Kategorie: Yogaphilosophie

Bin ich jetzt alt?

Mein Geburtstag scheint in weiter Ferne. Wer weiß schon, was im Oktober ist? Ich bin gerade einundvierzigeinhalbundeinbisschen. Ich hatte bestimmt irgendwann mal gedacht, die Vierzig würde sich sehr seltsam anfühlen. Tat sie aber nicht. Ich habe es nie wirklich gemerkt, dass ich älter geworden bin. Komisch, dass man eigentlich doch immer glaubt, man sei gerade erst 20 gewesen …

Am Mittwoch habe ich eine Stunde Zeit gehabt, um mit einer befreundeten Yogalehrerin aus der Umgebung einen Kaffee zu trinken. Meine jüngste Tochter ist eineinhalb Jahre älter als ihr kleiner Sohn. Und irgendwie kamen wir plötzlich auf die 90er Jahre und als ich erwähnte, dass ich in den 90ern Abitur gemacht habe, musste sie lachen. Und ich dann, als sie mir sagte, sie sei Jahrgang ’91. Die meisten Yogalehrer, die ich hier in der Umgebung kenne, sind jünger als ich. Wenn ich mich durch meine Social Media Kanäle scrolle, muss ich selbst über mich lachen. Ich fühle mich wie eine uralte Frau, der man jeden Schritt auf einer App erklären muss. Muss man ja auch 😉

Coaching statt Frisuren

Seit die 4 vorne steht, habe ich viel Geld in mich investiert. Aber nicht so wie früher in die Fußpflege oder Frisuren. Stattdessen in mein Inneres. Ich habe mir unangenehme Fragen stellen lassen und sie mir selbst in aller Ausführlichkeit gestellt. Ich lerne jeden Tag mit meinen Kindern. Wenn ich wirklich achtsam bin, haben wir die beste Zeit zusammen. Was es bedeutet, achtsam zu sein, haben sie mir besser beigebracht als es ein Erwachsener je könnte. Ich halte Kinder für die Zen-Meister schlechthin. Kinderköpfe sind unfassbar heilsam. Man muss sich allerdings darauf einlassen … Ich bin wieder mehr von Tieren umgeben, weil mir das gut tut. Ich atme besser. Wenn ich mal wirklich nicht weiter weiß, buche ich ein Coaching. Früher habe ich mir dann Klamotten gekauft.

Was sind eigentlich fortgeschrittene Asanas?

Mein Yogapraxis ist anders geworden. Ich weiß, auch auf meinem Instagramprofil gibt es viele Fotos, auf denen ich auf den Händen stehe, meine Beine dabei in irgendeine Richtung strecke oder meinen Oberkörper mühelos auf meine Beine falte. Ich habe früh verstanden, dass das menschliche Auge sich dem Schönen gerne zuwendet und deswegen finde ich es nicht verwerflich, dass Instagram als Medium genutzt wird, bei dem es vor allem um schöne Images geht. So lange wir unseren Kindern erklären, dass das nicht die Welt ist und dass auch das schönste Model auf Instagram Tage hat, an denen es ihm richtig Scheisse geht. Wenn ich Lehrer wäre, würde ich meinen Schülern/innen Oliver Pochers Parodien auf Influencer als Hausaufgabe geben. Ich bin aber Yogalehrerin. Deswegen empfehle ich es nicht 😉 Denn jemand könnte sich ja davon verletzt fühlen. Das war ein langes Vorgespräch. Worauf ich hinaus will ist:

Vergangene Woche hatte ich ein Interview mit einem Yogamagazin. Es ging um das Buch, das ich gemeinsam mit Katharina Bauer geschrieben habe, Yoga für ein starkes Herz. Die Frage, die mich staunen liess, lautete, ob Herzpatienten in der Lage seien, fortgeschrittene Asanas auszuführen. Ich staunte, denn: Wer oder was ist ein Herzpatient? Herzpatienten können alles mögliche sein. Wie man am Beispiel von Katharina Bauer sieht, können sie Hochleistungssportler sein. Sie können Menschen sein, die viel jünger sind als ich, körperlich fit sind und Räder im Sand schlagen. Sie können älter sein und übergewichtig aber auch Kinder voller Lebensenergie und Bewegungstalent. Es gibt also nicht den oder die eine/n Herzpatienten/in. Ich kann diese Frage nicht beantworten, wenn ich den Menschen nicht vor mir sehe, und vor allem auch nicht, wenn der Mensch mir nicht gesagt hat, was er eigentlich mit der Yogapraxis erreichen will.

Das andere, was mich stutzig machte, war die Frage an sich. Und deswegen dachte ich dann: Bin ich jetzt alt? Geht es überhaupt beim Yoga darum, „fortgeschrittene Asanas“ ausführen zu können und wenn ja, was sind eigentlich fortgeschrittene Asanas? Ein Bekannter von mir macht gar kein Yoga, kann aber ohne Probleme den Lotussitz einnehmen. Wenn wir uns sehen, schlägt er seine Beine mühelos in den Lotus – natürlich nur, um mich zu ärgern. Ich kann das nämlich nicht. Es amüsiert mich. In der aktuellen Ausgabe des Schweizer Yogamagazins Yoga!Das Magazin sagt R. Sriram, der auch eine besonders schöne deutsche Übersetzung des Yoga Sutra veröffentlicht hat: „Yoga versucht alle Aspekte zu integrieren, die zu einem Menschen gehören, um die bestmöglichen Haltungen auf allen Ebenen zu gestalten – emotional, körperlich, geistig, in Beziehung zu anderen, zu der Umwelt und sich selbst.“ Er sagt: „Asanas sind nur ein Glied aus dem Ashtangayoga. Mit dem Körper hängt der Atem zusammen und dieser darf beim Üben als zentraler Punkt nie vernachlässigt werden. Körperübungen führen immer dahin, dass der Atem verbessert und ein tieferes Atemverständnis erreicht wird.“ In der heutigen Zeit wird das häufig – selbst in der Yogapraxis – vergessen. Was will ich mit meiner Praxis eigentlich erreichen? Dieser zentralen Frage muss alles andere untergeordnet werden.

Auf zum Strand!

Und nun, da die 4 vorne steht, ist der Yoga für mich kein Mittel zum Knackarsch. Dafür mache ich nämlich Krafttraining an der Hantelstange. Es sind zwei völlig unterschiedliche Motivationen: Yoga soll mich erden. Mich dorthin zurückbringen, wo ich verstehen kann, warum ich hier bin und wie ich besser mit mir selbst und meiner Umwelt umgehen kann. Der Knackarsch macht mich nur deswegen glücklich, weil ich mich gesünder fühle, wenn ich ihn habe. Meinen Kindern sage ich immer, dass ich trainiere, damit ich sie noch lange tragen kann. Auch wenn sie – was bald sein wird – mal größer sind als ich. Aber Yoga mache ich nicht (mehr), um auf den Händen balancieren zu können. Bin ich jetzt alt? Ist das die typische Sichtweise einer Yogalehrerin über 40? Bestimmt. Claudia Schaumann schrieb vergangene Woche auf wasfürmich.de: „Geht das ganz große Glücksgefühl mit 40 flöten?“ Sie schreibt darüber, dass sie sich früher so federleicht fühlte, dass Probleme klein waren und plötzlich mit der 40 so viele Sorgen auftauchen. Dass die Sorge um die eigenen Eltern größer wird, dass wir beim Lesen der Todesanzeigen erschrecken, wenn wir die Geburtsjahre sehen. Ja, mit 20 dachte auch ich, das Leben sei unendlich. Ich hatte sehr viel Spaß. Aber trotzdem finde ich es jetzt besser.

Auch ich denke – gerade an Tagen wie diesen, wenn der Sommer laut lacht, die Nächte kurz sind und meine Füße ständig umgeben sind von Sand – ach, dieses Leben, wie lange darf es noch bleiben?, und lerne doch immer mehr, dass das Ende vielleicht gar kein Ende ist. Ich lerne wieder mehr und mehr, was mir gefällt und guttut. Wo ich Kraft tanken kann und wo ich Zuversicht und Vertrauen finde. Jeden Sommer zähle ich mehr Falten. Weil ich das Gesicht so gerne in die Sonne halte. Sie stören mich nicht mehr. Ich hatte übrigens fast vergessen, wie sich der Sommer anfühlt. Das liegt sicher nicht am Alter, sondern eher an der Pandemie. Dass ich das wertschätze, hat vielleicht auch etwas mit dem Alter zu tun: Die Anzahl der Sommer, die ich erlebe, sind nicht unendlich: Auf zum Strand!

Warum denn jetzt?

Das Leben ist kostbar. Auch in Pandemiezeiten. Ich lese gerade das Buch von Veit Lindau „Genesis – Die Befreiung der Geschlechter“. Zu Beginn hat es mich fast genervt, dass er nicht müde wird, immer und immer wieder zu erwähnen, dass du, ja genau du, ein Wunder bist. Dass du, ja genau du, die Welt verändern kannst. Mit deinen Gedanken. Mit diesem einen Unterschied. Und während ich mich am Anfang noch fragte, wieso Lindau nicht damit aufhört zu erzählen, wie wundersam wir sind, ist mir das plötzlich – in einem alltäglichen Moment – sehr klar geworden. Das Leben an sich ist ein Wunder. Es ist nicht selbstverständlich. Oh, werde ich jetzt hier zu spirituell? Vielleicht. Letzte Woche schrieb ich noch, dass ich mich auf den Sommer freue und jetzt schreibe ich vom allgegenwärtigen Moment … und davon, dass ich überhaupt nicht weiß, ob dieser Sommer für mich stattfindet … Ist das anstrengend? Mag sein.

