„Gesegnet sind die Unbeweglichen“

Balance is the key. Ich bin gerne beweglich. Aber ich bin auch gerne stark. Beides schützt uns vor Verletzungen.

Richard Freeman, der Ashtanga-Yogalehrer des Westens, prägte diesen Satz: „Blessed are the tight people“, sagte er. Ich zitiere das gerne. Ich kenne so viele, die glauben, sie wären zu unbeweglich, um mit Yoga zu beginnen. Ich habe das schon öfter gehört: „Eigentlich sollte ich Yoga mal probieren. Aber …“ Komischerweise ist das beim Joggen ganz anders. Die wenigstens Menschen, die joggen, sind besonders schnelle Läufer. Niemand käme auf den Gedanken, nur weil er nicht schnell ist, erst gar nicht mit dem Laufen anzufangen. Dabei ist Joggen definitiv nicht der richtige Sport für jeden … Und wer schlapp ist, macht zwar auch (häufig) leider kein Krafttraining, weiß aber sehr wohl, dass es Sinn machen würde, damit zu beginnen. Das medial gezeichnete Bild von Yoga gibt uns aber leider vor, gelenkig sein zu müssen, um überhaupt damit anfangen zu können. Schwachsinn. Stattdessen sollten eher überbewegliche Menschen bei Dehnübungen vorsichtig sein.

Ungelenkig zu sein ist der beste Grund, mit Yoga anzufangen. Aber erst mal gibt es vielleicht etwas zu klären: Gelenkigkeit und Dehnbarkeit sind zwei unterschiedliche Begriffe. Gelenkigkeit ist die Fähigkeit, eines Knochensegments zur Ausführung des weitestmöglichen Bewegungsauschlags durch das dazugehörige Gelenk. Die Dehnbarkeit hingegen ist die Fähigkeit eines Muskels, seine optimale Länge zu erreichen, um den größtmöglichen Bewegungsausschlag auszuführen, und somit sein Kraftpotenzial voll zu nutzen. Aus beiden zusammen, Dehnbarkeit und Gelenkigkeit, ergibt sich unsere Beweglichkeit. Die Dehnbarkeit lässt sich dabei am einfachsten trainieren. Und das ist auch der Grund, weshalb fast jeder den Spagat lernen könnte. Deswegen erfreuen sich Deep Stretching Kurse gerade so großer Beliebtheit (aber: Yoga ist eben mehr als Deep Stretching 😉 ).

Es ist wichtig, unsere Beweglichkeit zu trainieren, da sie gerade mit zunehmendem Alter abnimmt. Wie wertvoll es ist, sich uneingeschränkt bücken, strecken, den Oberkörper drehen zu können, das merken wir meistens erst dann, wenn es schon zu spät ist … Sich die Fußnägel selbst schneiden zu können, rückwärts einparken – auch dabei ist Beweglichkeit von Nutzen. Beweglich zu sein bedeutet, dass wir unsere Gelenke mit größtmöglichem Radius mühelos und schmerzfrei bewegen können. Mit der Abnahme unserer Beweglichkeit steigt das Risiko, sich zu verletzen. Unsere Körperhaltung wird schlechter, unsere Wirbelsäule lässt sich nicht mehr so gut aufrichten, wir bewegen uns unsicherer …

Wer regelmäßig Dehnübung durchführt, wirkt diesem Prozess entgegen. Die Asanas haben in unserer westlichen Welt mit gutem Grund das Ziel erhalten, unsere Beweglichkeit, die Ausrichtung des Körpers und unsere Balance, also unser Gleichgewicht, zu verbessern. ´Sie dehnen und lockern die Muskulatur. Gleichzeitig stärken sie aber auch immer den Gegenspieler des Muskels, der gerade gedehnt wird. Yoga macht uns also nicht nur beweglicher, sondern auch stärker, ausdauernder. Wir lernen, uns besser konzentrieren zu können und wir lernen, zu entspannen. Auch das hängt ja letztlich mit unserer Muskulatur zusammen.

Warum übrigens auch Kraftsportler Dehnübungen machen sollten, erklärt hier in diesem Video Prof. Dr. Stephan Geisler, den ich selbst noch aus meiner Zeit an der Deutschen Sporthochschule in Köln kenne, sehr gut. Und dessen kleine Videosequenzen ich generell empfehlen kann, wenn du dir bei Fragen, die das Thema Training betreffen, mal gerade unsicher bist.

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