Kategorie: Lauschangriff und Lesestoff

Lauschangriff und Lesestoff vom 27.11.2020

Wir rauschen mit Vollgas der Adventszeit entgegen. Noch nie gab es in meiner Wohnung so früh geschmückte Tannenzweige, noch nie stand der Adventskranz so lange auf den 1. Advent wartend einfach nur so rum, noch nie lief bei uns schon im November Weihnachtsmusik. Jetzt schon. Wenn ich auch das Gefühl habe, auf absolut nichts sonst vorbereitet sein zu können: auf die Adventszeit bin ich es – aber so was von! Auf Instagram habe ich gesehen, dass bei Familie Lewandowski sogar der Weihnachtsbaum bereits in der vorletzten Novemberwoche stand, und ich gebe Anna Lewandowska recht: Why not? Es ist ja vieles anders in diesem Jahr. Ich habe ein großes Bedürfnis nach Gemütlichkeit. Und mal ehrlich: Wenn Rolf Zuckowski hier „Dezemberträume“ trällert, sind meine Kinder auch irgendwie entspannter.

Ich mag die Adventszeit gerne. Für mich bedeutet Advent auch gleichzeitig, dass wir noch mal so etwas wie Vorfreude erleben. Worauf eigentlich? Geschenke gibt es eigentlich für uns Erwachsene an Weihnachten schon lange nicht mehr so richtig. Die Vorfreude ist trotzdem da. Sie sitzt ganz tief in meinem Bauch. Ein Gefühl, das wir doch heute fast nicht mehr kennen. Wir kaufen uns so ziemlich alles dann, wenn wir meinen, es zu brauchen. Auf etwas Warten? Darin sind wir schlecht geworden. Vielleicht mag ich den Advent deswegen auch so gerne. Genau wie den Geruch von Lebkuchengewürz und zu viel Zimt. Leuchtende Kinderaugen vor geschmückten Tannenbäumen und Lichterketten. Bücher vorlesen, die Weihnachtszauber versprühen, ich mag auch warmen Kakao und Keksdosen. Und dann ist da ja auch immer das Ende eines Jahres und der Anfang eines neuen, was irgendwie etwas Magisches hat. Vermutlich wird das neue Jahr diesmal von vielen mit besonders viel Euphorie erwartet – ich bin mir da noch nicht so sicher.  Auf jeden Fall bin ich auf Zeit online über diesen Beitrag von Christian Bangel zum Thema Silvesterknaller gestolpert. Alleine der Titel gefällt mir schon: Baller, Baller. Brauchen wir eigentlich Silvesterknaller? Ganz ehrlich: Silvester könnte sehr gut auch ohne Feuerwerk gefeiert werden. Silvesterknaller gehören für mich zu den besonders dekadenten Erfindungen dieser Welt. Wenn man sich kurz mal überlegt, was Sinnvolles mit dem Geld gemacht werden könnte, das da einfach so in die Luft gepulvert wird, wie viel Stress wir damit für Tiere verursachen, nicht nur für unsere Haustiere sondern auch all die anderen da draussen, und wie schädlich das alles für die Umwelt ist, wird mir fast schlecht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Silvester auch genauso schön ohne Knallerei gefeiert werden kann.

Ein anderes Thema: Heute ärgere ich mich sehr darüber, dass ich vor 20 Jahren (Oh Gott, es ist wirklich schon so lange her) begonnen habe, Sportwissenschaften auf Diplom zu studieren und nicht Lehramt. Journalistin hätte ich auch mit einem Lehramtsstudium locker werden können, Lehrerin ist nun etwas schwieriger. Trotz Lehrermangel. In Schleswig-Holstein sind sie da ziemlich streng. Auf jeden Fall – vielleicht nehmen die auf dem Ministerium mich deswegen auch nicht so ernst – würde ich dann natürlich im Sportunterricht auch Yoga einführen. Ist ja klar. Die Studie ist nicht ganz neu, Anfang November veröffentlichte der Bund Deutscher Yogalehrer ein Update dazu. Das habe ich in dieser Woche erst entdeckt und deswegen will ich es hier nicht vorenthalten.

