Schlagwort: Gesundheit

Lauschangriff und Lesestoff vom 26. März 2021

Als es am Montagmorgen still in der Wohnung geworden war, dachte ich an den Frühling und daran, dass ein nächster Lockdown nur leichter werden könne … Weil ich ihn einfach zum größten Teil im Garten und draussen verbringen würde. Ich höre jedenfalls schon die Vögel singen. Das rettete mich über den Tag. Und ich fragte mich, ob ich so wie jetzt, während dieser Pandemie, in Krisenzeiten immer handeln würde? Ob der Mensch immer versucht, sein Leben möglichst normal weiterzuführen? Wie ist das, wenn man in einem Kriegsgebiet lebt, fragte ich mich. Bringt man auch dann die Kinder jeden Morgen zur Kita und in die Schule und die Hunde raus? Freut man sich über die Entwicklungsschritte des Babys, fährt man zur Arbeit, macht man einfach weiter? Wahrscheinlich schon. Ich weiß es nicht. Das besonders Verrückte an dieser Pandemie ist ja, dass wir nicht wissen, was danach ist. Bleibt das Leben „anders“? Ich finde gar nicht, dass es darum geht über richtig und falsch zu diskutieren, über zu wenig Impfstoff oder gar keine Impfung, über unsinnige, vernünftige oder nicht faire Beschlüsse der Regierung. Ich glaube, es geht darum, zu überlegen, was wir alle anders machen können, damit es überhaupt nicht mehr so weit kommt. „Man kann nicht alles haben“, ist ein blöder Spruch aber ich finde ihn je mehr ich darüber nachdenke, ziemlich gut. Irgendwann haben Menschen angefangen, zu glauben, sie könnten eben doch alles haben. Aber das stimmt nicht. Hier liegt das Problem. Irgendwas und somit auch wer bleibt immer auf der Strecke. Und so gilt es, für sich selbst festzulegen, was wirklich wichtig ist …

Auf der Internetseite https://www.zukunftsinstitut.de beschreiben Forscher vier mögliche verschiedene Szenarien, wie ein Leben nach der Pandemie aussehen könnte. Es ist interessant zu lesen und sich dann vielleicht ein Wunschszenario auszusuchen oder auch selbst auszumalen …

Pandemüde oder schlapp?

Das Süddeutsche Magazin hat ein Thema aufgegriffen, auf das ich vor zwei Wochen bereits hier in meiner Lauschangriff-und Lesestoff-Serie hingewiesen hatte. Da ging es um den Podcast mit Dr. Anne Fleck. Nun erzählt sie auch im Süddeutsche Magazin, ab wann wir bei Müdigkeit die Notbremse ziehen müssen. Sie sagt beispielsweise: „Wer sich pausenlos durch den Tag snackt, kommt nie in den wichtigen Prozess der Autophagie, in der der Körper Zellschrott recycelt. Wer dauernd isst, fordert Leber und Magen-Darm-Trakt zur ständigen Arbeit heraus. Der Körper kriegt keine Ruhe, es fehlt die Zeit der Regeneration.“ Das gilt übrigens auch für Kinder …

Unter Männern …

Dieser Podcast beinhaltet ein interessantes Gespräch unter Männern: Veit Lindau und Bestseller-Autor und Coach Lars Amend sprechen eineinhalb Stunden lang sehr offen und ehrlich über die Liebe, über Männer und darüber, wie die Liebe bleibt (vor allem was Veit Lindau dazu zu sagen hat, ist schön: Man muss nicht immer einer Meinung sein, aber Liebe ist, wenn man das ehrliche Interesse daran nicht verliert, zu erfahren, warum die Meinung des anderen so ist, wie sie ist …) Lars Atmend stellt darüberhinaus die interessante Frage (ungefähr ab Minute 50), wie Männer in der heutigen Zeit eigentlich ihre männliche Energie beibehalten können, „ohne dass es gegen die Frau geht“. Ein aufschlussreiches Gespräch – bestimmt nicht nur für Männer. 

Auch dieses Gespräch ist eins unter Männern. Es geht um Rassismus. Die ehemaligen Nationalspieler Erwin Kostedde und Gerald Asamoah im Interview mit dem Zeit Magazin. Wichtig und berührend.

Exklusiv-Zeit

Jetzt kommt ein Bericht über zwei Mädels. Was Katja Kröger in ihrem aktuellen Artikel auf wasfürmich schreibt, kann ich gut nachvollziehen und diese Exklusiv-Zeit mit Mama ist für die Kinder wahnsinnig wichtig. Für meine Fünfjährige gibt es Exklusiv-Zeit in Nicht-Lockdown-Zeiten jeden Montag Mittag ab viertel nach eins. Da habe ich keine Termine, das Date mit ihr ist fest im Kalender eingetragen. Es tut ihr so gut. Und mir auch. Kürzlich war das Wetter mal besonders schlecht und wir haben einfach zusammen einen Film geschaut. Ich schaue kaum fern. Natürlich hatte ich ein schlechtes Gewissen, dachte, das sei pädagogisch bestimmt jetzt totaler Mist – es war wunderbar. 

Wichtig aber nicht systemrelevant

Das hier ist nicht neu, sondern aus dem Februar, aber ich wollte es als kleine Erinnerung noch einmal hier erwähnen. Mir ist schon öfter aufgefallen, dass manche Leute sich von dem Begriff „systemrelevant“ triggern lassen. Dabei heißt „nicht systemrelevant“ überhaupt nicht, dass der Job nicht wichtig oder gut ist. Kristin Rübesamen erklärt das sehr schön.

Ist Yoga systemrelevant? Nein, ist es nicht. Wir Yogalehrer können niemanden retten, bei dem die Lunge versagt.

Kristin Rübesamen, YogaEasy

Darum geht es bei diesem Begriff. Um nichts anderes. Und damit weiterhin Menschen gerettet werden können – übrigens nicht nur die, bei denen die Lunge versagt, sondern alle, die in ein Krankenhaus müssen, dort liegen oder Gefahr laufen, dort zu landen, sind auch beispielsweise Erzieher/innen systemrelavent, denn die Kinder der Menschen, die in der Gesundheitsbranche arbeiten, müssen schliesslich betreut werden. Dann brauchen wir auch noch was zu essen, sonst läuft gar nichts. Punkt. Das ist es eigentlich. Ziemlich simpel. Das heißt aber nicht, dass deine Arbeit oder du nicht wichtig (b)ist. 

Quinoa-Eier?!?

Und jetzt kommt das, worauf ich mich schon freue, wenn die Osterfeiertage, neudeutsch: Ruhetage, äh oder jetzt doch nicht, eintreten. Danke Lynn, das Rezept kommt wie gerufen und ist endlich mal was anderes als all die Rezepte über vegane Osterideen, die es sonst so gibt. Ich habe gepoppten Buchweizen zuhause, klappt damit bestimmt auch. 

https://de.heavenlynnhealthy.com/knusprige-ostereier-mit-quinoa/

In den nächsten Tagen werde ich viel aufschreiben, Yoga üben, Gewichte stemmen (weil mir das gerade so gut tut) und Over Night Oats vorbeireiten. Und das Rezept dazu verlinke ich dann nächste Woche.

Wie macht man weiter ohne ein Ziel?

Vieles was uns zu Beginn eines neuen Jahres Mut macht, was wir mit Vorfreude erwarten und worauf wir hinarbeiten, ist uns durch Covid-19 abhanden gekommen. Wie also können wir weitermachen, wenn ein Ziel fehlt? Wie stehen wir auf, wenn es keine Struktur mehr gibt? Und wie finden wir Orientierungspunkte in einer unbeständigen Zeit? Darüber habe ich mit jemandem gesprochen, der darin ungewollt zur Expertin geworden ist: Die Stabhochspringerin Katharina Bauer (30) gilt als medizinisches Wunder. Sie trägt in ihrem Körper einen implantierbaren Defibrillator. Hätte sie auf andere gehört, wäre ihre sportliche Karriere schon mehr als einmal vorbei gewesen. Im vergangenen Jahr wollte sie zu den Olympischen Spielen in Tokio. Dann kam Corona. 

Es ist noch kein Jahr her, da hast du mitten in der Vorbereitung für die Olympischen Spiele gesteckt, die eigentlich im Sommer 2020 stattfinden sollten. Kannst du dich noch an das Silvester 2019 erinnern und deine Gedanken und Vorstellungen von diesem – für uns alle so ungewöhnlichen – Jahr 2020?

Katharina Bauer: Ich kann mich noch sehr gut an das Silvester erinnern. Das war in Düsseldorf bei meiner Freundin Yvonne und es war das Ende des Jahres, in dem ich einen schweren Bandscheibenvorfall erlitten hatte. Die Vorweihnachtszeit habe ich als sehr schmerzhafte Zeit in Erinnerung, ich konnte morgens kaum stehen, kaum laufen. Und gerade um Weihnachten herum besserte sich das. Ich war also sehr dankbar und habe mich auf das kommende Jahr gefreut. Ich habe das Gefühl gehabt, dass ich endlich komplett schmerzfrei werden könnte. Zudem standen natürlich große Dinge bevor: Die Olympischen Spiele sollten 2020 stattfinden, ich würde im Sommer meinen 30. Geburtstag feiern, wir beide würden an einem Buchprojekt arbeiten … So habe ich den Jahreswechsel natürlich sehr positiv wahrgenommen, aber ich war auch vorsichtig optimistisch aufgrund meiner Rückenschmerzen. Das Thema Gesundheit stand also für mich schon sehr im Vordergrund.

Im März 2020 warst du mit einer Gruppe Athleten im Trainingslager in Südafrika. Während in Deutschland der Lockdown beschlossen wurde, informierte euch die Verbandsleitung, dass euer Trainingslager abgebrochen werden muss. Was ging da in dir vor? Hast du zu dem Zeitpunkt schon geglaubt, dass die Olympischen Spiele verschoben werden müssen und dass das Jahr eine solche Wendung nehmen würde?

Mein Anker nach dem Bandscheibenvorfall und der langsamen Genesung im Winter war das bevorstehende Trainingslager in Südafrika im März. Dieser Ort hat für mich energetisch eine große Bedeutung. Ich liebe das Land und dort kann meine Seele auch immer heilen. Die Sonne, das Wetter, die Leute, das Team, die Trainingsbedingungen – all das macht den Ort sehr besonders und ich wusste, ab dann würde es Vollgas Richtung Olympische Spiele gehen. Wir waren genau eine Woche in Südafrika, dann wurde der Lockdown beschlossen. Wir wurden von einem auf den anderen Tag zurück nach Deutschland geholt. In Südafrika lebten wir wie in einer Blase, hatten kaum Nachrichten gehört und keine Panik mitbekommen. Das, was in Deutschland zu diesem Zeitpunkt passierte, war für uns nicht greifbar. Wir rätselten freitags noch darüber, ob es Sinn machen würde, länger in Südafrika zu bleiben. Zu dem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass der Deutsche Leichtathletikverband uns auch schon Flüge für unsere Rückreise gebucht hatte. Das wurde kurz später Realität. Ein hartes Erwachen. Und dann war das für uns zunächst einmal sehr erschreckend. Weil wir als Sportler auch gar nicht wussten, was auf uns zukommen würde. Es war direkt auch im Gespräch, dass die Trainingsanlagen gesperrt werden müssten. Ich habe also sofort realisiert, dass die ganze Jahresplanung über den Haufen geworfen wird. Das war zunächst ein Schock. Das Jahr sollte mein viertes Comeback werden und nun stand ich wieder vor einer Zwangspause. Immer wieder an die Leistungsgrenze zu gehen, kostet sehr viel Energie. Als Sportler bist du in so einem Jahr im Feuermodus. Du brennst für ein Ziel und das Ziel war plötzlich weg.

