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Tadasana in jedem Asana – wie wir Haltung üben

„Tadasana in jedem Asana“, sagte meine Yogalehrerin in Kalifornien immer. Damit machte sie vermeintlich Widersprüchliches klar: Der Berg, oder auch „Tadasana“ ist gar keine einfache Yogahaltung. Doch: gelingt es uns, Haltung anzunehmen, werden auch komplizierte Asanas einfacher …

Beziehung zur Erde

Asana – das bedeutet eigentlich „Beziehung zur Erde“. Es heißt auch „Sitz“ und das verdeutlicht, dass Yoga ursprünglich, also so ungefähr vor 2000 Jahren oder so – wer weiß es schon genau? –, vor allem im Sitzen praktiziert wurde. Die Asanas, die wir heute kennen und auf der Matte als Yogahaltungen üben, sind zum Teil keine 100 Jahre alt. Früher wollten Yogaübende den Körper mobilisieren, um länger im Meditationssitz verweilen zu können. Sie wollten die Wirbelsäule dabei mühelos aufgerichtet halten, um Energie durch alle Chakren fließen lassen zu können.

Stabil und leicht – klingt umwerfend!

Asana kann aber auch so etwas wie der Sitz, auf den ich mich setze, bedeuten. Und nicht zuletzt hat es etwas mit der eigenen Haltung zu tun. Damit ist nicht nur die körperliche, sondern die innere gemeint. Die Haltung, die wir zum Leben einnehmen oder die, die wir anderen Menschen und auch Dingen gegenüber einnehmen. Wie die Beziehung zur Erde auch, sollte unsere Haltung – gerade beim Yoga üben – stabil und leicht sein. Klingt das nicht umwerfend? Davon, gerade stabil und leicht durchs Leben gehen zu können, wünsche ich mir jetzt so viel, wo hier drinnen wie draussen alles chaotischer nicht sein könnte. Sogar das Wetter macht was es will.

Und deswegen: Tadasana

Damit uns Leichtigkeit und Stabilität während der Asana-Praxis gelingt, brauchen wir ein stabiles Fundament. Das kann fast jeder mit der Berghaltung üben. Berg bedeutet auf Sanskrit „Tada“. Während viele Schüler/innen glauben, es handele sich dabei um eine sehr simple Haltung, ist das doch eigentlich gar nicht so einfach: Aufrecht zu stehen, ohne die Schultern hochzuziehen, die Bauchmuskeln etwas anzuspannen ohne den Bauch panisch einzuziehen, die Füße so zu positionieren und das Gewicht optimal zu verteilen, damit sich unser Fußgewölbe richtig ausbilden kann, die Oberschenkel und die Schienbeine leicht nach innen zu ziehen, während die inneren Knöcheln eher nach hinten ausgerichtet sind und die äußeren Knöcheln nach unten. Hä? Und dann weiter: Das Becken neutral halten, das Schienbein Richtung Steißbein ziehen, den Rücken lang lassen und die vorderen Rippen zusammenziehen? Und dann sagt der Lehrer: Entspanne die Wirbelsäule. Geht’s noch? Ja.

Körperbewusstsein, wie geht das eigentlich?

Körperbewusstsein zu schulen – auch darum geht es bei der Asanapraxis. Und gleichzeitig immer die Frage: Wie ist meine Beziehung zur Erde nun? Stabil und leicht? Yoga sollte keine Schmerzen verursachen. Das wird in der heutigen Zeit, in der wir doch alle auf Leistung ausgerichtet sind, häufig vergessen. Doch noch lieber eine Position einnehmen, die Instagram-like in Szene gesetzt werden kann. Ich gebe aber zu: Die Grenze zu finden, zwischen dem Üben in komplizierten Haltungen eine stabile und leichte Haltung einnehmen zu können, und dem übertriebenen Üben von imposanten Posen und tiefen Stretches, ist nicht immer leicht. Genau dabei hilft die Schulung des Körperbewusstseins. Wie geht es mir in dieser Haltung? Soll ich weitergehen oder ist das zu viel für mich? Wenn wir diese Fragen in unserer Asana-Praxis betrachten, sie ernst nehmen und lernen zu beantworten, dann können wir das auch auf unseren Alltag übertragen, lernen Stopp zu sagen oder zu verstehen, wenn etwas nicht stimmt. Damit wir das spüren, sind ruhige und einfache Posen, bei denen wir zur Ruhe und in die Stille kommen, im Yoga unabdingbar. Ich komme nur darauf, weil mir kürzlich jemand die Frage stellte, ob Yoga und Meditation denn nun zwei verschiedene Sachen wären. Sie sind untrennbar miteinander verbunden.

Finde deine eigene Haltung

Tadasana korrigiert Fehlstellungen unseres Körpers, die wir im Alltag kaum wahrnehmen. „Die Kunst des fehlerlosen Stehens“, nannte B.K.S. Iyengar die Übung einst. Energetisch lehrt uns die Berghaltung, uns zu erden, Balance zu finden und Klarheit. Die „richtige“ Haltung einzunehmen, ist auch im übertragenen Sinne nicht leicht. Das wird in Zeiten wie diesen besonders deutlich. Mir hilft die Matte und damit die Asana-Praxis zusammen mit Pranayama – also der Atemübung – zu meiner eigenen Haltung zurückzufinden. Manchmal macht es mir einfach auch nur gute Laune. Das ist dann wiederum gut für die Menschen, gegenüber denen ich eine Haltung einnehmen muss.

Lauschangriff und Lesestoff vom 26. März 2021

Als es am Montagmorgen still in der Wohnung geworden war, dachte ich an den Frühling und daran, dass ein nächster Lockdown nur leichter werden könne … Weil ich ihn einfach zum größten Teil im Garten und draussen verbringen würde. Ich höre jedenfalls schon die Vögel singen. Das rettete mich über den Tag. Und ich fragte mich, ob ich so wie jetzt, während dieser Pandemie, in Krisenzeiten immer handeln würde? Ob der Mensch immer versucht, sein Leben möglichst normal weiterzuführen? Wie ist das, wenn man in einem Kriegsgebiet lebt, fragte ich mich. Bringt man auch dann die Kinder jeden Morgen zur Kita und in die Schule und die Hunde raus? Freut man sich über die Entwicklungsschritte des Babys, fährt man zur Arbeit, macht man einfach weiter? Wahrscheinlich schon. Ich weiß es nicht. Das besonders Verrückte an dieser Pandemie ist ja, dass wir nicht wissen, was danach ist. Bleibt das Leben „anders“? Ich finde gar nicht, dass es darum geht über richtig und falsch zu diskutieren, über zu wenig Impfstoff oder gar keine Impfung, über unsinnige, vernünftige oder nicht faire Beschlüsse der Regierung. Ich glaube, es geht darum, zu überlegen, was wir alle anders machen können, damit es überhaupt nicht mehr so weit kommt. „Man kann nicht alles haben“, ist ein blöder Spruch aber ich finde ihn je mehr ich darüber nachdenke, ziemlich gut. Irgendwann haben Menschen angefangen, zu glauben, sie könnten eben doch alles haben. Aber das stimmt nicht. Hier liegt das Problem. Irgendwas und somit auch wer bleibt immer auf der Strecke. Und so gilt es, für sich selbst festzulegen, was wirklich wichtig ist …

Auf der Internetseite https://www.zukunftsinstitut.de beschreiben Forscher vier mögliche verschiedene Szenarien, wie ein Leben nach der Pandemie aussehen könnte. Es ist interessant zu lesen und sich dann vielleicht ein Wunschszenario auszusuchen oder auch selbst auszumalen …

Pandemüde oder schlapp?

Das Süddeutsche Magazin hat ein Thema aufgegriffen, auf das ich vor zwei Wochen bereits hier in meiner Lauschangriff-und Lesestoff-Serie hingewiesen hatte. Da ging es um den Podcast mit Dr. Anne Fleck. Nun erzählt sie auch im Süddeutsche Magazin, ab wann wir bei Müdigkeit die Notbremse ziehen müssen. Sie sagt beispielsweise: „Wer sich pausenlos durch den Tag snackt, kommt nie in den wichtigen Prozess der Autophagie, in der der Körper Zellschrott recycelt. Wer dauernd isst, fordert Leber und Magen-Darm-Trakt zur ständigen Arbeit heraus. Der Körper kriegt keine Ruhe, es fehlt die Zeit der Regeneration.“ Das gilt übrigens auch für Kinder …

Unter Männern …

Dieser Podcast beinhaltet ein interessantes Gespräch unter Männern: Veit Lindau und Bestseller-Autor und Coach Lars Amend sprechen eineinhalb Stunden lang sehr offen und ehrlich über die Liebe, über Männer und darüber, wie die Liebe bleibt (vor allem was Veit Lindau dazu zu sagen hat, ist schön: Man muss nicht immer einer Meinung sein, aber Liebe ist, wenn man das ehrliche Interesse daran nicht verliert, zu erfahren, warum die Meinung des anderen so ist, wie sie ist …) Lars Atmend stellt darüberhinaus die interessante Frage (ungefähr ab Minute 50), wie Männer in der heutigen Zeit eigentlich ihre männliche Energie beibehalten können, „ohne dass es gegen die Frau geht“. Ein aufschlussreiches Gespräch – bestimmt nicht nur für Männer. 