Die durchgeführten Studien wurden zwar an zwei Berliner Berufsschulen gemacht, also mit jungen Erwachsenen, aber wir sollten auch nicht aufhören, dafür zu kämpfen, Kindern (und damit Schülerinnen und Schülern im Allgemeinen) die Möglichkeit zu geben, auf der Yogamatte Stress und Emotionen abbauen zu können …

Auch mit Vorfreude erwartet, habe ich den Wandaful Podcast – Yoga beyond the Asana mit Veit Lindau. Das war ein spannendes Gespräch, ich habe es gehört während ich das Süßkartoffel-Grünkohl-Curry für das Abendessen geköchelt habe. Lindaus Einstellung zum Thema Erleuchtung liegt mir sehr. Und generell habe ich aus diesem Gespräch sehr viel mitnehmen können …und das Curry mit absoluter Hingabe gekocht 😉

Am Mittwoch, den 25. November war der Tag der Gewalt gegen Frauen. Auf Deutschlandfunk Nova habe ich den Beitrag dazu gehört. Per Zufall habe ich dann ebenfalls auf dieser Seite den Beitrag „Warum verzeihen gut tut“ gefunden. Er ist aus dem Oktober 2020 – spielt aber keine Rolle, er ist zeitlos. Ein interessanter Bericht darüber was Verzeihen bringt, weshalb es auch ein bisschen egoistisch ist und dass das aber auch nicht schlimm ist. Wenn wir aber sowieso gerade schon dabei sind durch Deutschland Funk Novas Hielscher oder Haase-Programm zu stöbern, dann höre doch heute auch noch den Beitrag zum Black Friday und Nachhaltigkeit.

A propos Süßkartoffel-Grünkohl-Curry, vor ein paar Wochen habe ich ein Rezept für selbstgemachtes Naan auf dem Blog backenmachtglücklich gefunden. Jetzt backe ich das Indische Brot zu jedem Curry, das es hier bei uns zuhause gibt – das heißt, ziemlich oft. Und es ist – genau wie im Artikel von Kathrin Runge beschrieben – bei allen Familienmitgliedern sehr beliebt. Manchmal variiere ich mit dem Rezept ein bisschen, ich habe nämlich zuhause auch ein tolles Veganes indisches Kochbuch. Aber eigentlich gibt es daran nicht viel zu optimieren. Ich benutze Kokosöl, um das Naan in der Pfanne zu backen und am besten wird es, wenn die Teigfladen, die ich in die Pfanne gebe, nicht zu dick sind. Schönes Wochenende.

Lauschangriff und Lesestoff vom 20.11.2020

Diese Woche startete für mich mit dem Geburtstag unserer Tochter. Dem fünften. Das heißt, egal, wieviel Mühe man sich gibt, solche Geburtstage können so oder so ausgehen. Weil Geburtstage für Kinder ja immer mit besonders hohen Erwartungen verknüpft sind und mit Überfluss an Emotionen. Daher musste ich ein bisschen schmunzeln, als mir am Abend bewusst wurde, dass niemand aus unserer Familie an diesem Tag geweint hatte. Check! Alle waren froh. Irgendwann am frühen Abend hatte das Geburtstagskind allerdings leise gefragt: „Warum ist gar niemand gekommen, Mama?“ Ich habe es ihr erklärt. Für Kinder im Kindergartenalter ist ein Lockdown light schwer zu begreifen. Im Frühling hatte das besser geklappt. Wenn Kitas für die meisten Kinder unzugänglich, Spielplätze mit Absperrband dekoriert und Tische und Stühle von Cafés draussen mit schweren Ketten gesichert sind, ist „Corona“ auch für Kinder greifbar. Jetzt ist das etwas schwierig. Für meine Kinder ist Corona gerade sehr weit weg, für uns Erwachsene nicht so …

Ich habe diesen Artikel in der vergangenen Woche gefunden und bin nicht besonders überrascht. Ich kann mir wage vorstellen, wie es sich anfühlen könnte, wenn man Covid-19-positiv getestet wäre und sich schuldig fühlen würde, weil man potenziell Menschen angesteckt hat, die dann ernsthaft krank oder sogar sterben werden. Bereits aus dem Sommer ist der Bericht von Lara Keuthen vom Peppermyntha Magazin und vor kurzem gab es ein Update dazu, das ich besonders interessant finde.