Alles selbstverständlich?

Aber es ist auch wohltuend. Denn unser Alltag ist schließlich auch manchmal anstrengend. Während wir nämlich so vor uns hin dümpeln, uns über dies und jenes aufregen, uns unheimlich wichtig nehmen – beispielsweise weil unsere Freiheit gerade eingeschränkt ist – , wir uns streiten, mit anderen diskutieren ohne deren Meinung, deren Herkunft, deren Aussehen zu respektieren, verschwenden wir keine Sekunde daran, dass unser irdisches Dasein begrenzt ist – und dass diese Grenze sekündlich gesetzt werden kann. Wir nehmen alles für selbstverständlich. Nicht nur den kleinen automatischen Rasenmäher, der von sich aus das Gras auf akkurate Weise schneidet, während wir im Liegestuhl liegen bleiben können … ja nicht zu viel Bewegung … Nicht nur den scheinbar perfekt zubereiteten Burger, der einfach so auf den Teller gezaubert wurde, ja nicht darüber nachdenken, wer was wie dafür tun musste … Nicht nur den frischen Duft unserer gewaschenen Klamotten, gebadet in Weichspüler … damit die Handtücher sich auch wirklich ganz sanft anfühlen auf der Haut. Wir nehmen das Land in dem wir leben für selbstverständlich. Und dann gibt es ja noch die anderen. Tja, das ist ja dann das Leben der anderen. Das Leben – nicht das der anderen, sondern das Leben – scheint selbstverständlich.

Jetzt ist das Wertvollste, was wir haben

Bewusst wird uns die Kostbarkeit des Moments meistens erst mit dem Tod eines nahestehenden Menschen. Oder mit dem Unfall, der uns entweder ins Krankenhaus katapultiert oder uns im Schrecken für Sekunden verharren lässt: „Puh, Glück gehabt!“ Aber genau das ist der Grund, weshalb manche Menschen schon seit Tausenden von Jahren verstanden haben, dass die Besinnung auf Ein- und Ausatmen zum Glück führt. In einem Interview mit der Journalistin Doris Iding sagte Eckhart Tolle einmal: „Viele Menschen sehen in dem JETZT, in dem gegenwärtigen Moment, nur einen Stolperstein. Sie glauben, dass sie in einem zukünftigen Moment glücklicher sein werden als im JETZT. Dabei handelt es sich bei der Zukunft nur um eine Gedankenform, denn keiner hat die Zukunft jemals getroffen. Wenn sie kommt, dann ist sie wieder der gegenwärtige Moment. Aber das realisieren die meisten Menschen nicht, egal in welchen Lebensumständen sie sich befinden.“ Ich habe über diese Worte nachgedacht und plötzlich machten Tolles Worte Sinn für mich. Es ist absurd, sich die Zukunft herbeizusehnen. Jetzt ist das Wertvollste, was wir besitzen.

Das neue Bewusstsein ist hier

Dieses Annehmen des Jetzt ist nicht leicht. Das gelingt mir genauso wenig oft wie dir. Ich übe. Das Problem beschreibt Eckhart Tolle sehr gut: „Das Eigenartige ist: Je schlimmer die Lebensumstände, desto größer die potentielle Chance der Bewusstseinstransformation. In Situationen, die scheinbar aussichtslos sind, wie zum Beispiel eine schwere körperliche Behinderung, Krankheit oder ein tiefgreifender Verlust, verstärkt sich zunächst der normale Widerstand gegen den gegenwärtigen Moment – und somit das Leid – um ein Vielfaches. Das Jetzt wird fast unerträglich. Es innerlich zuzulassen, das „so-sein“ des Jetzt zu akzeptieren, scheint unmöglich und sinnlos. Doch dann, wenn der Mensch die Last des „leidenden Selbst“ nicht mehr tragen kann, kann es geschehen, dass plötzlich innerlich etwas kippt. Das tief verwurzelte Nein zum gegenwärtigen Moment löst sich auf, und damit auch das leidende Selbst. Und wenn das Jetzt zugelassen wird so wie es ist, dann öffnet sich die Tür zu einem tiefen, inneren Frieden und einer Intelligenz, die jenseits des Denkens liegt.“ Für mich macht diese Erklärung sehr viel Sinn. Es gibt viele Beispiele von besonderen Menschen, die unter einem enormen Leidensdruck unglaubliche Stärke bewiesen haben. Tolle sagte in diesem Interview vor etwa sechs Jahren – das nichts an seiner Aktualität verloren hat: „Das neue Bewusstsein ist schon hier. Sagen Sie nicht: Ich muss es erst noch erreichen. Für die Änderung des Bewusstseins braucht man keine Zeit. Dieser Gedanke ist das größte Hindernis. Das heißt, Sie brauchen nirgendwo hinzugehen. Sie brauchen nur vollkommen Ja zum gegenwärtigen Moment, zum JETZT, zu sagen.“

Wie geht „jetzt“?

Ich kann den Moment nur erreichen, wenn ich atme. Wenn ich mich bewusst darauf einlassen, wie ich ein- und wie ich ausatme. Dann bin ich da. Im Jetzt. Und das ist ein gutes Gefühl. Letzte Woche habe ich geschrieben: „Ich freue mich auf den Sommer.“ Ich dachte an einen Sommer mit kurzen Hosen, an den Strand, an Sprünge ins Wasser und Eis-verschmierte Gesichter meiner Kinder. Am Donnerstag war ich bei Regen mit meiner Tochter im Garten, wir pflanzten Tomaten und rupften Unkraut und der Moment war perfekt. Der Sommer war so wenig in Sicht wie das totale Ende der Pandemie. Meine Ausbilderin sagte immer: „Yoga is now.“ Das hörte sich schon damals so an, als würde es Sinn machen. Verstanden hatte ich das aber da noch nicht. Denn damals bezog ich es vermutlich hauptsächlich auf komplizierte Asanas, während deren Ausführung keine Zeit übrig blieb, die an den nächsten Gedanken verschwendet werden konnte.

Immer öfter …

Natürlich habe ich mich nun gefragt, ob ich denn, wenn ich versuche, die Zukunft (und die Vergangenheit) ausser Acht zu lassen, überhaupt noch einen Sinn darin sehe, beispielsweise Leistung zu bringen. Darüber musste ich nicht lange nachdenken. Natürlich macht das Sinn. Weil es ja auch hier um den gegenwärtigen Moment geht. Es geht mir ja im gegenwärtigen Moment nicht zwingend besser, nur weil ich auf der Coach liege und eine Packung Chips in mich reinschiebe … eher schlechter. Oder?

Kennst du das Gefühl, wenn du dich von äußeren Faktoren stressen lässt, durch den Moment rast, weil du Angst davor hast, zu spät zu kommen oder etwas nicht zu schaffen, was pünktlich geschafft werden muss …? Ich habe – witzigerweise nach dem Rat einer Freundin – begonnen, wenn es eilig ist, mich nicht mehr zu beeilen. Mit Ruhe an die Sache heranzugehen. „Meistens schafft man es dann ja viel eher“, sagte diese Freundin einmal zu mir. Ich habe diese Erfahrung auch gemacht. In Stresssituationen achtsam bleiben, einen Schritt nach dem nächsten statt Multitasking, das hat mich schon oft zum Ziel gebracht. Nicht immer erinnere ich mich daran. Immer öfter.

Lauschangriff und Lesestoff vom 23. April 2021

Am Samstagmittag sass ich mit meiner Familie an einem kleinen Strandabschnitt in Schleswig-Holstein. Es war kalt und windig, aber die Sonne schien uns ins Gesicht. Vor mir lagen kleine Fischerbötchen auf dem Wasser. Hinter mir lagen anstrengende Wochen. Das kennen wir ja aktuell alle zu gut. Am Morgen hatte uns der rivaVerlag informiert, dass unser – zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal offiziell erschienenes Buch – auf verschiedenen Bestsellerlisten von Amazon auf Spitzenpositionen lag. Dem vorausgegangen war der TV-Auftritt meiner Co-Autorin Katharina Bauer in der NDR-Talkshow. Dennoch: Für uns alle war es überraschend, dass offensichtlich so viele Menschen daraufhin einen Yoga-Ratgeber bestellen wollten.

Wie gelingt „Verbindung“?

In dem friedlichen Moment der Ruhe am Strand ging mir das Wort Verbindung durch den Kopf. Wie bleibe ich mit mir in Verbindung, wenn es scheint, als sei alles um mich herum am Durchdrehen? Oder besser gesagt: wenn ich kurz vorm Durchdrehen bin? Wie bleibe ich mit meinen Liebsten in Verbindung, wenn uns Zeit füreinander fehlt? Wie komme ich mit denen in Verbindung, die gerade anders denken, andere Meinungen vertreten? Gleichzeitig spürte ich eine tiefe Verbindung zu Menschen in meinem Umfeld und damit „verbunden“ eine tiefe Dankbarkeit für die Fülle in meinem Leben. Ich schämte mich fast dafür, dass ich in den vergangenen, hektischen Wochen zu oft das Schlechte gesehen hatte.

