar nicht gewusst. In dem Gespräch beschreibt Nina Heitmann einen schönen Trick, den sie ihrer achtjährigen Tochter beigebracht hat, wie man sich im eigenen Körper wohlfühlen kann …

Einfache Physik, schnelle Gnocchi

Hab ich eigentlich irgendwas gelesen diese Woche? Ich glaube kaum. Vielleicht hast Du ja einen Tipp für mich. Ich habe mir Zeit für ein einziges Interview genommen, das ist allerdings schon von Anfang März. Mit Schrot & Korn spricht Meeresphysiker Stefan Rahmstorf über die Zusammenhänge von Grönlandeis, Golfstrom und Korallen und was wir tun müssen, um die Klimakatastrophe aufzuhalten.

Eine schöne Rezeptidee kommt heute mal wieder von Bianca Zapatka. Weil eben alles so unheimlich schnell gehen musste, habe ich auf dieses Rezept zurückgegriffen. Und es war bestimmt nicht das letzte Mal, dass ich das gekocht habe.

Yoga und der christliche Glaube – wie passt das zusammen?

Meine erste journalistische Ausbildung – wenn ich das so nennen darf – absolvierte ich bei der Kirche. Das Film Funk Fernseh Zentrum der Evangelischen Kirche im Rheinland suchte Jugendliche für ein Journalistentraining. Das war kurz vor meinem Abitur und eine besondere Zeit. Wir waren noch nicht volljährig und durften schon mit einem Fernsehteam vom WDR arbeiten, von Redakteuren bei Radio Eins Live und der Rheinischen Post lernen und bekamen Sprechtraining von Reinhard Pede. Meine Kindheit ist durch und durch gespickt mit guten Erinnerungen an Kirche. Zu dem Pfarrer, der mich konfirmiert hat, habe ich noch heute einen freundschaftlichen Kontakt. Der Glaube begleitete mich unaufgeregt, zwanglos. Nichts war Pflicht. Nachdem ich kurz vor Weihnachten dieses Interview mit dem Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler gelesen habe, konnte ich wieder guten Gewissens sagen: Ich fühle mich als Christin. Obwohl ich schon lange nicht mehr in einer Kirche war – na ja, das stimmt so auch nicht: Meine jüngste Tochter wurde im Juni 2019 getauft – von meiner Tante. An Weihnachten im selben Jahr war ich in der Kirche. Und dann kam ja auch schon Corona. Aber das ist eine fadenscheinige Entschuldigung. Ich sage es mal so: Ich glaube, das evangelische Christentum gibt mir Halt. Yoga gibt mir auch Halt. Ist das nun in Ordnung oder nicht? Mein erster Impuls wäre immer: Na klar! Was soll daran falsch sein? Ich erinnere mich aber daran, dass ich vor vielen Jahren ein Interview mit der Theologin Margot Käßmann gelesen hatte. Da sagte sie gegenüber dem Evangelischen Magazin chrismon, sie sehe es kritisch, dass in fast jeder evangelischen Akademie auch Tai-Chi, Qigong und Yoga angeboten würde. Sie sagte: „Ich wünsche mir eine Besinnung auf die eigenen Quellen. Ich bin dagegen, uns aus anderen Religionen dies und das zu holen. Spiritualität wächst mitten unter uns.“ Diese Aussage hatte mich zuerst fast ein wenig verärgert. Dann machte sie mich nachdenklich. 

Viele unterschiedliche Menschen, viele unterschiedliche Meinungen

Seit dem suche ich nach Antworten auf die Frage, ob Yoga und das Christentum – und damit auch gleichzeitig jede andere Religion – miteinander zu vereinbaren sind. Tanja Wälzholz arbeitet als selbständige Unternehmensberaterin in verschiedenen Unternehmen und ist Yogalehrerin. Zusätzlich dazu absolvierte sie eine Ausbildung zur Prädikantin und ist in ihrem Dekanat als ehrenamtliche Pfarrer-Vertretung tätig. Sie ist auch ausgebildete Seelsorgerin und Trauerbegleiterin. „Viele Theologen sind extrem stark darin geprägt, das was in der Bibel über Jesus steht, so zu interpretieren, wie es ihre Kirche ihnen vorgibt. Aber wie unterschiedlich man das auslegen kann, lässt sich ja alleine schon daran erkennen, dass es so viele unterschiedliche Glaubensausrichtungen innerhalb der Evangelischen Kirche gibt. Das habe ich tatsächlich erst richtig wahrgenommen, nachdem ich mich intensiver mit Yoga beschäftigt habe – und machen wir uns nichts vor, unter den Yogis gibt es solche Gruppierungen ja auch. Wir sind alle Menschen und darunter sind immer welche, die glauben, nur sie könnten recht haben“, sagt sie. Tanja Wälzholz’ Weg zum Yoga ist in der Tat sehr eng mit ihrem christlichen Glauben verbunden. „Ich hatte Yoga zunächst ganz klassisch im Fitnessstudio kennengelernt und später ein Yogastudio gefunden, in dem ich mich sehr wohl fühlte, die Yogapraxis war ein Ausgleich zu meinem Berufsleben. Dann fand ich es immer interessanter und wollte eine intensivere Gebetsdisziplin gewinnen. Ich fragte mich, ob ich über Meditation meine Gottesbeziehung intensivieren könne. Yoga hat mich motiviert und interessiert. Während meiner Yogalehrer-Ausbildung war ich immer der Meinung, dass es stimmig mit meinem christlichen Glauben sei. Dann habe ich erste Erfahrungen gemacht, dass christlicher Glaube und Yoga offensichtlich doch nicht immer zueinander passen – zumindest aus der Sichtweise der anderen.“ 

Ist Yoga nun Religion oder nicht?

In dem Buch „Yoga ist ein Arschloch. Warum es uns trotzdem so gut tut“ habe ich geschrieben: „Yoga ist keine Religion.“ Ist er auch nicht. Der Yoga ist eine philosophische Lehre. Dennoch würde ich das heute etwas anders und vorsichtiger formulieren. Oder besser gesagt: Wahrscheinlich würde ich mich ausführlicher mit dem ganzen Thema auseinandersetzen. Nicht an der Oberfläche bleiben wollen … Ganz so einfach ist es nämlich nicht. Im Gespräch mit dem efo-magazin sagte die Pfarrerin Irene Derwein, die selbst Yoga praktiziert und sich mit der Philosophie stark auseinandergesetzt hat: „Weltanschaulich betrachtet passen Yoga und Christentum nicht gut zusammen. So muss der Mensch im Buddhismus beispielsweise Geburt und Tod durchbrechen, um selbst göttlich zu werden. Im Christentum hingegen sind die Menschen von Gott ohne jede Vorbedingung angenommen. Das Heil ist nach christlicher Überzeugung eine Sache des Glaubens, man muss dafür keine spirituelle Technik erlernen.“ Irgendwie erscheint es mir so, als fänden immer mehr Christen gerade die spirituelle Technik ansprechender, als passe es nicht mehr zu unserer Zeit, so etwas wie Heil als Geschenk annehmen zu dürfen. 2019, so schreibt die ZEIT, sind 540.000 Menschen in Deutschland aus einer der beiden großen Kirchen ausgetreten – das kann ja wohl nicht nur an Missbrauchsskandalen liegen – die gibt es im immer mehr Zuwachs findenden Yoga schließlich auch. Tanja Wälzholz sagt: „Dass heute viele Christen Buddhismus attraktiv finden, hat meines Erachtens nach nichts mit dem Kreislauf von Geburt und Tod zu tun. Ich glaube, es liegt eher daran: Der Dalai Lama verbreitet positive Stimmung, Fröhlichkeit. Das Image der christlichen Kirchen ist immer noch eng an Schuld und Buße geknüpft, es wird von Sündern gesprochen. Dabei hat Martin Luther doch gesagt: ‚Die Aufgabe eines Christen ist es, Freude unter die Menschen zu bringen.‘ Das ist leider in Vergessenheit geraten. Dem Dalai Lama hingegen, gelingt es, das zu vermitteln.“

Einheit in Vielfalt – Hinduismus

Tanja Wälzholz hat sich auch sehr umfangreich mit dem Hinduismus auseinandergesetzt. „Das Schöne am Hinduismus ist eigentlich, dass man andere Meinungen zulässt. Das haben wir im Christlichen eigentlich nicht so.“ Hinduismus bedeutet so viel wie Einheit in der Vielfalt – das passt: Hinduismus ist eine ganze Sammlung von Religionen. Sie sind alle in Indien entstanden und haben ihre eigenen Traditionen, Lehren, Schriften und Glaubensvorstellungen. Daher gestalten viele Hindus ihre Feste, Gebetszeiten und  andere Rituale auf sehr unterschiedliche Art und Weise.1) „Yoga ist eine Philosophie. Das Wort Philosophie trifft es meiner Meinung am besten. Man könnte aber auch sagen, dass es eine Praxis ist, die einen in der eigenen religiösen Ausrichtung unterstützen kann“, sagt Wälzholz. Und demnach müsste es doch in Ordnung sein, wenn Menschen gleich welcher Glaubensrichtung sie angehören, gemeinsam Yoga praktizierten …

Yoga als Mittel zur Begegnung mit Gott?