Katharina in Südafrika, ihrem „Happy Place“. Kopfüber versteht sich.

Wie hast du das, was dich in diesem Moment so bedrückt hat, dann wieder – wie schon so oft in deinem Leben – in positive Energie umwandeln können?

Das hat tatsächlich erst einmal eine Zeit lang gedauert. Als wir zu Hause ankamen, war ja noch gar keine Entscheidung darüber getroffen, ob die Olympischen Spiele stattfinden oder nicht. Wir hatten also entschieden, dass ich zunächst nicht in Leverkusen, wo ich lebe und trainiere, bleiben, sondern zu meiner Familie nach Wiesbaden fahren würde. Da die Trainingsanlagen ohnehin geschlossen waren, sollte ich mich dort fit halten. So wie das eben alle Leistungssportler während des Lockdowns machten. Und man muss natürlich klar sagen: das, was da zuhause möglich ist, was wir auch auf Instagram zeigten, das Hometraining, die Challenges und so weiter, ist kein Vergleich zum Spitzensport. 

Dann wurde glücklicherweise relativ schnell die Entscheidung getroffen, dass Olympia 2020 nicht stattfinden würde. Da war ich zum einen natürlich schockiert, weil der Fokus weg war, aber andererseits war es auch eine Erlösung. Ich weiß noch, dass ich zu Beginn des Jahres guter Dinge war, denn mein großes Ziel, schmerzfrei trainieren zu können für Olympia, war beinahe erreicht. Aber da war auch eine große Müdigkeit aufgrund all meiner Verletzungen und Rückschläge und so hatte ich eigentlich auch das Bedürfnis mich einfach mal hinzulegen und liegenzubleiben. Durch die Absage und die Verschiebung auf das nächste Jahr, wusste ich, dass ich mich neu orientieren kann. Eine neue Erfahrung war es aber auch für mich, dass wir über gewissen Situationen keine Kontrolle haben können. Nicht trainieren zu dürfen obwohl man schmerzfrei ist, war für mich ganz neu. Aber wie immer habe ich dann relativ schnell verstanden, dass ich auch aus dieser Situation das Beste machen muss. Ich konnte dann das wertschätzen, was ich hatte: Zeit mit meinen Eltern, die ich sonst zu dieser Zeit niemals so gehabt hätte. Das habe ich aufgesaugt. Und dann hat mein Körper mir das einfach gedankt. Eine Zwangspause – das war für meinen Körper ideal.

Wann hast du realisiert, dass das Jahr 2020 und damit die Verschiebung der Olympischen Spiele ein Geschenk sein kann?

Das ging sehr schnell. Am Anfang tut es weh und dann bin ich problemlösungsorientiert. Der erste Gedanke muss immer sein: Was ist daran jetzt positiv? Und ich habe natürlich sehr schnell gewusst, dass es für meinen Körper definitiv gut ist. Ich wusste: Ich kann neue Kräfte sammeln, und das kann ich tatsächlich bei meiner Familie immer am besten. 

Hast du einen Tipp, wie wir den Fokus auf die wesentlichen Dinge des Lebens legen und wie wir akzeptieren, dass Zwangspausen positiv genutzt werden können?

Es ist der dahingesagte Spruch: Im Hier und Jetzt leben, der aber einfach der Schlüssel dazu ist, wertzuschätzen, was wir eigentlich haben. In welch privilegierter Situation wir in einem Land wie Deutschland sind, das sollte man sich in so einer Lage als erstes klar machen. Ich sitze in einer warmen Wohnung und das mag banal klingen, aber andere haben das nicht. Ich kann immer noch in den Supermarkt gehen und dort alles einkaufen, was ich haben möchte. Und wenn ich gesund durch diese Pandemie komme, ist das auch ein Geschenk. Also Dinge wahrnehmen, die für uns selbstverständlich sind und die man dann noch mal neu wertzuschätzen lernt. Unabhängig von Corona mache ich das fast täglich: mir darüber bewusst werden, wofür ich dankbar bin. Was aber in so einer Phase auch sehr wichtig ist: Wir dürfen negative Dinge auch mal abschalten und den Fokus auf das Schöne legen. Also auch mal die Nachrichten auslassen und sich kleine Dinge vornehmen, die glücklich machen. Sich etwas suchen, was man vielleicht immer aufschiebt. Das kann man jetzt machen. Und anderen helfen ist natürlich immer auch sehr heilsam.

Hast du tatsächlich eine regelmäßige Praxis, ein festes Ritual, wie eine Dankbarkeitsmeditation am Abend?

Ich mache häufig Meditationen, gerade vorm Schlafengehen und ich habe eine Visualisierungstafel in meinem Schlafzimmer, da habe ich Ziele aufgeklebt, schöne Dinge. Alleine der Blick auf mein Visionboard gibt mir ein positives Gefühl. Das ist schon sehr bewusst in meinem Leben. 

Wenn du auf die Ärzte gehört hättest, wäre deine sportliche Karriere schon lange vorbei. Vertraust du dir selbst in schwierigen Situationen am besten und hast du eine Art Urvertrauen entwickelt, dass dich auch durch brenzlige Situationen trägt?

Das Wort Urvertrauen trifft es sehr schön. Meine Mutter ist Hypnose- und Mentalcoach und dadurch bin ich mit Themen wie Urvertrauen, Erdung und positives Denken früh in Berührung gekommen. Ich bin durch so viele sportliche und gesundheitliche Tiefs gegangen und wieder zurückgekommen, dass ich mir heute über meine mentale Stärke sehr bewusst bin. Dieses Urvertrauen habe ich also über Jahre entwickelt. Und so vertraue ich mir im Leben tatsächlich selbst sehr. Ich habe noch nie aufgegeben, und auf den Sport bezogen weiß ich, so lange ich einen inneren Antrieb habe, ein Feuer in mir brennt, so lange mache ich weiter. Das kann ich sicher auch auf andere Bereiche meines Lebens übertragen. Ich sammele kleine Erfolge und feiere sie wie einen Geburtstag. Ich habe mich nie daran gemessen, wo ich mal war, sondern mich immer an jedem Fortschritt erfreut. 

Wie hilft dir Yoga im Alltag und wie hat es dir speziell in diesem verrückten Jahr geholfen?

Das hat in diesem Jahr wirklich eine neue Dimension erreicht. Ich praktiziere ja schon lange Yoga, aber es gibt ja immer Phasen im Leben, da kommt es zu kurz. Ich habe in diesem Jahr so viel Yoga, so viel Atemübungen und Meditation gemacht, dass auch mein Trainer jetzt gemerkt hat, wie gut es mir tut, wie weit ich dadurch gekommen bin. Und ohne Yoga wäre ich bestimmt nicht so weit, wie ich jetzt bin. Ich habe durch meinen Bandscheibenvorfall enorm an Beweglichkeit eingebüßt, und die ist jetzt wieder da. Was Corona betrifft, hat Yoga mir natürlich mental auch sehr geholfen. Während dem ersten Lockdown hatte ich das Gefühl, ich gehe in einen Schildkröten-Modus, spare mir meine Energie und lasse sie nur für das Training raus und ansonsten warte ich ab, was sich tut. So hatte ich einfach wahnsinnig viel Ruhe in diesem Jahr – auch für den Kopf. 

Hohe Infektionszahlen, Ungewissheit in Sachen Impfung, wir wissen nun, auch 2021 wird nicht ‚normal‘. Und wir wissen auch: Wir haben nichts in der Hand. Wie stellst du dich als Leistungssportlerin darauf ein, dass es eventuell wieder nur ein paar wenige Wettkämpfe geben wird und Olympia ein Traum bleiben könnte?

Das ist mittlerweile keine gedankliche Belastung mehr für mich. Da habe ich mich sehr intensiv mit meinem Trainer ausgetauscht und wir wissen alle, wir können nichts voraussehen. Im Januar sollen noch Wettkämpfe stattfinden, die stehen jedoch jederzeit in der Schwebe. Vor Weihnachten habe ich die Information bekommen, dass alle Wettkämpfe im Januar ausfallen werden, aber dass im Februar Deutsche Meisterschaften stattfinden sollen. Sind wir mal ehrlich: Wir wissen es nicht. Also haben wir uns überlegt, was wir machen. Vom Prinzip her könnte ein Athlet in meinem Alter aufhören. Und so haben wir die Strategie entwickelt, dass wir alles was wir jetzt machen, für uns machen. Wenn ich im Training in diesem Jahr über 4,70 Meter springe, dann habe ich doch schon meine Bestleistung erreicht. Wer kann mir das wegnehmen? Dafür bin nur ich verantwortlich. Der Bezug zum Außen ist ja zunächst weg, und das kann einen Sportler schon verrückt machen. Aber wie ich an meine Leistungsgrenze gehen kann, wie hoch ich in meinem Leben springen kann, das kann ich selbst herausfinden. Und das ist eine Strategie, die mir sehr gut getan hat. Wir haben wahnsinnig hart trainiert aber haben auch wahnsinnig viel Spaß im Training. Ich bin momentan physisch und emotional wirklich stark, es wäre nahezu ideal, wenn jetzt Wettkämpfe mit Zuschauern stattfinden würden (lacht) – aber egal. Für einen Sportler ist auch klar: der Sport, den wir kennen, den gibt es nicht mehr so. Das Zusammensein, die Freude mit den Zuschauern, Olympische Spiele, so wie wir das kannten – von dem Gedanken mussten wir uns alle verabschieden. Wenn die Spiele stattfinden, werden sie ja anders organisiert werden müssen als wir es gewohnt waren. Das ist die Realität. Aber wenn ich mich qualifiziere, geht natürlich trotzdem ein Traum in Erfüllung. 

Deine Mutter Christine J. Bauer hat mal über dich gesagt, dass du ein neugieriges Kind warst. Neugier hat mich in vielen Situationen vor Angst beschützt. Beispielsweise bei der Geburt meiner Kinder. Glaubst du, dass Neugier einer deiner Antriebe ist? Also alleine die Neugier dich treibt, wie weit du mit deinem Körper gehen kannst?

Ich habe tatsächlich erst darüber nachgedacht, nachdem du mir diese Frage gestellt hast. Aber da ist definitiv eine Neugier, wie weit ich gehen kann, wie weit ich aus meiner Komfortzone ausbrechen kann und wo meine Leistungsgrenze liegt. Kann ich meine Grenzen übersteigen? Wie oft habe ich in meinem Leben schon gehört: Katharina, das wird nichts mehr. Ich hatte schon so oft in meinem Leben das Gefühl: Ich habe nichts zu verlieren. Ich kann nur gewinnen. Also will ich es rausfinden. Das war auch, nach der Implantation meines Defibrillators, für mich der spannende Teil der Reise: Wie weit kann ich meinen Arm heben mit diesem Defibrillator? Kann ich damit überhaupt Stabhochspringen? Welche Übungen kann ich eigentlich machen und wie muss ich sie neu erlernen? Das war spannend. Und grundsätzlich muss ich zugeben, ich bin generell ein neugieriger Mensch. Ich hinterfrage viel und will vieles herausfinden. Ja, auf jeden Fall: Neugierde ist mein Antrieb. Bleibe also neugierig!

Wozu denn Zucker?!