Auch dieses Gespräch ist eins unter Männern. Es geht um Rassismus. Die ehemaligen Nationalspieler Erwin Kostedde und Gerald Asamoah im Interview mit dem Zeit Magazin. Wichtig und berührend.

Exklusiv-Zeit

Jetzt kommt ein Bericht über zwei Mädels. Was Katja Kröger in ihrem aktuellen Artikel auf wasfürmich schreibt, kann ich gut nachvollziehen und diese Exklusiv-Zeit mit Mama ist für die Kinder wahnsinnig wichtig. Für meine Fünfjährige gibt es Exklusiv-Zeit in Nicht-Lockdown-Zeiten jeden Montag Mittag ab viertel nach eins. Da habe ich keine Termine, das Date mit ihr ist fest im Kalender eingetragen. Es tut ihr so gut. Und mir auch. Kürzlich war das Wetter mal besonders schlecht und wir haben einfach zusammen einen Film geschaut. Ich schaue kaum fern. Natürlich hatte ich ein schlechtes Gewissen, dachte, das sei pädagogisch bestimmt jetzt totaler Mist – es war wunderbar. 

Wichtig aber nicht systemrelevant

Das hier ist nicht neu, sondern aus dem Februar, aber ich wollte es als kleine Erinnerung noch einmal hier erwähnen. Mir ist schon öfter aufgefallen, dass manche Leute sich von dem Begriff „systemrelevant“ triggern lassen. Dabei heißt „nicht systemrelevant“ überhaupt nicht, dass der Job nicht wichtig oder gut ist. Kristin Rübesamen erklärt das sehr schön.

Ist Yoga systemrelevant? Nein, ist es nicht. Wir Yogalehrer können niemanden retten, bei dem die Lunge versagt.

Kristin Rübesamen, YogaEasy

Darum geht es bei diesem Begriff. Um nichts anderes. Und damit weiterhin Menschen gerettet werden können – übrigens nicht nur die, bei denen die Lunge versagt, sondern alle, die in ein Krankenhaus müssen, dort liegen oder Gefahr laufen, dort zu landen, sind auch beispielsweise Erzieher/innen systemrelavent, denn die Kinder der Menschen, die in der Gesundheitsbranche arbeiten, müssen schliesslich betreut werden. Dann brauchen wir auch noch was zu essen, sonst läuft gar nichts. Punkt. Das ist es eigentlich. Ziemlich simpel. Das heißt aber nicht, dass deine Arbeit oder du nicht wichtig (b)ist. 

Quinoa-Eier?!?

Und jetzt kommt das, worauf ich mich schon freue, wenn die Osterfeiertage, neudeutsch: Ruhetage, äh oder jetzt doch nicht, eintreten. Danke Lynn, das Rezept kommt wie gerufen und ist endlich mal was anderes als all die Rezepte über vegane Osterideen, die es sonst so gibt. Ich habe gepoppten Buchweizen zuhause, klappt damit bestimmt auch. 

https://de.heavenlynnhealthy.com/knusprige-ostereier-mit-quinoa/

In den nächsten Tagen werde ich viel aufschreiben, Yoga üben, Gewichte stemmen (weil mir das gerade so gut tut) und Over Night Oats vorbeireiten. Und das Rezept dazu verlinke ich dann nächste Woche.

Lauschangriff und Lesestoff vom 19. März 2021

In der vergangenen Woche habe ich das Interview gelesen, das Teresa Bücker mit der Psychologin Taniesha Burke für das SZ-Magazin geführt hat. Das Thema: Wie können wir unsere Kinder bestmöglich durch diese Pandemie begleiten? Das Gute im Schlechten suchen – das ist ein Gedanke, den ich mir Ende des vergangenen Jahres ganz bewusst vorgenommen habe. Ich hätte auch gut ohne Covid-19 leben können, na klar, aber es gibt ganz bestimmt auch Dinge, die ich ohne diese Pandemie nicht so intensiv erfahren hätte. Dazu zählt auch Nähe. Zeit für und mit meinen Kindern.

Immer wieder treffe ich (fremde) Menschen, die mir beim Anblick meiner (noch kleinen) Kinder sagen: »Ach, sie werden so schnell groß!« Und deswegen bin ich dankbar für die intensive gemeinsame Zeit. »Wenn wir uns jetzt auf die Beziehung zu unseren Kindern konzentrieren, werden sie in ein paar Jahren oder Jahrzehnten an die Pandemie zurückdenken und sich ganz besonders und gern an die Zeit erinnern, die sie mit ihren Eltern verbracht haben«, sagt Taniesha Burke in diesem Interview. Ach, sie spricht mir so aus der Seele …

Die Richtung ändern …

In dieser Woche bin ich über drei Blogartikel gestolpert. Der eine ist von Lisa, sie macht gerade eine Yogalehrer-Ausbildung und schreibt darin sehr schön und durchaus unterhaltsam von ihren Erfahrungen. Da kommen alte Erinnerungen an die erste Yogalehrer-Ausbildung tatsächlich wieder auf. Wie Lisa, Anfang 30, viel gearbeitet, Karriereträumen und -erwartungen hinterhergehetzt, geht es ja vielen, die plötzlich den tieferen Sinn des Lebens suchen und sich dann in einer Yogalehrer-Ausbildung wiederfinden. Wir ändern häufig die Richtung in unserem Leben und das ist auch gut so. Dass ich mit 24 andere Vorstellungen von meinem Leben hatte als jetzt mit fast 42 ist irgendwie logisch. Ich weiß nicht wieso, aber immer noch werden Kinder so erzogen, dass sie spätestens zum Ende ihrer Schulzeit wissen sollen, was sie mal werden wollen und wohin die Reise gehen soll. Ich habe schon häufig junge Menschen getroffen, die völlig zerrissen kurz vor Beginn ihres Berufslebens nach der richten Entscheidung lechzten: Doch lieber eine Ausbildung? Ein Studium? Erst mal reisen? Oder ist Geld verdienen doch wichtiger? Ich kann da nur empfehlen: höre einfach mal auf das Bauchgefühl. Wofür brennst du? Und wenn du jetzt in eine Richtung gehst und irgendwann in eine andere ist das völlig in Ordnung. Denn das bist dann DU.

Mama- und Montagmorgen-Liebe

Ich bin dankbar für jeden Schritt meines Lebens. Mit sechs Jahren dachte ich, ich würde Romane schreiben wenn ich groß bin – ich bin weder groß geworden, noch habe ich einen einzigen Roman geschrieben. Mit zwölf war ich dann bei Journalistin angekommen. Diesen Weg habe ich sogar verfolgt und dabei viele besonders schöne und einzigartige Erfahrungen gemacht. Mit Ende 20 wusste ich, dass ich, obwohl ich das gerne gewollt hätte, nicht die Eier in der Hose habe, um richtigen investigativen Journalismus zu betreiben, sprich dahin zu gehen, wo es wehtut, wo ich unangenehme Fragen stellen und unangenehme Antworten bekommen muss. Das war eine Erkenntnis, die ich ganz klar so treffen konnte. Es hat nicht mal besonders wehgetan. Ich wollte aber auch keinen Kuscheljournalismus und so ist jeder Schritt meines Lebenslaufs eigentlich nachvollziehbar. Ich verabschiedete mich mehr und mehr vom Journalismus und wurde zur Texterin und Autorin. Und eben auch zur Yogalehrerin. Und alles passt zusammen. Das absolvierte Studium der Sportwissenschaften hilft mir heute ungemein beim Yogaunterricht. Die journalistische Erfahrung hat mich zur Buchautorin gemacht. Und dann kamen die Kinder und der klare Gedanke: Karriere ist mir wirklich nicht so wichtig. Ich liebe es, Mama zu sein. Dabei liebe ich aber auch jeden Montagmorgen, wenn ich hier alle aus dem Haus schicken kann und endlich alleine bin. Zeit habe, kreativ zu sein …

Graue Haare

Ich habe einen weiteren Blogartikel gefunden, der sich mit einem ganz anderen Thema beschäftigt, aber mich dann wieder zu dem von Lisa hingeführt hat. Nämlich den von Iris. Sie beschäftigte sich mit der Frage: Killen graue Haare das Business von Frauen? Graue Haare habe ich auch schon. Ich kann sie fast noch zählen, es werden mehr und ich habe leider nicht so Lust auf Färben. Dafür bin ich schon zu sehr Ökotante. Vielleicht hast du einen Tipp für mich. Vielleicht färb ich irgendwann mal wieder. Egal. Gerade ist es nicht so wichtig, denn es sieht mich ja kaum jemand. Generell behaupte ich ja, dass ich in dem letzten Jahr gefühlt um fünf Jahre gealtert bin. Optisch trifft das doch garantiert zu. Diese Pandemüdigkeit hat jedenfalls nichts zu meiner Schönheit beigetragen. Ich bin dann aber natürlich sofort auf den Podcast von Greta Silver gehüpft. In der aktuellen Folge geht es nämlich darum: „Welche Arbeit passt zu dir?“ Und während ich dem Podcast lauschte, dachte ich, „Manno Mann, ich muss doch mal wieder Momo lesen. Da sind all die Weisheiten vereint, die wir uns heute mühselig aus dem Yoga Sutra raussuchen …“

Und dann war da natürlich noch der hier. In dem Beitrag „Happy Birthday, Corona“ schreibt Judith sehr persönlich und ehrlich, wie sie die letzten 365 Tage erlebt hat. Was gut war, was schlecht war und weshalb Rückzug und Abstand Dinge sind, die sie künftig gerne wieder freiwillig planen würde.