Der katholischen Pater Markus Thomm sagte gegenüber dem Internetportal der Katholischen Kirche in Deutschland: „Yoga soll zur Begegnung mit Jesus im Gebet dienen und dafür öffnen. Hinduistische Mantras könnten hierbei durch Bibelverse, Taizé-Gesänge oder einfache Elemente des orthodoxen Jesus-Gebets ersetzt werden.“ Der Pater empfiehlt, Yoga im christlichen Sinn auszuprobieren und zu überprüfen, ob es der eigenen Beziehung zu Gott und dem Gebet dient. Ich finde das ist ein schöner Ansatz. Es ist auch die Erfahrung, die Tanja Wälzholz gemacht hat: „Durch Yoga bin ich viel öfter in das innere Gebet gekommen. Das wollte ich auch mit Yoga erreichen. ‚Kriege ich Gehör für das, was Gott mir sagen möchte?‘, war meine Frage, als ich begann, mich intensiv mit Yoga und Meditation auseinanderzusetzen. Wir sind der Resonanzkörper – aber wie kommt es in uns?“, sagt Wälzholz. Demgegenüber steht die Befürchtung mancher Christen, dass durch Praktiken wie Yoga auch dämonische Gedanken ins uns aufkommen. Wälzholz sagt dazu: „Jeder hat negative Aspekte in sich. Ich muss auch mal die bösen Anteile in mir anhören. Das ist in Ordnung. Der Widersacher ist immer auch in jedem von uns. Meditation schult uns all diese Aspekte wahrzunehmen. Wir sollten das nicht verdrängen. Deswegen geisseln sich Menschen heute noch. Dabei gehört das Schlechte auch zu uns. Wenn eine negative Stimme kommt, dann brauchen wir einen guten Seelsorger, einen guten Coach oder Therapeuten.“

Om und die Schöpfung

Was spricht also dagegen, dass das Erleben einer tiefen Gotteserfahrung, von der ja diverse Yogis sprechen, auch eine christliche sein kann? Wieso steht das in einem Widerspruch? „Es steht in keinem Widerspruch“, sagt Wälzholz. Wälzholz glaubt, dass es kein Zufall sei, dass sich „Om“ und „Amen“ so ähnelten. Yogis gehen davon aus, dass „Om“ den Urlaut der Schöpfung darstellt. „Das Wort, die schöpferische Kraft und der Laut der Kosmischen Schwingung, brach – gleich den Schallwellen eines unvorstellbar starken Erdbebens – aus dem Schöpfer hervor und schuf das Universum“, schreibt Paramahansa Yogananda in dem Buch „Der Yoga Jesu“.2) „Wenn wir durch Singen des Om Schwingung entstehen lassen und darüber eine bessere Beziehung zu Gott funktioniert – dann habe ich mit Om kein Problem“, sagt Tanja Wälzholz. 

Beliebigkeit, Bekenntnis, Wahrheit?

Die Diskussionen darüber, wie Yoga und der christliche Glaube miteinander in Verbindung gebracht werden könnten, führe sie im Übrigen auch mit ihrem Sohn, der Theologie studiert hat. „Mein Sohn sagt immer: „Der Glaube ist kein Supermarktregal, aus dem ich mir raussuchen kann, was ich will. In dem Moment, in dem ich mich bekenne, muss ich die Konsequenzen auch annehmen.“ Wälzholz steht dem aber kritisch gegenüber: „Beliebigkeit wird von der Kirche abgelehnt. Das ist aus der Sicht der Kirche das Gegenteil von Bekenntnis. Jeder für sich glaubt, dass er recht hat, und der andere falsch liegt.“ Aber das ist menschlich. Das gibt es – wie bereits erwähnt – auch unter Yogalehrenden. Wäre es also nicht schön, statt dem „Griff ins Supermarktregal“ die tiefe innere Auseinandersetzung zu suchen und dadurch auch mit anders Denkenden zu diskutieren, welche Mittel einen ins Vertrauen bringen und zur Selbsterkenntnis führen?

Vor einigen Jahren hat der bekannte Yogalehrer Patrick Broome in einem Interview auf die Frage, was Yoga mit uns machen könne, wie wir mit Hilfe von Yoga über uns hinauswachsen könnten, gesagt: „Menschen wie Jesus, Martin Luther King, Gandhi oder Mutter Theresa sind Beispiele dafür, wie man über seine eigene Bequemlichkeit hinausgehen kann und sein Leben komplett dem Dienste am Mitmenschen widmet.“ In dem Buch „Der Yoga Jesu“ schreibt Paramahansa Yogananda auch über die Zeit in Jesus’ Leben, die in der Bibel eigentlich nicht stattfindet. Das ist die Zeit zwischen Jesus’ 14. und etwa 30. Lebensjahr. Der Autor Paramahansa Yogananda schreibt, dass es Nachweise darüber gäbe, dass Jesus während dieser Zeit in Indien war und durchaus seine eigenen Schlüsse und Erfahrungen aus den Lehrern diverser Yogis gezogen habe. Ob das stimmt? Yogananda schreibt: „In Indien gibt es eine tief verwurzelte Tradition, die von bedeutenden Metaphysikern als richtig anerkannt wird: In alten Manuskripten finden sich glaubwürdige Erzählungen, dass die Weisen, die den Weg zum Jesuskind in Bethlehem fanden, in Wirklichkeit große Weisen Indiens waren. Und nicht nur, dass diese indischen Meister zu Jesus kamen – er erwiderte auch ihren Besuch.“3) Für mich trägt Jesus ziemlich viele „yogische“ Züge in sich; die Frage ist, ob yogische Züge eben doch letztlich nicht auch einfach „christlich“ sind und umgekehrt?

Wenn ich also davon ausgehe, dass Jesus lebte, dass er vielleicht nicht tatsächlich über das Wasser gegangen ist, aber Menschen geheilt, ihnen geholfen hat, sie achtsam und rücksichtsvoll behandelte, ihnen das Gefühl gegeben hat, sie seien gut genug und dadurch „Wunder vollbrachte“, habe ich doch einen schönen Glauben, oder? Und wenn mir Yoga dabei helfen kann, auch nur annähernd solche Kräfte in mir zu entdecken (wovon ich übrigens noch nicht überzeugt bin), dann kann Yoga doch für einen Christen auch nur gut sein.

Quellen

1)religionen-entdecken.de, „Hindiusmus ist mehr als eine einzige Religion“, Zugriff am 30. März 2021 unter https://www.religionen-entdecken.de/religionen/hinduismus

2)Yogananda Paramahansa: Der Yoga Jesu, Self-Realization Fellowship, 2009: USA, S. 27

3)Yogananda P.: Der Yoga Jesu: Self-Realization Fellowship, 2009: USA, S. 12

Lauschangriff und Lesestoff vom 2. April 2021

Die Woche begann mit Sonne. Ich startete mit einer tiefen Yogapraxis am Montagmorgen in diese verrückte letzte März-Woche. Der März fühlt sich neuerdings unendlich lang an, oder? Schon der letztjährige hatte ja etwa 60 Tage. Zurück zu Montag, 29. März 2021: Ich konnte mich via Zoom zum Unterricht meiner früheren Lehrerin aus der Schweiz zuschalten. Jedes Mal ist Yoga üben mit ihr besonders; nie fühlt sich mein Körper so wie nach dieser Praxis. Früher sagte ich immer: Wenn sie in den Raum kommt, geht die Sonne auf. Sie ist auch der Grund, weshalb ich vor vielen Jahren beschlossen hatte, beim Yoga zu bleiben: Ich empfand pures Glück … und damals auch immer Muskelkater. Zoom-Yoga über 1400 Kilometer Entfernung hinweg also – ein schwacher Trost als Outcome einer Pandemie … Wie heilsam, denn diese Woche war auch geprägt von Déjà-vu Momenten anderer Art: Wann immer ich durch Nachrichten scrollte um zu lesen, was es aus dem Bundesland, in dem ich lebe, für Neuigkeiten gab, hätte ich mich am liebsten unter dem riesigen Berg Decken versteckt, mit dem meine Kinder Höhle spielen. Ich traf wieder die Entscheidung – genau wie Ende März 2020 – Nachrichten lieber nicht mehr täglich zu lesen. Stattdessen im Flow zu bleiben. Jeden Tag aufs neue beginnen, ohne zu wissen, was der nächste bringt. 

Ich weiß, dass ich hier in der letzten Woche den Podcast von Veit Lindau empfohlen habe, in dem er mit dem Autor und Lifecoach Lars Amend über die Liebe spricht. Die beiden haben den Spieß umgedreht: Nun hat Lars Amend in seinem Podcast „Auf einen Espresso mit Lars Amend“ den Lifecoach und Autor Veit Lindau interviewt. Auch das lohnt sich. Diesmal geht es vor allem um Schubladendenken, Persönlichkeitsentwicklung und die Geschlechter. Auch in diesem Gespräch geht es um die Macht der Worte. Veit Lindau erklärt, warum er glaubt, dass jetzt die Zeit gekommen ist, in der Männer und Frauen sich neu begegnen müssen und sich die Geschlechter endlich von den Fesseln ihrer Vergangenheit lösen sollen.

Von Sprache und wie sie Stereotypen entstehen lässt, erzählt auch Sprachwissenschaftlerin Susanne Olschewski in diesem Interview auf www.zeitpunkt.ch.

