Lauschangriff und Lesestoff vom 11. März 2021

Bin ich Feministin? Wohl eher nicht, denn ich habe noch nichts aktiv dafür getan, dass Lebensbedingungen für alle gleich werden. Und Feminismus darf nicht zu einem Label werden, das einfach nur gut klingt. Bild: Anna Drews

Am vergangenen Mittwoch war ich seit langem mal wieder mutig. Ich habe mich bei der DKMS als Stammzellenspenderin registrieren lassen. Das wollte ich schon lange machen, habe es, wie so vieles, was man eigentlich tun sollte, stets vor mir hergeschoben und dann durch einen Impuls aus dem Bekanntenkreis endlich die Internetseite aufgerufen. 2014 habe ich eine Freundin durch Blutkrebs verloren. Spätestens da war das Thema Stammzellenspende in meinem Leben immer wieder präsent. Blut spenden kann ich nicht – ich bringe das Mindestgewicht nicht auf die Waage. Bei der Stammzellenspende ist das allerdings anders. Ich habe trotzdem jahrelang die blödesten Ausreden gefunden, um das Thema vor mir herzuschieben. Diesen Winter habe ich das Buch „Der Chemoritter am Küchentisch“ gelesen. Es erzählt die wahre Geschichte einer Mutter, deren Sohn im Alter von fünf Jahren an Blutkrebs erkrankt. Da war es dann wieder ganz präsent. Vielleicht auch weil meine Tochter im gleichen Alter ist. Ich bin nicht immer mutig. Aber nun war ich es irgendwie leid, mir stets nur vorzunehmen, Gutes zu tun, um mich dann wieder in meinem geschützten Raum zu verkriechen und es auf einen anderen Zeitpunkt zu verschieben.  Ich habe noch etwa 13 Jahre lang Zeit, einem Menschen durch eine Stammzellenspende das Leben zu retten. Dann bin ich zu alt dafür. Ich gehe davon aus, falls ein Anruf kommt und ich für eine Spende in Frage kommen würde, tut es auch nicht weh, den letzten Schritt zu gehen. Ein neuer Podcast ist auf dem Markt: Do your thing beschäftigt sich – wie sich vermuten lässt – damit, wie man eben sein Ding machen kann. Dabei waren in den ersten Folgen beispielsweise Basketballstar Dirk Nowitzki, Model Sara Nuru und in der aktuellen Folge mein langjähriger Freund, Speaker, Motivator und Autor Balian Buschbaum zu Gast. Balian Buschbaum erklärt im Gespräch mit Moderatorin Lisa Augenthaler, wie Ängste bei uns im Kopf entstehen, wenn wir uns auf den Weg zu etwas machen. „Zweifel entstehen dann, wenn das Umfeld uns mit deren Ängsten konfrontiert.“ „Da könnte was schiefgehen …“, durch diesen Satz nehmen wir Ängste an, die gar nicht zu uns selbst gehören. Im Gespräch geht es auch darum, wie es ist, wenn man sich die Penisgröße aussuchen kann und warum Mut der Weg zur Freiheit ist …

Yoga intensiv …

Falls du wie ich, Yogalehrer bist, aber doch meistens vergisst, mal auf der Seite des BDY, dem Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland e.V., vorbeizuschauen, kann ich dir diesen Text von Yvonne Thillmann empfehlen. Sie hat das Konzept „Yogaintensiv“ erarbeitet, in dem es darum geht, eine individuelle, zum Alltag passende Yoga-Praxis im Einzelunterricht zu entwickeln, die den Teilnehmenden stärkt und die Fähigkeiten entwickeln lässt, mit Krisen besser umgehen zu können. Auch und vor allem in Pandemie-Zeiten; es ist also ein Konzept, das du im Online-Einzelunterricht anwenden kannst.