Und nun die Frage des Tages: Werde ich drumherum kommen, am Wochenende diese veganen und glutenfreien Brownies auszuprobieren …oder zumindest eine Variante davon? Hmmmm, lass mich mal raten …

Lauschangriff und Lesestoff vom 5. März 2021

Meine Kinder sind seit etwa einer Woche wieder in der Kita. Was man alles schaffen kann, wenn man alleine in einem Homeoffice sitzt, ist schon Weltklasse. Weltklasse auch: die Menge an Tätigkeiten, die ich mir vorgenommen und mal wieder nicht geschafft habe. Ha! Ich habe tatsächlich auch was für meine innere Schönheit gemacht, wie ich es nenne. Das war angenehm. Dazu gehörte mit einer besonderen Frau einen Kaffee zu trinken, Yoga zu üben und joggen zu gehen. Ich mache was gegen das Schlafdefizit, weil mein Schreibtisch abends endlich wieder sich selbst überlassen bleibt. Ich habe mir in den vergangenen sieben Tagen schon mehrfach die Freiheit genommen, direkt nachdem ich die Kinder ins Bett gebracht habe, auch ins Bett zu gehen. War das schön!

Und ich habe, während ich mir mein Mittagessen zubereitete, Podcasts gehört. Unter anderem den von Dr. Anne Fleck – Gesundheit und Ernährung mit Brigitte Leben. Die aktuelle Folge zum Thema „Einfach mehr Energie“ habe ich gerne gehört – obwohl ich natürlich sehr genau weiß, warum ich müde bin. Ich habe zwei kleine Kinder in meinem Bett liegen. Und doch: müde sein nervt. Viele Menschen wissen nicht, warum sie sich dauermüde fühlen und wir können etwas dagegen tun. Mal wieder tauchen hier zwei gute alte Bekannte auf: Ernährung und Atmung. Es ist schön, dass beide Elemente immer ernster genommen werden in der Medizin. Dr. Anne Fleck gibt nicht nur Tipps gegen Müdigkeit, sie spricht hier übrigens auch darüber, was sich am Gesundheitssystem ändern müsste, damit wir alle wieder „gesünder“ werden können. 20 Minuten, die sich lohnen!

Weniger Babys, …

Madhavi Guemos ist wieder da. Nach einer längeren Blog- und Podcast-Pause liest sich der neueste Blogbeitrag wie Schokolade essen. Ich schreibe gar nicht mehr darüber. Einfach lesen!

Über diesen Artikel in der New York Times bin ich gestolpert und ich habe mich – ohne wirklich irgendeine Ahnung von Volkswirtschaft zu haben – gefragt, ob das nun wirklich ein Grund zum Jammern ist oder nicht vielleicht sogar: richtig gut. Haben wir nicht eine Überpopulation? Würde es nicht Sinn machen, wenn wir künftig weniger Wert auf Wirtschaftlichkeit legen würden und stattdessen auf Gesundheit, Klima und Menschlichkeit? Ich habe keine Ahnung von so etwas, deswegen: klärt mich ruhig auf. Auf jeden Fall ein interessanter Artikel. 

… mehr Hunde

Weniger Babys aber mehr Hunde – das ist die Devise in der Corona-Pandemie. In meiner Nachbarschaft ist mir das auch schon aufgefallen: Ein Hund macht ja irgendwie Sinn – wenn nicht jetzt, wann dann? Viel zu Hause, keine Chance auf Reisen, Langeweile, frische Luft. Eine Freundin von mir betreibt eine Hundeschule in Köln, sie schrieb mir schon im vergangenen Jahr, dass sie sich vor Anfragen kaum retten könne. Wenigstens das. Dieser Artikel beschreibt aber auch die Problematik. Und die Frage bleibt: was, wenn das Pandemie-freie Leben an Fahrt aufnimmt, wenn wir wieder Reisen planen können und Homeoffice  – wie früher – nur in Ausnahmesituationen genehmigt wird? Wo landen die Tiere, die jetzt ein Stück Langeweile nehmen sollen? I’m sorry. Ich bin ein Yogi. Deswegen denk’ ich auch manchmal an die Tiere.

Hören, Lesen, Fühlen, Schlafen

Wenn man mal darüber hinwegsieht, dass man das Gefühl hat, Biyon Kattilathu habe irgendein geiles Kraut zu sich genommen, bevor er diesen Podcast aufgenommen hat, dann ist die aktuelle Folge von Schokolade für die Seele wirklich süß. Der wichtigste Mensch ist der, der dir gerade gegenübersteht. Schön. Danke für die Erinnerung, Biyon, du Gute-Laune-Rakete. 

Und weißte was? Es ist Donnerstagabend, 21:41 Uhr.Viel zu spät! Ich gehe ins Bett. Und zwar sofort.

Lauschangriff und Lesestoff vom 19. Februar 2021

Ich überlegte kurz, ob ich die Woche unter das Motto „Hart aber herzlich“ setzen sollte – dann fand ich das ein bisschen übertrieben. Sie war definitiv anstrengend, ich hatte ein paar Aufträge, die mehr Zeit für sich in Anspruch nahmen, als erwartet, ich sass bis nachts am Schreibtisch, plötzlich gab es Termine einzuhalten und dann auch noch einen Geburtstag zu feiern. Zwischendurch immer wieder die Frage: Ist das unsere letzte gefühlte „Lockdown-Woche“ gewesen?

Regelbetrieb?!

Am Montag beginnt in Schleswig-Holstein der Regelbetrieb in den Kitas. Das ist definitiv ein Grund, aufzuatmen. Was ich mache, weiß ich noch nicht. Kita ja oder nein? Ich hatte dasselbe Gefühl schon beim ersten Lockdown. Plötzlich sollte alles wieder einigermaßen „normal“ ablaufen (dazu gleich mehr), und ich fragte mich, ob ich das schon aushalten würde … Sowohl meine Kinder als auch ich glauben, dass ein paar Stunden Kita in der Woche hier allen guttun würden. Also los. Ich bin gespannt, wie sich dieses halbwegs auf „normal“ getrimmte Leben dann wieder anfühlen wird. Und ob so etwas wie „normal“ überhaupt jemals wieder „normal“ sein wird. Und dann kam noch mal der Schnee. Total skurril. Wir haben hier oben lange auf ihn gewartet, während ganz Deutschland unter einer tiefen Schneedecke versunken war. Am Montag schneite es so, als wollte der Winter sich in all seiner Schönheit verabschieden. Es schneite und schneite. Von Montagnachmittag bis Dienstagmorgen. Den ganzen Dienstag war er da, der Schnee. Dann verabschiedete er sich. Und ich bin ganz sicher: Jetzt kommt der Frühling. Hier noch schnell ein paar wenige Lese- und Lauschtipps aus meiner Woche.

Wie definieren wir „sportlich“?

Schon am Samstag erschien der Artikel „Was ist ein sportlicher Körper“ von Sheila Ilzhöfer auf Fuck Lucky Go Happy und ich kann dazu nur sagen: Lest das. Sheila Ilzhöfer hat damit vielen aus der Seele gesprochen, sie hat ein Thema angestossen, dass mich als Sportwissenschaftlerin sehr beschäftigt. Ich weiß (noch) nicht, wie Sportunterricht heutzutage in Schulen abläuft, aber so wie das damals war, bringt es leider nichts. Würden sich Lehrer gegenteilig verhalten, könnten sie die Begeisterung für Bewegung bei nahezu allen Kindern wecken und somit einen massiven Beitrag zur Gesundheit leisten. Ich bin davon überzeugt, dass es für jeden Menschen eine Bewegungsform gibt, die ihr oder ihm Spaß macht. Auch als Sportwissenschaftlerin lese ich so einen Beitrag mit ganz viel Bauchschmerzen. Es ist unter anderem ein Grund dafür, warum ich jetzt Kinderyoga unterrichten will und Kindern vermitteln möchte, dass sie, wenn sie nur wollen, nahezu alles (sein) können. Allerdings finde ich grundsätzlich, dass Lehrer/innen Schüler/innen niemals bloßstellen dürfen. Egal in welchem Fach. Passiert das vor der Tafel, beginnen wir eine Angst vorm Sprechen vor Menschen zu entwickeln, passiert es im Sportunterricht, glauben wir, wir seien unsportlich. Pädagogisch kann das nicht wertvoll sein.