Und dann empfehle ich dringend den Podcast von Sophia Hoffmann und die Folge von Hoffmanns Küche, in der die vegane Köchin und Aktivistin mit Peter Duran, dem Betreiber des Berliner Cafés Isla Coffee, spricht. Es geht darin unter anderem auch um Kaffee. Ja genau. Das ist besonders wichtig, weil wir Kaffeetrinker beginnen müssen, zu verstehen, dass Kaffee ein Luxusprodukt ist. Wie erkennen wir, welche Unternehmen tatsächlich fair handeln, welche Unternehmen tatsächlich den Kaffeebauer nicht ausbeuten, was nötig ist, um Kaffee überhaupt auf unseren Tisch zu bringen und was wir selbst tun können, um dieses Luxusgut tatsächlich als solches wertzuschätzen. 

Am Mittwoch entschied ich mich dazu, die Kinder nicht in die Betreuung zu bringen, sondern mit ihnen zum Strand zu fahren. Wer weiß, wann wir hier oben wieder Temperaturen um die 20 Grad haben … im Mai? Es war ein wahnsinnig schöner Tag. Ich kann mich nicht erinnern, wann wir stundenlang am Stück so viel Freiheit, so viel Spaß, so viel positive Energie aufgesaugt hatten. Alle waren glücklich. Die Kinder tobten durch den Sand. Stundenlang. Ich weiß, dass viele Menschen besonders in dieser Pandemie das Meer vermissen. Mir war nicht immer so schlüssig, warum. Denn das Bild von vollgestopften Stränden und Sonnenbaden war auch vor Corona nicht mein Ding. Aber diese Weite zu spüren, den Wind auf der Haut, den Sand unter den Füßen, das Wasser, dessen stechende Kühle sich bis in den hintersten Winkel meiner Muskulatur zog – das alles war so wohltuend. Wie Pranayama Praxis. Ich konnte meinen Kindern ansehen, wie sehr sie im Moment lebten. Abends spannte die Haut in meinem Gesicht, übermorgen habe ich bestimmt ein paar Falten mehr – egal. Der Tag war es wert. Ich habe natürlich auch schon im vergangenen Jahr die Nähe zum Meer schätzen gelernt. Diese Nähe zum Meer wiederum führt auch dazu, dass ich Opfer bringen muss. Meine Familie ist weit weg. Manchmal hätte ich in den letzten Jahren lieber in einem Haus in der Nähe meines Elternhauses gesessen und den Garten gejätet statt zum Meer fahren zu können … Ich wünsche mir, dass meine Kinder diese Nähe zum Wasser als besondere Erinnerungen ihrer Kindheit abspeichern. Und wenn das Meer gerade nicht in deiner Nähe ist, dann hilft dir vielleicht auch Yoga – mit einem besonders guten Lehrer – in den Bliss-Moment zu kommen …

In der Zeit habe ich diesen Bericht zum Thema Leben ohne Glauben gelesen. Es geht dabei um die Frage, ob der Mensch ohne Glauben leben kann. Wie die Suche nach dem Sinn des Daseins aussieht, wenn Religion keine Rolle mehr spielt. Um Glauben geht es übrigens auch am Samstag in meinem Beitrag hier auf dem Blog.

Mit dem wärmeren Wetter kommt bei mir wieder die Lust auf Overnight Oats. Dieses Rezept von greenkitchenstories.com hat mich dabei besonders überzeugt. Himmlisch, oder?

Wie auch immer – komm gut in dieses verrückte Osterwochenende.

„Es ist egal, auf welchem Level das stattfindet …“

Zum ersten Mal mache ich hier echte Werbung. Unbezahlt. Nadine Huthmann und ich haben viel gemeinsam. Dass wir Mütter sind, die immer wieder versuchen, die richtige Balance zwischen Familie und beruflicher Selbstverwirklichung zu halten, ist nur eine Gemeinsamkeit von vielen, die uns verbindet, obwohl wir uns noch gar nicht lange kennen. Der Grund, weshalb ich Nadine unbedingt auf dem Blog vorstellen wollte, ist aber ein anderer: Ihre Geschichte ist unheimlich motivierend, ein bisschen so, wie Rosalein Schmetterschwein, das Kinderbuch, das ich gerade mit meinen Töchtern lese. Nadine Huthmann hat ihre eigene Modekollektion. Unter dem Namen Grotkop Collection verwirklicht sie ihre eigenen Ideen durch die Verbindung von traditionellem Handwerk und modernem Design. Sie näht und arbeitet von zuhause aus – in den nächsten Monaten wird sie aus ihrem aktuellen Näh- und Arbeitszimmer ein Kinderzimmer für ihren Vierjährigen machen müssen. Dafür räumt ihr Mann gerade das Gästezimmer frei, damit dann weiterhin genäht werden kann. Diesen Winter liefen Models mit Entwürfen aus Nadines Kollektion über den Laufsteg der New York Fashion Week. Echt. Kein Witz. Ein Gespräch über Träume und Erfolg, Vor- und Nachteile des Homeoffice, Nachhaltigkeit in der Modebranche und über das Problem, wie der Mund-Nasenschutz von Müttern unterwegs hygienisch verstaut werden kann …

Deine Entwürfe waren gerade auf der New York Fashion Week zu sehen und daraufhin dann auch in verschiedenen amerikanischen Modemagazinen. Marie Claire und Elle Italia sind auch schon auf dich aufmerksam geworden. Wenn dir das einer mal gesagt hätte, wie hättest du darauf wohl reagiert?

Nadine Huthmann liebt es, Mama zu sein und nachhaltige Mode zu produzieren

Ich habe schon ziemlich früh gewusst, dass ich mal Schneiderin werden wollte und habe Modedesign studiert. Deswegen ist das natürlich dann schon toll. Der Laden Flying Solo aus New York hatte mich zunächst angeschrieben. Die waren über mein Instagramprofil auf mich aufmerksam geworden. Und das war zunächst schon mal besonders. Wenn man wie ich alles selbst macht – von der Webseite über die Fotos und den Webshop – dann ist es wirklich sehr schön, wenn plötzlich Unterstützung von außen kommt. Zu wissen, die nehmen mich jetzt in ihren Laden am West Broadway, meine Sachen werden dort präsentiert – da geht einem das Herz auf. Das mit der Fashion Week kam dann erst später. Da bin ich so mit reingerutscht. Der Laden veranstaltet dort immer eine Modenschau. Das Konzept des Ladens basiert auf der Idee, Designer aus der ganzen Welt für eine Zeit mit ins Sortiment zu nehmen und ihnen die Chance zu geben, sich zu zeigen. 

Du bist Mama von zwei kleinen Kindern, hast gerade die Auswirkungen des Lockdowns voll mitbekommen und immer noch 24/7 einen Eineinhalbjährigen zuhause herumhüpfen. Deine Kollektion beinhaltet unheimlich viele wirklich tolle Sachen von Kleidung über Taschen, Geldbörsen, Gürtel bis hin zu Kosmetiktaschen. Wie schaffst du das alles?

Alles was auf meiner Webseite zu sehen ist, ist über einen längeren Zeitraum hinweg entstanden. Ich mache tatsächlich alles selbst – außer die T-Shirts. Wenn jemand etwas bestellt, dann habe ich die Stoffe oder das Leder da und kann loslegen. Und man entwickelt ja so seine Strategien mit den Kindern. Ich kann zwar, wenn die Jungs dabei sind, nicht immer unbedingt die Nähmaschine anschmeissen, aber ich kann mal einen Stoff zurechtschneiden. Ich bin ganz dankbar, dass ich von Zuhause aus arbeite und nicht noch mal irgendwohin fahren muss. Das meiste mache ich tatsächlich wenn die Jungs schlafen. Und dann lege ich direkt los. Und ich kann zum Glück auch die Hilfe der Großeltern in Anspruch nehmen und am Wochenende natürlich auch die meines Mannes.

Grotkop Collection auf dem New Yorker Catwalk …

Interessant, dass du das jetzt sagst, denn ich träumte lange von dem Büro außerhalb der eigenen vier Wände, weil ich dachte, ich könnte da viel produktiver sein. Mittlerweile finde ich es eigentlich sehr praktisch, dass ich den Weg zur Arbeit sparen kann.

Ich war nie der Homeoffice-Fan aber momentan ist es für mich einfach die beste Lösung weil die Kinder noch so klein sind. Wenn ich noch in ein Atelier fahren müsste, würde ich wirklich Zeit verlieren und ich würde bestimmt nicht abends noch mal losfahren. Gerade für kreative Arbeit braucht man ja auch die Zeit reinzukommen, ich vergleiche es mal mit einem Hund, der sich erst mal im Körbchen drehen muss, bis er es sich gemütlich machen kann. So ist das auch manchmal bei meiner Arbeit (lacht). Und Zuhause ist das eben gerade am einfachsten. 

Nachhaltigkeit ist dir sehr wichtig. Wie ist deine Idee entstanden, einen eigenen preisgekrönten Prozess zu entwickeln, mit dem du Merino-Wolle für den handgemachten Filz bearbeiten kannst?

Das hat eine lange Vorgeschichte. Ich fand Filz immer spannend und habe mich während meines Studiums mit dem Thema beschäftigt. Ich wollte wissen, wie man sich seinen eigenen Stoff filzen kann und zwar so, dass das Verfahren auch für Industriefilzmaschinen möglich ist.