Ich zelebriere meine wöchentlichen Gänge zum Wochenmarkt, wo wir den Großteil der Lebensmittel kaufen, die wir verbrauchen. Wir haben Glück; unser Wochenmarkt ist besonders attraktiv und dort gibt es auch einen landwirtschaftlichen Bio-Betrieb, den ich schon mehrfach besuchen konnte und von dessen Arbeit ich überzeugt bin. Dass ich für die Lebensmittel vielleicht etwas mehr Geld ausgebe, stört mich nicht, ich mache gerne anderswo Abstriche und investiere in das, was ich in mich reinstecke, also gesundes Obst und Gemüse. Dieser Bericht zeigt eines von vielen Problemen, die die Landwirtschaft heute hat. Und wenn es irgendwie geht, sollten wir versuchen, ökologisch und nachhaltig arbeitende landwirtschaftliche Betriebe zu retten. 

Sehr berührt hat mich diese Geschichte aus dem RosaMag. Es zählt jetzt zu meiner Pflichtlektüre.

Und dann, tja, wie so oft: wasfürmich. Diese Geschichte von Katharina Weck hat mir für einen kurzen Moment die Luft zum Atmen genommen: Dankbarkeit hat für mich in den vergangenen Jahren ohnehin schon eine neue Dimension erreicht – in diesem Jahr (wie für viele von uns) ist mir noch klarer geworden, wofür ich dankbar sein kann. Und dass mein Leben bislang ein Leben in Überfluss war. Und dann dieser Text. Er ist am 17. November erschienen, ich habe mir das Buch von Katharina Weck direkt bestellt und schon diese Woche angefangen zu lesen. In einer Rezension dazu habe ich gelesen: „…Sie besinnt sich auf das Wesentliche und gibt so allen Hoffnung, die sich ebenfalls in misslichen Situationen befinden. Alle anderen erinnert sie daran, wie belanglos die meisten Ärgernisse im Alltag sind.“ Das Buch muss also jeder lesen. 

Zum Schluss noch was Aufheiterndes. Auch dieses Interview hat mich beschäftigt und berührt. Ralph Caspers kennen Mütter und Väter vielleicht von der Sendung mit der Maus. Er hat jetzt auch ein Buch geschrieben, es heißt „99 harmlose Fragen für überraschende Unterhaltungen zwischen Eltern und Kindern“ und im Interview mit dem Süddeutsche Magazin erzählt er davon. Es ist wahnsinnig spannend und hat dazu geführt, dass ich mich gefragt habe, ob ich mich eigentlich achtsam mit meinen Kindern unterhalte. Belanglosigkeiten und Floskeln, oberflächlichen Smalltalk und Fragen nur um gefragt zu haben, können wir uns wohl gerade in der Konversation mit unseren Kinder sparen, oder?

Und zum Lauschen? Da kann es diese Woche nur eine Empfehlung geben: Stefanie Luxat im Endlich Om-Podcast interviewt Bestseller-Autorin und Aktivistin Glennon Doyle. Da muss man nicht viel zu sagen. Einfach zuhören. 

Hab ein schönes Wochenende.

Lauschangriff und Lesestoff vom 13.11.2020

Es gibt eine neue Rubrik auf diesem Blog. Sie heißt „Lauschangriff und Lesestoff“. Das hatte ich schon lange vor. Der Lockdown light (he, das mit der doppelten Alliteration ist aber jetzt Zufall!) spielte mir da in die Karten: Ich habe ein bisschen mehr Zeit, mich um meinen Blog zu kümmern. Die Idee dazu hatte ich schon lange. Sie hat auch ein bisschen etwas mit meinem früheren Beruf als Journalistin zu tun. In „Lauschangriff und Lesestoff“ gebe ich euch Leseempfehlungen und Tipps für Podcastfolgen. Es geht dabei meistens um wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Themen Ernährung, Gesundheit, Fitness und natürlich Yoga aber auch um solche Artikel und Interviews, die ich für besonders lesens- oder hörenswert halte, weil sie sich mit wirklich wichtigen Themen aus diesen Bereichen beschäftigen. Das heißt auch, dass dieser in Zukunft jeden Freitag früh erscheinende Blogpost nicht immer nur gespickt ist mit Themen, die Jubel, Trubel, Heiterkeit verkörpern. Aber manchmal halt auch. Und auf jeden Fall immer zum Schluss mit einem veganen Rezept, das dich hoffentlich so glücklich macht wie mich. „Lauschangriff und Lesestoff“ beschäftigt sich wirklich mit den Texten, Interviews und Beiträgen, die mich selbst beschäftigt haben und die ich für wichtig oder sehr informativ halte. 