Feminismus konstruktiv

Natürlich kam ich in dieser Woche nicht daran vorbei, mich mit dem Thema Feminismus zu beschäftigen. Du weißt ja, Weltfrauentag … Ich gehöre auch zu den Menschen, die es traurig finden, dass so etwas wie ein Weltfrauentag überhaupt existieren muss, schließlich gibt es ja auch keinen Weltmännertag, Oder habe ich das einfach nur verpasst? Jedenfalls ist mir sehr klar und bewusst, dass Feminismus wichtig ist und dass es auf dieser Welt viel zu viel Gewalt und Ungerechtigkeiten gegenüber Frauen gibt. Ich weiß auch, dass, hätte es keine radikalen Feministinnen gegeben, es mir heute nicht so gut gehen würde. Vielleicht hätte ich nicht die Möglichkeit gehabt, ein Studium wie das der Sportwissenschaften, zu absolvieren. Wer weiß das schon? Aber ich finde es wichtig, sich selbst die Frage zu stellen, was man eigentlich für den Feminismus tut, bevor man sich mit dem Titel Feministin schmückt, weil er einfach schick geworden ist. Ich sehe das ähnlich wie die Autorin Beate Hausbichler, die in ihrem Buch „Der verkaufte Feminismus“ darüber schreibt, wie es ist, wenn aus einer politischen Bewegung eine schöne Idee für die Vermarktungsmaschinerie wird. Auf Deutschlandfunk Kultur gab es bereits am 25. Februar eine Buchkritik dazu, du kannst hier immer noch reinhören. Am diesjährigen Weltfrauentag berichtete rbb über das Buch. 

Hausbichler beginnt das Buch mit der Beschreibung einer Szene beim W20 Gipfel in Berlin, als Christine Lagarde, Ivanka Trump, Königin Máxima, Chrystia Freeland und Angela Merkel die Frage gestellt wurde, ob sie Feministinnen seien. Alle hoben wie selbstverständlich die Hand, nur eine nicht. Angela Merkel zögerte und sagte: „Also ich habe keine Angst. Wenn Sie finden, dass ich eine Feministin bin – stimmen Sie ab. Ich möchte mich nicht mit dieser Feder schmücken.“ Damit war sie die einzige, die eigentlich verstanden hatte, was es bedeutet, Feministin zu sein. Nämlich unangenehme Kämpfe auszutragen für eine bestimmte Sache, die dazu dienen soll, dass gleiche Lebensbedingungen für alle hergestellt werden können. 

Wenn sich also Ivanka Trump und Beyoncé als Feministinnen bezeichnen, muss man sich doch eigentlich fragen, ob sie da etwas falsch verstanden haben oder ob sie den Begriff einfach nutzen möchten, weil es offenbar für die erfolgreiche Frau zum guten Ton gehört. „Was genau war nochmal deren Dienst an der Sache der Gleichstellung?“, fragt Hausbichler. Besonders spannend und aufschlussreich ist übrigens auch der Bericht „Feministischer Kampftag: Was gibt es da zu feiern?“ auf derstandard.de

Achtsamkeit intuitiv …

Einen tollen Beitrag zum Thema Achtsamkeit hat Was-für-mich-Autorin Katia Kröger in dieser Woche geschrieben. Es ist wirklich spannend, was sie durch ihr MBSR-Training gelernt hat, nachdem sie während der Corona-Pandemie im Familiendschungel irgendwann kurz davor war, die Nerven zu verlieren. Tja, das Thema Multitasking kommt auch darin vor. Irgendwann in der Neuzeit hat es sich plötzlich gut angehört, wenn man sagen konnte, man sei „multitasking-fähig“. In Wahrheit ist „Multitasking“ das Gegenteil von achtsamkeits-fähig und ein Riesen-Problem unserer Gesellschaft … Aber lest selbst.

Letzte Woche habe ich wahrscheinlich vor lauter Multitasking ganz vergessen, das Rezept zu verlinken. Hier gibt es eins von einer meiner liebsten Food-Bloggerinnen.

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