Fünf Tage vor Weihnachten kommt sie hier wirklich mit dem Vorschlag von Zuckerverzicht um die Ecke? Ehrlich? Geht’s noch!? Ja. Ich weiß, daß Ernährung ein emotionales Thema ist. Immer. Es gibt da so viel, was uns triggert. Es gibt so viele Ernährungsweisen, so viele angeblich „richtigen“ Wege. Dabei ist klar, dass man nicht alles jedem überstülpen kann. Es gäbe eigentlich so viel zu beachten. Alleine schon aus ethischen Gründen. Aus ökologischer Sicht. Und so weiter. Deswegen ist das mit der Ernährung und dem „richtig“ so schwierig. Ich bin auch überzeugt davon, wenn du die für dich richtige Ernährungsweise schon gefunden hast, musst du dich von niemandem belehren lassen. Bei mir ist das so: Jetzt gerade habe ich Lust auf weniger Zucker. Jetzt, da wieder die Zeit beginnt, in der wir uns Gedanken um gute Vorsätze machen und eine gewisse Vorstellung davon entwickeln, wie das neue Jahr aussehen sollte, will ich mit Vorsprung in dieses Jahr gehen. Letztlich ist ja seit März klar: Wir haben eh nichts in der Hand. Das Jahr macht was es will.

Das Gute ist: Es gibt Dinge, die haben wir eben doch in der Hand. Zum Beispiel unsere Ernährung. Ich komme gerade jetzt auch darauf, weil ich vor drei Jahren, im Herbst 2017, für ein Fitnessmagazin einen Artikel zum Thema Zuckerverzicht schreiben sollte. Also startete ich den Selbstversuch und begann sieben Wochen vor Weihnachten damit, industriellen Zucker komplett aus meinem Leben zu streichen. Die ganze Weihnachtszeit ohne einen einzigen Lebkuchen, ohne Selbstgebackenes. Ich fühlte mich so, als würden alle um mich herum denken: „Tickt sie noch richtig?“ Tatsächlich sagte das niemand. Aber es fühlte sich trotzdem so an.

Gute Vorbereitung ist alles

Ich erstellte mir mein eigenes Challenge-Programm. Ich entschied mich dafür, dass es keine Low-Carb-Diät werden sollte. Ich wollte meinen Körper von Zucker entwöhnen, dafür musste ich nicht auf sämtliche Kohlenhydrate und auch nicht auf frische Früchte verzichten. Ich rief Dr. Brigitte Bäuerlein an, eine Ökotrophologin, bekannt aus vielen Fernsehsendungen, und freute mich darüber, dass sie meine Strategie unterstützte: „Der Zucker in Früchten ist nichts Schlechtes, weil wir ihn im Verbund mit Ballaststoffen zu uns nehmen. Dadurch sickert er ganz langsam in unser Blut und zusätzlich nehmen wir Mineralstoffe und Vitamine auf.“ Anders ist das bei industriellem Zucker. Verboten war daher Haushaltszucker, egal ob weiß oder braun und auch jegliche Süßungsmittel wie Honig, Agavendicksaft, Kokosblütenzucker, auch keine Süßstoffe, kein Stevia, kein Xylit. „Grundsätzlich sollten wir darauf achten, alles zu meiden, was auf den Inhaltsstoffen mit der Endung -ose oder -it gekennzeichnet ist“, sagte Bäuerlein. Die Schwierigkeit dabei: Es gibt fast 70 Begriffe für Zucker. Während meines Experimentes verzichtete ich sogar auf Datteln, mit denen ich sonst ganz gerne experimentiere, wenn es um das Süßen geht. Auch hierfür gab Bäuerlein mir im Übrigen grünes Licht. Datteln seien zwar sehr süß, aber sie enthielten eben auch sehr viele Ballaststoffe. Wenn ich in Zukunft statt zur Schokolade zu Datteln greifen würde, wäre das schon sehr gut. In den ersten drei Wochen wollte ich aber ganz auf Trockenfrüchte verzichten, um meine Geschmacksnerven auf natürliche Süße zu schulen. Zusätzlich dazu stellte ich mir eine persönliche Regel auf: Der natürliche Zuckergehalt eines Lebensmittels sollte pro 100 Gramm sechs Gramm nicht überschreiten – mit einer Ausnahme: Früchte.

Vegan ist nicht gleich zuckerfrei

Ich bin nicht der Meinung, dass es nur einen Weg gibt. Aber klar ist: Was für mich funktioniert, funktioniert vielleicht nicht für dich und umgekehrt. Vielleicht brauchst du einen harten Entzug und musst auch zu Beginn auf Obst und Weizen verzichten. Kann sein. Muss aber nicht. Meine Ernährung ist seit vielen Jahren schon „ziemlich gesund“. Ich gehe ohnehin sparsam mit Zucker um, beschäftige mich schon lange damit, wie Ernährung wirklich „nährend“ sein kann und tappe weil ich mich weitestgehend vegan ernähre, weniger schnell in die üblichen Fallen: Kuchen beim Bäcker, herkömmliche Schokoriegel und die Überraschungseier der Kinder – das alles gab es für mich sowieso nicht. Doch machen wir uns nichts vor: Seit vegan in Trend gekommen ist, alleine schon wegen dem Klimawandel und aus ethischen Gesichtspunkten, gibt es allerhand veganen Mist in den Supermärkten zu kaufen. Zusätzlich dazu, haben einige Nahrungsmittelhersteller vermutlich gedacht, wenn es schon vegan ist, dann muss es auch ordentlich gesüßt werden, sonst kann es ja nicht schmecken. Daher gibt es leider häufig gerade in veganen Produkten unfassbar viel Zucker. Es gibt heute jede Menge Infos und Erfahrungsberichte zu dem Thema zuckerfrei leben, beispielsweise auch hier und hier und hier. Unzählige Bücher sind auch auf dem Markt. Zum Beispiel: „Für immer zuckerfrei. Meine Glücksrezepte“ von Anastasia Zampounidis. „Raus aus der Zuckerfalle“ von Marion Selzer oder auch „Goodbye Zucker – Zuckerfrei glücklich in 8 Wochen“ von Sarah Wilson.

Ich für meinen Fall recherchierte einen Vormittag lang im Internet, suchte mir Rezepte heraus, die für mich und meine Familie (mein Mann hat diverse Lebensmittelallergien) umsetzbar waren, schrieb mir auf, warum ich durchhalten wollte, mit welchen Experten ich darüber sprechen wollte und machte dann eine Einkaufsliste. Auf diese setzte ich für den Notfallplan eine Tafel Schokolade aus 100 Prozent Kakao.

Gute Motivation: Neugier!

Dann ging es los. Vor allem war ich neugierig darauf, was passieren würde. Wie mein Körper den Zuckerentzug verkraften würde, welche Veränderungen ich wahrnehmen würde. Es war der zweite Tag der Challenge, als ich nachmittags Kopfschmerzen wahrnahm. Ein Druck, der nicht nachlassen wollte. Ich war zu diesem Zeitpunkt noch so naiv zu glauben, eine Erkältung sei im Anflug. In dieser Nacht träumte ich davon, Gummibärchen gegessen zu haben – dabei mag ich die nicht mal. Für mein Frühstück hatte ich im Bioladen einen Vollkornbrei gefunden – Müsli zu finden, ist sehr sehr schwierig –, dazu gab es immer frisches Obst, meistens Nussmilch, manchmal etwas Sojaquark dazu – ohne Zucker natürlich. Genau da liegen nämlich die Fallen. Sojamilch – beispielsweise – enthält häufig Zucker. Man muss schon explizit nach der zuckerfreien Version suchen, wenn man sich beim Zuckerfrei-Experiment nicht selber veralbern möchte. Wenn es schnell gehen soll, entscheidet man sich am besten für einen Porridge, dessen Zuckergehalt unter 1 Gramm pro 100 Gramm liegt. Den kann man dann mit Saaten, Nüssen und Früchten „pimpen“. Auch Hafermilch – besonders bei der heutzutage sehr beliebten Barista-Variante (hierzu empfehle ich diesen Artikel) sollte genau unter die Lupe genommen werden – nicht jede ist ungesüßt. Wer Milchprodukte mag und beispielsweise morgens sein Frühstück mit dem eiweißreichen isländischen Joghurt Skyr „versüßt“ muss ebenso aufpassen. Auch da ist Zucker zugesetzt. Diese Fallen lauern überall. Während man die Produkte in sich hineinschaufelt, kommt man nicht einmal darauf, dass man gerade Zucker zu sich nimmt. Das gilt auch für Soßenbinder, Fruchtjoghurt, verschiedene Brotsorten vom Bäcker, Fruchtsäfte, salzige Chips oder Wurst-Aufschnitt. Und das betrifft auch Bioläden. Erstaunlich, oder? Ich hatte mir für Heißhunger-Attacken ein zuckerfreies Knäckebrot gekauft. 

In die engste Jeans

Ich erinnere mich noch daran, dass ich während dieser „Challenge“ nicht wenig aß, trotzdem passte ich schon ziemlich schnell wieder in meine engste Jeans. Man kann ziemlich viel essen und nimmt trotzdem ab. Das liegt daran, dass Zucker von unserer Leber in Fett umgewandelt wird. Wenn wir Zucker essen, produziert unsere Bauchspeicheldrüse Insulin. Bei gesunden Menschen lässt es den Blutzuckerspiegel wieder sinken. Das Insulin der Bauchspeicheldrüse sorgt dafür, dass Zellen Fett einlagern und hemmt den Fettabbau. Wer wirklich abnehmen will, für den ist der Zuckerverzicht unumgänglich. Die Taktik, die mir geholfen hat, durchzuhalten, war auf jeden Fall eine gute Vorbereitung. Ich hatte in den Läden die Zutatenlisten der Produkte durchgelesen, die ich kaufen wollte, und mir Alternativen gesucht, falls es Lust auf Knabbereien geben sollte, oder falls andere vor meinen Augen Knallereien genießen würden. Nüsse, Karotten, Obst beispielsweise. 

Die Strategie, die für dich passt

Ich weiß noch, dass ich gegen Ende der ersten Woche für einen klitzekleinen Moment Lust auf Lebkuchen verspürt hatte. Ich hatte zusätzlich eine kluge Taktik: Treffe dich mit Freunden, die dich verstehen. Und nicht mit denjenigen, die sagen: „Ach echt? Verzichtest du jetzt wirklich auf Zucker? Gönnst du dir überhaupt noch etwas?“, und sich währenddessen genüsslich einen Donut reinschieben. Aktuell ist das Thema „andere treffen“ ja ohnehin etwas schwierig. Daher ist gerade jetzt vielleicht tatsächlich der ideale Anfang deines Lebens ohne Zucker. 