Ich habe mich am Samstag entschieden, das Wort Verbindung in dieser Woche in meinen persönlichen Fokus zu nehmen. Ich sprach in meiner Yogastunde am Sonntagnachmittag davon. Ich nahm das Thema mit in meine neue Woche. Und so bin ich auf den Podcast „Verbindungszeit. Dein Podcast für deine bewusste Elternschaft“ gestossen. Das sind sehr besondere und aufschlussreiche Empfehlungen für Eltern und das Familienleben.

Warum ist Online-Yoga nicht teuer?

Dieser Text ist bereits im Februar auf dem Blog www.yogadude.de von Thomas Meinhof  erschienen. Ich möchte nun noch mal daraufhinweisen, das unbedingt zu lesen, falls Du Dich fragst, welchen Wert Online-Yoga hat. Es hat sich leider gezeigt, dass Yogastudios weiterhin nicht öffnen dürfen. Die Branche leidet enorm. Wie viele andere Branchen natürlich auch. Zeige Verbundenheit. Praktiziere Yoga mit denen, mit denen du auch nach dieser Pandemie wieder praktizieren möchtest.

Die Fashion Chargers haben pünktlich zum gestrigen Earth Day eine Liste mit den 10-Must-Read-Büchern zum Thema Klima und Nachhaltigkeit erstellt. Toll. Ich freue mich auf Carina Wohllebens Buch „Die Welt ist noch zu retten“ und Jonathan Safran Foers „Wir sind das Klima“.

Gemüse-Poster

Dieser Artikel im Peppermyntha Mag macht Werbung für etwas ziemlich Cooles, nämlich das Gemüse der Saison Poster. Häng es in Deine Küche. Ich bin Marktgänger und habe zufällig einen tollen Biobauern gefunden, der mir tatsächlich alles genau erklären kann, mir das empfiehlt, was in Saison ist (spart auch noch Geld) und mich durch viel Aufklärung dazu gebracht hat, dass man eben doch nicht alles das ganze Jahr über kaufen kann. Vergangene Woche fragte mich meine fünfjährige Tochter, wann wir denn wieder mal Gurken in die Brotbox packen würden. „Wenn es wieder welche gibt“, sagte ich. „Aber die anderen Kinder haben auch Gurken dabei“, sagte sie zu mir. „Es muss also irgendwo welche geben.“ Tja – da sass ich dann: Mit meinem Gemüse-Latein am Ende. Deswegen: Das Poster muss her!

Zum Thema „Was koche ich denn heute?“ habe ich etwas gefunden, worauf ich gerade große Lust habe. Vielleicht liegt es am Sommer, der zwar noch weit weg scheint, aber ich hab das Gefühl, ich kann ihn schon sehen … Jedenfalls erinnern mich diese veganen Focaccia Caponata Sandwiches an Sommertage.

Ich freue mich, wenn wir in Verbindung bleiben.

Verantwortung. Wie geht das?

Gestern habe ich bereits über die Sendung Sternstunde Philosophie auf SRF geschrieben, in der Historiker Philipp Blom erklärt, warum die Natur irgendwann zurückschlagen muss.  Am 25. Dezember 2019, also vor über einem Jahr, postete Bryan Kest, einer der erfolgreichsten Yogalehrer unserer Zeit, auf Instagram diese Sätze: „Yoga will not tell you what to do, it will just ask you to wake up and see what you’re doing and ask yourself four questions: 1) does this help me? 2) does this help my family? 3) does this help my community? 4) does this help the planet?“ (deutsch: „Yoga wird dir nicht erklären, was du zu tun hast, er wird dich höchstens bitten, aufzuwachen und dir selbst vier Fragen zu stellen: 1. Hilft mir das? 2. Hilft das meiner Familie? 3. Hilft das meiner Gemeinde? 4. Hilf das dem Planeten?“) Letzteres ist wohl die alles entscheidende Frage in einem Jahr wie diesem.  

Philipp Blom sagte im SRF: „Stellen Sie sich mal vor, wir würden uns wirklich dafür einsetzen, auch etwas aufopfern, damit wir sagen können: Wir wollen ein Europa bauen, das 2050 oder 2100 ein besserer Ort ist als jetzt. Dann wissen wir: Wir müssen uns nicht schämen! Wir haben echt versucht, eine grüne Infrastruktur aufzubauen, unsere Wirtschaft ist jetzt auf Carbon null. Wir haben alles getan, was wir tun konnten, um die Grundlagen unseres Lebens zu entgiften, dass ihr auch noch leben könnt auf dieser Welt. Ich glaube, das wäre ein wichtiges und wertvolles Projekt.“ 

Das Projekt

Oh ja. Es wäre das Projekt, oder? Wie das gehen soll? Das muss jeder wohl im Einzelnen für sich beantworten, denn es geht nicht ohne Opfer. Ich frage mich täglich, wie die aussehen könnten und was ich in meiner Welt dazu beitragen kann. Ich weiß, ich mache noch vieles falsch. Ich wünsche mir, dazuzulernen ohne zu viel Mist zu bauen. Heute Morgen beobachteten wir eine Möwe vor unserem Fenster, die den offenstehenden Müllcontainer vor dem Haus ausräumen wollte. Also bin ich raus und habe jedes Fitzelchen Müll, jede zerfetzte Apfelsinenschale wieder eingesammelt und den Müll in der Mülltonne so zusammengedrückt, dass die Tonne wieder zu ging. Das war keine Heldentat, aber noch während ich Studentin war, hätte ich nicht weiter darüber nachgedacht. Oder besser ausgedrückt: Ich hätte mich nicht dafür verantwortlich gefühlt, den Müll zu beseitigen, den die Möwe großzügig verteilt hatte. Heute weiß ich, dass ich dafür verantwortlich bin, wenn die Fische – sofern es sie hier in der Ostsee noch gibt – diesen Müll in den Hals kriegen. Denn ich habe gesehen, wie der Müll verteilt wurde. Ich will mich nicht mehr nicht dafür verantwortlich fühlen, wenn Klimawandel nicht aufzuhalten ist. Weil ich glaube, dass auch ich ganz viel dagegen tun kann, ohne gleich waghalsigen Umweltaktivismus betreiben zu müssen. Auch 2019 postete die vegane Köchin und Aktivistin Sophia Hoffmann auf ihrem Instagramprofil ein Foto von einer Toilette mit leerer Klopapierrolle und schrieb dazu: „Manchmal frage ich mich schon wie wir den Klimawandel stoppen wollen, wenn Menschen es nicht mal schaffen, Verantwortung für unsere eigene Kacke zu übernehmen (…) nun, da ich wieder regelmäßig in einem gastronomischen Betrieb arbeite, begegnet es mir täglich. Genauso auf öffentlichen Toiletten in der Deutschen Bahn usw. Erwachsene Menschen übernehmen keine Verantwortung für ihre Experimente. Egal ob es sich um das letzte Stückchen Klopapier handelt, das von der Rolle gezupft wird, 99 % der Menschen schaffen es nicht, die neue Rolle auf den Halter zu manövrieren. Wer glaubt ihr, ist dafür verantwortlich?Der Barista? Die Köchin? Die Deutsche Bahn Angestellte? Mutti? Angela Merkel? Noch ärger: Toilette sauber machen. (…) Menschliches Miteinander heißt Verantwortung für seinen eigenen Mist übernehmen. Jeden Tag. Basta.“ 

Weniger Wachstum, mehr Unkraut

Das ist über ein Jahr her, aber ich mochte es. Ich fühlte mich verstanden. Und so ist es auch mit jedem Fitzelchen Müll, das mir begegnet. Mit jedem Stück Amüsement, für dass vielleicht ein Tier oder ein Stück Erde geopfert werden musste. Ich kann es ignorieren, weil ich der Meinung bin, dass andere dafür verantwortlich gemacht werden müssen, aber dann darf ich mich auch nicht wundern, wenn die Natur mir irgendwann eins auf die Fresse gibt. Meine Kinder könnten 2100 theoretisch noch leben. Ich habe mich gefragt, wie deren Welt aussehen sollte und was ich mir für sie wünschen würde? Ich brauche nicht mehr Wachstum. Aber ich brauche auch nicht weniger Unkraut. Nicht noch mehr Bequemlichkeit als ich schon habe. Müll aufsammeln reicht nicht. Das ist klar. Und ich bin in vielem im Bereich Umweltschutz ein Amateur.

Verantwortung. Hier. Jetzt.