Yogis kennen Wanda Badwals Podcast Yoga beyond the Asana natürlich. Wandas Gespräche bleiben nie an der Oberfläche und in dieser Woche hat sie mit dem Erfolgstrainer und Speaker Maxim Mankevich gesprochen. Wandas Frage, wie wir eigentlich sensibler werden, mehr sehen, fühlen, feine Schwingungen wahrnehmen, ist mir dabei besonders aufgefallen. Die Antwort war einfach: In der Stille spricht das Universum zu uns. Aber auch: Wir brauchen Vorbilder, wir brauchen Inspiration. Traurig war die Antwort von Mankevich auf Wandas Frage, was wir brauchen, damit in unserer Gesellschaft ein Bewusstseinswandel stattfinden kann: Schmerz, sagte er.

Dazu passt dieser schöne Artikel, den der Schweizer Kolumnist und Bühnenkünstler Linard Bardill vergangene Woche in der Tageszeitung „Südostschweiz“ und auch auf seinem Blog veröffentlich hat. Alle wollen zurück zur Normalität, aber eigentlich doch nicht, oder? Denn die Normalität, war sie richtig?

Zurück zu „normal?“

Wie eine neue Normalität aussehen müsste, steht auch auf netzfrauen.org – der Artikel ist bereits im letzten Sommer erschienen. Darin erklärt Primatenforscherin Jane Goodell, was wir anders machen müssen, wenn wir aus der Corona-Krise lernen wollen. Sie sagt: „Wir haben uns das selbst zuzuschreiben, weil wir Tiere und Umwelt absolut nicht respektieren. Unsere Respektlosigkeit gegenüber wilden Tieren und unsere Respektlosigkeit gegenüber Nutztieren hat diese Situation geschaffen, in der Krankheiten auf den Menschen übergreifen und ihn infizieren können“.

Hier noch ein kurzer Text aus dem Zeit Magazin – ich bin nur darüber gestolpert, weil mir der erste Satz direkt ins Auge gesprungen ist: Wusstest du, dass der erste Unverpackt-Laden in Kiel eröffnet wurde?! Nun lebe ich ja seit knapp drei Jahren in Kiel und außer den Menschen, die ich wirklich hier sehr unaufgeregt und sympathisch finde, mag ich die Nähe zum Meer, meinen tollen Biomarkt und … dann fällt mir schon nicht mehr so viel ein, was andere Städte nicht auch zu bieten hätten. Und ich finde: das ist auch genug, um sich irgendwo wohlzufühlen. Aber jetzt also: Der erste Unverpackt-Laden! Ich war für zwei Sekunden tatsächlich ein bisschen stolz – dabei habe ich damit überhaupt nichts zu tun, das ist irgendwie lustig, oder? Und ich wette, Kiel hat noch viel mehr zu bieten – einen niedrigen Inzidenzwert auch übrigens. Aber trotzdem: Der erste Unverpackt-Laden in Deutschland! Knaller. Ich habe den ersten Unverpackt-Laden meines Lebens 2015 in San Francisco betreten. Unverpackt-Läden: ja, gerne mehr davon!

Her mit den Linsen!

Ich esse kein Fleisch, aber bei mir stehen mindestens einmal in der Woche Linsen auf dem Tisch – hier steht warum (inklusive Rezeptideen). Und dabei – ist ja klar – verlasse ich auch mal kurz das Regional-Prinzip. Aber auch das hat einen Grund: Hülsenfrüchte sind super-wichtig wenn es um die Bodenverbesserung geht. Über die Wurzeln binden sie Stickstoff im Boden, was den nächsten Kulturen in der Fruchtfolge zu Gute kommt. Und: sie zwingen den Landwirt zu einer abwechslungsreichen Fruchtfolge. Warum das so ist, steht hier. Und vielleicht werden sie ja auch irgendwann wieder zu einem regionalen Produkt.

Warum ich nicht mehr auf bessere Zeiten warte

Noch mindestens zehn harte Woche stünden uns bevor, prophezeit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Das glaube ich aufs Wort. Vielleicht auch noch mehr. Wer weiß das schon. In zehn Wochen ist ein gutes Viertel des Jahres wieder vorbei. Anfang Januar habe auch ich noch auf bessere Zeiten gewartet. Mir vorgestellt, wen ich treffen will, wenn Treffen wieder möglich sind. Wo ich als erstes essen gehen will, wenn Restaurants wieder auf sind. Wohin wir als Familie fahren wollen, wenn wir wieder andere besuchen dürfen und wie meine Yogastunden wohl aussehen werden, wenn sie wieder im Yogastudio stattfinden mit Teilnehmern im Saal. Ich habe mir überlegt, was ich als erstes mache, nachdem ich meine Kinder in die Kita gebracht habe und mit was ich dann meinen ersten Kaffee alleine in der Küche genießen möchte. Vor allem habe ich mich auf Sport gefreut. Im Fitnessstudio, an der frischen Luft und mit ganz viel schweren Gewichten. 

Jahr des Lernens

Das mache ich jetzt nicht mehr. Denn mir ist plötzlich sehr klar und deutlich geworden, dass es nicht meiner Lebensphilosophie entspricht, auf bessere Zeiten zu warten. Stattdessen will ich doch das Leben genießen. Jeden Moment auskosten. Mich darüber freuen, dass meine Kinder genauso klein sind, wie sie jetzt klein sind und nicht darauf warten, dass sie größer werden. Werden sie nämlich. Ohne Zweifel. Ich habe mir überlegt, wie ich diesem Jahr etwas abgewinnen kann. Egal wie es in den nächsten zehn Wochen zu und hergehen wird. Wie dieses Jahr für mich wertvoll sein kann, auch wenn immer noch weniger Begegnungen stattfinden können als ich mir das wünsche. Und ich weniger Geld verdienen werde, als ich mir das wünsche. Ich bin selbständig. Ich war deswegen auch immer die Erste, die vor Corona-Zeiten von der Kitaleitung meiner ältesten Tochter angerufen und gefragt wurde, ob ich meine Kinder zuhause lassen könne, weil gerade viele Erzieher krank seien. Ich war diejenige, die bei Erzieher-Ausfällen gefragt wurde, ob ich nicht mal eben eine halbe Stunde Yoga mit den Kindern machen könne – umsonst natürlich. Was wenige verstanden haben: gerade weil ich selbständig bin brauche ich eine Kita. Ich verdiene nichts, wenn ich nicht arbeite. Demnach ist eines hier so ziemlich klar: so lange ich keine Betreuung habe, kann ich nicht vernünftig arbeiten. Ich kann auch nicht von einer Zweijährigen erwarten, dass sie den ganzen Tag Ausmalbilder macht, damit Mama ihre Texte schreiben kann. Ich kann nicht zwischen Wäschebergen, Rollenspielen, Füttern und Windel wechseln mal eben so ein Buch schreiben. Das wird jeder verstehen. Ich habe es trotzdem vor, aber das ist eine andere Geschichte. Und so habe ich mir etwas überlegt. Das Jahr 2021 wird ein Jahr des Lernens. Der Weiterentwicklung. Der Investition in mich. Und damit hatte ich meine Perspektive zurück und mit ihr die gute Laune. Das Hier und Jetzt. Das Leben im Moment. Gerade habe ich eine neue Yogalehrer-Ausbildung begonnen. Im April kommt eine weitere Ausbildung dazu, die eigentlich nicht sehr viel mit Yoga zu tun hat. Und dann mache ich Ende des Jahres vielleicht noch eine Ausbildung. Wenn dann noch etwas Geld übrig ist jedenfalls. Mal sehen. 

Was mir fehlt

Abgesehen von diesen Entscheidungen habe ich mich gefragt, was mir gerade – außer meinen Eltern und Geschwistern – am meisten fehlt. Und das ist Sport. Nicht Yoga, sondern richtiger Sport. Sport, der mich zum Schwitzen bringt. Also habe ich eine Nachbarin gefragt, ob sie sich vorstellen könne, mit mir abends um 21 Uhr joggen zu gehen. Wir haben beide kleine Kinder, bei meinen wird es momentan wirklich spät bis sie schlafen. Was für ein Glück: bei ihren auch. Sie schrieb mir, diese Nachricht käme wie gerufen. Und ob ich mich vielleicht mit ihrem Mann unterhalten hätte, denn der hätte gerade noch zu ihr gesagt, sie müsse wieder mehr Sport machen. „Ich brauche einen Schweinehunddompteur“, schrieb sie mir und ich schrie: „Da bin ich!“ Jetzt joggen wir durch die Nacht. Ich habe angefangen, HIT-Training in meinen Alltag einzubauen, manchmal dauert das nur zehn Minuten und die Kinder gucken dann Peppa Wutz. Oder sie machen mit. Manchmal kriege ich eine halbe Stunde in den Tag gequetscht. Wir richten uns gerade ein Homegym ein – wie der Rest der Nation. Und dann habe ich auch noch begonnen, eine weitere Yogastunde online zu unterrichten. Und jetzt merke ich so langsam, dass ich mich wirklich sehr lebendig fühle. Corona kann mich mal.