Ziemlich schnell hatte ich das Gefühl, dass Äpfel unfassbar süß schmeckten. Diese Erfahrung machen alle, die auf Zucker verzichten: Die Geschmacksnerven werden wieder umgepolt. Wahnsinn, wie schnell wir uns an etwas gewöhnen und uns aber auch wieder entwöhnen können. Nicht ganz einfach wurde es allerdings, als die Weihnachtsmärkte pünktlich Ende November des Jahres 2017 eröffneten. Nun konnte man nicht mehr durch die Stadt gehen, ohne dass einen der Duft von gebrannten Mandeln und Lebkuchen umgab. Und dann ging ich an all diesen Menschen vorbei, die mit strahlenden Gesichtern Crêpes und frische Waffeln auf Papptellern vor sich her trugen. Und was soll man auf dem Weihnachtsmarkt bitteschön trinken, wenn man sich gerade zuckerfrei ernähren möchte? Glühwein ist tabu (Die Kombination Zucker und Alkohol lässt den Zucker besonders schnell ins Blut schießen), Kinderpunsch geht auch nicht. Kakao ging auch nicht. Ich suchte nach einem Pfefferminztee. Heute bin ich schlauer und weiß: Im Grunde genommen, kann ich es auch komplett lassen, auf einem Weihnachtsmarkt herumzuturnen 😉

Zucker macht tatsächlich süchtig

Während dieser Zeit sprach ich auch mit einer Zuckerentzugs-Expertin. Marion Selzer hat den Blog inspiriert-sein.de gegründet. Sie ist Ernährungs- und psychologische Beraterin. Die diplomierte Juristin hat einen Zuckerentzug hinter sich, gegen den meine sieben Wochen Kinderkram sind. Ganze acht Monate verzichtete sie auf Zucker, sie mied sogar stärkehaltige Produkte. „Weil ich tatsächlich zuckersüchtig war. Ich musste einen richtigen Entzug machen.“ Wer süchtig nach Zucker sei – und diese Sucht gibt es wirklich, denn Zucker füttert die Darmbakterien an, das bestätigte mir auch Dr. Bäuerlein – habe verschiedene Trigger. Das könne beispielsweise Schokolade sein oder aber auch schon Pasta und Brot, also stark weizenhaltige Produkte, so wie in Marion Selzers Fall. „Deswegen musste ich so konsequent sein.Heute bin ich nicht mehr so streng mit mir selbst, weil ich nicht mehr süchtig bin.“ Aber was hatte sich nach acht Monaten noch geändert? „Meine Haut war reiner, ich hatte keine Regelschmerzen mehr und das wichtigste: keine Stimmungsschwankungen.“ Was Selzer für einen Charakterzug gehalten hatte, waren in Wirklichkeit die Auswirkungen ihres Zuckerkonsums.

Gift für die Zellen

Und sonst? Was ist jetzt eigentlich so schlimm am Zucker? „Für unsere Zellen ist er natürlich Gift“, sagt Selzer. Wenn zu viel Zucker gegessen wird, zu häufig Insulin ausgeschüttet wird und Entzündungsbotenstoffe in den Körper abgegeben werden, ist das nicht gut für unsere Gefäße. Für einen gesunden Menschen sei Zucker in Maßen aber in Ordnung, sagt sie. Es komme eben auf die Menge an. ErnährungsexpertinBäuerlein schlägt vor: „Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 50 Gramm am Tag, ich würde sagen, belassen wir es bei 40.“ Das sind, führt man es sich vor Augen, immer noch ziemlich viele Stücke Würfelzucker. Ein Würfel wiegt zirka drei Gramm, heißt es …

Ich bin bereit. Bist du es auch?

Warum ich das alles hier jetzt noch mal aufwärme? Ich habe echt Lust drauf. In den letzten Jahren war ich nicht streng mit mir. Das hatte sich nach einer weiteren Schwangerschaft und der Stillzeit einfach wieder so eingestellt. Und das ist auch völlig okay. Jetzt habe ich gerade das Gefühl, dass Zucker mir nicht mal fehlen würde. Und all die positiven Nebeneffekte – auf die habe ich richtig Bock! Na ja, jetzt könnte man meinen, der Lockdown wäre schon anstrengend genug, da müsse man sich nicht unbedingt mit Zuckerentzug quälen … Ich finde es gerade ganz passend. Ich mache jetzt gerne was für meine Gesundheit. Vieles ist für mich im Lockdown organisatorisch sehr schwierig, auf Zucker zu verzichten ist da eher ein Klacks. Und deswegen mach ich das jetzt wieder. Machst du mit? Die kommenden zwei Wochen bleibe ich mal im Offline-Modus. Deswegen sage ich jetzt: Hab schöne Tage. Mach es dir gemütlich und umgebe dich mit Menschen, die dir gut tun. Genieße die Ruhe und die Gemütlichkeit. Nimm dir Zeit, für die Dinge, die oft liegenbleiben. Und dann lesen wir uns im neuen Jahr wieder. Gleich am 2. Januar, wenn du Lust hast.

Unser neues Buch

Hier kommt jetzt Werbung in eigener Sache. Und: für eine gute Sache.

Endlich dürfen wir es bekannt geben: Unser neues Buch erscheint am 20. April. Das ist zu spät für Weihnachtsgeschenke aber wir erzählen es trotzdem schon mal. Es heißt „Yoga für ein starkes Herz. Mit den richtigen Übungen, Meditationen und Atemtechniken die Herzgesundheit fördern“ und es ist anders als die beiden ersten Bücher, die ich bereits geschrieben habe. Ich hatte dabei jemanden an meiner Seite. Vielleicht hat alleine das schon dazu geführt, dass sich die Arbeit an diesem Buch besonders (schön) angefühlt hat. Wir haben dieses Projekt von Anfang an etwas scherzhaft „Herzensprojekt“ genannt. Und im Nachhinein festgestellt, dass es das wohl auch war. Und ist. Meine Co-Autorin heißt Katharina Bauer. Sie ist eine deutsche Stabhochspringerin. 

Katharina ist auch die erste Sportlerin auf der Welt, die mit einem implantierten Defibrillator an Welt- und Europameisterschaften teilgenommen hat. Seit ihrem siebten Lebensjahr weiß sie von ihrer Herzkrankheit; seit dem 17.April 2018 lebt sie mit einem implantierten Defibrillator unter dem linken Latissimus-Muskel – den sie im Übrigen nicht unwesentlich für ihren Hauptberuf braucht (also den Muskel, nicht den Defibrillator!). Katharina Bauer ist es gelungen, ihren Traum trotz ihrer Krankheit weiterzuleben. Sie lebt mit ihrer „Lebensversicherung“ im Körper, wie sie ihren Defi selbst nennt, sogar entspannter als je zuvor. Yoga, Meditation, Coaching, ein unstillbarer Drang nach Selbstoptimierung und Vertrauen in Selbstheilungskräfte haben sie dahin gebracht, wo sie jetzt steht. Ihre Ärzte staunen: Die Extrasystolen ihres Herzens haben sich wie auf wundersame Weise reguliert. Warum Yoga ihr dabei geholfen hat, wie es helfen kann, was Kardiologen sagen und warum es sich lohnt auf den Motor unseres Lebens besonders acht zu geben, darüber schreiben wir in diesem Buch. Wir beschreiben Asanas und Yogasequenzen, geben Tipps für Atemübungen und Meditationen. Dabei haben wir immer auch wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigt, Ärzte interviewt, andere Yogalehrer mit ins Boot geholt und Ratschläge von Experten ein- und angenommen. 

Eigentlich wollte Katharina sich in diesem Frühling auf die Olympischen Spiele in Tokyo vorbereiten. Nun – es ist alles etwas anders gekommen. Die Idee das Buch zu schreiben, hatten wir auch schon bevor Corona die Pläne der Leistungssportler für 2020 zunichte gemacht hatte. Doch dann wurde daraus für Katharina nicht nur ein Buchprojekt. Die Arbeit an dem Buch, noch mehr Zeit für Yoga und den eigenen Körper zu haben, bot eine bessere und sinnvolle Struktur in einem kuriosen und haltlosen Jahr 2020. Perspektivlosigkeit ist für Sportler ein enormer Motivationskiller. Das Projekt gab ihr Halt, und sie konnte trotz der Situation mit Spaß weiter trainieren.  Nun befindet sie sich mitten in der Vorbereitung auf hoffentlich stattfindende Wettkämpfe. Und auf ihren größten Traum: die Teilnahme an Olympischen Spielen – obwohl auch jetzt noch niemand voraussagen kann, ob diese überhaupt stattfinden können. Auch hier hilft Yoga Katharina dabei, einen kühlen Kopf zu bewahren und mit der Tatsache klarzukommen, dass nicht alles in unserer Hand liegen kann. 

Bis unser Buch erscheint, dauert es noch ein bisschen. Du kannst es aber schon vorbestellen. Ich freue mich sehr über das Ergebnis. Für mich war das eine sehr lehrreiche Zeit. Wenn ich mal an irgendetwas gezweifelt habe, hat Katharina mir in unseren abendlich- bis nächtlichen Gesprächen die Zweifel wieder ausgeräumt. Ich habe viel mehr über das Herz gelernt als ich das je in meinem (sehr lang zurückliegenden) Sportstudium hätte lernen können. Ich habe erschrocken festgestellt, wie viele (junge) Menschen an Bluthochdruck leiden. Ich habe wieder mein Vertrauen in Ärzte gefunden und mich deshalb für einen Gesundheitscheck angemeldet 🙂 Ich habe einen Menschen noch mehr ins Herz geschlossen, als vor unserer gemeinsamen Arbeit. Und ich habe noch mehr den Wert von simplem Yoga erfahren. 

Wenn Du mehr über Katharina, eine unheimlich motivierende Persönlichkeit, wissen möchtest, dann höre doch mal in diesen Podcast rein. Einen kurzen Blick auf unser Buch kannst Du hier schon mal werfen.

Golden Milk – was sie so kann

Ich hab mich noch nicht dazu entschieden, die Heizung einzuschalten. Warum, ist eine gute Frage. Es liegt jedenfalls nicht daran, dass ich denke, wir müssten an den Heizkosten sparen. Es ist vielmehr jedes Jahr so, dass ich – egal wie kalt es Anfang Oktober ist – das Gefühl habe, der Moment, in dem ich mich  dafür entscheide, die Heizung einzuschalten, markiert das Ende des Sommers und den Anfang des Winters. Ich habe ihn noch nicht so richtig losgelassen, den Sommer.  Ist also ein reiner Psychotrick. Die Heizung wird am Wochenende eingeschaltet. Punkt. Basta. Aus! Nein, ich meinte doch ein. In den letzten Tagen durchkroch mich morgens hier manchmal ein Frösteln. Und das ist der Moment, an dem ich  an Golden Milk denke. Heute hab ich mir gleich mal eine gemacht. Das Getränk aus Kurkuma und warmer Milch stammt aus der ayurvedischen Küche und ist seit einigen Jahren in aller Munde. Irgendwie kam es mir in den letzten Jahren so vor, als hätte gelb grün abgelöst und diejenigen, die bislang Matcha Latte tranken, würden nun lieber Golden Milk bestellen. Sie soll ja, genau wie der Matcha auch, so sagenhafte Superkräfte haben. Aber wie gesund ist sie denn nun wirklich? Eines ist mal klar: Golden Milk wärmt. Und deswegen ist es auch gar nicht so doof, sie zu trinken, wenn man, so wie ich, noch keine Lust hat, die Heizung einzuschalten.  Auf Matcha Latte habe ich übrigens aufgrund des hohen Koffeingehalts in den letzten Jahren verzichtet, da ich meine Kinder lange stillte. Als ich dann mal eine Golden Milk probierte, war ich ganz begeistert. Und dachte zunächst, sie könne den Kaffee ablösen. War aber dann doch für mich nicht die beste Idee …

Aber von vorne. Golden Milk oder Golden Latte ist warme Milch mit Kurkuma. Vom Kurkuma, einem Ingwergewächs aus Südostasien, hat die Milch dann auch ihre gelbe Farbe. Das Rezept basiert auf einer jahrhundertealten Tradition und kommt aus der ayurvedischen Küche. Ursprünglich reibt man ein Stück Kurkuma fein, verrührt es mit Wasser und gießt dann heiße Milch auf – das darf sowohl Kuhmilch sein als auch Pflanzenvarianten wie Soja-, Hafer- oder Nussmilch. Honig, Kokosöl und Gewürze wie Zimt, Pfeffer und Muskat oder Kümmel runden das Getränk geschmacklich ab. Heute nimmt man statt frischem Kurkuma das Gewürzpulver.  