Ich will Corona nicht. Auch ich habe Lust auf Leute. Ich habe Lust auf Gemeinschaft, die nicht nur über Zoom stattfindet. Ich habe Lust auf Yogastudio mit Teilnehmern, statt mit leeren Matten und Filmset-Atmosphäre nur ohne Regie und Catering. Ich habe Lust darauf Olympische Spiele im Fernsehen zu verfolgen – aber bitte mit vollen Zuschauerrängen. Ich habe Lust auf offene Cafés obwohl der Kaffee bei mir zu Hause immer besser schmeckt. Ich habe Lust auf so vieles. Ist doch klar. Ich habe nicht gesagt, bitte liebes Universum, schick mir eine Pandemie, damit wir hier alle aufwachen. Denn das wird ohnehin nicht passieren. Ich wäre ziemlich gut ohne Corona klar gekommen. Logisch. Ich habe nur keine Lust zu meckern. Und es kommt mir immer wieder so vor, als müsse ich mich dafür rechtfertigen. Und alles was ich sage, ist: Ich will nicht jammern. Weil hier immer noch alles in Fülle ist. Und: weil es mir wirklich mehr Spaß macht, gut gelaunt zu sein als schlecht. Meckern kostet so wahnsinnig viel Energie. Bryan Kest, der coole Yogalehrer aus Kalifornien, postete auch in diesen Tagen etwas Kluges auf seinem Instagram-Profil:“ If you are depressed, you are living in the past. If you are anxious, you are living in the future. If you are at peace, you are living in the present.“ (deutsch: „Wenn du depressiv bist, lebst du in der Vergangenheit. Wenn du ängstlich bist, lebst du in der Zukunft. Wenn du im Einklang mit dir bist, lebst du in der Gegenwart.“) Verantwortung passiert im Hier und Jetzt. Das ist alles nicht so einfach, das ist klar. Aber es funktioniert. Und so kann ich vielem was abgewinnen, was ich in diesen Tagen erlebe: Ich sehe die Möwe. Ich bin enstpannt. Ich gehe zum Müll und räume ihn auf. Es war gar nicht schlimm. Die Kinder stehen am Fenster. Ein Lockdown-Moment: Nicht schlechter als Kino. Am allermeisten mag ich, wenn sie laut lachen. Das erlebe ich hier in unserem Lockdown oft. Dann sind wir alle im Einklang mit uns. Dann denke ich auch nicht an die Zukunft. Ob sie die so unbeschwert erleben können wie jetzt eine Corona-Pandemie?

Aparigraha und Weihnachten

Ich gebe es gleich zu, ich liebe Weihnachten. Ich freue mich auch jedes Jahr auf die Adventszeit. Die Magie, die von Weihnachten und den letzten Wochen des Jahres ausging als ich ein Kind war, ist nicht verlorengegangen. Seit ich Mama bin hat Weihnachten wieder einen ganz besonderen Zauber. Ich mochte die Adventszeit mit ihren Lichtern, ihrer Gemütlichkeit, die dem Winter etwas Besonderes gab, dazu führte, das Jahreszeiten ihren Reiz hatten, schon als Kind. Der Winter war irgendwie schön, und Weihnachten machte ihn besonders. Es gibt diese eiskalten Wintertage, wenn der Duft von Kaminfeuer in der Luft liegt – noch heute riecht das für mich wie Weihnachten – auch wenn Weihnachten in den letzten Jahren eher 13 Grad und Regen bedeutete … 

Natürlich ging es als Kind vor allem um den Zauber der Geschenke, die Überraschungen. Was würde wohl unterm Baum liegen? Ich weiß, dass es manchmal enttäuschte Gesichter gab und dass an Weihnachten auch immer Erwartungen geknüpft waren. Als wir nach und nach alle erwachsen wurden, wurden die Geschenke weniger wichtig, stattdessen wuchs die Bedeutung des Zusammenseins. Weihnachten bedeutete, dass wir uns alle im Haus meiner Eltern trafen und Zeit füreinander hatten, nicht nur zusammen zu Abend aßen sondern auch nach dem Ausschlafen gemeinsam frühstückten. Weihnachten bedeutete Rumlungern ohne Reue. Spazieren zu gehen. Es sich gemütlich zu machen. Mittlerweile feiern wir nur noch alle zwei Jahre bei meinen Eltern. Die Jahre dazwischen in Dänemark, bei der Familie meines Mannes. Dort gibt es schon länger die Regel: Geschenke sind eigentlich für die Kinder. So gibt es also nur alle zwei Jahre Geschenke. Was soll ich sagen, dieses Jahr wären eigentlich Geschenke dran – nun ist das mit dem Reisen ja etwas schwierig zurzeit. Fakt ist: Ich habe noch nicht entschieden, wie unser Weihnachten 2020 ablaufen soll. 

In meiner Familie ist es eine Tradition vor Weihnachten Wunschzettel zu schreiben. Nicht nur die Kinder. Mittlerweile ist das zum Teil richtig anstrengend geworden, die Wunschzettel sind ein großes Thema, an Weihnachten werden sie genau durchdiskutiert, manchmal sogar bewertet und es ist schon wichtig, dass man sich beim Erstellen auch Mühe gibt; zum Teil werden sie mit InDesign erstellt. Danach schön ’ne PDF gemacht. In Wahrheit ist es nicht wichtig, dass am Ende auch wirklich etwas unterm Baum liegt, das auf dem Wunschzettel stand. Es geht vielmehr darum, es den anderen nicht so schwer zu machen; ihnen eine Idee zu geben, worüber man sich freuen würde. Als Erwachsene habe ich gelernt, Erwartungen loszulassen und die Geschenke sind wirklich – ich schwör’! – nicht mehr wichtig für mich. Trotzdem finde ich, dürfen wir uns auch als Yogis über Geschenke freuen. Für mich stehen Aparigraha (Bescheidenheit), eines der fünf Yamas, der ethischen Regeln, die sich auf unser soziales Leben und unseren Umgang mit der Umwelt beziehen, und das Annehmen von Geschenken nicht im Gegensatz zueinander. Aparigraha soll uns lehren, dass überflüssiger Besitz wahnsinnig machen kann. Horten ist, wie wir ja alle im Zuge der Covid-19-Pandemie erfahren und zum Teil vielleicht sogar gespürt haben, ziemlich egoistisch. Bei diesem Prinzip geht es darum, loslassen zu können, überflüssigen Konsum zu vermeiden, aber auch Menschen und Situationen freilassen zu können. Trotzdem bin ich überzeugt davon, dass wir uns auch als Yogis über materielle Dinge freuen dürfen. Die Frage ist, in welchem Maß uns diese Dinge wichtig sind. Glauben wir, Frieden in ihnen zu finden?  Dann werden wir den Frieden vermutlich lange suchen. Ich kann mich sehr wohl über ein schönes Geschenk freuen, ich weiß aber, dass dieses Geschenk mich nicht wirklich glücklicher machen wird. Wenn wir etwas Materielles unbedingt wollen, sollten wir vielleicht hinterfragen, warum wir es unbedingt wollen. Materielle Dinge machen uns als Menschen nicht wertvoller, sie können Freude machen. 

Geschenke, die mit Liebe ausgesucht wurden, anzunehmen, ist etwas Schönes. Genauso schön finde ich es, andere zu beschenken! Ist das mittlerweile nicht fast schöner als selbst Geschenke auszupacken? Das Einpacken vor Heilig’ Abend macht doch mehr Spaß als das Auspacken. Weil man sich so schön ausmalen kann, wie man jemand anderem eine Freude bereitet. Trotzdem renne ich nicht durch den Advent wie eine Irre, um Geschenke zu besorgen. Schon gar nicht in diesem Jahr. Advent heißt Ankunft. Ich will sie nicht verpassen. Ich will nicht an Weihnachten denken, dass die Adventszeit an mir vorbeigerauscht ist, weil ich ständig das Gefühl hatte noch dringend irgendetwas erledigen zu müssen. Gestern war Black Friday,  diese amerikanische Erfindung am Tag nach Thanksgiving. Ich habe gar nichts bestellt. Ich brauchte nichts. Nicht einem Rabatt hinterherjagen, der in Wirklichkeit gar keiner ist, weil ich ohne Black Friday vielleicht gar nicht den Gedanken gehabt hätte, etwas zu kaufen …

Ich bin in meinem Konsumverhalten entspannt geworden. Ich versuche, nachhaltig zu sein. Das gelingt mir nicht immer, vor allem nicht bei den Geschenken für die Kinder. Viel zu viel Plastik. Dafür aber bei Kleidung. Meine Jeans (und mittlerweile viele anderen Sachen auch) kaufe ich meistens gebraucht, weil ich weiß, wie unfassbar umweltbelastend die Herstellung ist. Ich schaue schon mal nach, wie Unternehmen wirtschaften, wie sie Waren herstellen, wie sie mit dem Geld, das ich ihnen überweise, umgehen, bevor ich was bestelle. Ich definiere mich nicht über mein Auto. Vor allem aber:  Ich bin auch nicht neidisch auf diejenigen, die ein besonders teures fahren. Für mich bedeutet Aparigraha in erster Linie ohne Neid und Gier zu leben. Aparigraha heißt für mich, dass wir uns nicht kaufen lassen dürfen – und natürlich auch andere mit unseren Geschenken nicht kaufen sollen. Es gibt ja auch noch einen großen Unterschied zwischen Gier und der reinen Lust und Freude auf etwas.  Ich hoffe, du genießt es dieses Jahr, beschenkt zu werden und vor allem, andere zu beschenken. Und falls du dir über Aparigraha Gedanken gemacht haben solltest, relax! Das Jahr war anstrengend genug. Wir haben es verdient, zu genießen. Hab einen schönen ersten Advent!