Lauschangriff und Lesestoff vom 15.1.2021

So, hier ist dann nun auch endgültig die Weihnachtsferien-Stimmung vorbei. Meine Zweijährige sagte mir am Dienstag in aller Deutlichkeit: „ICH WILL MEINE KITA“ Tja, so kriegt jeder von uns mal den Lagerkoller. Meine bisherige Pandemie-Überlebensstrategie lautete: nicht zu viel Zeitung lesen, nicht zu viel Fernsehen wenn es um Corona geht. Mir wird da viel zu viel geredet und diskutiert, das ertrage ich nicht so gut. (Ich sage es aber auch gleich mal dazu: Ich gucke mir auch keine Action- und schon gar keine Horrorfilme an. Wenn ich Fernsehen gucke, dann muss ganz klar sein, dass in dem Film nicht besonders viel passiert. Schon gar nichts Schlimmes.) Aber die Sendung Sternstunde Philosophie auf SRF, dem Schweizer Fernsehen, habe ich mir angeschaut. Dass sie mich so fasziniert hat, mag auch an der ruhigen und besonnenen Art von Philipp Blom gelegen habe, aber vor allem fand ich das was er gesagt hat, einfach wahnsinnig wichtig, spannend und weitsichtig. Auch erschreckend und etwas … perspektivlos. Er hat beispielsweise gesagt, dass wir akzeptieren müssten, dass diese Pandemie womöglich nicht ein einzigartiges Ereignis sei, sondern sie eine Konsequenz desselben  Phänomens wie die Klimakatastrophe, nämlich aus der Tatsache entstanden sei, dass wir immer tiefer in die Natur eingreifen. Systeme verändern und so weiter.

Der Planet braucht uns nicht so sehr …

Er sagte auch: „Wir glauben eigentlich instinktiv wir stehen über der Natur. Wir sind etwas anderes. Wir sind schon etwas unangenehm berührt, wenn wir als Säugetiere angesprochen werden.“ Ich habe so etwas wie eine Corona-Pandemie niemals kommen sehen, natürlich nicht. Aber das, was Blom sagt, habe ich schon oft gedacht. Wieso denken wir eigentlich, uns Menschen stehe alles zu? Wieso vergiften wir Nahrungsmittel, um noch mehr davon produzieren zu können? Beispielsweise. Wieso behandeln wir Tiere wie Scheiße, nur weil wir denken, wir müssten sie essen, um zu überleben. Und wieso schreiben wir Völkern vor, wir wüssten, wie sie zu leben haben? „Der Mensch ist für den Planeten nicht so besonders wichtig“, sagte Blom. Lange beispielsweise nicht so wichtig wie Ameisen … Think about it! Menschen sind vor allem für Menschen wichtig.

Ob Blom Recht hat oder nicht mit seiner Vermutung, dass wir in den nächsten Jahrzehnten noch weitere Pandemien erleben werden oder nicht, wer weiß es schon? Ich bin auf jeden Fall gespannt, ob unsere Kinder in 20 Jahren darüber lachen, dass wir uns heute in unserer Freiheit eingeschränkt fühlen, weil wir manchmal dazu angehalten sind, einen Mundschutz zu tragen … Und ob sie ganz andere Probleme mit sich herumtragen müssen …

Scheitern darf sein

Wahnsinnig gut getan hat mir mal wieder die kluge Claudia Schaumann. Du kennst sie natürlich. Ihren Blog Wasfürmich lesen 50.000 Leser. Und bevor sie sich in ihre Winterpause verabschiedete, schrieb sie diesen Artikel, der vermutlich all meinen Freundinnen aus der Seele spricht. Und während ich ihn las, dachte ich natürlich: Und mir besonders! 😉

Nur Zeit zum Atmen

Gehört habe ich in dieser Woche nur einen Podcast. Es blieb einfach für keine Zeit für mehr. Dafür war der aber auch auf Englisch, ich musste also ganz genau zuhören – da konnte ich nicht nebenbei noch Kochtöpfe spülen! Es ging um ein Thema, dass nicht einfach nur so nebenbei abgehandelt werden konnte. Wie es der Zufall so will bin ich auf den Podcast von wemove.world aufmerksam geworden. Es geht da nämlich um Bewegung und Atmung, wichtige Dinge! Das Interview mit Patrick McKeowne, dem Atemexperten unserer Zeit, ist zwar schon fast ein Jahr alt, hat mich aber sehr gefesselt. Der Titel dieser Podcastepisode lautete: „Is the way you breathe holding you back?“ Jetzt will ich unbedingt McKeownes Bücher lesen!

Veganes Ei – der Crashkurs

Vielleicht hast du auch schon vom Veganuary gehört. Eine britische Organisation hat ihn 2014 zum ersten Mal ins Leben gerufen. Da das neue Jahr ja oft und gerne zum Anlass genommen wird, Vorsätze anzugehen und derjenige, weniger Fleisch zu essen, mittlerweile in jedes Hirn vorgedrungen sein sollte, ist das doch eine gute Sache. Viele Prominente, Blogger, und Influenzier machen mit und sogar Lebensmittelhersteller nehmen das zum Anlass ihre veganen Produkte zu bewerben – wenn’s das Ziel, Menschen dazu zu animieren, weniger Fleisch zu essen, unterstützt – super! Deswegen gibt es heute hier den aktuellen Blogbeitrag von Natalie von yayfortoday. Ich liebe veganes Rührei. Wahrscheinlich weil ich finde, dass es so gar nicht nach Rührei schmeckt. 

Der Jahresrückblog – oder: Will eigentlich irgendjemand noch etwas über 2020 lesen?

Warum schreibe ich Anfang des Jahres 2021 einen Jahresrückblick auf das Jahr 2020? Dieses 2020. Ausgerechnet. Davon will doch niemand mehr was lesen, oder? Ich habe noch nie so viele Menschen über ein Jahr schimpfen hören. So viel Gemecker.

Nimmt das nicht viel mehr Energie als ’ne Covid-19-Pandemie (Kleiner Reim-Scherz, sorry!)?

2021 – massiv unter Druck

Und jetzt, nur weil plötzlich wieder Januar ist, jubeln alle. Ich bin immer für positives Denken. Daher sage ich: Sehr gut! Nur: Wir kennen das große Ganze nicht. Aber jetzt schreibe ich schnell noch etwas Schönes über das Jahr 2020. Über all das, was ich aus 2020 mit in das neue Jahr nehme, das von allen Seiten so massiv unter Druck gesetzt wird. Ich habe wenig Vorsätze (ein paar aber schon), vor allem aber Vorstellungen von Gefühlen, die ich mit in das neue Jahr nehme.

Am 24. Dezember des Jahres 2020 habe ich es wirklich fertiggebracht, kurz bevor ich ins Bett bin, noch mal darüber nachzudenken, wie dieses Jahr für mich verlaufen ist. Das Erstaunliche ist, während mir kurz zuvor auf Instagram Postings wie „Arschweihnachten“ ins Auge gesprungen waren, ist mir viel mehr Positives zu diesem Jahr eingefallen als Negatives. Dazu schiebe ich jetzt noch kurz eine kleine Bemerkung ein: Dieses Jahr habe ich vor Weihnachten viel mehr Post verschickt als in den vergangenen Jahren. Ich war wohl nicht die einzige, die auf diese Idee gekommen ist. Die Briefkästen waren in der Woche vor Weihnachten hier in unserem Kiez zum bersten voll. An einem Abend kam ich mit meinen beiden Kindern zeitgleich am Briefkasten an wie ein junger Vater mit zwei kleinen Jungs. „Da geht noch was!“ strahlte er mich an, steckte seine Hände in den Briefkastenschlitz und presste mit aller Kraft die Post zusammen, damit auch wir noch unsere Karten in den Briefkasten stecken konnten.

Dürfen wir das?

Eine andere schöne Begegnung mit einer Fremden hatten wir im Frühsommer. Die Kinder spielten im Vorgarten. Corona war in aller Munde. Mein Mann war gerade nach Hause gekommen und wir standen vorm Haus und sahen den Kindern dabei zu, wie sie Fangen um das Haus herum spielten. Vor uns auf dem Gehweg kam plötzlich eine Frau mit ihrem Fahrrad zum Stehen. Die Kette war gerissen. Mein Mann erklärte sich bereit, das Problem zumindest provisorisch zu lösen. Es war ja Pandemie-Zeit, die Frau zögerte, dann huschte ein dankbares Lächeln über ihr Gesicht. Sie war Ärztin, erzählte sie uns, jetzt auf dem Weg nach Hause, zu ihrem kleinen Sohn. Mein Mann machte sich an dem Fahrrad zu schaffen, es kam mir vor, als würde es noch eine Weile dauern und ich fragte, ob ich einen Kaffee machen sollte. Wieder dieses zaghafte Lächeln zwischen: „Dürfen wir das jetzt?“ und „Eigentlich wäre das schön.“ Ich bin hoch, wusch mir die Hände, machte den Kaffee, wusch mir wieder die Hände und brachte ihn nach unten. Etwa eine Woche später stand vor unserer Haustür ein Päckchen. Da standen die Vornamen von mir und meinem Mann drauf, eine kleine Karte klärte mich auf: „Danke für die schöne Begegnung, den Kaffee und die Hilfe mit dem Fahrrad.“ Eingepackt hatte sie uns eine Packung hochwertiger Kaffeebohnen …

Keine Begegnungsüberfrachtung

Dieses Jahr sind mir wirklich so einige Begegnungen mit Menschen in Erinnerung geblieben, die sehr schön waren. Vor allem natürlich Begegnungen mir Freunden. Und ich fragte mich natürlich, ob mir nur aufgefallen ist, wie besonders schön diese Begegnungen waren, weil es eben nicht so viele waren als sonst. Liegt es daran, dass wir uns in diesem Jahr auf so wenige Begegnungen konzentrieren konnten, dass sie uns als besonders schön in Erinnerung geblieben sind? Oder weil wir es einfach vermissten, andere zu treffen? Oder habe ich die Begegnungen nur so intensiv wahrgenommen, weil mein Jahr nicht so überfrachtet von Begegnungen war? Ich will damit nicht sagen, dass ich das immer so haben möchte. Nein, auch ich bin froh, wenn ich wieder ständig Leute treffen darf. Wenn meine Küche wieder voll ist und ich nicht nachkomme, Kaffee zu brühen und Milchhäubchen darauf zu verteilen. Aber ich kann diesem Jahr einfach etwas abgewinnen.