Curcumin stärkt die Gesundheit

In der traditionellen Medizin Indonesiens und Indiens verwendet man Kurkuma seit vielen Jahrtausenden als Mittel gegen verschiedene Krankheiten und zur Stärkung des Immunsystems. Das liegt an Inhaltsstoffen wie Curcumin. Curcumin ist ein sekundärer Pflanzenstoff. Auch die moderne Wissenschaft ist auf den Pflanzenstoff aufmerksam geworden. Die biologischen, molekularen Wirkungen werden zurzeit intensiv erforscht. In der traditionellen ayurvedischen Medizin wurde Curcumin vor allem zur Therapie bei entzündlichen Krankheiten und auch zur Stärkung der Gesundheit eingesetzt.

In den 80er-Jahren wurden Untersuchungen durchgeführt, die zeigten, dass die regelmäßige Einnahme von Curcumin zu einer Besserung der Beschwerden bei rheumatischer Arthritis führt. Ein Problem ist hierbei allerdings, dass die Bioverfügbarkeit von Curcumin sehr gering ist. Das heißt, Curcumin ist fettlöslich und in unserem Darm nur schlecht zu absorbieren. Daher sagt man, dass Curcumin zu 90 Prozent wieder ausgeschieden wird. Im Golden Latte behilft man sich daher mit kleinen Tricks: Pfeffer soll die Bioverfügbarkeit des Pflanzenstoffes erhöhen und wegen der Fettlöslichkeit wird Kokosöl in das Getränk gerührt. Die beiden Zusatzstoffe machen das Getränk durchaus schmackhaft und daher ist dagegen nicht viel zu sagen. Doch Experten bezweifeln, dass der Golden Latte therapeutischen Nutzen hat. Dafür ist die Menge des mit der warmen Milch aufgenommenen Curcumins wohl zu klein. 

Vorsicht, Nebenwirkungen

Dennoch müsse man aufpassen: Nicht jeder vertrage das Gewürz, sagte mir Sabine Ritter, eine Apothekerin und Heilpraktikerin aus München und Autorin des Ratgebers „Nebenwirkungen natürlich behandeln“. „Einerseits ist Kurkuma ein Gewürz, das in Ländern wie Indien oder Sri Lanka sehr häufig in der Küche verwendet wird. Auf der anderen Seite ist es aber eine Arzneipflanze. Das bedeutet, dass es auch immer Nebenwirkungen geben kann. In der chinesischen Medizin sagt man, dass Kurkuma eine warme Pflanze ist. Wem Hitze oder Trockenheit  nicht gut tun, sollte es daher nicht unbedingt einsetzen.“ Beispiele für Nebenwirkungen seien Magenbeschwerden, Blähungen und ein trockener Mund. Es sei völlig in Ordnung, Kurkuma ab und zu in der Küche zu verwenden, sagt Ritter, doch wer sich die Golden Latte jeden Tag selbst anrühre, müsse das erst einmal ausprobieren und vorsichtig sein. „Die trocknenden Effekte können durch Zugaben wie Mandelmus oder Agavendicksaft abgemildert werden, die Zugabe von Pfeffer und Ingwer verstärken sie hingegen wieder“, erklärte sie.

Der Herbst ist da. Deswegen wird es hier auf dem Blog jetzt warm. Foto: Anna Drews

Aufpassen müssten auf jeden Fall Menschen, die Blutverdünner nehmen. „Und wie bei so vielem haben wir auch für Schwangerschaft und Stillzeit keine fundierten Erkenntnisse“, sagte die Apothekerin. Sie musste sogleich schmunzeln, als ich ihr erzählte, dass ich noch stillte und dass ich mir manchmal nicht ganz sicher sei, wie meine Tochter auf die Golden Milk reagiere. Babies seien aus Sicht der chinesischen Medizin eher „warm“. Da Kurkuma eine wärmende Pflanze sei, könne es sehr gut sein, dass meine Tochter darauf reagiere. Ich habe daher während der Stillzeit die Golden Latte wieder weggelassen. Auf einen Kaffee am Morgen reagierte meine Tochter auf jeden Fall weniger.  „Wie bei jeder Arzneipflanze können eben Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auftreten. Und diese können sowohl positiv als auch negativ sein“, erklärte Ritter.

Wer das Gefühl hat, Kurkuma zu vertragen und Lust auf eine Alternative zu Kaffee oder Tee hat, darf ruhig mal Golden Milk ausprobieren. Wer Fertigpulver kauft, sollte  unbedingt auf die Inhaltsstoffe achten. Meist werden hier Zucker oder künstliche Aromen verwendet. Wie beim grünen Macha Latte auch, sollten keine Wunderdinge von der Golden Milk erwartet werden. Sie schmeckt durchaus und wärmt unumstritten. 

Rezept:

etwas Kokosöl in einem Top erhitzen, 1/2 TL Kurkumapulver, 1/4 TL Zimt, 1/4 TL Ingwerpulver  oder 1 cm frischen Ingwer dazugeben. Bei Bedarf kannst du mit den Gewürzen experimentieren und 1/4 TL Kardamom oder Muskat dazugeben. 250 ml Pflanzenmilch zu den Gewürzen gießen. Wenn Du möchtest, kannst du noch zwei Medjool-Datteln schneiden und dazugeben und das Ganze dann fünf Minuten köcheln lassen. Wenn ich keine Datteln habe, süße ich mit 1 TL Ahornsirup oder Honig. Etwas Pfeffer, fertig.

Erfolgskonzept Savasana

Wenn Du so willst, enthält dieser Text unbezahlte Werbung für das Unternehmen yoga2b. Vor allem aber enthält er Werbung für Yoga.

Vor einigen Jahren habe ich in Hamburg mit den Mitarbeitern großer, renommierter Unternehmen in deren Mittagspause gesportelt. Meistens haben wir Yoga geübt. Dass es Großes bewirken kann, ist mir klar. Das sah ich alleine schon an den Gesichtern meiner Schüler, die mir von nachlassenden Rückenschmerzen berichteten, gesteigerter Konzentration nach der Bewegung und dem sinken Blutdruck, von dem mir sogar einer meiner Teilnehmer erzählt hatte.

Um Yoga machen zu können, haben wir gemeinsam in Seminarräumen Tische gerückt, uns auf Dachterrassen gequetscht oder auf Wiesen Matten ausgerollt. Es war eine tolle Zeit und ich hoffe, und wünsche mir, dass Yoga als aktive Pause in Unternehmen ernster genommen wird. Yoga als Erfolgskonzept in Unternehmen funktioniert, weil es ein Weg ist, motivierte Mitarbeiter zu bekommen und auch zu halten. Weil es dabei hilft, aus einem Potpourri von Einzelkämpfern und Individualisten ein Team zu bilden. Häh? Wie soll das gehen? Eine, die das nahezu perfekt vermitteln kann, ist Vanessa Hansch, früher Maempel. Im Dschungel der Yogalehrerinnen hatte sie früh eine gute Idee: Sie ist spezialisiert darauf, in Unternehmen Yoga-Philosophie zu unterrichten und gründete das Unternehmen yoga2b.

Yogalehrerin Vanessa Hansch integriert Yoga in die Businesswelt und behauptet dadurch Mitarbeiter fokussierter, belastbarer und motivierter werden zu lassen. Die Mitarbeiter eines Unternehmens sollen sich also gemeinsam verbiegen, um motivierter bei der Arbeit zu erscheinen? Klingt fast absurd. Es fängt an, Sinn zu machen, wenn man etwas tiefer in die Yogaphilosophie eintaucht. Echt? Nun mal nicht durchdrehen, oder? Vanessa Hansch schmunzelt, denn sie kann nachvollziehen, dass es sich zunächst verwirrend anhören muss, dass das gemeinsame Einnehmen von Yogahaltungen zum Erfolg im Business verhelfen soll. 

„Krieger 2“ zum Erfolg

Hansch, selbst einst klassisches Konzernkind und geförderte Nachwuchsführungskraft, ist überzeugt davon, dass Unternehmer, die yogische Werte leben, erfolgreicher sind. Was macht sie nun in ihren Workshops für Unternehmen? „Ich schaffe den Transfer von yogischen Verhaltensweisen zu alltäglichen Arbeitssituationen.“ Beispielsweise lässt sie als Teambildungsmaßnahme  die Teilnehmenden Balance-Übungen im Team machen. „Natürlich spüren alle schnell, dass alles einfacher wird, wenn man sich gegenseitig unterstützt.“ 

Theoretische Ansätze mit einer körperlichen Übung zu verbinden, führe häufig zu einem Aha-Effekt. Körperliche Übungen untermauern das, was man gerade gehört hat. Natürlich bringe auch Yoga keine neuen Erkenntnisse aber durch die körperliche Erfahrung werde vieles klarer. So wird beispielsweise versucht, zwischen den Teilnehmenden eine besondere Verbindung aufzubauen. „Eine klassische Übung: Zweierteams gemeinsam spazieren gehen lassen, ohne dass sie miteinander sprechen dürfen.“ Oder: lernen, Menschen zuzuhören, sie aussprechen zu lassen. „Für manche Menschen ist das total schwierig, andere finden es wiederum schwer längere Zeit zu sprechen ohne dass ihr Gegenüber etwas dazu sagt.“ Bei solchen Übungen geht es auch darum, mehr Mitgefühl füreinander aufzubringen. „Yoga stärkt unumstritten das Gemeinschaftsgefühl. Im Vergleich zu einem Firmenlauf, der das vielleicht auch schafft, hat Yoga aber keinen Wettkampfcharakter und das ist auch gut so. Es soll ja gerade nicht um Wettkampf gehen innerhalb des Teams. Als Einzelner krisenfest zu sein, sei nicht für alles die Lösung. 

Yoga heißt Verbindung

Erfolgreiche Menschen haben ein großes Ego. Das ist in Ordnung, aber es ist auch wichtig, dass alle wissen, dass sie miteinander etwas bewegen können – meist mehr, als alleine. Hansch behauptet: „Es gibt keinen Menschen, der nicht gemocht werden möchte. Und deswegen will auch kein Chef von seinen Mitarbeitern als Arsch gesehen werden.“ Mitgefühl sei einer der wichtigsten Bausteine für ein funktionierendes Team. „Wenn ich beginne, zu verstehen, warum mein Kollege oder mein Chef oder mein Mitarbeiter sich so verhalten hat, wie er sich verhalten hat, dann ärgere ich mich auch weniger darüber“, sagt Hansch. Dass Yoga dabei hilft, zeigt alleine schon der Name. Yoga heißt schließlich Verbindung. Und dabei geht es nicht immer nur um die Verbindung mit sich selbst, sondern auch um die Verbindung mit der Umwelt. 

Die innere Kündigung

Ein großes Problem für jegliche Unternehmen sei die „innere Kündigung“. So nennt Hansch das, wenn ein Mitarbeiter sich schon entschieden hat, lieber etwas anderes tun zu wollen, der letzte Schritt zur tatsächlichen Kündigung aber noch fehlt. Das sind die Mitarbeiter, deren Motivation bis in den Keller gesunken ist und die für ein Unternehmen schlichtweg keine großen Leistungen mehr bringen können. Daher sagt Hansch auch, fürchteten die Chefs die innere Kündigung. Vanessa Hansch behauptet, dass es möglich ist, Mitarbeiter dazu zu bringen, das Unternehmen als das eigene zu betrachten. Und das führe automatisch zum Erfolg. 