 

Guet gnueg

Gut zwei Jahre lang ist meine große Tochter in eine Kita gegangen, die nur bis 13.15 Uhr geöffnet hatte. Als wir vor zweieinhalb Jahren nach Kiel gezogen sind, gab man mir gleich zu verstehen, dass Kitaplätze hier rar sind (Warum ist das eigentlich so? Was läuft da falsch in einem Land wie Deutschland? In Kiel liegt es angeblich an der fehlenden Zahl von Gebäuden, die den Anforderungen entsprechen …? Ob das wahr ist …?). Ich kenne wirklich Familien, die wissen noch nicht, ob und wann ihre Kinder im kommenden Jahr einen Kitaplatz kriegen werden. Also war ich, nachdem wir uns in der Kita anmelden konnten, sehr dankbar. Ich war gerade wieder schwanger und war mir sicher, dass der Großen ein paar Stunden am Tag ohne eine Mama mit Säugling an der Brust ganz gut tun würden. Ebenso würde es mir und dem Baby natürlich gut tun, wenn wir uns ein paar Stunden am Tag ganz auf uns konzentrieren könnten. Hey, so ganz uneigennützig ist doch hier gar nichts, oder? 😉 Damals dachte ich: Komm, ist doch egal. An Arbeiten ist mit einem Baby ohnehin nicht wirklich zu denken, da macht mir die frühe Abholzeit nichts aus. Beide Kinder wurden älter (die Mutter auch) und seit August 2020 ist die Kita meiner Ältesten bis 16 Uhr geöffnet. Was ich an einem Tag plötzlich alles schaffen kann! Wie viel möglich ist im Vergleich zu vorher, erstaunt mich immer wieder. Dabei habe ich sie noch nie erst um 16 Uhr abgeholt.

Immer noch ertappe ich mich allerdings dabei, dass ich – sobald die Kinder aus dem Haus sind  – alles Mögliche ganz schnell und dringend in diesen Tag packen muss. Ich arbeite meistens von zuhause aus. (Im Lockdown light vor allem, denn Fitness- und Yogastudios sind geschlossen.) Ich nehme mir viel zu viel vor, rödele durch den Vormittag wie eine Irre, um dann um 13.30 Uhr festzustellen, dass ich immer noch nicht geduscht bin und noch nichts zu Mittag gegessen habe. Nur noch eine Stunde, und dann will ich eigentlich langsam die Jüngste in Empfang nehmen … Und die Küche sieht immer noch aus wie Sau … 

Erst seit Anfang November habe ich etwas gelernt: Ich muss nicht alles Mögliche in diese sechs Stunden packen. Ich kann auch ruhig mal weniger leisten. Weil gut immer auch gut genug ist. Warum ich das hier schreibe? Weil mir aufgefallen ist, dass es ganz vielen Mamas so geht. Das Paradoxe dabei ist: Gerade wenn die Kleinen anfangen, in die Kita zu gehen, die Eltern also plötzlich wieder einige Stunden am Tag ganz für sich haben, beginnt der Stress: Als hätte sich im ersten oder zweiten oder dritten Jahr zuhause mit Kind so viel Tatendrang in einem angestaut, dass man jetzt alles auf einmal anpacken muss. Eine Freundin von mir sagte mir kürzlich: „Ich werde dann schon nervös, wenn sie morgens trödelt und wir es nicht vor 9 Uhr aus dem Haus schaffen. Dann denke ich: Ich muss ja schon in fast drei Stunden wieder los, um sie abzuholen.“ Und die Moral von der Geschichte: Für viele Mamas war die Lockdown-Zeit im Frühling geradezu Entspannung. Weil der Druck auf einmal weggefallen ist, alles in einen Vormittag zu packen, in dem das Kind betreut ist. Plötzlich konnten wir auf Bring- und Abholzeiten einen Pups lassen. Normalerweise hatten die uns in den Wahnsinn getrieben, weil wir gerade begonnen hatten, wieder Arbeit anzunehmen, Dinge auch mal flexibel etwas mehr Zeit in Anspruch nahmen oder das Aufräumen der eigenen Bude einfach länger dauerte, als angenommen.

Sarah Louisa Iseli, Sängerin, Schauspielerin, Jodlerin, Ukulele-Spielerin, Angehörige der Kategorie Lieblingsmensch, erinnert mich manchmal daran, dass jeder „guet gnueg“ ist.

In dieser ersten Novemberwoche nach einem wirklich zehrenden Oktober mit Deadlines und wichtigen Terminen, stand ich irgendwann ungefähr gegen 12 Uhr mittags in meiner Küche. Ich hatte mir morgens eine Stunde Zeit für Pranayama und Asanas genommen, hatte am Computer gesessen und für diesen Blog geschrieben und wollte mich gerade darüber erschrecken, dass mir nur noch weitere zweienhalb Stunden Zeit blieben, bis ich die Kinder abholen wollte … Und da entspannte sich in mir irgendetwas. Einfach so. Einfach so habe ich plötzlich gedacht, dass ich gar nichts weitere in diesen Mittag packen müsse, dass es auch völlig in Ordnung sei, wenn nicht all das, was ich mir vorstellte, bis 14.30 Uhr erledigt wäre. Ich habe plötzlich verstanden, dass ich in fünfeinhalb Stunden nicht einen Artikel schreiben, das Abendessen vorbereiten und auch noch das Projekt „Balkonverschönerung“ erledigt haben muss. Sondern manchmal reicht es, nur eine Sache davon zu meiner Zufriedenheit vollbracht zu haben. Der Podcast einer Schweizer Freundin von mir heißt „Guet gnueg – der Podcast für mehr Liebe“. Er ist auf schweizerdeutsch, daher wird nicht jeder genau verstehen, was Sarah und ihre Interviewpartner erzählen. Egal. Die Kurzfassung ist: Sarah ist Sängerin und Schauspielerin, sie tut was sie liebt, das ist manchmal leicht, manchmal sehr schwer vor allem in einer Zeit, in der Kunst als nicht systemrelevant eingestuft wird.. Auf ihrem bisherigen Weg hat Sarah vieles gelernt. Vor allem aber das: Du bist immer gut genug. 

Im Jahr 2019 lief für mich vieles nicht so rund, wie ich mir das gewünscht hatte. Und natürlich hatte auch ich Ende Dezember 2019 nicht mal annähernd eine Vorstellung davon, was 2020 auf uns zukommen würde. Wie auch? Aber glücklicherweise hatte ich mir für das neue Jahr kleine Ziele gesteckt. Und die habe ich erreicht. Für manche mag das Prinzip nicht funktionieren, vielleicht sind manche glücklicher im totalen Vollgas-Modus zu leben und vielleicht ist auch deine Definition von „Erfolg“ nur mit dem Erreichen ganz großer Ziele verbunden. Dann ist auch das sicher gut so. Für mich habe ich festgestellt, dass ich besser mit kleinen Schritten umgehen kann. Dann vergesse ich auch nicht, zwischendrin mal Luft zu holen. 

Am Mittwoch gibt es hier übrigens eine weitere neue Rubrik. Kommst du ‚rum?

Nimm alles mit!

Dieser Beitrag enthält unbezahlte Werbung.

Ich nehme noch mal alles so richtig mit in diesen Tagen. Ich möchte das Leben feiern. Das war nicht einfach, weil ein großes Projekt, das bis Ende Oktober fertiggestellt werden musste, mich nahezu rund um die Uhr beschäftigte. Aber wie dankbar muss man als Selbstständige schließlich in diesen Zeiten sein, wenn man Arbeit hat? Das ist mir in diesem Jahr sehr klar geworden. Aber zurück zum Thema: Ich nehme alles mit. Damit meine ich natürlich keine Tonnen von Klopapier oder Nussmus (das fehlt seit Corona auch irgendwie immer im dafür vorgesehenen Regal …) und ich meine damit auch nicht, dass wir uns die Taschen bei Trick or Treat vollstopfen sollen (das läßt man mal lieber dieses Jahr). Ich meine damit nicht, dass wir das dritte freundliche Gebot von Patanjali – Asteya („nichts begehren“) – mit Füßen treten und alle yogischen Prinzipien über Bord werfen sollen. Nein. Ich meine damit, dass ich in den letzten Tagen des Oktobers noch mal so richtig bewusst wahrgenommen habe, was alles möglich ist – selbst in Pandemie-Zeiten. Ich nehme alles mit. Einatmen, ausatmen. Kleinigkeiten. Trotzdem sind sie mir sehr viel Wert gewesen, in der letzten Zeit: Wir haben uns mit den anderen Eltern der Kinder aus der Kita auf den Spielplätzen getroffen und unsere Kinder bis es dunkel wurde toben und spielen lassen.

Feier‘ alles voller Dankbarkeit

Stefanie Luxat vom Blogmagazin OhhhMhhh hat es diese Woche auf ihrem Instagram-Profil sehr schön gesagt: „Die 90er und ich feiern im Moment alles voller Dankbarkeit, was noch geht, bevor die Kita, Schule oder sonstwer anruft und wir einen Fall haben und in Quarantäne müssen.“ Ich habe genau dasselbe Gefühl gehabt, schon in den letzten zwei Wochen. Zusätzlich dazu war ich unendlich dankbar, dass meine Kinder in diesem Oktober ausnahmslos an jedem Wochentag in die Kita gehen konnten. Ich hatte es schon kommen sehen, dass die Ministerien verordnen, Kinder mit Schnupfennasen zuhause lassen zu müssen (wie tatsächlich Schulkinder im Saarland), ich hatte in meinem geistigen Ohr den Anruf der Kitaleitung schon klingeln und sie sagen hören, dass es nur noch eine Notbetreuung geben werde und ich mit meiner Arbeit leider nicht zu den systemrelevanten Berufen zählen würde… und ich wollte unbedingt diesen Oktober durcharbeiten können. Das hat geklappt. Ich bin unendlich dankbar darüber. Und ich kann nur sagen: Dankbarkeit ist genau das Gefühl, dass es einem erleichtert, durch diese Zeit zu kommen. Wir haben in den letzten Jahren, na ja, sagen wir mal eher Jahrzehnten, unheimlich vieles für selbstverständlich genommen.