Mama – eine dankbare Aufgabe

Das erste Halbjahr des Jahres war ich vor allen Dingen eines: Mama. Wir hatten fast nur gute Tage. Meine Kinder waren nicht schlechter gelaunt als an Kitatagen. Irgendwann habe ich mich hingesetzt und zusammengerechnet, wie viel Zeit wir in Frühjahr und Sommer ausnahmslos miteinander verbracht hatten. Und ich dachte: „Lächerlich! Am Ende meines Lebens wird es mir vorkommen, als wäre das gar nichts gewesen!“ Wie dankbar werde ich dann auf das Jahr 2020 blicken! Ich weiß noch, dass der Frühling so dahinplätscherte, dass ich noch am Anfang zu einer meiner Freundinnen sagte: „Ich fühle mich um diesen Frühling betrogen“, obwohl in Kiel ausnahmslos die Sonne schien – wie skurril. Aber ich fühlte mich um ihn betrogen, weil ich normalerweise Ostern im Garten meiner Eltern feierte und das nicht möglich war, weil ich um Spielplätze einen Bogen machen musste und meine Freundinnen nicht zum Kaffee treffen durfte. Und dann, irgendwann, ich hatte fast vergessen, wie er sich anfühlte, kam der Sommer. Wir verliebten uns in einen Maulbeerbaum. Aßen schwarze Maulbeeren wie Himbeeren. Saßen an der Ostsee im Sand. Entdeckten Buchten, die so abgelegen waren, dass ich mich fragte, ob ich einen erneuten Lockdown verpasst hatte. Und verbrachten dann drei wahnsinnig schöne Wochen bei meinen Eltern in der alten Heimat. Ich habe diese drei Wochen ganz intensiv mit meiner Familie verbracht, denn ich wollte so lange ich bei meinen Eltern war, zu deren Schutz niemand anderen treffen. Das läuft sonst natürlich anders ab bei Heimatbesuchen. Und was ich mir zunächst noch ein bisschen schwierig vorgestellt hatte, wurde wunderbar. Es gab keinen Lagerkoller. Auf der Rückreise machten wir zwei Zwischenstopps bei Freunden. Das waren unter anderem die schönen Begegnungen des Jahres 2020. Zwei Übernachtungen bei anderen Familien. Zeit, die man intensiv miteinander verbringen konnte. Als die Kinder schliefen, sassen wir mit unseren Freunden im Garten bis in die Nacht hinein. 

Vergessene Pandemie in Kiel

Den Rest des Sommers verbrachte ich am Meer. Denn da wohnen wir. In diesem Jahr habe ich mich in die Ostseeküste verliebt. Für viele meiner Freunde klingt das erstaunlich, schließlich habe ich schon am Pazifik gelebt, bin in meiner Freizeit am Wochenende um die Channel Islands getaucht, hab beim Joggen Delfinen beim Baden zugesehen, feierte Weihnachten mit Spaziergängen am Ozean und 18 Grad. Nun aber liebe ich die Ostsee. Ich habe jeden Tag, an dem ich mit den Kindern im Sand saß, voller Dankbarkeit für dieses Leben auf das Wasser geschaut. Meine Töchter rannten mit mir durch die Wellen. Da war sie ziemlich in Vergessenheit geraten – die Pandemie. Meinen Rückblick auf den Sommer mit vielen Tipps für Aktivitäten mit Kindern in und um Kiel findest du hier.

Ich habe in diesem Jahr nicht viel vermisst. Außer meine Eltern. Die Möglichkeit, wann immer ich möchte, die Kinder in den Zug setzen zu können und die acht Stunden durch Deutschland zu rollen, um dann meine Eltern in die Arme schließen zu können. Und ich weiß auch heute nicht, wann exakt wir uns wiedersehen können. Und ob. Mein Vater wird in ein paar Wochen 81.

Das dritte Buch, Yoga Ups and Downs und ein Lockdown ohne Grenzen

Beruflich war das Jahr für mich kein schlechtes. Ich habe an meinem dritten Buch gearbeitet, das im April 2021 im riva Verlag veröffentlicht wird und meiner Meinung nach ein wichtiges Buch für unsere Gesellschaft ist. Die Arbeit daran hat viel Spaß gemacht, war aber auch kräftezehrend. Hier habe ich darüber berichtet. Ich durfte tolle Yogaklassen unterrichten und erlebte das Hin-und-Her zwischen Lockdown, Wiedereröffnung von Yoga- und Fitnessstudios, Teillockdown und Lockdown 2 wie eine Berg- und Talfahrt. Ende März hatte ich mich noch darüber geärgert, dass ich meinen Yogaretreat in Österreich nicht hatte durchführen können. Es dauerte nicht lange, da war mir das ziemlich egal. Online-Yoga hat auch für mich seine Berechtigung erhalten. Der direkte Kontakt mit den Schülern fehlt mir trotzdem. Eigentlich hatte ich dieses Jahr beruflich richtig durchstarten wollen, nachdem meine Kinder nun seit August beide einen Ganztagesplatz in der Kita beanspruchen dürfen. Aber na ja, wie wir alle wissen, war die Kita Mitte Dezember dann ja wieder zu. Wann sie wieder öffnet, weiß nun gerade niemand. Im vergangenen Jahr habe ich in dem Podcast Wandaful Yoga von Wanda Badwal das Interview mit Veit Lindau gehört. Das war eine schöne Inspirationsquelle und der Hinweis von Veit Lindau, dass man das, was man tut, mit Hingabe tun sollte, dass man sich genau an das, was man gerade tut, verschenken soll, hat mir sehr gut gefallen. Lindau sagt: „Es ist ein großes Missverständnis, zu denken, dass es in unserer Berufung darum geht, dass wir etwas bekommen.“

„Mama, der Mundschutz ist nicht blöd.“

Und dann war da der 24. Dezember, der so anders war als sonst. Weil wir wirklich niemanden getroffen haben. Es war ein schönes Weihnachten. Und ich ließ den Tag Revue passieren und dann das Jahr. Und wie gesagt, da fällt mir vor allem Positives ein. Ich habe wieder angefangen, zu bloggen und veröffentlichte seit Juni pro Woche mindestens einen, seit November mindestens zwei Artikel. Ich habe Dinge gemacht, die ich schon lange machen wollte. Zum Beispiel eine Lehrerin bezahlt, die mit mir nichts anderes als Pranayama, also Atemtechnik, übt. Ich war im Systemischen Coaching und in einer Therapiestunde. Ich habe mich für ein Kinderyoga-Lehrer-Training angemeldet. Ich habe mich 365 Tage an einer Zweijährigen erfreut und über eine Fünfjährige gestaunt. Vor zwei Wochen war mir draussen in der Kälte die Brille über dem Mundschutz angelaufen. „Blöder Mundschmutz“, sagte ich und meine Tochter sagte: „Mama, der Mundschutz ist nicht blöd.“ Auch darüber habe ich übrigens schon einen Text geschrieben.

Demut, Dankbarkeit, Rücksicht

Für mich stehen in diesem Jahr drei große Worte ganz weit oben. Demut. Dankbarkeit. Rücksicht. Und während ich so über alles nachdachte, fragte ich mich, ob wir Deutschen wirklich krisenfest sind. Ich höre und sehe so viel Gejammer. Aber wie würden wir uns verhalten, wenn eine wirkliche Tragödie uns erfassen würde? Wie zum Beispiel 2011 die Menschen in Fukushima. Oder die Menschen in Thailand, die im selben Jahr eine dramatische Flutkatastrophe erleben mussten. Oder die Menschen, denen 2005 Hurrikan Katrina einfach so die Häuser weggeweht hatte. Diese Liste ist beliebig lang weiterzuführen. Wir beanspruchen für uns selbst, das uns so etwas nicht widerfährt. Und das finde ich wahnsinnig hochmütig. In den letzten Wochen des Jahres sollte ich eine Reportage über kleine Unternehmer im Tourismus an anderen Orten der Welt schreiben und darüber, wie sie die Covid-19-Pandemie in diesem Jahr erlebt hatten. Und da war der Tourguide aus Kuba, der mir schrieb, dass seit Beginn der Pandemie nur zwei Touristen seine Tour gebucht hatten und dass er nun darauf wartete, dass alles wieder besser werde. Dass er nun als seine Aufgabe sehe, andere Menschen davor zu bewahren, krank zu werden. Er jammerte nicht.