Dass Yoga zu Stressresistenz und mehr Gelassenheit verhilft, ist kein Geheimnis. Der Erfolg von Yoga ist dabei die Kombination aus körperlichen Übungen und Meditation. Yoga verhilft zu mehr Loyalität, verbesserter Produktivität und gestärkten Teamgeist. Weil diejenigen, die sich mit der Yogaphilosophie nachhaltig beschäftigen, mehr Kraft und Stärke in sich selber finden und beispielsweise lernen, dass man sich auf Dinge, die man nicht verändern kann, einlassen kann. 

Foto: Romy Geßner

Om statt Omeprazol?

Es gibt ein Klischee. Es heißt: Yoga heilt alles. Das stimmt aber nicht. Und auch in Mysore gehen die Menschen zum Arzt, wenn sie krank sind. Aber Yoga kann schon ziemlich tolle Dinge …

Ich habe selbst dieses Gefühl erlebt, dass die Wissenschaft heute erklären kann: Nach einer richtig guten Yogastunde fühle ich mich so wahnsinnig leicht, lebendig, müde und gut zugleich. Viele, die Yoga schon mal ausprobiert haben und vor allem diejenigen, die dann auch irgendwie dabei geblieben sind, kennen das: Sie fühlen sich gut, wenn sie das Yogastudio verlassen, können aber nicht erklären warum. Da passiert etwas mit unserem vegetativen Nervensystem, das für viele von uns nur schwer zu fassen ist. Das ist der Zauber von Yoga. Neben den verschwindenden Rückenschmerzen natürlich und der verbesserten Beweglichkeit, der stärkeren Körpermitte und dem besser definierten Gluteus Maximus.

Sicher kennst du diese Illustration von Janosch: „Herr Janosch, Herr Janosch: Wie heilt man sich selbst?“, steht da über dem Mann in der tigergestreiften Latzhose, der auf dem Kopf steht. „Kopfstand. Das ist Yoga, alles wird umgekehrt, und oben wird unten, und kaputt wird voll gut“, ist Janoschs Antwort. Es ist eine typische Janosch-Illustration, nur er kann das wahrscheinlich so schön erklären. Es klingt vielleicht absurd, aber da ist viel Wahres dran. Die Welt auf dein Kopf stellen, kann Wunder bewirken. Es erklärt aber nicht alles.

Yoga und die Forschung

Der Essener Psychologe Holger Cramer bezeichnet Yoga als starke, konzentrierte Hinwendung zum Körper. Das trifft es ziemlich genau und bedeutet, dass man einfach besser darauf achtet, was im Körper geschieht. Dass der Mensch mit Yoga verschiedene Dinge in seinem Körper beeinflussen kann, ist vielen Wissenschaftlern nicht entgangen und daher gibt es mittlerweile unzählige Studien, die sich mit den Auswirkungen von Yoga auf unseren Körper beschäftigen. Dass unsere westliche Schulmedizin selbst begann daran zu glauben, vielleicht manchmal etwas von fernöstlichen Methoden lernen zu können, fing an interessant zu werden, als die Beatles Maharishi, den aus Indien stammende Begründer der Transzendentalen Meditation, engagierten. Heute gibt es zum Glück viele Studien über die positiven Eigenschaften von Yoga. Nachzulesen sind sie beispielsweise im Internet auf Pubmed.com, einer Meta-Datenbank mit medizinischen Artikeln. Yogakurse werden heute sogar von Krankenkassen bezuschusst – zum Glück. Dass Yoga auch in der Medizin ernster genommen wird, ist unter anderem auch ein Verdienst von Dr. Holger Cramer. Auch er beschäftigt sich mit wissenschaftlichen Studien zum Thema Yoga. Für ihn hat sich bestätigt, dass Yoga die wirksamste Methode gegen Rücken- und Nackenschmerzen ist. Dabei ist er vor allem für die Anwendung von Iyengar Yoga. Die bislang durchgeführten Studien deuten daraufhin, dass Yoga nicht nur vorbeugend, sondern auch schmerzlindernd und heilend auf Nacken- und Rückenprobleme wirken kann. Das liegt daran, dass Yoga die Muskulatur gerade in diesen Bereichen aufbaut, was wiederum dafür sorgt, dass wir eine bessere Haltung einnehmen können. In einem seiner Experimente stellte sich heraus, dass bereits neun Wochen regelmäßiger Yogaunterricht chronische Nackenschmerzen lindern kann. Während der Studie konnten die Teilnehmer, die zusammen mit einem zertifizierten Yogalehrer und Physiotherapeuten einmal in der Woche Iyengar-Yoga-Stunden absolvierten, signifikante Verbesserungen und auch eine bessere Mobilität feststellen. Sie erzielten bessere Resultate als die Gruppe, die ausschließlich ein Programm absolvierte, das sich auf Rückenübungen zu Hause beschränkte. Auch die Yogagruppe übte zusätzlich täglich zehn Minuten zu Hause und beide Gruppen konnten nach neun Wochen über geringere Nackenschmerzen berichten, aber die Yoga-Gruppe war deutlich erfolgreicher. Ihre Teilnehmer fühlten sich mobiler und sprachen durchgehend von einer allgemein verbesserten Lebensqualität. Yoga erlebten sie als aktive Selbsthilfe-Strategie, mit der sie in belastenden Situationen Schmerz lindern oder sogar vorbeugen konnten, sowie als Stressmanagement-Strategie. Einige Patienten konnten dadurch sogar den Gebrauch von Schmerzmitteln reduzieren. Durch ihr neues Körperbewusstsein begannen die Patienten im Alltag bewusst auf ihre Körperhaltung zu achten und Fehlhaltungen zu verändern, wodurch sie den Schmerzen weiter entgegenwirkten. Sie  erkannten ihre Grenzen besser und waren eher bereit, diese zu respektieren.

Nackenschmerzen? Mehr bewegen!

Nackenschmerzen sind in unserer Gesellschaft etwas Normales geworden. Wir sitzen zu viel, vorwiegend am Computer, schlafen in unbequemen Positionen und haben grundsätzlich die Angewohnheit unsere Körperhaltung ziemlich zu vernachlässigen. Wer von uns achtet schon darauf, dass unsere Schultern nicht hängen, wenn wir herumlaufen, dass unser Rücken nicht krumm ist, wenn wir sitzen oder unser Becken in der richtigen Position ist, wenn wir stehen? Deswegen ist es so wichtig, sich damit auseinanderzusetzen und etwas dagegen zu unternehmen. „Bei Rücken- und Nackenschmerzen hilft es grundsätzlich, sich zu bewegen“, sagt Cramer. Das wisse man heute. „Prinzipiell ist es egal wie man sich bewegt aber beim Yoga kommt beispielsweise noch der soziale Aspekt hinzu, ohne dass ich, wie bei anderen Sportarten, mit meinen Mitstreitern in Konkurrenz treten muss.“ Zusätzlich habe Yoga einen starken Entspannungseffekt und gerade das sei ein wichtiger Punkt, wenn es um Rücken- oder Nackenschmerzen gehe. „Patienten mit Rücken- und Nackenschmerzen müssen oft noch mal lernen, wie sie sich entspannen können. Weil die Schmerzen eine permanente Spannung erzeugen.“ Yoga kombiniert Bewegung und Entspannung und macht es deswegen so wertvoll. „Gerade bei Nackenschmerzen gehen oft Haltungsprobleme mit einher. Dadurch werden die Nackenschmerzen natürlich noch schlimmer. Die Patienten unserer Studie, die Yoga machten, konnten im Alltag plötzlich auch besser auf ihre Körperhaltung achten. Sie spürten beispielsweise, wenn ihre Schultern zusammenfielen und achteten dadurch mehr darauf, wieder eine gute Haltung einzunehmen.“ Natürlich hilft alleine schon die richtige Haltung bei Nacken- und Rückenschmerzen ein wenig weiter. 

Das Karolinska Institutet in Stockholm hat in einer weiteren Studie festgestellt, dass Yoga zu den kostensparendsten Methoden zählt, Rückenschmerzen im unteren Bereich der Wirbelsäule zu behandeln. Und eben das freut unsere Krankenkassen. Emmanuel Aboagye, Malin Lohela Karlsson, Jan Hagberg und Irene Jensen fanden nicht nur heraus, dass eine regelmäßige Yogapraxis zu signifikanten Verbesserungen von Rückenschmerzen führt, sondern auch, dass es im Vergleich zu einer reinen Übungstherapie viel kostengünstiger ist. Und das macht die Krankenkassen froh.

Yoga verbessert die Knochendichte

Mittlerweile gäbe es auch einige vielversprechenden Studien zum Thema Osteoporose, berichtet Cramer. „Einige dieser Studien zeigen, dass Yoga die Knochendichte verbessern kann.“ Wenn es darum geht, Osteoporose vorzubeugen, ist Bewegung, also sportliche Betätigung, ohnehin gut. Für Menschen, die bereits an Osteoporose leiden, mag das nicht wie die richtige Lösung klingen. Hier können Bewegungstherapien die motorischen Fähigkeiten und die Balance merklich verbessern. Und das bedeutet, unter anderem eben auch Yoga. Cramer hat auch herausgefunden, dass Yoga eine vielversprechende Methode ist, körperliche und psychische Akut- und Spätfolgen von Brustkrebserkrankungen zu lindern. „Wie man weiß, kann starke Erschöpfung als Nebenwirkung der Brustkrebserkrankung aber auch der Chemotherapie auftreten. Und hier kann Yoga helfen. Aber was wir kürzlich in einer Studie herausgefunden haben, ist, dass Yoga bei menopausalen Beschwerden hilft. Brustkrebspatientinnen müssen häufig mit Hormonen versorgt werden, die frühzeitig Wechseljahrbeschwerden auslösen können. Diesen kann Yoga entgegenwirken. Es ist aber wichtig zu erkennen, dass Yoga nie in Konkurrenz mit einer Chemotherapie tritt. Yoga lindert Begleiterscheinungen von Krebs oder Therapie, ist aber nicht ein Heilmittel. Yoga erhöht lediglich die Lebensqualität von Brustkrebspatienten.“ Yoga ist also als unterstützende Therapie zu sehen. Die Studie zeigte aber auch, dass Yoga auch bei gesunden Frauen mit Wechseljahrbeschwerden durchaus als Hormontherapie helfen kann. 

Die Sache mit dem GABA

Was Yoga kann, ist psychische Symptome wie Angst und Stress reduzieren. Das funktioniert unter anderem, weil Yoga, in richtigem Masse angewendet, den Spiegel von Cortisol, einem Stresshormon, im Blut reduziert. Die Boston University School of Medicine kam bei ihrer Studie zu Yoga und Gamma-Aminobuttersäure-Konzentration im Gehirn (ein Botenstoff, der als hemmender Neurotransmitter tätig ist, Neuronen beruhigt und Angst lindert) zu dem Ergebnis, dass Yoga den Spiegel von Gamma-Aminobuttersäure (kurz GABA) anheben könne.  GABA sorgt für die Verringerung von Angst und Stress. Es beruhigt unsere Gedanken. Bei regelmäßigen Yogatreibenden stieg der Spiegel des Stoffs durchschnittlich um 27 Prozent an. Es wird vermutet, dass ein niedriger GABA-Spiegel mit Depressionserkrankungen zusammenhängt. Depressive und an Angst Erkrankte haben meist weniger GABA als gesunde Menschen. Der Anstieg des GABA-Spiegels erklärt auch das Glücksgefühl nach einer Yogastunde, was viele Yogis kennen. Yoga-Übungen, die der Körperaufrichtung dienen, können Depressiven ebenfalls helfen. Diese Asanas, so nennt man die Körperstellungen im Yoga, sind stimmungshebend – was wahrscheinlich wiederum mit GABA in Zusammenhang zu bringen ist.