Welches Fest? Halloween? Nehm’ich mit!

Ein weiterer Tipp: Feier‘ das Leben. Heute will ich mit meinen Kindern zum ersten Mal Halloween feiern. Ich habe noch nie Halloween gefeiert, nicht mal, als wir in den USA lebten, weil ich bislang immer der Meinung war, dass wir nicht alles mitmachen müssen. Dieses Jahr denke ich, man muss die Feste feiern, wenn sie fallen 🙂 Wir feiern natürlich zuhause. Ich habe diese Snackbox von wasfuermich vorbereitet und freue mich schon auf die Gesichter meiner Kinder. Wir haben bereits letztes Wochenende kleine Gespenster gebastelt – sehr leicht nachzumachen, wenn ihr eine Klebepistole, Filz und Überraschungseier zu Hause habt. Tja, so sind meine Bastelideen immer: Ziemlich einfach, ziemlich simpel und ziemlich … improvisiert.

Gönn dir‘ was!

Ich mache sowas selten, genau genommen, kann ich mich nicht daran erinnern, wann ich mir zuletzt einmal Schmuck gekauft hätte, aber ich hab’s getan: So viel also zum Thema Asteya 🙂 hust, hust: Ich habe mir Ketten gekauft. Als verspätetes Geburtstagsgeschenk oder einfach als Corona-Zeit-Tröster und Belohnung für einen wirklich anstrengenden aber emotionalen Oktober. Ich bekomme dafür kein Geld und hab die selbst bezahlt aber ich finde sie wirklich so schön, dass ich sie nun hier einmal verlinke. Die Ketten von Purelei finde ich so schön, dass ich mich nicht für eine entscheiden kann – also hab ich mir gleich mehrere bestellt.

Geh zum Yoga!

Wir haben es endlich geschafft, die Laternen für die Aktion Laternenfenster zu basteln und werden sie am 1. November aufhängen. Ich freue mich schon darauf, ab nächster Woche Rezepte für Adventsplätzchen zu suchen, ich will es uns weiterhin hier einfach nur schön machen. Und hier auf dem Blog wird in den nächsten Wochen auch ein bisschen mehr passieren …

Zum Schluß noch ein (ungefragter) Rat: Ein Lockdown kann ziemlich unheimlich sein, aber Ruhe muss nichts Schlimmes sein. Beim Yoga beruhigen wir unsere Gedanken, die gerade jetzt ja wieder Achterbahn fahren. Wenn du irgendwie die Chance dazu hast, geh‘ ins Yogastudio. Heute oder Morgen. Oder an beiden Tagen. Noch besser. Das tut nicht nur dir gut, sondern auch den vielen Studios, die gerade durch schwere Zeiten gehen. Am Sonntag werde ich noch einmal Yoga unterrichten dürfen bevor der nächste Lockdown die Studios wieder schließen lässt. Dann gibt es mindestens für vier Wochen wieder nur Online-Yoga. Ich freue mich sehr auf diese Stunde und doch ist es komisch, dass ich meine Schüler jetzt wieder eine Weile nicht sehen werde. Aber, ich nehme das noch mal so richtig mit.

Oktober, bevor du gehst …

Der Oktober rast dem Ende in Schallgeschwindigkeit entgegen. Mit Vollgas drauf zu auf die nächste Corona-Welle … Oder so. Er ist so schnell vergangen dieser Oktober, der so ein sanftes Bindeglied zwischen Sommer und Winter ist. Er macht einem den Abschied vom Sommer ja wirklich leichter. Die Farben der Bäume, das großartige Licht, wenn der Himmel blau ist, der wilde Herbstwind, der einem hier in Kiel tatsächlich so richtig den Kopf freibläst … und gefühlt die Viren davon. Jetzt werden die Uhren umgestellt, und das bedeutet sonntagnachmittags, wenn ich Yoga unterrichte, kommen meine Schüler im Hellen an und ich zünde dann mitten in der Stunde die Kerzen an, weil es am Ende, wenn sie in Savasana liegen, schon richtig dunkel wird.

Fülle, Fülle

Der Oktober steht für mich für Fülle. Eines meiner liebsten Rituale ist der Gang zum Wochenmarkt – zwei Mal wöchentlich. Dort zeigt er sie, die ganze Bandbreite seiner Fülle, der Oktober. Immer, wenn es ein bisschen dunkler um einen herum wird, egal ob aufgrund der aktuellen Weltsituation oder des Wetters, ist es ganz gut, einen Moment mal inne zu halten, und sich der Fülle bewusst zu werden, in der wir eigentlich leben dürfen. Selbst in Pandemie-Zeiten! Da dieses Jahr für uns alle ein bisschen anders abläuft, als wir es uns vorgestellt haben, überlegte ich mir, wie ich die nächste Zeit gutgelaunt überstehe. Und da steht an allererster Stelle, Fülle erleben. Und deswegen sage ich: Geht auf den Wochenmarkt. Dort seid ihr beim Einkaufen nicht nur an der frischen Luft – meistens haben die Verkäufer wirklich Ahnung von dem, was sie da verkaufen und ich hole mir regelmäßig Tipps darüber, was gerade in der Saison ist und wie ich etwas zubereiten kann, um ein bisschen mehr Abwechslung in meine Küche zu bringen. Die Marktverkäufer haben nämlich auch noch Lust, sich mit ihren Kunden zu unterhalten. Was am Oktober wirklich so schön ist, ist die Vielfalt an Obst und Gemüse.

Experimente in der Küche

Meine Kinder freuen sich über Birnen und Trauben. ich bin leider die einzige in der Familie, die Kürbis so mag. Auch um mir den Rest dieses merkwürdigen Jahres etwas zu verschönen, habe ich mir vorgenommen, in diesem Herbst vieles auszuprobieren, was ich noch nie gemacht habe. Zum Beispiel: Quittenkompott. Mir sind nämlich diesen Sommer zwei Quittenbäume zugelaufen 🙂 Ich habe aber auch gesehen, dass es Quitten jetzt auf dem Markt gibt. Ausprobieren möchte ich auf jeden Fall dieses Rezept. Das klingt ja ziemlich leicht. Auch gerade erst entdeckt und schon verliebt, hab ich mich in Kohlröschen oder auch Flowersprouts. Ich röste sie kurz mit ein bisschen Öl und Salz im auf 200 Grad vorgeheizten Backofen. Man muss nur höllisch aufpassen, dass die Dinger ihrem Namen nicht alle Ehre machen, denn es kommt mal leicht vor, dass sie „verkohlen“. Muss wohl daher seinen Namen tragen, das Köhlröschen – und nicht etwa, weil es ein Kohlgemüse ist 😉 Schmeckt aber auch toll kurz blanchiert und dann im Salat mit Buchweizen, Granatapfel und Sonnenblumenkernen.

Flowersprouts – mein neues Gemüse …

Alte Lieblinge sind endlich zurück!

Ich freue mich riesig darüber, dass ich auf dem Markt wieder Topinambur kriege. Das gibt es bei uns den ganzen Winter über bestimmt einmal in der Woche zum Abendessen. Zumindest war das letzten Winter so und ich hab mir diese Saison schon zwei Mal ordentlich was davon einpacken lassen. Auch dieses Sonnenblumengewächs mache ich am liebten im Backofen. Topinambur soll wahnsinnig gesund sein und so tolle Inhaltsstoffe in sich tragen wie beispielsweise Inulin. Auch die Menge an Grünkohl, die mein Bauer jetzt verkauft, hat wieder zugenommen und ich will in diesem Winter wirklich mal meinen Slow Juicer vermehrt in den Einsatz bringen. Bislang produziert er meistens nur Rote Beete-Saft – aus dem übriggebliebene Pulp gibt es dann Buletten. Auch toll.

Alles nur Gemüse?

Aber warum geht es hier eigentlich gerade nur um Gemüse? Fülle wird mir auch auf ganz andere Art und Weise im Herbst bewusst. Weil nämlich alle meine Kinder im Herbst Geburtstag haben. Die Große wird Mitte November fünf – ich bin mal gespannt, wie ich das hinkriege, aber ich habe mir vorgenommen, dass sie ein paar Freunde einladen darf und wir gemeinsam in der Garage Laternen basteln und dann eine kleine Runde durch den Wald drehen. Dort gibts dann ein Picknick und die Kinder können da dann gleich angezogen von den Eltern in Empfang genommen werden. So habe ich kein Chaos in der Wohnung, die Kids hoffentlich einen Supertag und die Viren bleiben auch an der frischen Luft …

Aktion Laternen Fenster – da mach‘ ich mit!