Meine Masterthese beschäftigte sich dann mit dem Thema, warum Filz in der Textilindustrie eigentlich kaum eine Rolle spielt. Ich durfte dafür in ein Unternehmen gehen und lernen, wie Filz industriell hergestellt wird. Ich wollte für die Masterarbeit herausfinden, wie es möglich sein könnte, gemusterten Filz auf Industriemaschinen herzustellen. Filzen selbst ist ein sehr harscher Prozess. Der Prozess den ich entwickelt habe, hat seine Rahmenbedingungen aber man kann schon viel damit machen. Ich habe in Schottland studiert und meine Arbeit wurde dann auch mit zwei Textil-Awards ausgezeichnet. Ich habe auch ein Patent dafür bekommen. Ernüchternd war trotzdem: Filz hat in der Modebranche keine Lobby, mit meinem Verfahren lässt sich zwar auf Meter produzieren, aber die Umstellung der Maschinen wären zu groß für meinen alleinigen Bedarf. Was ich so schön finde, ist, dass ich meine Ideen selbst umsetzen kann. Das Schöne an der von mir verwendeten Merino-Wolle ist, dass sie schön warm hält aber man auch nicht darin schwitzt. Deswegen nenne ich meine Mäntel auch „Coatigan“ – man kann sie sowohl drinnen als auch draussen anziehen. 

Besonders dein Coatigan war in der amerikanischen Presse zu sehen. Wie viel Arbeitszeit steckt in einem einzigen Mantel?

Das kann ich schwer sagen, ich denke, eine Woche brauche ich, weil die Herstellung verschiedene Arbeitsschritte wie beispielsweise auch Abtrocknen, beinhaltet. Ich habe auch nicht so viel Platz zuhause und muss Vorderteil, Rückteil und Ärmel filzen. Hinterher muss ich dann diese Stoffstücke nähen. Insgesamt wäre es wahrscheinlich ein ganzer Arbeitstag, wenn man alles zusammenrechnen könnte.

Mund-Nasenschutz-Tasche – gibt es übrigens nicht nur in pink

Du hast ein Faible für spezielle Materialien, ich bin ein großer Fan deiner Maskentaschen aus Kork. Wie bist du denn auf die Idee gekommen?

Ach so speziell ist Kork gar nicht, in der Modebranche findet ja zum Glück ein Umdenken statt. Kork wird unter vielen anderen Materialien nun ja auch als veganes Leder bezeichnet. Der Vorteil: Kork ist weich, robust und verfügt über eine angenehme Haptik. Die modische Vielfalt auf Korkbasis findet man schon länger im Handel. Speziell sind heute eher Sachen wie Leder aus Ananas- oder Apfelhaut oder ganz aktuell aus Pilzen. Aber zurück zum Kork – ich finde das Material wirklich schön. Und die Idee, es für eine Mundschutz-Tasche zu nutzen, entstand, nachdem mir aufgefallen ist, dass meine Mutter begann, den Mundschutz in eine Brottüte zu stecken. Ich habe mich auch immer gefragt, wie dieser Mundschutz hygienisch bleiben kann – mich hat es total gestört, dass ich ihn immer in meine Jackentasche gesteckt habe und gleichzeitig landen da natürlich Taschentücher von den Kindern, irgendwelche Riegel und Pixibücher … Und dann bin ich auf den Gedanken mit dem Kork gekommen. Denn Kork ist sehr widerstandsfähig gegen Wasser und Flecken. Man kann die Innenseite der Tasche auch mit Alkohol reinigen, das ist überhaupt kein Problem.

Die Mund-Nasenschutz-Tasche aus Kork – ein Träumchen

Du verwendest aber auch immer noch echtes Leder für einige deiner Ideen. Worauf achtest du da besonders?

Das ist eine berechtigte Frage. Ich nutze Leder, und das muss nicht jedem gefallen. Leder ist für mich immer noch ein Naturprodukt, von dem man lange etwas hat, wenn man es gut pflegt. Für mich ist es wichtig, wo das Leder herkommt. Meine Leder sind immer zertifiziert, überwiegend pflanzlich gegerbt und meistens kommen sie direkt aus Deutschland oder aus Europa. Wenn man sich für ein Produkt von mir interessiert, kann man immer in der Produktbeschreibung genau nachlesen, wo das Leder herkommt. Die Tiere kommen aus der Fleischproduktion, und ich finde es dann wichtig, dass auch wirklich alles verwendet wird. Mittlerweile arbeite ich auch direkt mit einer Gerberei aus Süddeutschland zusammen, deren Leder stammt von Tieren, die von ökologisch geführten Höfen kommen. Das Unternehmen gerbt nur mit pflanzlichen Stoffen, färbt umweltverträglich, pflanzlich verzichtet auf chemische Fixierer. So geht man meiner Meinung nach in die richtige Richtung. Ich möchte nämlich auch nichts produzieren, das man nur eine Saison tragen kann. 

Was können wir denn machen, damit die Modebranche nachhaltiger wird?

Ich glaube, dass ein Gesetz, das zunächst einmal die großen Unternehmen zur sorgfältigen Dokumentation ihrer Lieferketten anhält, in die richtige Richtung geht. Dass Unternehmen mit festen Partnern zusammenarbeiten, damit gewährleistet wird, dass diese auch planen können und nicht ausgebeutet werden, das wäre wichtig. Langfristige Partnerschaften wäre mein Wunsch. 

Nachhaltigkeit in der Mode fängt auch bei dem Verbraucher an.

Nadine Huthmann

Die Größe der Geldbeutel sind natürlich unterschiedlich und nicht jeder kann teure nachhaltig produzierte T-Shirts kaufen aber Fast Fashion ist etwas Unnötiges. Ich glaube, dass jeder so kaufen kann, dass nicht jede Saison alles neu gekauft werden muss. Vivienne Westwood hat das mal sehr schön gesagt: „Choose well, buy less and make it last.“ Das funktioniert auf jedem Level. Ich komme aus einer Familie, da wurde auch vieles einfach repariert. Man kann ein Loch in einer Hose auch stopfen und muss die Hose nicht sofort wegwerfen. 

Du machst Yoga schon viel länger als ich, nämlich seit etwa 19 Jahren. Nutzt du das immer noch als Tool, das dich erdet?

Es ist wirklich etwas, was ich immer mal wieder mache, beispielsweise wenn mir der Nacken wehtut oder so. Richtig regelmässig habe ich es während meiner letzten Schwangerschaft gemacht.

Aber Yoga war definitiv immer ein Anker, egal wo ich war, in den Niederlanden, in Schottland oder im Ruhrgebiet – ich habe immer einen Kurs besucht.

Nadine Huthmann
Der Pullunder aus Nadines Kollektion – gefilzte Merinowolle

Wie definierst du für dich Erfolg? Machst du das an Geld fest, hast du eine Vision, was du mit deiner Mode erreichen möchtest?

Für mich ist Erfolg beispielsweise, wenn ich etwas Kreatives geschaffen habe und das mit Spaß und Leidenschaft. Dann ist es egal auf welchem Level das stattfindet. Erfolg ist für mich auch wenn mich das, was ich tue, glücklich macht. Und wenn man dann sieht, was daraus erfolgt. Das kann etwas ganz Kleines sein. Natürlich war die Modenschau in New York ein Erfolg aber für mich ist es auch ein Erfolg dass du bei mir etwas bestellt hast.

Erfolg ist auch, wenn mein kleiner Sohn sich an meine alte, kaputte Nähmaschine setzt, und ich sehe, dass er mit Begeisterung dabei ist.

Nadine Huthmann

Wenn ich dich frage, wie du dir dein Leben in fünf Jahren vorstellst – was würdest du dir da beruflich wünschen?

Es gibt natürlich zwei, drei Labels, deren Weg ich verfolge und mit denen ich mich gerne mal irgendwann vergleichen würde. Ich wünsche mir, dass ich mehr Bestellungen habe und irgendwann mal ausgelastet bin. Ich weiß gar nicht, ob ich so richtig riesig werden will. Denn das würde ja auch wieder an meiner Arbeitsweise vieles verändern. Ich will ja selbst an der Nähmaschine sitzen. Das macht mich glücklich. 

Nadines Kollektion in New York …

Zeit für die Familie ist dir sehr wichtig. Dein Mann und du habt euch bewusst dafür entschieden, dass du im Job erst mal kürzer trittst, um Zeit für die kleinen Kinder zu haben. Und trotzdem stellen wir beide ja auch immer wieder fest, dass es dann auch schwer ist, dem Spagat zwischen Familie und Job gerecht zu werden. Was glaubst du, wie sollten die Rahmenbedingungen sein? 

Ich glaube, es wäre wichtig, dass Frauen – egal nach welcher Zeit – zurück in den Job kommen könnten. Damit meine ich nicht, dass die selbe Stelle noch frei sein soll, sondern dass die Akzeptanz da ist und man den Frauen nicht das Gefühl vermittelt, sie seien komplett raus und hätten keine Ahnung mehr. Das ist nämlich nicht so. Man entwickelt sich ja auch in der Zeit weiter, in der man beispielsweise „nur“ Mutter ist. Und dass man, wenn man bereit ist, wieder Vollgas geben zu können, sich nicht rechtfertigen muss, warum man das vorher nicht war. Dann wäre auch wichtig, dass es nicht unbedingt 40 Stunden sein müssen. Das andere Problem ist dann aber natürlich das Finanzielle: Viele Familien können sich nicht mehr leisten, dass einer alleine über einen bestimmten Zeitraum alles wuppen kann. Das ist das übergeordnete Problem. 