Und dann gibt es noch eine Reihe von „Nebenwirkungen“, die uns im Alltag helfen können: Yoga erhöht beispielsweise die Reaktionsfähigkeit und verhilft zu einem besseren Körperbewusstsein. Die Journalistin Hania Luczak hat bereits im Jahr 2013 eine 23-seitige Reportage im Geo-Magazin darüber geschrieben „was Yoga kann“. Einige der oben genannten Studien sind auch dort nachzulesen. Luczak ist nicht nur eine mehrfach preisgekrönte Journalistin, sie ist auch Biochemikerin und normalerweise niemand, der leicht durch Heilsversprechen zu beeindrucken ist. Sie mache einen großen Bogen um „räucherstäbchenselige Sinnfindungsinstitute“ schreibt sie in dem Artikel. Und vielleicht haben deswegen seit diesem Bericht viele, die für Yogatreibende bisher nur mitleidige Blicke übrig hatten, plötzlich aufgehorcht. Denn da war doch tatsächlich in der Geo, einem Magazin, das sich mit neuen wissenschaftlichen Trends beschäftigt und für seine ausführlichen und gut recherchierten Reportagen bekannt ist, zu lesen, dass hinter Yoga mehr steckt als Räucherstäbchenseligkeit. 

Stress macht krank – Yoga hilft

Es ist kein Geheimnis, dass Stress krank machen kann. Bei bis zu 80 Prozent aller Krankheiten sollen Stress und ein damit verbundener ungesunder Lebensstil ursächlich oder beteiligt sein, schrieb Lanczek in ihrem Artikel. Durch Meditation, Atemtechnik und Körperübungen lasse sich Stress zähmen. Yoga könne bei Migräne helfen und Bluthochdruck senken, erzählte der Wissenschaftler Andreas Michalsen, Chefarzt der Abteilung Naturheilkunde im Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor der Charité-Universitätsmedizin Berlin der Journalistin. Was Yoga Sport noch voraus hat, ist die Kombination von Atemübungen, Meditation und Körperübungen. Alles gehört zusammen und durch die Koppelung von Atmung und Übungen erreicht man viel. Durch eine effektivere Atmung kann man den Puls senken – das lässt sich einfach ausprobieren und dazu muss man kein Yogapraktizierender Mönch sein. 

Michalsen hat unter anderem Untersuchungen gemacht, bei denen er feststellen konnte, dass sich der Stresslevel von Menschen mit Herzerkrankungen und Bluthochdruck nach nur drei Monaten Yogatraining reduzierte. Auch Cramer forscht im Bereich Herzkreislauf-Erkrankungen. Hier gäbe es noch vieles zu erfahren, allerdings könne durch die richtige Yogatherapie der Blutdruck tatsächlich gesenkt werden. Doch sei wichtig: „Yoga ist kein Ersatz für Medikation. Die Studienlage zeigt, dass mit Yoga der Blutdruck zusätzlich gesenkt werden kann. Auch Blutzuckerentgleisungen können durch Yoga verbessert werden. Und bei manifesten Herzerkrankungen, also beispielsweise bei Patienten, die einen Herzschrittmacher haben, hilft Yoga durchaus dabei, die Lebensqualität zu verbessern. Es gibt Hinweise darauf, dass durch Yoga Vorhofflimmern verringert werden kann“, sagt Cramer. Die richtigen Yogaübungen in Kombination mit einer gesunden Ernährung konnten bei Herzerkrankten erhebliche Gesundheitsfortschritte bewirken. Das vegetative Nervensystem wird ausbalanciert, das Herz schlägt plötzlich ruhiger. Die Stresshormone regulieren sich nach unten. Durch die Regulierung der Atemfrequenz auf unter 15 Atemzüge pro Minute hilft Yoga auch bei Asthma-Kranken. 

Was Yoga nicht kann

Bereits in meiner ersten Yogalehrer- Ausbildung habe ich vieles gehört, was Yoga kann, aber auch was es nicht kann. Yoga kann Multiple Sklerose nicht heilen. Yoga heilt keine Psychosen. Yoga in Verbindung mit gesunder Ernährung kann Diabetes Typ 2 heilen aber nicht Diabetes Typ 1. Weil Diabetes Typ 1 leider grundsätzlich noch nicht heilbar ist. Yoga kann auch den Grünen Star nicht heilen. Es ist sogar so, dass Patienten mit Grünem Star unter gar keinen Umständen Umkehrhaltungen machen sollen, wie beispielsweise einen Handstand, da sich dann der Augeninnendruck erhöht. Das wiederum bedeutet aber nicht, dass jemand mit Grünem Star kein Yoga machen darf. Es muss aber darauf geachtet werden, dass die richtigen Modifikationen vorgenommen werden. Das gilt genauso für Bluthochdruckpatienten oder Herzkranke. „Beim Bluthochdruck haben wir keine richtigen Daten darüber dass Umkehrhaltungen diesen Patienten schaden, aber es ist naheliegend“, sagt Dr. Cramer. „Weil diese Menschen tendenziell ein hohes Schlaganfall-Risiko haben, soll der Blutstrom zum Gehirn nicht erhöht werden.“ Die Liste, an Krankheiten, die auch durch Yoga nicht positiv zu beeinflussen sind, ist natürlich wahnsinnig lang. Das sollte auch ziemlich klar sein.

Yoga kann vieles positiv unterstützen. Ein Allheilmittel ist es nicht. Yoga ist nicht die Lösung für alles und tatsächlich gehen auch die Menschen in Tibet und im indischen Yogamekka Mysore zum Arzt, wenn sie krank sind. „Der Buddha ist nicht im Alter von 29 Jahren aus seinem Königshaus ausgezogen, um eine Methode zu finden Hämorrhoiden zu kurieren“, zitiert Spiegel-Autor Ulrich Schnabel den Religionswissenschaftler und praktizierenden Buddhist Alan Wallace. Damit will er sagen, Meditation wurde nicht erfunden, um Krankheiten zu heilen. Sie kann andere Therapien ergänzen, nicht ersetzen. 

Tatsächlich könnten akut Kranke mit der plötzlichen Verschreibung von Yoga auch überfordert sein. Es ist also immer genau abzuwägen, wann Yoga weiterhelfen kann und wann nicht. Und trotzdem werde ich nicht müde, zu betonen, wie geil Yoga ist. Die Wissenschaft hat das auch mitbekommen und das Forschungsfeld hier ist weit. Ich lese gerade wieder viel darüber. Und es bleibt unheimlich spannend.

Teile dieses Textes sind 2016 in meinem Buch „Yoga ist ein Arschloch. Warum es uns trotzdem so guttut“ erschienen.

Meditation – so gelingt das

Auf dem Blog ohhhmhhh habe ich diesen Text gelesen:  „Nu hört doch mal auf“ hieß der. Und „wir zeigen der Morgenroutine den Mittelfinger“. Der Text kam gerade recht. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt eine noch nicht ganz einjährige Tochter und eine Dreijährige. Ich hatte aber auch den Eindruck, unbedingt meditieren zu müssen, um alles zu schaffen, was ich so schaffen will, um meine „Yogapraxis“ auf die richtige Ebene zu bringen und überhaupt wollte ich ja auch etwas Gutes damit für mich tun. Aber die Nächte waren immer noch anstrengend und tagsüber – mit mindestens einem Kleinkind zuhause – wollte mir das mit der Meditation nicht regelmässig gelingen. Dann kam der Mittelfinger-Text und die Autorin schrieb auf die Frage, was denn ihre Morgenroutine sei den schönen Satz: „“Ach, ich hab da was ganz Tolles entdeckt: Ich dreh mich einfach noch mal um!” Der Satz rettete mir den Tag. F*** you, Morgenroutine!

Meditation ist trotzdem unumstritten etwas Wunderbares. Nur: Liegenbleiben ist das ja auch manchmal. Wer wirklich Lust hat, zu meditieren, kann das einfach dann machen, wenn der Zeitpunkt richtig ist. Es muss nicht morgens um fünf sein. Wenn alle Kinder aus dem Haus sind beispielsweise. In der Mittagspause. Oder abends, wenn alle anderen im Bett sind.  Meditieren muss auch nicht stundenlang dauern. Zu Beginn reichen schon drei Minuten aus. Wie überraschend schnell sie vorübergehen, wenn wir erst einmal begonnen haben, die Stille zu genießen! Und auch wenn viele Gedanken durch den Kopf schiessen – egal. Meditieren bedeutet auch Üben. Gänzliches Ausschalten von Gedanken gelingt nicht mal Meditationsprofis. Ziel der Meditation ist es, gegenwärtig mit dem zu sein, was jetzt ist. Dadurch kommt man in einen Konzentrationszustand, der beruhigend ist.

Meditation = viele Missverständnisse

Ein immer wieder auftauchendes Missverständnis über Meditation ist übrigens, dass wir uns ruhig fühlen müssen, um überhaupt meditieren zu können. Stimmt aber gar nicht. Du hast gerade das Gefühl, innerlich durchdrehen zu müssen? Wird Dir alles zu viel? Läuft das Gedankenkarussel gerade im Karachcho? Super. Setz Dich hin, meditiere! Uns hinzusetzen und nichts zu tun ist zunächst etwas Neues für uns. Wir sind so sehr darauf konditioniert zu funktionieren, aktiv zu handeln und nur liegend/schlafend zu ruhen, dass Meditation erst erlernt werden muss. Wenn wir erst mal sitzen, spüren wir, dass Stille – statt permanenter Beschäftigung mit dem Smartphone beispielsweise – in der heutigen Zeit sehr angenehm ist. Wer sich wirklich für eine regelmäßige Meditationspraxis interessiert und daran wagen möchte, darf sich ruhig den Timer auf drei Minuten stellen. Und eine Frage. Beispielsweise: Was ist mir heute wichtig? Oder: Wie geht es mir heute eigentlich wirklich? In einem nächsten Schritt wagen wir uns dann an fünf Minuten. Die Wissenschaft beschäftigt sich momentan verstärkt mit dem Thema Meditation. Gerade gibt es in der GEO eine Sonderausgabe zu den Themen Yoga und Meditation – für all diejenigen, die immer noch nicht an die positiven Effekte glauben. Es ist irre spannend, was Forscher schon alles herausgefunden haben. Angeblich wurde schon herausgefunden, dass durch Meditation beispielsweise Hirnareale vergrößert werden können (1), dass das Üben Stress abbaut und Depressionssymptome lindern kann. Ja, sogar Blutzuckerspiegel, Körpergewicht und Blutdruck (2) ließen sich damit regulieren. Es ist kein Geheimnis, dass Stress krank machen kann. Bei bis zu 80 Prozent aller Krankheiten sollen Stress und ein damit verbundener ungesunder Lebensstil ursächlich oder beteiligt sein. Da muss man kein Forscher sein, um sich denken zu können, dass Stille und Nichtstun wohltuend sein können.