Da mach‘ ich mit!

A apropos Laternelaufen, auf Facebook bin ich auf die Aktion Laternen Fenster von Jennifer Brenzinger aufmerksam geworden. Und das will ich unbedingt machen. Im Frühling haben wir aus den Fenstern heraus mit den Nachbarn gesungen und Regenbögen haben wir jetzt auch zu Genüge gesehen. Deswegen hängt Deutschland ab dem 1. November Laternen in die Fenster. Da die meisten Martinsumzüge tatsächlich ausfallen werden, haben die Kinder dann eine schöne Alternative für die Laternen. Außerdem bringen wir so schon mal ein bisschen Licht vor der Adventszeit in die Fenster. Darauf habe ich wirklich große Lust in diesem Jahr. Und unseren Balkon will ich auch ein bisschen gemütlich machen. Der führt hier im Winter ein etwas stiefmütterliches Dasein, das kann sich ruhig mal ändern.

Das jüngere Selbst … doesn’t know shit. Und das ist gut so.

„Wenn mein jüngeres Ich gewusst hätte …“ lese ich in letzter Zeit häufig auf Blogs oder Instagram-Posts. Sogar in Büchern. „Wenn mein jüngeres Ich gewusst hätte …“ … hätte ich mir viel Ärger ersparen können. Wenn mein jüngeres Ich gewusst hätte … wäre mein Konto schon viel früher reich gefüllt gewesen. Wenn mein jüngeres Ich gewusst hätte, … hätte ich mir diesen Liebeskummer ersparen können. Wenn mein jüngeres Ich gewusst hätte, … wäre mein Glück nicht von anderen abhängig gewesen. Ganz ehrlich: Das jüngere Selbst didn’t know shit. Und das ist normal. Vermutlich sogar gut, denn um etwas zu wissen, müssen wir erst einmal Erfahrungen machen. Dazu gehört es  auch, Fehler zu  machen. Fehler sind nicht immer schlimm. Aber klar ist mir das auch gerade erst geworden, weil der Computerspezialist um die Ecke mein Smartphone repariert hat. Als ich mit meinen beiden Kindern im Sommer bei ihm im Büro stand und wir so übers Elternsein, Kinder und das Leben redeten, sagte er mir plötzlich: „Ich wette, du hast in deinem Leben noch nicht wirklich einen Fehler begangen.“ Fragezeichen?, doppeltes Ausrufezeichen!!  in meinem Kopf. Halt!  „Ich mache doch ständig Fehler“, sagte ich. „Täglich.“ Im Umgang mit meinen Kindern, meinem Partner genauso wie mit denjenigen, die mir nicht so nahe stehen oder die ich nicht mal kenne. Ich war völlig irritiert und der Mann, der mein Smartphone rettet, sagte: „Denk mal drüber nach.“ Und das habe ich.

Wer wir sind?

Weil ja immer alles im Leben kein Zufall ist, veröffentlichte Madhavi Guemos etwa zeitgleich ihren neuen Podcast. Der hieß „Warum Fehler machen so gesund ist“. Wir sind eine Gesellschaft, in dem immer erst mal Fehler gesucht werden, sagt Madhavi da.  Das stimmt. Die Schönheit von jemandem oder etwas erkennen wir meistens nicht so schnell wie die Makel. Ich greife mir da an die eigene Nase und werde versuchen, das in nächster Zeit  zu üben. In dem ich andere Blogartikel mit positiven Nachrichten kommentiere, wenn sie mir gefallen haben, in dem ich anderen Menschen sage, wenn sie mich inspiriert haben, etwas gut gemacht haben oder hübsch aussehen. Und noch etwas anderes möchte ich gerne üben:  Fehler einzugestehen – auch wenn ich jetzt gerade hörte, dass ich angeblich noch keine gemacht habe (ich denke, ich weiß, was er mir damit sagen wollte; schlimme, gravierende, nicht mehr rückgängig zu machende Fehler, die mein ganzes Leben und das anderer negativ beeinflussen, ohne jetzt hier weiter in die Tiefe zu gehen). Im Grunde genommen, ist es nicht schlecht, wenn wir auf Fehler hingewiesen werden. Meistens lernen wir schließlich etwas daraus. Dass wir Fehler nicht gerne zugeben, liegt wohl einerseits an unserem ganz natürlichen Streben nach Anerkennung und andererseits an unserem eigenen Anspruch alles richtig machen zu wollen. Weil uns immerzu die fundamentale Frage beschäftigt: passen wir (mit unserem Stamm) in diese Gesellschaft? Wir haben Angst vor Ablehnung und deswegen fällt es uns schwer, Fehler zuzugeben oder uns dafür zu entschuldigen – dabei wäre das wahrscheinlich genau das, was uns am wenigsten Ablehnung bescheren würde.

Wir machen Fehler und kommen deswegen nicht immer gleich zum Ziel. Aber das ist ja nur in unserer eigenen Wahrnehmung so. Denn der Weg zum Ziel hat irgendeinen Sinn gehabt. Als ich Mama wurde, beschäftigte mich das „Wenn-ich-gewusst-hätte“-Thema sehr. Weil man als Mama (und bestimmt auch als Papa) so gerne alles richtig machen würde. Und dem kleinen zarten Wesen so vieles gerne ersparen würde. Und doch ist das natürlich Blödsinn.

Wenn Du eine Yogalehrer-Ausbildung gemacht hast, hast Du vielleicht schon etwas von den Kleshas gehört. Kleshas sind unsere unbewussten, inneren Neigungen, die bestimmen wie wir als Subjekt denken und handeln. Das wiederum wird maßgeblich durch das bestimmt, was wir in der Vergangenheit gelernt und erfahren haben. Daher können wir nicht viel dafür. Die Schuld alleine auf unsere Eltern zu schieben, ist aber auch ein bisschen einfach. Und so ist es auch nur normal, dass unsere Kinder zwar ihre eigene Persönlichkeit entwickeln aber dennoch natürlich von allen Seiten irgendwie beeinflusst werden. Dabei immer das „Richtige“ zu tun, ist wohl kaum möglich.

Klar ist, wenn wir ein glückliches und erfülltes Leben führen wollen, müssen wir uns immer wieder neu mit uns selbst auseinandersetzen, Muster aufbrechen, herausfinden, warum wir tun was wir tun, Erlebtes verarbeiten, loslassen und so weiter. Und das werden wir auch unseren eigenen Kindern nicht ersparen können – selbst wenn wir , was natürlich gar nicht möglich ist, als Eltern alles richtig machen würden. Man muss nun dem Kind nicht unbedingt den Namen Klesha geben oder eine Yogalehrer-Ausbildung absolvieren, um darauf zu kommen, dass wir an unserer Situation immer etwas ändern können. Man kann sich auch einfach mal mit Psychoanlyse oder Innerer-Kind-Arbeit beschäftigen. Was für viele ein wenig abschreckend klingt, ist schlicht ein Weg, uns selbst einfach besser kennenzulernen. Dabei auch das jüngere Ich zu verstehen und zu akzeptieren.

Ich bin keine Mama, die alles besser weiß

Ich habe mich oft gefragt, wie ich meine Kinder bestmöglich begleiten kann, damit sie ein glückliches Leben führen können. Und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr wird mir bewusst, dass ich nicht zu viel darüber nachdenken sollte. Natürlich kann ich ihnen vieles an die Hand geben. Beispielsweise, wie sie mit Angst und anderen Gefühlen umgehen können. Oder dass ich ihnen klarmache, dass sie mit mir jemanden haben, der immer und egal was ist, für sie da sein wird. Auch wenn sie das manchmal vermutlich nerven wird. Das wichtigste aber ist wahrscheinlich, dass ich sie dabei unterstütze, ihre eigene, individuelle Persönlichkeit zu entwickeln, ihre Stärken bewundere und ihre Neigungen akzeptiere.  Erfahrungen werden sie weiterhin selbst machen müssen und dürfen.  Ich weiß genau, dass ich meine Kinder vor peinlichen Erlebnissen mit der ersten Liebe, vor richtig dollem Liebeskummer und blöden Begegnungen mit unangenehmen Menschen schützen möchte und doch ist mir natürlich völlig klar, dass sie da durch müssen. Und dass das womöglich auch noch zu den weniger dramatischen Ereignissen ihres Lebens dazugehört. Als Mama kann ich versuchen, sie stark zu machen für das Leben. Es liegt an den Erfahrungen, die sie jetzt machen, wie sie später mit den wirklich unangenehmen Dingen des Lebens umgehen können. Ich bin kein Erziehungsratgeber und handele oft aus dem Bauch heraus. Für mich ist es wichtig, meinen Kindern zu vermitteln, dass wir immer über alles reden können. Ich entschuldige mich bei ihnen, wenn ich Fehler mache und zeige ihnen, dass ich authentisch sein möchte und nicht eine Mama bin, die immer alles besser weiß. Ich begleite sie, wenn sie wütend sind und versuche ihnen zu vermitteln, dass Wut und Angst Gefühle wie andere auch sind und dass es unterschiedliche Wege gibt, damit umzugehen. Manchmal bin ich ungeduldig mit ihnen. Manchmal bin ich genervt.  Ich mache bestimmt viele Fehler an jedem Tag. Manchmal könnte ich daran verzweifeln, dann fühle ich mich wie eine schlechte Mutter. Alleine heute habe ich bestimmt wieder 100 Fehler aus erzieherischer Sicht gemacht.  An anderen Tagen denke ich, ich mache sehr viel richtig.