Ich habe ja auch in Dänemark gelebt und dort ist die 37-Stunden-Woche Standard, gleichzeitig funktioniert das Prinzip der Arbeitsteilung und der flexiblen Zeiteinteilung meiner Meinung nach besser und so sieht man an der Kita oder der Schule genauso viele Männer, die ihre Kinder abholen, wie Mütter.

Siehst du, ich habe lange in den Niederlanden gelebt und dort ist es beispielsweise nicht außergewöhnlich, dass Eltern sich das mit dem Job aufteilen und jeder vier Tage die Woche arbeitet. Wie machen das andere Länder? Das finde ich durchaus eine berechtigte Frage. Daraus sollte man auch lernen. 

Gefällt dir etwas aus Nadines Kollektion, dann schreibe ihr hier mit dem Betreff thecoffeedrinkingyogi eine Email und du erhältst 15 % Rabatt auf die gesamte Kollektion. 

Lauschangriff und Lesestoff vom 26. März 2021

Als es am Montagmorgen still in der Wohnung geworden war, dachte ich an den Frühling und daran, dass ein nächster Lockdown nur leichter werden könne … Weil ich ihn einfach zum größten Teil im Garten und draussen verbringen würde. Ich höre jedenfalls schon die Vögel singen. Das rettete mich über den Tag. Und ich fragte mich, ob ich so wie jetzt, während dieser Pandemie, in Krisenzeiten immer handeln würde? Ob der Mensch immer versucht, sein Leben möglichst normal weiterzuführen? Wie ist das, wenn man in einem Kriegsgebiet lebt, fragte ich mich. Bringt man auch dann die Kinder jeden Morgen zur Kita und in die Schule und die Hunde raus? Freut man sich über die Entwicklungsschritte des Babys, fährt man zur Arbeit, macht man einfach weiter? Wahrscheinlich schon. Ich weiß es nicht. Das besonders Verrückte an dieser Pandemie ist ja, dass wir nicht wissen, was danach ist. Bleibt das Leben „anders“? Ich finde gar nicht, dass es darum geht über richtig und falsch zu diskutieren, über zu wenig Impfstoff oder gar keine Impfung, über unsinnige, vernünftige oder nicht faire Beschlüsse der Regierung. Ich glaube, es geht darum, zu überlegen, was wir alle anders machen können, damit es überhaupt nicht mehr so weit kommt. „Man kann nicht alles haben“, ist ein blöder Spruch aber ich finde ihn je mehr ich darüber nachdenke, ziemlich gut. Irgendwann haben Menschen angefangen, zu glauben, sie könnten eben doch alles haben. Aber das stimmt nicht. Hier liegt das Problem. Irgendwas und somit auch wer bleibt immer auf der Strecke. Und so gilt es, für sich selbst festzulegen, was wirklich wichtig ist …

Auf der Internetseite https://www.zukunftsinstitut.de beschreiben Forscher vier mögliche verschiedene Szenarien, wie ein Leben nach der Pandemie aussehen könnte. Es ist interessant zu lesen und sich dann vielleicht ein Wunschszenario auszusuchen oder auch selbst auszumalen …

Pandemüde oder schlapp?

Das Süddeutsche Magazin hat ein Thema aufgegriffen, auf das ich vor zwei Wochen bereits hier in meiner Lauschangriff-und Lesestoff-Serie hingewiesen hatte. Da ging es um den Podcast mit Dr. Anne Fleck. Nun erzählt sie auch im Süddeutsche Magazin, ab wann wir bei Müdigkeit die Notbremse ziehen müssen. Sie sagt beispielsweise: „Wer sich pausenlos durch den Tag snackt, kommt nie in den wichtigen Prozess der Autophagie, in der der Körper Zellschrott recycelt. Wer dauernd isst, fordert Leber und Magen-Darm-Trakt zur ständigen Arbeit heraus. Der Körper kriegt keine Ruhe, es fehlt die Zeit der Regeneration.“ Das gilt übrigens auch für Kinder …

Unter Männern …

Dieser Podcast beinhaltet ein interessantes Gespräch unter Männern: Veit Lindau und Bestseller-Autor und Coach Lars Amend sprechen eineinhalb Stunden lang sehr offen und ehrlich über die Liebe, über Männer und darüber, wie die Liebe bleibt (vor allem was Veit Lindau dazu zu sagen hat, ist schön: Man muss nicht immer einer Meinung sein, aber Liebe ist, wenn man das ehrliche Interesse daran nicht verliert, zu erfahren, warum die Meinung des anderen so ist, wie sie ist …) Lars Atmend stellt darüberhinaus die interessante Frage (ungefähr ab Minute 50), wie Männer in der heutigen Zeit eigentlich ihre männliche Energie beibehalten können, „ohne dass es gegen die Frau geht“. Ein aufschlussreiches Gespräch – bestimmt nicht nur für Männer. 

Auch dieses Gespräch ist eins unter Männern. Es geht um Rassismus. Die ehemaligen Nationalspieler Erwin Kostedde und Gerald Asamoah im Interview mit dem Zeit Magazin. Wichtig und berührend.

Exklusiv-Zeit

Jetzt kommt ein Bericht über zwei Mädels. Was Katja Kröger in ihrem aktuellen Artikel auf wasfürmich schreibt, kann ich gut nachvollziehen und diese Exklusiv-Zeit mit Mama ist für die Kinder wahnsinnig wichtig. Für meine Fünfjährige gibt es Exklusiv-Zeit in Nicht-Lockdown-Zeiten jeden Montag Mittag ab viertel nach eins. Da habe ich keine Termine, das Date mit ihr ist fest im Kalender eingetragen. Es tut ihr so gut. Und mir auch. Kürzlich war das Wetter mal besonders schlecht und wir haben einfach zusammen einen Film geschaut. Ich schaue kaum fern. Natürlich hatte ich ein schlechtes Gewissen, dachte, das sei pädagogisch bestimmt jetzt totaler Mist – es war wunderbar. 

Wichtig aber nicht systemrelevant

Das hier ist nicht neu, sondern aus dem Februar, aber ich wollte es als kleine Erinnerung noch einmal hier erwähnen. Mir ist schon öfter aufgefallen, dass manche Leute sich von dem Begriff „systemrelevant“ triggern lassen. Dabei heißt „nicht systemrelevant“ überhaupt nicht, dass der Job nicht wichtig oder gut ist. Kristin Rübesamen erklärt das sehr schön.

Ist Yoga systemrelevant? Nein, ist es nicht. Wir Yogalehrer können niemanden retten, bei dem die Lunge versagt.

Kristin Rübesamen, YogaEasy

Darum geht es bei diesem Begriff. Um nichts anderes. Und damit weiterhin Menschen gerettet werden können – übrigens nicht nur die, bei denen die Lunge versagt, sondern alle, die in ein Krankenhaus müssen, dort liegen oder Gefahr laufen, dort zu landen, sind auch beispielsweise Erzieher/innen systemrelavent, denn die Kinder der Menschen, die in der Gesundheitsbranche arbeiten, müssen schliesslich betreut werden. Dann brauchen wir auch noch was zu essen, sonst läuft gar nichts. Punkt. Das ist es eigentlich. Ziemlich simpel. Das heißt aber nicht, dass deine Arbeit oder du nicht wichtig (b)ist. 

Quinoa-Eier?!?

Und jetzt kommt das, worauf ich mich schon freue, wenn die Osterfeiertage, neudeutsch: Ruhetage, äh oder jetzt doch nicht, eintreten. Danke Lynn, das Rezept kommt wie gerufen und ist endlich mal was anderes als all die Rezepte über vegane Osterideen, die es sonst so gibt. Ich habe gepoppten Buchweizen zuhause, klappt damit bestimmt auch. 

https://de.heavenlynnhealthy.com/knusprige-ostereier-mit-quinoa/

In den nächsten Tagen werde ich viel aufschreiben, Yoga üben, Gewichte stemmen (weil mir das gerade so gut tut) und Over Night Oats vorbeireiten. Und das Rezept dazu verlinke ich dann nächste Woche.

„Gesegnet sind die Unbeweglichen“

Richard Freeman, der Ashtanga-Yogalehrer des Westens, prägte diesen Satz: „Blessed are the tight people“, sagte er. Ich zitiere das gerne. Ich kenne so viele, die glauben, sie wären zu unbeweglich, um mit Yoga zu beginnen. Ich habe das schon öfter gehört: „Eigentlich sollte ich Yoga mal probieren. Aber …“ Komischerweise ist das beim Joggen ganz anders. Die wenigstens Menschen, die joggen, sind besonders schnelle Läufer. Niemand käme auf den Gedanken, nur weil er nicht schnell ist, erst gar nicht mit dem Laufen anzufangen. Dabei ist Joggen definitiv nicht der richtige Sport für jeden … Und wer schlapp ist, macht zwar auch (häufig) leider kein Krafttraining, weiß aber sehr wohl, dass es Sinn machen würde, damit zu beginnen. Das medial gezeichnete Bild von Yoga gibt uns aber leider vor, gelenkig sein zu müssen, um überhaupt damit anfangen zu können. Schwachsinn. Stattdessen sollten eher überbewegliche Menschen bei Dehnübungen vorsichtig sein.