Ausgerechnet in der vergangenen Woche machte dann die Yogaszene in den nationalen Medien mit einem unschönen Thema von sich reden. Vielleicht ahnst du schon, um was es geht. Der Artikel „Was ans Licht kommt“ der Journalistin Marlene Halser, die sehr lange und hartnäckig zum Thema Machtmissbrauch in der Yogaszene recherchiert hat, ist am vergangenen Freitag im SZ-Magazin erschienen und hat mich natürlich sehr berührt. Die Geschichte macht zunächst sprachlos. Dabei ist Swami Vishnu ja nicht der erste und bestimmt auch nicht der letzte Yogalehrer gewesen, der seine Position missbraucht hat. Was ich besonders makaber an der ganzen Story finde, ist, dass unter der Prämisse der Überwindung des Egos nahezu alles erlaubt scheint, also auch „Missbrauch zu einem notwendigen Mittel zur spirituellen Entwicklung umgedeutet“ wird, wie Halser schreibt. Bei all der Lust und Freude an Spiritualität ist es immer auch ganz praktisch, wenn beide Füße ganz fest auf dem Boden bleiben. Dass es in der Yogaszene nicht nur ehrliche und gewaltfreie Menschen gibt, ist klar. Und Macht wird leider sehr häufig da mißbraucht, wo sie zu groß wird. Marlene Halser hat über dasselbe Thema auch einen Radiobeitrag unter br.de/podcast veröffentlicht. Machtmissbrauch in der Yogaszene ist nicht neu: Vor vielen Jahren habe ich einen Artikel gelesen, der mir nachhaltig in Erinnerung geblieben ist. Das war bereits 2013 – vor einer halben Ewigkeit also. Der Text ist – wie die Geschichte um Swami Vishnu zeigt – sehr wichtig und ewig aktuell: Kimberly Lo schrieb auf elephantjournal.com einen klugen Text zum Fall Bikram Choudhury. 

Ein anderes Thema, ebenso wichtig, hat die deutsche Yogalehrerin Wanda Badwal diese Woche in ihrem Podcast Wandaful Podcast – Yoga beyond the Asana thematisiert. Es geht um den verantwortungsbewussten Umgang mit Kindern auf Social Media. Dieses Thema liegt mir sehr am Herzen. Einerseits weil ich selbst Mutter bin und durch mein Studium der Medienwissenschaften immer einen kritischen Blick auf den Umgang mit Social Media werfe. Weil ich mit Sorge in eine Zukunft blicke, in der Social Media einen immer größeren Einfluss auf unsere Gesellschaft einnimmt. Schon jetzt sehe ich, dass junge Mädchen für Likes alles machen würden. Und andererseits weil ich selbst die Sozialen Medien enorm nutze. Da eine gesunde Balance zu finden, ist wirklich schwierig. Zu dem Thema passt übrigens der Text von Julia Hofgartner „Wo ist das echte Yoga auf Social Media“, den sie bereits im September auf happymnindmagazine veröffentlicht hat.

Dieser Podcast ist nicht lang und vielleicht hast du am Wochenende die 16 Minuten, um reinzuhören und dir eine Meditation zu gönnen. Die Meditation passt gut zur aktuellen Zeit und das, was Samarpan P. Powels von findyournose.com zu dem Begriff Vertrauen sagt, was das eigentlich ist, wie wir es häufig missverstehen und warum wir auch hier mal wieder von unseren Kindern lernen können, finde ich sehr inspirierend.

Und jetzt schreit es nach Soul Food. Das Rezept, das ich hier heute mit dir teilen möchte, muss natürlich von der Frau kommen, die mich eigentlich zu diesem Beitrag inspiriert hat. Als ich 2013 und 2014 in Kalifornien lebte, war ihr Blog einer der ersten, die ich regelmäßig gelesen habe. Damals hieß er noch Choosing Raw und jeden Sonntag postet Gena Hamshaw einen Artikel der „Weekend Reading“ hieß. Die Themen drehten sich meistens um gesunde Ernährung, und Veganismus sowie wissenschaftliche Erkenntnisse dazu. Tolle Rezepte waren auch immer dabei. Heute heißt ihr Blog thefullhelping.com. Weekend Reading gibt es immer noch aber in unregelmäßigen Abschnitten. Ich hab auf jeden Fall große Lust dazu, ihre „Apricot, Almond and Vanille Snack-bars“ auszuprobieren. Hab ein schönes Wochenende.