Ich habe 2020 endlich auch mal wieder viel gelesen. Wo ich die Zeit hergenommen habe? Keine Ahnung. Und so habe ich viel gelernt in diesem Jahr. Das alles nehme ich mit ins neue Jahr. Auch, dass Egoismus out ist. Das ist eigentlich mit die schönste Erkenntnis des Jahres. Eine Frau, die ich auch erst in diesem Jahr kennenlernen durfte, schickte mir im Dezember eine schöne Geschichte. Sie passt auf das letzte Jahr. Als wäre sie dafür geschrieben worden. Und sicher auch auf das neue.

Der Chinesische Bauer
Autor unbekannt
Im alten China lebte ein Bauer, dessen einziger Besitz ein wundervoller schwarzer Hengst war. Dazu muss man wissen, dass das zur damaligen Zeit ein sehr wertvoller Besitz war. Selbst der Kaiser träumte von so einem Pferd! Die Dorfbewohner kamen eines Tages und sagten: »Mein Gott du hast ein ein Glück, so einen tollen Hengst zu besitzen, der dir auf deinen Feldern so fein zur Arbeit geht!« »Ja« sagt der Bauer, »das ist richtig! Es ist wies ist! Ist´s Glück, ist´s Pech – man wird sehen!«

Eines Tages lief er fort und der Bauer und sein Sohn mussten ihre Felder selbst pflügen. Die Nachbarn sagten: »Was für ein Pech, dass euer Pferd weggelaufen ist!«. Aber der Bauer antwortete: »Ja, das ist richtig! Es ist wies ist! Ist´s Glück, ist´s Pech – man wird sehen!«

Eine Woche später kam das Pferd zum Bauernhof zurück und brachte eine ganze Herde wilder Pferde mit. »So viel Glück! Mein Gott, was du für Glück hast! Jetzt hast du statt einem Pferd so viele!« riefen die Nachbarn, aber der Bauer sagte: »Ja, jetzt hab ich so viele! Schön. Aber es ist wies ist! Ist´s Glück, ist´s Pech – man wird sehen!«

Kurz danach versuchte der Sohn des Bauern, eines der wilden Pferde zu reiten, aber er wurde abgeworfen und brach sich ein Bein. »Oh, so ein Pech! Jetzt ist dein einziger Sohn vielleicht ein Krüppel und kann dir nie wieder richtig zur Hand gehen!« Die Nachbarn hatten Mitleid, aber der Bauer sagte wieder: »Ja, darüber bin ich sehr traurig! Aber es ist wies ist! Ist´s Glück, ist´s Pech – man wird sehen!«

Ein paar Tage später zog der Landesherrscher alle jungen Männer in sein Heer ein, um in die Schlacht zu ziehen. Aber den Sohn des Bauern ließen sie wegen seines gebrochenen Beins zu Hause: »Was für ein Glück, daß dein Sohn nicht in die Schlacht ziehen muss! So viele junge Burschen verlieren dort täglich ihr Leben!« freuten sich die Nachbarn. Aber der Bauer bemerkte nur: »Könnte ich euch nur helfen, weiter und tiefer zu sehen, als ihr es bisher vermögt. Wie durch ein Schlüsselloch betrachtet ihr euer Leben, und doch glaubt ihr, das Ganze zu sehen. Niemand von uns weiß, wie sich das große Bild zusammensetzt. Was eben noch ein großes Unglück scheint, mag sich im nächsten Moment in Glück erweisen. Anderseits erweist sich scheinbares Unglück auf längere Sicht oft als Glück und umgekehrt gilt das gleiche. Was daraus wird, weiß keiner von uns. Und jetzt geht nach Hause, und teilt die Zeit miteinander, die euch bleibt.«

Frohes neues Jahr.

Yoga während Corona … oder ein Mutmachtext

Wie kommen wir – und damit meine ich jetzt Yogalehrer – durch diese Zeit? Gibt es dann, wenn sie wieder öffnen dürfen, also vielleicht irgendwann im Jahr 2021, überhaupt noch Yogastudios? Kaufst Du Onlinestunden und Gutscheine bei Deinem Lieblingsstudio, damit Du auch wirklich irgendwann wieder in den Genuss einer Yogastunde mit Yogalehrer und anderen Yogis kommen kannst? Und was können wir Lehrer machen, in einer Pandemie, in der Yoga so wie wir es gewohnt waren, nicht mehr stattfinden kann?

Das hier sollte ein Artikel über das „Studiosterben“ werden. Denn Studios werden sterben. Manche sind schon während des ersten Lockdowns gestorben. Nun ist der Text ganz anders geworden als ich mir das vorgestellt habe. Vielleicht ist das ein gutes Zeichen. Ich habe mit vier Frauen gesprochen – jede von ihnen betreibt, eröffnete oder schloss ein Yogastudio in der Pandemie. Eine davon ist Gaby Rottler. In München kennt man sie. Sie ist die Frau, die das Wanderlust Café & Yoga in Neuhausen betrieben hat. Wenn man so will, kommen in Gaby alle Branchen zusammen, denen Corona in diesem Jahr so richtig auf die Schnauze gegeben hat: Gaby ist Künstlerin, sie war Gastronomin mit Café und Catering-Unternehmen und auch noch Yogastudio-Betreiberin. Als wir uns zum Interview verabredet haben, kommt sie gerade von einem dreitägigen Schweigeretreat. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich denken, dass es deswegen aus ihr so heraussprudelt. Aber diese Frau sprüht nur so vor positiver Energie. Das liegt nicht am Schweigeretreat. Sie macht mir ein Geständnis: Als die Nachricht vom ersten Lockdown kam, war sie mitten in einem Catering. „Mein erster Gedanke war Erleichterung.“ 

Es scheint, als kommen in Gaby alle Branchen zusammen, denen Corona in diesem Jahr so richtig auf die Schnauze gegeben hat. Aber das macht nichts: Gaby sprudelt nur so vor Ideen.

Befreiungsschlag: Corona

Das Wanderlust Café & Yoga stand unter einem guten Stern. Bei Gaby gab es Soulfood, immer nette Leute, gute Gespräche, tiefgründigen Yoga. Gaby Rottler hatte gemeinsam mit einer Partnerin einen Ort geschaffen, an dem alles sein durfte. Schnell war eine Yogacommunity entstanden. „Ich war stolz auf das, was wir geschaffen hatten. Wir waren eines der ersten Studios in München, die in der Pandemie nahezu mühelos und schnell auf online umstellen konnten. Wir hatten ein schönes Konstrukt, der Laden boomte aber ich war körperlich am Ende.“ Ihre Partnerin war kurz nach der Eröffnung vor über einem Jahr bereits ausgestiegen und Gaby Rottler stand alleine da. „Mein Körper hat einfach nicht mehr mitgemacht, das war eine schmerzhafte Erkenntnis. Corona hat mich von meinem schlechten Gewissen befreit. Und so konnte die Einsicht kommen, dass es nichts bringt, wenn ich kraftlos bin, den Laden aber weiterführen muss. Ich kann anderen nur Gutes tun, wenn es mir selbst auch gut geht.“ Die Covid-19-Pandemie war für Gaby Rottler eine Art Befreiungsschlag. „Ich durfte plötzlich innehalten und ohne Druck nachdenken, wie die Reise weitergehen sollte.“ 

Die Türen im Wanderlust Café & Yoga wurden geschlossen. Die monatlichen Fixkosten blieben natürlich. „Ich habe zum Glück sehr schnell die Soforthilfe bekommen und konnte damit erst einmal Luft holen. Ich wusste, ich hatte jetzt ein wenig Zeit zum Nachdenken. Die Kosten für meinen Lebensunterhalt konnte ich mit der Soforthilfe natürlich nicht decken, ich musste mir von Freunden Geld leihen, und dann hatte ich Glück: Im Juli habe ich sehr liebe Nachmieter für das Café gefunden, bei denen es auch in sehr guten Händen ist. Ich habe das Café mit allem Inventar abgegeben und dadurch bin ich zu etwas Geld gekommen.“ 

#don’tlivewithoutart, #don’tlivewithoutyoga

Der erste Teil der Pandemie war für Gaby Rottler anstrengend aber befreiend. Corona hatte Prozesse angestossen, auch bei den anderen Lehrern. „Ich bin freiberuflich in meinen alten Job zurückgegangen, mache Marketing für ein kleines Unternehmen, das ökologische und nachhaltige Produkte verkauft. Und wir haben gemeinsam eine gesunde Wandfarbenserie entwickelt, die von den Farben der Chakren inspiriert ist. Zudem habe ich begonnen, alle meine Bilder zu verkaufen. Ich brauchte Platz.“ Unter dem Hashtag #don’tlivewithoutart postet sie auf Instagram jeden Tag ein Foto von einem ihrer Werke und verkauft es für relativ wenig Geld in alle Welt. Gerade verschickte sie ein Bild nach New Jersey. „Ich wollte den Menschen einerseits die Möglichkeit geben, sich Kunst leisten zu können, andererseits habe ich gedacht, meine Bilder müssen raus. Irgendwohin, wo sie leben dürfen. Egal wie viel Geld ich dafür bekomme.“ Jetzt hat sie eine neue Idee. Zusammen mit anderen Frauen aus der alten Wanderlust Community möchte sie einen Online-Raum für selbständige Yogalehrer schaffen. „Wir wollen diejenigen unterstützen, die nicht die Manpower haben. Wir können nur gemeinsam aus der Krise wachsen.“