Ungelenkig zu sein ist der beste Grund, mit Yoga anzufangen. Aber erst mal gibt es vielleicht etwas zu klären: Gelenkigkeit und Dehnbarkeit sind zwei unterschiedliche Begriffe. Gelenkigkeit ist die Fähigkeit, eines Knochensegments zur Ausführung des weitestmöglichen Bewegungsauschlags durch das dazugehörige Gelenk. Die Dehnbarkeit hingegen ist die Fähigkeit eines Muskels, seine optimale Länge zu erreichen, um den größtmöglichen Bewegungsausschlag auszuführen, und somit sein Kraftpotenzial voll zu nutzen. Aus beiden zusammen, Dehnbarkeit und Gelenkigkeit, ergibt sich unsere Beweglichkeit. Die Dehnbarkeit lässt sich dabei am einfachsten trainieren. Und das ist auch der Grund, weshalb fast jeder den Spagat lernen könnte. Deswegen erfreuen sich Deep Stretching Kurse gerade so großer Beliebtheit (aber: Yoga ist eben mehr als Deep Stretching 😉 ).

Es ist wichtig, unsere Beweglichkeit zu trainieren, da sie gerade mit zunehmendem Alter abnimmt. Wie wertvoll es ist, sich uneingeschränkt bücken, strecken, den Oberkörper drehen zu können, das merken wir meistens erst dann, wenn es schon zu spät ist … Sich die Fußnägel selbst schneiden zu können, rückwärts einparken – auch dabei ist Beweglichkeit von Nutzen. Beweglich zu sein bedeutet, dass wir unsere Gelenke mit größtmöglichem Radius mühelos und schmerzfrei bewegen können. Mit der Abnahme unserer Beweglichkeit steigt das Risiko, sich zu verletzen. Unsere Körperhaltung wird schlechter, unsere Wirbelsäule lässt sich nicht mehr so gut aufrichten, wir bewegen uns unsicherer …

Wer regelmäßig Dehnübung durchführt, wirkt diesem Prozess entgegen. Die Asanas haben in unserer westlichen Welt mit gutem Grund das Ziel erhalten, unsere Beweglichkeit, die Ausrichtung des Körpers und unsere Balance, also unser Gleichgewicht, zu verbessern. ´Sie dehnen und lockern die Muskulatur. Gleichzeitig stärken sie aber auch immer den Gegenspieler des Muskels, der gerade gedehnt wird. Yoga macht uns also nicht nur beweglicher, sondern auch stärker, ausdauernder. Wir lernen, uns besser konzentrieren zu können und wir lernen, zu entspannen. Auch das hängt ja letztlich mit unserer Muskulatur zusammen.

Warum übrigens auch Kraftsportler Dehnübungen machen sollten, erklärt hier in diesem Video Prof. Dr. Stephan Geisler, den ich selbst noch aus meiner Zeit an der Deutschen Sporthochschule in Köln kenne, sehr gut. Und dessen kleine Videosequenzen ich generell empfehlen kann, wenn du dir bei Fragen, die das Thema Training betreffen, mal gerade unsicher bist.

Lauschangriff und Lesestoff vom 19. März 2021

In der vergangenen Woche habe ich das Interview gelesen, das Teresa Bücker mit der Psychologin Taniesha Burke für das SZ-Magazin geführt hat. Das Thema: Wie können wir unsere Kinder bestmöglich durch diese Pandemie begleiten? Das Gute im Schlechten suchen – das ist ein Gedanke, den ich mir Ende des vergangenen Jahres ganz bewusst vorgenommen habe. Ich hätte auch gut ohne Covid-19 leben können, na klar, aber es gibt ganz bestimmt auch Dinge, die ich ohne diese Pandemie nicht so intensiv erfahren hätte. Dazu zählt auch Nähe. Zeit für und mit meinen Kindern.

Immer wieder treffe ich (fremde) Menschen, die mir beim Anblick meiner (noch kleinen) Kinder sagen: »Ach, sie werden so schnell groß!« Und deswegen bin ich dankbar für die intensive gemeinsame Zeit. »Wenn wir uns jetzt auf die Beziehung zu unseren Kindern konzentrieren, werden sie in ein paar Jahren oder Jahrzehnten an die Pandemie zurückdenken und sich ganz besonders und gern an die Zeit erinnern, die sie mit ihren Eltern verbracht haben«, sagt Taniesha Burke in diesem Interview. Ach, sie spricht mir so aus der Seele …

Die Richtung ändern …

In dieser Woche bin ich über drei Blogartikel gestolpert. Der eine ist von Lisa, sie macht gerade eine Yogalehrer-Ausbildung und schreibt darin sehr schön und durchaus unterhaltsam von ihren Erfahrungen. Da kommen alte Erinnerungen an die erste Yogalehrer-Ausbildung tatsächlich wieder auf. Wie Lisa, Anfang 30, viel gearbeitet, Karriereträumen und -erwartungen hinterhergehetzt, geht es ja vielen, die plötzlich den tieferen Sinn des Lebens suchen und sich dann in einer Yogalehrer-Ausbildung wiederfinden. Wir ändern häufig die Richtung in unserem Leben und das ist auch gut so. Dass ich mit 24 andere Vorstellungen von meinem Leben hatte als jetzt mit fast 42 ist irgendwie logisch. Ich weiß nicht wieso, aber immer noch werden Kinder so erzogen, dass sie spätestens zum Ende ihrer Schulzeit wissen sollen, was sie mal werden wollen und wohin die Reise gehen soll. Ich habe schon häufig junge Menschen getroffen, die völlig zerrissen kurz vor Beginn ihres Berufslebens nach der richten Entscheidung lechzten: Doch lieber eine Ausbildung? Ein Studium? Erst mal reisen? Oder ist Geld verdienen doch wichtiger? Ich kann da nur empfehlen: höre einfach mal auf das Bauchgefühl. Wofür brennst du? Und wenn du jetzt in eine Richtung gehst und irgendwann in eine andere ist das völlig in Ordnung. Denn das bist dann DU.

Mama- und Montagmorgen-Liebe

Ich bin dankbar für jeden Schritt meines Lebens. Mit sechs Jahren dachte ich, ich würde Romane schreiben wenn ich groß bin – ich bin weder groß geworden, noch habe ich einen einzigen Roman geschrieben. Mit zwölf war ich dann bei Journalistin angekommen. Diesen Weg habe ich sogar verfolgt und dabei viele besonders schöne und einzigartige Erfahrungen gemacht. Mit Ende 20 wusste ich, dass ich, obwohl ich das gerne gewollt hätte, nicht die Eier in der Hose habe, um richtigen investigativen Journalismus zu betreiben, sprich dahin zu gehen, wo es wehtut, wo ich unangenehme Fragen stellen und unangenehme Antworten bekommen muss. Das war eine Erkenntnis, die ich ganz klar so treffen konnte. Es hat nicht mal besonders wehgetan. Ich wollte aber auch keinen Kuscheljournalismus und so ist jeder Schritt meines Lebenslaufs eigentlich nachvollziehbar. Ich verabschiedete mich mehr und mehr vom Journalismus und wurde zur Texterin und Autorin. Und eben auch zur Yogalehrerin. Und alles passt zusammen. Das absolvierte Studium der Sportwissenschaften hilft mir heute ungemein beim Yogaunterricht. Die journalistische Erfahrung hat mich zur Buchautorin gemacht. Und dann kamen die Kinder und der klare Gedanke: Karriere ist mir wirklich nicht so wichtig. Ich liebe es, Mama zu sein. Dabei liebe ich aber auch jeden Montagmorgen, wenn ich hier alle aus dem Haus schicken kann und endlich alleine bin. Zeit habe, kreativ zu sein …

Graue Haare

Ich habe einen weiteren Blogartikel gefunden, der sich mit einem ganz anderen Thema beschäftigt, aber mich dann wieder zu dem von Lisa hingeführt hat. Nämlich den von Iris. Sie beschäftigte sich mit der Frage: Killen graue Haare das Business von Frauen? Graue Haare habe ich auch schon. Ich kann sie fast noch zählen, es werden mehr und ich habe leider nicht so Lust auf Färben. Dafür bin ich schon zu sehr Ökotante. Vielleicht hast du einen Tipp für mich. Vielleicht färb ich irgendwann mal wieder. Egal. Gerade ist es nicht so wichtig, denn es sieht mich ja kaum jemand. Generell behaupte ich ja, dass ich in dem letzten Jahr gefühlt um fünf Jahre gealtert bin. Optisch trifft das doch garantiert zu. Diese Pandemüdigkeit hat jedenfalls nichts zu meiner Schönheit beigetragen. Ich bin dann aber natürlich sofort auf den Podcast von Greta Silver gehüpft. In der aktuellen Folge geht es nämlich darum: „Welche Arbeit passt zu dir?“ Und während ich dem Podcast lauschte, dachte ich, „Manno Mann, ich muss doch mal wieder Momo lesen. Da sind all die Weisheiten vereint, die wir uns heute mühselig aus dem Yoga Sutra raussuchen …“

Und dann war da natürlich noch der hier. In dem Beitrag „Happy Birthday, Corona“ schreibt Judith sehr persönlich und ehrlich, wie sie die letzten 365 Tage erlebt hat. Was gut war, was schlecht war und weshalb Rückzug und Abstand Dinge sind, die sie künftig gerne wieder freiwillig planen würde.