Als ich meine Yogalehrer-Ausbildung machte, sagte unsere Lehrerin immer: „Everything is okay.“ Das sei Yoga. Weißte was? Natürlich ist nicht everything okay! Es gibt leider viele Dinge auf der Welt, die total nicht okay sein. Aber im Grunde genommen, verstehe ich, was sie damit meinte. Sie meinte, dass wir uns immer selbst entscheiden können, wie wir mit Situationen umgehen. Wie unsere Kinder uns spiegeln – und das tun sie natürlich ständig, denn nur wir sind diejenigen, durch die sie als Kleinkinder lernen und Erfahrungen machen – zeigt auch eindeutig, wie viel sie sich an uns abschauen. Ob sie wollen oder nicht. Und deswegen sitzen wir oft da, ungefähr in der Mitte unseres Lebens, und stellen fest, dass wir doch verdammt viel genauso machen wie unsere eigenen Eltern. Das jüngere Ich hat keinen blassen Schimmer und das ist auch völlig okay. Weil jeder Schritt  auf einem anderen Schritt basiert. Vielleicht ist es mal an der Zeit, zu kapieren, dass wir ein bisschen milder mit uns selbst umgehen sollten, wenn es um unsere Vergangenheit geht. Vielleicht waren manche „Fehler“, die wir vermeintlich begangen haben, ja gar keine, so wie es mein Smartphone-Retter sagt.

Gefühle bestätigen

Meine knapp fünfjährige Tochter hatte auch heute wieder einen sehr lauten Wutanfall. Aus Erwachsenen-Sicht ist das oft etwas „Schlimmes“, „furchtbar Nerviges“. Das geht auch mir oft so. Und doch weiß ich, dass sie nicht wütend ist, um mich zu ärgern oder nervig zu sein, sondern wirklich, weil sie in dem Moment von ihren Emotionen überrannt wird.

Natürlich beinhaltet jedes Leben Schmerz und Vergnügen. Alles andere ist nicht möglich.  Negative Gefühle werde ich auch bei meinen Kindern nicht ausblenden können und wollen. „Wenn man versucht, ein negatives Gefühl zu blockieren, beseitigt man auch die positiven Gefühle“, schreibt die Psychotherapeutin Philippa Perry in dem Buch „Das Buch, von dem du dir wünschst, deine Eltern hätten es gelesen (und deine Kinder werden froh sein, wenn du es gelesen hast)„. Sie schreibt auch: „Wenn wir die Gefühle unserer Kinder bestätigen, stärken wir die Bindung zwischen uns und unserem Kind.“ Und nur die, die Qualität der Beziehung zu unseren Kindern, haben wir in der Hand.Das ist tröstlich. Doch mein jüngeres Ich didn’t know shit. Das macht aber nichts. Jede Erfahrung, die ich mache, hat bestimmt einen Sinn. Wenn ich mir Gedanken darüber mache, hoffe ich, dass auch meine Kinder irgendwann mal Innere-Kind-Arbeit oder Psychoanalyse machen werden. Der Gedanke fühlt sich verrückterweise schmerzhaft an. Andererseits habe ich zu meinen Eltern eine sehr gute Beziehung und ich kann mich nicht erinnern, dass das mal anders war.  Im Sommer verbrachte ich drei Wochen Ferien bei ihnen. Ich kann mir keinen besseren Ort für unsere Sommerferien vorstellen. Ich denke genau wie mein Computerfachmann: Sie haben keine Fehler gemacht. Und vielleicht denken meine Kinder ja auch mal so. Das jüngere Ich weiß es aber nicht.

Der Rückzug der Sinne – oder manchmal würde Ohropax wohl helfen

Meine Instagram Stories waren in dieser Woche – in unserer letzten Ferienwoche, die für mich eigentlich keine war, weil ich an einem neuen Manuskript für ein Buchprojekt sitze – leise. Ohne Musik. Ich habe die Wellen gefilmt, wie sie gegen den Sand schwappen. Ich habe beobachtet, wie das Meer sich bewegt, diese unfassbare Macht, die alles in Schwingung hält. Und ich war der Meinung, dass nichts außer Stille das gebührend untermalen kann. Die Schönheit der Natur beobachte ich häufiger, und ich nehme sie nicht selten bewusst wahr. Aber Stille ist etwas sehr Kostbares geworden in meinem Leben als Mama mit zwei kleinen, noch nicht schulpflichtigen Kindern. So richtig bewusst geworden ist mir das erst vergangenes Silvester als eine Freundin von mir zu Besuch war, die keine Kinder hat. Lachend und wohl auch erleichtert darüber, dass sie bald wieder abreisen konnte, sagte sie nach 24 Stunden mit unserer Rasselbande zu mir: „Der Geräuschpegel, dem du so den ganzen Tag ausgesetzt bist – das ist schon Wahnsinn. Wenn man das nicht gewohnt ist, fällt es einem auf. Da ist immer Geräusch.“

So schlimm empfinde ich es gar nicht, aber ich merke sehr wohl wie wohltuend Stille sein kann. Am deutlichsten nehme ich sie wahr, wenn ich in Savasana liege oder eben wenn ich ohne Kinder abends das Meer betrachten kann – was natürlich, obwohl wir an der Ostsee wohnen, selten vorkommt.

Im achtgliedrigen Pfad des Yoga, der über 2000 Jahre alten Anleitung zum Glücklichsein, steht Pratyahara, das Zurückziehen der Sinne, an fünfter Stelle. Es ist also gleich hinter den Asanas und der Atmung zu finden. Und es gehört noch zum Kriya Yoga, den ersten fünf Stufen, die auch als praktischer Yoga bezeichnet werden (danach wird es mit Raya Yoga, dem königlichen Yoga, dann richtig kompliziert …). Das Zurückziehen der Sinne ist auch schon kompliziert genug. In der heutigen Zeit führen die äußeren Eindrücke, die wir über unsere Sinnesorgane wahrnehmen, leicht zu Überforderung.  Das kann anstrengend sein und lenkt uns von unserem Inneren ab. Zu lernen, wieder besser auf den eigenen Körper zu hören, ist ein Ziel von Yoga, das viele Menschen sehr schnell erlernen, wenn sie sich regelmäßig auf die Matte begeben. Trotzdem ist es im Alltag wahnsinnig schwer, das umzusetzen.

Pratyahara, das bedeutet, dass wir lernen sollen, auf äußere Reize nicht mehr zu reagieren. Wenn die Sinne ruhen, können wir uns auf das Innere konzentrieren. Für uns ist das kaum möglich, weil wir so sehr nach außen orientiert sind. Manche Sinne lassen sich leichter nach innen ausrichten, andere nicht so leicht. An meinen Kindern kann ich ganz gut beobachten, wie sehr sie noch in eine Sache vertieft sein können, egal wie viele äußere Störfaktoren es auch geben mag. In der vergangenen Woche hüteten wir an einem Nachmittag den Hund meiner Schwiegermutter. In der ersten Stunde war die arme Hündin so aufgeregt, dass sie sich von uns kaum ablenken liess. Wir hatten alles versucht. Ein Suchspiel im Garten mit Hundeleckerchen, Streicheleinheiten und In-Ruhe-Lassen – keine meiner Strategien halfen. Sie saß an der Tür, weinte und bellte. Die Kinder malten. Und zwischendurch stritten sie sich. Um die richtigen (oder falschen) Stifte, die schöneren Einhörner, die ich ihnen hatte auf das Papier malen sollen. Tja. Immer dann, wenn es am nötigsten wäre, lassen meine Fähigkeiten was Pratyahara betrifft, zu wünschen übrig. Irgendwann rief ich also in den Flur hinaus nach der Hündin, sie solle doch nun endlich mal ruhig sein. Meine vierjährige Tochter sah mich entsetzt an: „Nicht schimpfen, Mama. Sie ist doch traurig.“

Ja, da war sie mal wieder. Die Sanftmütigkeit, die ich mir manchmal so sehr wünsche auf der einen Seite (wie kann man mit einem Lebewesen schimpfen, wenn es verzweifelt ist – nur weil es „nervig“ ist?!?) und auf der anderen Seite diese Gelassenheit dem Geräuschpegel gegenüber. Kinder sind manchmal die besten Yogalehrer. Meine Kinder störten sich nicht an dem Geräusch, sie hatten einfach nur Mitleid. Sie hatten es aber trotzdem geschafft, völlig vertieft in ihrer Malerei zu versinken, während ich mich über einen jaulenden Hund aufregen konnte. Weil ja – es war einfach irgendwann anstrengend für meine Ohren geworden. Ich sagte meiner Tochter, dass sie recht hätte. Dass es dumm von mir war, mit dem Hund zu schimpfen, der doch nur verzweifelt war und nichts dafür konnte. Und dass es erst recht verrückt ist, dass wir Erwachsenen uns an so etwas stören können …

In unserem Alltag ist Pratyahara nicht leicht. Ich übe aber. Manchmal hilft es, meinen Kindern zuzuschauen, manchmal der wohltuende Blick auf den Ozean. Happy Weekend.