Wissenschaftler Andreas Michalsen, Chefarzt der Abteilung Naturheilkunde im Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor der Charité-Universitätsmedizin Berlin, weiß, warum Yoga Sport etwas voraushat: es ist die Kombination von Atemübungen, Meditation und Körperübungen (3). Alles gehört zusammen, und durch die Koppelung von Atmung und Übungen erreicht man viel. So lässt sich durch eine effektivere Atmung etwa der Puls senken. Die Boston University School of Medicine untersuchte den Zusammenhang zwischen Yoga und Gamma-Aminobuttersäure-Konzentration im Gehirn. Gamma-Aminobuttersäure (kurz GABA) ist ein Botenstoff, der Angst und Stress lindert, indem er unsere Gedanken beruhigt. Es wird vermutet, dass Depressionserkrankungen mit einem niedrigen GABA-Spiegel zusammenhängen, da Menschen, die an Depressionen oder Angsterkrankungen leiden, meist weniger GABA als gesunde Menschen haben. Die Studie kam nun zu dem Ergebnis, dass bei Menschen, die regelmäßig Yoga trieben, der GABA-Spiegel durchschnittlich um 27 Prozent anstieg. Zu Yoga gehört Meditation dazu, und auch bei der reinen Form von Meditation soll der GABA-Spiegel steigen.

Die meisten durchgeführten Studien deuten tatsächlich darauf hin, dass die Meditation vor allem dann wirksam ist, wenn man täglich übt. Und gerade das ist ja nicht so leicht, wo wir doch schon so vieles innerhalb von 24 Stunden unterbringen müssen: Gute Ernährung, viel Bewegung, Familie, Haushalt und einen Beruf haben beispielsweise. Aber es geht beim Meditieren auch darum, zu erkennen, dass es nicht viel bringt, Dinge, die wir nicht ändern können, ändern zu wollen. Ihnen stattdessen mit Gleichmut  zu begegnen, während man die Kraft für die wirklich wichtigen Dinge im Leben sparen soll.

So gelingt’s:

Beginne in einem aufrechten Sitz, der bequem ist. Das kann auf einem Stuhl sein, einem Meditationshocker oder einem festen Kissen. Es ist wichtig, den Rücken möglichst gerade zu halten, ohne dabei zu verkrampfen. Auf einem Stuhl kann der untere Rücken an eine Lehne gestützt sein. Alle störenden Dinge solltest Du zunächst beiseite legen. Hast Du Dir einen Timer gestellt, dann dann stelle Dein Smartphone im Flugmodus ein. Konzentriere Dich dann ganz auf Dich selbst. Die Wirbelsäule ist aufrecht, die Augen sind geschlossen. Nimm alles war, was Du hören kannst. Spüre Deinen Körper, nimm wahr, welche Gefühle und Gedanken Dich beschäftigen.

Ein Phänomen: Sitzen wir erst einmal und beginnen wir, uns auf uns selbst zu konzentrieren, wird es garantiert tausend Dinge geben, die uns stören: Es kitzelt in der Nase, es zwickt im Rücken, irgendwo juckt es garantiert. Das alles nicht bekämpfen, nicht krampfhaft wünschen, dass es endlich verschwindet. Stattdessen nimm es zur Kenntnis, lass es zu. Wenn Du beginnst, Deinen Fokus auf die Atmung zu richten, ist die Zeit schon fast vorbei. Beim Einatmen nimm bewusst wahr, wie Luft durch die Nasenlöcher einströmt und wie wärmere Luft mit der Ausatmung ausströmt. Spüre Deine Nasenflügel, die sich mit der Atmung bewegen und stell fest, wo Du die Atmung noch so bewusst wahrnehmen kannst: Im Brustkorb? Im Bauch? Spürst Du das Zwerchfell?

In dieser Zeit werden Gedanken auftauchen. Lass sie kommen und gehen. Fokussiere dich immer wieder auf die Atmung, nehmen wahr, wie du ruhiger wirst.

Acht Minuten für Erleuchtung

Wem das für einige Tage gelungen ist, der darf in einem weiteren Schritt den Timer auf acht Minuten setzen. Warum acht Minuten? Weil sie uns nicht weh tun. Acht Minuten früher ins Bett zu gehen oder acht Minuten früher aufzustehen verlangt keine Opfer von uns. Und acht Minuten der Stille werden unfassbar wohltuend sein. Wenn wir sie täglich als selbstverständlich betrachten, genau wie Zähne putzen oder unser Fitnesstraining, lassen sie sich prima in unseren Alltag integrieren! Länger als acht Minuten muss Meditation gar nicht dauern. Es macht einen Unterschied für den Rest des Tages, wenn wir uns morgens entschieden haben, uns einen Moment der Stille zu gönnen.

Erleuchtet werden wir aber auch bei regelmäßiger, jahrelanger sogar stundenlanger Meditationspraxis nicht. Wie berichtet doch der amerikanische Yoga- und Meditationslehrer Darren Main in seinem Buch „Yoga and the path of the urban mystic“: Jeder Morgen beginnt bei ihm zuhause in seinem Apartment in San Francisco auf der Yogamatte. Wundervolle Stimmung, Kerzenlicht, Stille, Nichtstun, Ausschalten der Sinne. Wenn er danach nach draußen geht, um sich im Supermarkt seinen Lieblingsjoghurt zu holen, bricht seine Yogiwelt wieder zusammen: Beim Überqueren der Straße wird er trotz grüner Fußgängerampel beinahe von einer Frau überfahren, die ihm dann auch noch den Stinkfeiner präsentiert, im Supermarkt ist das Lieblingsjoghurt aus und zurück zuhause beim Frühstück kriegt er Depressionen angesichts der Nachrichten, die er in der Zeitung liest. Dann ist das Leben wieder Mittelfinger. Trotz täglicher Meditationspraxis.

Dieser Text enthält unbezahlte Werbung für das Magazin Geo. Selbst bestellt, selbst gekauft, gern verschlungen.

Quellen:

  1. Tang Y.-Y. 2015. Nature Neuroscience Reviews. The neuroscience of mindful meditation
  2. 2) Pascoe M. 2017. Mindfulness mediates the physiological markers of stress. Journal of Psychiatric Research.
  3. Luczak H. 2013. GEO Magazin: Was Yoga kann. 

Foto: Arndt Falter 

Kaffeebegleitung: Die besten Schokomuffins der Welt

Das Rezept für diese Schokomuffins fand ich, während ich gerade mein Neugeborenes stillte. „Äh, was? Schokomuffins ohne raffinierten Zucker?“, dachte ich. Her damit! Und zwar sofort. Kreiert hat sie die Münchener Yogalehrerin Flora Fink, die hoffentlich bald ihr erstes Backbuch herausbringt.  Im vergangenen Winter sind ihre Muffins zu meinem absoluten Lieblings-Snack geworden, ich konnte Berge davon essen. Der Rest der Familie war schon fast genervt, weil es ständig Muffins aus Datteln und Kakao gab.

Sie sind super einfach zu machen und man braucht nicht mal ein Rührgerät oder ähnliches.

So geht es: 10 Medjool Datteln kleinschneiden und mit Wasser bedecken. Circa zwei Stunden oder auch länger einweichen lassen. Einen Apfel grob reiben und mit den Datteln und dem Einweichwasser verrühren. Etwas Meersalz, einen Teelöffel Zimt, 3 Esslöffel Kakaopulver und 3 Esslöffel Kokosöl dazugeben und vermischen. 200 g Dinkel- oder Vollkornmehl und 100 g Haferflocken vermischen und unter die Masse rühren. Wenn man möchte, etwas Backpulver dazugeben. Ich habe sie aber bestimmt schon zig Mal ohne Backpulver gemacht. Gelingen immer. Der Teig sollte etwas fester sein. Den Ofen auf 180 Grad vorheizen und die Teigmasse in Muffinformen geben. Circa eine Stunde backen, abkühlen lassen. Fertig sind die gesündesten und besten Schokomuffins.

Achtung Rohkost! Pekannuss-Eiscreme!

Ich liebe es, meine Gäste mit Rohkost-Desserts zu verblüffen. Ich sage meistens nichts bevor nicht alle probiert haben. Meistens kommt dann ganz von selbst die Frage, wie ich das köstliche Eis, den grandiosen Kuchen oder die besten Brownies der Welt denn zubereitet hätte. Und dann sind die Gesichter dementsprechend überrascht, wenn ich erzähle, dass es sich dabei gerade um Rohkost handelte. Was ich vor allem mag, sind einfache Rezepte, bei denen man nicht viele Zutaten verarbeiten muss (wie beispielsweise bei den Row Food Brownies. Die gehen so einfach, dass ich sie mittlerweile meistens mache, wenn sich spontaner Besuch ansagt). Heute habe ich ein etwas komplizierteres Rezept, das ich von Amy Bachellor gelernt habe. Sie ist eine unglaubliche Rohkost-„Köchin“ und was Desserts betrifft, haben wir einen ähnlichen Geschmack und dasselbe Gefühl für die richtige Süsse. Wir mögen es beide nicht zu süss. Dieses Pekannuss-Eis hat mich komplett überzeugt, so dass ich den Mehraufwand (der sich einzig auf das Produzieren der Pekannuss-Milch bezieht) gerne auf mich nehme.

Zuerst also gilt es, Pekannuss-Milch zuzubereiten. So kompliziert ist das allerdings auch nicht. Man braucht aber einen Nussmilchbeutel.

Zutaten für die Pekannuss-Milch:

220 Gramm Pekannüsse, übernacht in circa 600 ml Wasser einweichen
400 ml Wasser

2 Datteln

1 Teelöffel Mesquite Pulver (gibt’s zum Beispiel hier)

eine Prise Meersalz oder Himalaya Salz

1/2 TL Vanillezucker

Die Peknannüsse abtropfen lassen und abspülen. Alle Zutaten in einem Hochgeschwindigkeits-Mixer pürieren. Um die Milch von der Breimasse zu trennen, muss die Masse durch das Nusssieb gepresst werden. Dies braucht etwas Geduld. Man kann sich das in etwa vorstellen, wie das Melken einer Kuh 🙂 Man melkt sozusagen den Nussmilchbeutel. Die Breimasse kann man übrigens wunderbar für weitere Rezepte verarbeiten, also einfach im Kühlschrank aufbewahren.

Für die Eiscreme:

circa 400 ml Pekannussmilch

etwa 100 g Cashewnüsse, etwa drei bis vier Stunden einweichen

100 g Kokosnussfleisch

50 ml Honig

50 g Kokosnussbutter (gibt’s zum Beispiel hier)

1 TL Mesquite Pulver

Mark einer Vanilleschote

eine Prise Salz

Die Cashews abtropfen lassen und abspülen. Dann alle Zutaten miteinander im High Speed Blender pürieren, bis die Masse cremig ist. Die Masse in einen Glascontainer geben und eine Stunde im Gefrierfach kühlen. Wer einen Eismaschine hat, ab in die Eismaschine damit. Wer keine hat, kann das Eis nach einer Stunde aus dem Gefrierfach nehmen und in den Kühlschrank stellen. Dann mindestens acht Stunden im Kühlschrank lassen, bevor es serviert wird. Schmeckt ganz grandios mit Kokosflocken-Kakao-Nibs-Topping.

Warum ausgerechnet Pekannüsse? Pekannüsse sind süsser als Walnüsse, allerdings auch kalorienreich. Dafür haben sie jedoch einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren, die wichtig für das Herz-Kreislauf-System sind. Sie sind unheimlich reich an Mineralstoffen und Spurenelementen, unter anderem enthalten sie Kalzium, Magnesium, Kalium, Eisen und Zink. Sie haben einen sehr hohen Proteingehalt. Ausserdem sind sie reich an verschiedenen B-Vitaminen und an Vitamin A. Sie werden ab Oktober frisch geerntet, so ist dieses Rezept ein ideales Dessert für den gesamten Herbst und Winter.