Und nun die Frage des Tages: Werde ich drumherum kommen, am Wochenende diese veganen und glutenfreien Brownies auszuprobieren …oder zumindest eine Variante davon? Hmmmm, lass mich mal raten …

Yoga für alle? Echt jetzt?

Als ich in der vergangenen Woche einen Artikel zum Thema Sprache als Yogalehrer/in veröffentlicht habe, hatte ich nicht damit gerechnet, dass mich das Thema weiterhin so beschäftigen würde. Ich habe nämlich Zuschriften von Leserinnen bekommen, die mir schrieben, wie sie sich Yogaunterricht wünschten und mit welcher Realität sie im Yogastudio konfrontiert seien. Ich habe Schilderungen erhalten, die ich im ersten Moment für eine Parodie hielt. Doch es ist wohl die Realität: Das viel propagierte „Yoga für alle“ ist für die meisten unauffindbar. Und so komme ich zu der Frage: Wie können wir es schaffen, dass alle sich in unserem Unterricht willkommen fühlen (vorausgesetzt natürlich, dass wir das wollen …)?

Versteh mich nicht falsch. Am 27. Dezember, dem Sonntag nach Weihnachten, unterrichtete ich einen kraftvollen Flow mit vielen kräftigenden Körperhaltungen, ich platzierte Crunches, ließ meine Schüler/innen das Boot machen und wir absolvierten viele Planks. Das hatte ich aber im Vorfeld auch so beworben. Ich wollte einen Unterricht anbieten, der meine Schüler/innen nach den Feiertagen zu sich selbst brachte, sie erdete aber andererseits auch etwas mit einem Workout gemeinsam hatte. Du weißt schon: Das schlechte Gewissen wegen der Unmengen an Kalorien, den Plätzchen und der Lebkuchen … Das passte so für mich.

Anfänger: herzlich willkommen!

Wenn ein Anfänger unbedarft in eine Level-3-Stunde geht, darf er sich nicht wundern. Es wäre genauso als würde ich im Chinesisch-Sprachkurs mit der dritten Stufe starten. Macht kein Mensch. Aber was mir eine Leserin mitteilte, war etwas anderes: Sie fand sich in Stunden wieder, die als Anfänger-Stunden beworben wurden und dann wurde sie dennoch als Yogaanfänger vor den anderen bloßgestellt. Kam sie im Flow nicht hinterher, weil sie nicht wusste, wovon der Lehrer sprach, bekam sie müde lächelnde Blicke, statt Unterstützung. Müssten wir nicht gerade Anfänger herzlich willkommen heißen?

„Yoga ist kein Wettkampf“ – hm…

Es gibt einen gerne zitierten Spruch im Yoga: „Yoga ist kein Wettkampf.“ Genau. Das soll es auch nicht sein. Aber damit Yoga auch wirklich nicht zum Wettkampf wird,  muss sich jeder Lehrende in seiner Ausdrucksweise hinterfragen. Wenn ich immer nur diejenigen lobe, die jede Woche kommen und die sich bretzelartig verbiegen können, was macht das eigentlich mit denen, die nicht gelobt werden? Überlege dir, ob es wirklich so viel Sinn macht, einzelne Schüler/innen zu loben. Auch ich habe in meiner Yogalehrer-Ausbilung gelernt, dass wir viel loben sollen. Besonders die Amerikaner sind ja ein sehr „loborientiertes“ Volk, aber vielleicht führt das nur dazu, dass wir sehr massiv darauf bedacht sind, von anderen gelobt zu werden, statt unserer eigenen Intuition zu vertrauen, uns selbst schön zu finden, auch wenn wir das nicht ständig von anderen hören …? Worauf ich aber vor allem hinaus will: Warum wird eine biegsame langjährige Yogapraktizierende gelobt und ein muskulöser aber unbeweglicher Yogaanfänger belächelt? Ist es nicht so, dass die biegsame Yogapraktizierende sowieso schon von Yoga überzeugt ist, und es viel wichtiger wäre, diejenigen zu überzeugen, die noch schwanken, ob Yoga eigentlich das Richtige ist? Diejenigen, die immer wieder damit zu kämpfen haben, weil es für sie so hart ist. Ich will, dass die Yoga machen, die es am allermeisten brauchen. Und was macht es mit den Schülern, deren Namen wir uns nicht gemerkt haben, wenn wir die einen mit Namen ansprechen und die anderen nicht? Was macht es mit Anfängern, wenn die Fortgeschrittenen sie kritisch beäugen, ihnen bemitleidende Blicke zuwerfen, sich vor und nach der Stunde in waghalsige Asanas begeben ….?

Hilfsmittel sind vor allen Dingen clever

Was können wir als Lehrer tun, um zu erreichen, dass sich alle in unserem Unterricht wohlfühlen? Spreche mit deinen Schülern/innen. Lade sie zu Beginn der Stunde herzlich ein, heiße sie willkommen, frag sie nach ihrem Namen und – wenn du sie noch nicht kennst – nach ihren Yogaerfahrungen. Ermutige sie, während der Stunde auf ihren Körper zu hören. Und sage deinen Teilnehmenden, dass sie sich auf sich selbst konzentrieren sollten. Es ist nicht wichtig, was der Nebenmann/die Nebenfrau gerade macht. Lasse immer wieder deutlich werden, weshalb du was unterrichtest. Warum machen wir den Sonnengruß? Warum atmen wir durch die Nase? Und gib deinen Schülern/innen den Hinweis, dass Hilfsmittel zu nutzen, nichts Verwerfliches ist, im Gegenteil: es ist clever. Zeige ihnen, wie sie Hilfsmittel einsetzen können und dadurch ihre Arme und Beine künstlich verlängern. Ermutige Anfänger dazu, sich ihre Matte in der Nähe einer Wand auszurollen, und die Wand als Hilfsmittel bei Balancehaltungen nutzen zu dürfen. Erkläre, dass niemand gut oder schlecht im Yoga sein kann. Stattdessen können wir im Yoga üben und lernen, die Muskeln dehnfähiger werden zu lassen oder sie zu stärken. Wir können üben, die Atmung als Tool einzusetzen, auf das wir auch in unserem Alltag zurückgreifen können, … Beschreibe Variationen verschiedener Asanas und gib immer wieder die Möglichkeit, in ruhende Positionen wie den Herabschauenden Hund oder die Stellung des Kindes zu kommen. Es ist schön, ab und zu mal Sanskrit-Begriffe einfließen zu lassen, aber bedenke, dass die wenigsten Yogalehrenden ein Sanskrit-Studium absolviert haben, warum sollten es die Schüler/innen getan haben?!? Beispiel: Welcher Mensch kann schon etwas mit dem Begriff „Vrikshasana“ anfangen, dabei kommt diese Asana in nahezu jeder Anfänger-Stunde vor. Benutze die deutschen Bezeichnungen, es sei denn, deine Klasse wird von vielen Menschen besucht, die kein Deutsch verstehen. Aber dann macht es vielleicht eher Sinn, englische Begriffe zu verwenden …

Was will ich geben?

Zunächst einmal ist es das Wichtigste, dass wir für uns selbst definieren, was wir unseren Schülern/innen geben möchten. Und ich habe für mich da eine klare Definition gefunden: Ich möchte sie stark machen (nicht immer und unbedingt auf physischer Ebene) und ich will ihnen etwas mehr Ruhe schenken. Und das geht nicht, in dem ich sie vor anderen bloßstelle oder ihnen erläutere, dass ihre Version von Chaturanga nicht die Richtige ist. In einem Interview mit der Mentaltrainerin Christine J. Bauer, das ich für mein neues Buch geführt habe, erzählte sie mir, dass in ihren Trainings häufig Menschen sitzen, die ihr sagen, dass sie gerne ihre wahnsinnige Angst vorm Sprechen vor Menschengruppen besiegen würden. Meistens kommt heraus, dass diese Angst aus der Schulzeit kommt. Irgendein Lehrer hatte sie vor der Klasse bloßgestellt. Und ich frage mich, woher kommt das eigentlich, dass wir/Pädagogen glaub(t)en, wir müssten andere schwächen, um sie stärker zu machen?

Weißt du, was du lehrst?

Und deswegen also die Frage: Was willst du als Yogalehrer deinen Schülern/innen geben? Als Sportwissenschaftlerin lege ich viel Wert auf die Ausrichtung in den Asanas. Vor allen Dingen, damit sich meine Schüler/innen nicht verletzen und damit sie die Effekte der Übung auf beste Möglichkeit spüren können. Aber Körper sind verschieden und das muss man als Lehrer/in immer im Blick behalten. Als Yogalehrende haben wir vieles über Ausrichtung gelernt, ohne es zu hinterfragen. „Spanne in der Schulterbrücke die Oberschenkelmuskulatur an, aber entspanne dein Gesäß“, ist ein Hinweis, den ich häufig höre. Aber warum? Macht das Sinn? Wenn wir genau hinschauen, brauchen wir den Glutens Maximus um unsere Hüfte dahin zu bringen, wo wir sie in der Schulterbrücke haben wollen. Und ist es überhaupt in irgendeiner Form schlecht, den Glutens Maximus zu stärken – ich denke nur mal an die immer wieder kommende Sommersaison? 😉 Also, sei dir stets bewusst, wenn du etwas unterrichtest, warum du das unterrichtest.

Und wenn ich zum Yoga gehe, brauche ich kein Boot Camp. Wobei ich auch Boot Camps keinesfalls ihre Berechtigung abschreiben möchte. Aber im Yoga? In dem Studio, in dem ich meine erste Ausbildung absolviert habe, gab es eine Unterrichtsstunde, die hieß Yoga Sculpt. Es gab einen Korb, in dem sich ein bis drei Kilogramm schwere Kurzhanteln befanden, und man durfte sich seine Kurzhanteln heraussuchen, bevor es auf die Matte ging. Dann wurden Yogahaltungen im Flow mit Kurzhanteln absolviert. Ich habe gar nichts gegen solche Yoga-Spielarten. Denn im Grunde war das eine gute Idee. Es ging nämlich darum, denjenigen, die nur Lust auf Yoga hatten, ein bisschen Krafttraining unterzujubeln. Es hat also so ziemlich alles seine Berechtigung (außer vielleicht Bier-Yoga …). Ich finde nur, es muss immer vorher klar sein, was der Sinn der Praxis ist. Andere stark machen. Auf psychischer Ebene mag Boot Camp Style im Yogaunterricht da nicht das Richtige sein, auch wenn es sich im ersten Moment vielleicht passend anhört. Aber ohnehin stellt sich die Frage, warum der Mensch manchmal gemein sein möchte? Wir meinen vielleicht, dass wir uns dadurch stärker machen, aber in Wahrheit sind wir in solchen Momenten doch nur selber schwach, oder?

Lauschangriff und Lesestoff vom 11. März 2021

Am vergangenen Mittwoch war ich seit langem mal wieder mutig. Ich habe mich bei der DKMS als Stammzellenspenderin registrieren lassen. Das wollte ich schon lange machen, habe es, wie so vieles, was man eigentlich tun sollte, stets vor mir hergeschoben und dann durch einen Impuls aus dem Bekanntenkreis endlich die Internetseite aufgerufen. 2014 habe ich eine Freundin durch Blutkrebs verloren. Spätestens da war das Thema Stammzellenspende in meinem Leben immer wieder präsent. Blut spenden kann ich nicht – ich bringe das Mindestgewicht nicht auf die Waage. Bei der Stammzellenspende ist das allerdings anders. Ich habe trotzdem jahrelang die blödesten Ausreden gefunden, um das Thema vor mir herzuschieben. Diesen Winter habe ich das Buch „Der Chemoritter am Küchentisch“ gelesen. Es erzählt die wahre Geschichte einer Mutter, deren Sohn im Alter von fünf Jahren an Blutkrebs erkrankt. Da war es dann wieder ganz präsent. Vielleicht auch weil meine Tochter im gleichen Alter ist. Ich bin nicht immer mutig. Aber nun war ich es irgendwie leid, mir stets nur vorzunehmen, Gutes zu tun, um mich dann wieder in meinem geschützten Raum zu verkriechen und es auf einen anderen Zeitpunkt zu verschieben.  Ich habe noch etwa 13 Jahre lang Zeit, einem Menschen durch eine Stammzellenspende das Leben zu retten. Dann bin ich zu alt dafür. Ich gehe davon aus, falls ein Anruf kommt und ich für eine Spende in Frage kommen würde, tut es auch nicht weh, den letzten Schritt zu gehen. Ein neuer Podcast ist auf dem Markt: Do your thing beschäftigt sich – wie sich vermuten lässt – damit, wie man eben sein Ding machen kann. Dabei waren in den ersten Folgen beispielsweise Basketballstar Dirk Nowitzki, Model Sara Nuru und in der aktuellen Folge mein langjähriger Freund, Speaker, Motivator und Autor Balian Buschbaum zu Gast. Balian Buschbaum erklärt im Gespräch mit Moderatorin Lisa Augenthaler, wie Ängste bei uns im Kopf entstehen, wenn wir uns auf den Weg zu etwas machen. „Zweifel entstehen dann, wenn das Umfeld uns mit deren Ängsten konfrontiert.“ „Da könnte was schiefgehen …“, durch diesen Satz nehmen wir Ängste an, die gar nicht zu uns selbst gehören. Im Gespräch geht es auch darum, wie es ist, wenn man sich die Penisgröße aussuchen kann und warum Mut der Weg zur Freiheit ist …

Yoga intensiv …

Falls du wie ich, Yogalehrer bist, aber doch meistens vergisst, mal auf der Seite des BDY, dem Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland e.V., vorbeizuschauen, kann ich dir diesen Text von Yvonne Thillmann empfehlen. Sie hat das Konzept „Yogaintensiv“ erarbeitet, in dem es darum geht, eine individuelle, zum Alltag passende Yoga-Praxis im Einzelunterricht zu entwickeln, die den Teilnehmenden stärkt und die Fähigkeiten entwickeln lässt, mit Krisen besser umgehen zu können. Auch und vor allem in Pandemie-Zeiten; es ist also ein Konzept, das du im Online-Einzelunterricht anwenden kannst.

Feminismus konstruktiv

Natürlich kam ich in dieser Woche nicht daran vorbei, mich mit dem Thema Feminismus zu beschäftigen. Du weißt ja, Weltfrauentag … Ich gehöre auch zu den Menschen, die es traurig finden, dass so etwas wie ein Weltfrauentag überhaupt existieren muss, schließlich gibt es ja auch keinen Weltmännertag, Oder habe ich das einfach nur verpasst? Jedenfalls ist mir sehr klar und bewusst, dass Feminismus wichtig ist und dass es auf dieser Welt viel zu viel Gewalt und Ungerechtigkeiten gegenüber Frauen gibt. Ich weiß auch, dass, hätte es keine radikalen Feministinnen gegeben, es mir heute nicht so gut gehen würde. Vielleicht hätte ich nicht die Möglichkeit gehabt, ein Studium wie das der Sportwissenschaften, zu absolvieren. Wer weiß das schon? Aber ich finde es wichtig, sich selbst die Frage zu stellen, was man eigentlich für den Feminismus tut, bevor man sich mit dem Titel Feministin schmückt, weil er einfach schick geworden ist. Ich sehe das ähnlich wie die Autorin Beate Hausbichler, die in ihrem Buch „Der verkaufte Feminismus“ darüber schreibt, wie es ist, wenn aus einer politischen Bewegung eine schöne Idee für die Vermarktungsmaschinerie wird. Auf Deutschlandfunk Kultur gab es bereits am 25. Februar eine Buchkritik dazu, du kannst hier immer noch reinhören. Am diesjährigen Weltfrauentag berichtete rbb über das Buch. 

Hausbichler beginnt das Buch mit der Beschreibung einer Szene beim W20 Gipfel in Berlin, als Christine Lagarde, Ivanka Trump, Königin Máxima, Chrystia Freeland und Angela Merkel die Frage gestellt wurde, ob sie Feministinnen seien. Alle hoben wie selbstverständlich die Hand, nur eine nicht. Angela Merkel zögerte und sagte: „Also ich habe keine Angst. Wenn Sie finden, dass ich eine Feministin bin – stimmen Sie ab. Ich möchte mich nicht mit dieser Feder schmücken.“ Damit war sie die einzige, die eigentlich verstanden hatte, was es bedeutet, Feministin zu sein. Nämlich unangenehme Kämpfe auszutragen für eine bestimmte Sache, die dazu dienen soll, dass gleiche Lebensbedingungen für alle hergestellt werden können. 

Wenn sich also Ivanka Trump und Beyoncé als Feministinnen bezeichnen, muss man sich doch eigentlich fragen, ob sie da etwas falsch verstanden haben oder ob sie den Begriff einfach nutzen möchten, weil es offenbar für die erfolgreiche Frau zum guten Ton gehört. „Was genau war nochmal deren Dienst an der Sache der Gleichstellung?“, fragt Hausbichler. Besonders spannend und aufschlussreich ist übrigens auch der Bericht „Feministischer Kampftag: Was gibt es da zu feiern?“ auf derstandard.de

Achtsamkeit intuitiv …

Einen tollen Beitrag zum Thema Achtsamkeit hat Was-für-mich-Autorin Katia Kröger in dieser Woche geschrieben. Es ist wirklich spannend, was sie durch ihr MBSR-Training gelernt hat, nachdem sie während der Corona-Pandemie im Familiendschungel irgendwann kurz davor war, die Nerven zu verlieren. Tja, das Thema Multitasking kommt auch darin vor. Irgendwann in der Neuzeit hat es sich plötzlich gut angehört, wenn man sagen konnte, man sei „multitasking-fähig“. In Wahrheit ist „Multitasking“ das Gegenteil von achtsamkeits-fähig und ein Riesen-Problem unserer Gesellschaft … Aber lest selbst.

Letzte Woche habe ich wahrscheinlich vor lauter Multitasking ganz vergessen, das Rezept zu verlinken. Hier gibt es eins von einer meiner liebsten Food-Bloggerinnen.