Gaby Rottler hat viele Ideen und nutzt die „besondere“ Zeit dafür, diesen Ideen Raum zu geben. Sie schreibt an einem veganen Kochbuch, macht gerade ihren veganen Ernährungsberater und findet endlich wieder Zeit für Dinge, die sie normalerweise liegenlassen würde. Mit den Hunden geht sie in die Natur, um Kraft zu schöpfen. Das dreitägige Schweigeretreat in den Bergen mit ihrem Partner und den Hunden hat Themen hervorgebracht, die sie im Rausch des Alltags scheinbar begraben hatte. Sie hat ein schönes Bild für das, was diese Pandemie uns gebracht hat: „Corona hat uns in die Häuser zurückgeschickt, jetzt brauchen wir wieder Community. Die darf aber auch online stattfinden, wenn es gerade nicht anders geht.“

Was Verrücktes

Auch in München macht Kerstin Gröber etwas „Verrücktes“. Sie eröffnet mitten in der Pandemie ein Yogastudio. Anfang Oktober – als in München gerade wieder Corona tobte – öffnet sie die Türen vom HAIRU Yoga Studio. Sie lacht. „Rational gesehen, hätte ich jetzt sagen müssen, ich stampfe diese Idee ein. Aber in mir brodelte etwas.“ Eigentlich sollte das „Hairu“ im Frühjahr 2020 eröffnet werden, Covid-19 machte den Plänen einen Strich durch die Rechnung. Dann kam der Sommer und Kerstin war nach allen Planänderungen, Sorgen und Überlegungen einfach noch nicht bereit dafür, ihr Vorhaben umzusetzen. „Es brauchte noch eine Weile, bis ich mir sicher war, dass ich, trotz eines in der Luft liegenden zweiten Lockdown, eröffnen wollte. Ich hatte plötzlich die Einstellung: Ich will es jetzt durchziehen.“ 

Das HAIRU Yoga Studio kam nur kurz in den Genuss von offenen Türen. Nun ist das Bild aus dem Spätsommer Wunschdenken.

Hairu ist japanisch, es heißt so viel wie, „nach innen gehen“. Kerstin hat bewusst kein Sanskrit-Wort gewählt. Außerdem mag sie die Mentalität der Japaner. Das passe zu ihr. „Ich habe mich für ein Konzept entschieden, dass anders ist und während der Covid-19-Pandemie ist in mir der Entschluss gereift, dass es genau so ein Studio jetzt braucht.“ Schmunzelnd und liebevoll sagt sie, sie biete „Randgruppen-Yoga“. „Eigentlich sind wir doch alle Randgruppen.“ Sie will, dass sich alle wohlfühlen, Männer, Frauen, Schwangere, Ältere, Unbewegliche, Extremsportler, Flexible, Ashtangis. Sie lacht. „Zusätzlich wünschte ich mir einen Ort, an dem alle zufrieden sind, die Schüler wie die Lehrer und die Studioleitung natürlich auch. Mir ist aufgefallen, dass wir Yogalehrer so viel über Selbstliebe und Nächstenliebe predigen und am Ende ist da doch eine sehr egoistische Welt. Ich weiß, dass der Satz: ‚Jeder ist willkommen‘ sich erst mal schön anhört und dann noch lange nicht umgesetzt ist. Aber das ist mein Anspruch.“ 

Krise schafft Einfallsreichtum

Mit den Lehrern, die im HAIRU unterrichten, teilt sie die Erträge. Niemand arbeitet auf Honorarbasis. Damit will sie die Lehrer mit ins Boot holen, ihnen Mitspracherecht geben, sie machen lassen. „Die Lehrer sollen hier gerne unterrichten, das ist mir sehr wichtig. Durch Corona ist vielen Lehrern aufgefallen, dass sie als Online-Lehrer ihr eigenes Ding machen und die Erträge direkt in die eigene Tasche stecken können. Lehrer sind aktiver geworden, sie haben mehr Erkenntnis, was eigentlich geht und genauso sieht ein Studio auch, dass man sich nicht auf Komfortzonen verlassen darf. Studiobetreibern muss klar sein, dass Online ein Wettbewerb bleiben wird. Wir müssen alle alarmierter sein. Und das ist für mich das Gute an einer Krise. Sie schafft Einfallsreichtum“, sagt Kerstin. Sie glaubt, dass das gewohnte Modell eines Studios nicht mehr richtig funktioniere. „Wenn wir die Lehrer involvieren, sind sie glücklicher und das spürt auch der Schüler. Im HAIRU wird alles geteilt. Es gibt keinen Stundenlohn. Aber genauso wird dann auch igrgendwann der Gewinn geteilt.“

Gleichberechtigung auf allen Ebenen

Als Yogaschülerin habe sie die Erfahrung gemacht, dass sie sich auf allen Ebenen gleichberechtigte Begegnungen wünsche. „Ich stellte mir die Frage, wie ich als Schülerin behandelt werden möchte und gleichwohl dann auch die Frage, wie Lehrer von der Studioleitung behandelt werden wollten. Ich glaube, mit der Krise haben wir die Erkenntnis gewonnen, dass wir neu handeln müssen, um überleben zu können.“ Das HAIRU befindet sich in einer alten Autowerkstatt – ein großer Yogaraum mit einem kleinen Vorraum, einer Sitzecke, Teeküche, Garderobe, WCs. Das war es.

Natürlich gehe das finanziell noch nicht auf, doch das wäre ja auch ohne Corona so. „So ein Business braucht Zeit.“ Am wichtigsten sei es nun, mit den Schülern in Kontakt zu bleiben.

Eine weitere Erkenntnis, zu der sie in der Pandemie gekommen sei: „Wenn ich etwas will, dann bleibe ich dran. Dann ziehe ich das durch. Es ist sicher wichtig, sich treu zu bleiben. In so einer Krise kann man schnell abgelenkt werden, man hinterfragt mehr, hört weniger auf seine Intuition. Ich glaube, das muss man ablegen. Wie beim Yoga eben. Den Fokus auf das legen, was wirklich zählt. Nach innen gehen.“ 

Yoga für Senioren

Silke Wagner betreibt in Büttelborn in der Nähe von Frankfurt das Studio 1fach Yoga. Der Name soll Programm sein: Silke wollte einen Ort kreieren, an dem auch die Menschen ein Zuhause finden, die sich in vielen Studios überfordert fühlen, weil Asanas zu schwierig für sie sind. „Als ich meine Ausbildung gemacht habe, merkte ich schnell, dass mir die älteren Leute wegbrechen würden. Ich dachte: Wie schade, denn eigentlich soll Yoga sich den Teilnehmern doch anpassen. Ausgerechnet die Älteren würden doch so sehr von Yoga profitieren.“ So begann sie, Yoga für die Altersklasse 50plus anzubieten. Das sprach sich schnell herum. „Die Zielgruppe war dankbar. Die Menschen spürten, dass sie ihren Körper besser kennenlernen konnten. Dann kam Corona. Und gerade die Älteren haben unter der langen Pause sehr gelitten.“

Müde aber planlos glücklich

Im „Lockdown light“ ist Silke müde, „das Thema kann ich langsam nicht mehr hören“, sagt sie. „Das ganze Jahr war ein einziges Organisationschaos. Ja, ich fühlte mich angetrieben, habe getan und gemacht aber wenn ich inne halte, stelle ich fest, das Jahr war sehr aufreibend.“ Sie steckt den Kopf nicht in den Sand, auch nicht, als sie im ersten Lockdown auf online umstellen will und das gesamte Equipment erst ankommt, als Yogastudios längst wieder geöffnet haben. 

Silke Wagner ist „Corona-müde“. Kein Wunder, sie fährt das Tablet höchstpersönlich zu ihren Senioren-Schülern, damit auch wirklich all ihre Kunden weiterhin Yoga üben können.

„Wenn ich etwas gelernt habe, dann, dass Planen im Voraus nicht viel Sinn macht“, sagt die Mutter zweier Kinder. „Und diese Erkenntnis hat auch etwas Heilsames. Kürzlich fragte mich eine Freundin: ‚Was machen wir eigentlich im Januar, wenn es so weitergeht?‘ Und da sagte ich: ‚Erstmal ist ja Dezember. Also warum soll ich schlaflose Nächte wegen Januar haben?‘“

Stolz ist sie darauf, dass der Großteil ihrer Kunden mit online gegangen ist. Sie unterrichtet hauptsächlich Senioren und die meisten davon machen jetzt Yoga mit einem Videolink. Dann hat sie noch eine Idee: Um allen Yoga zu ermöglichen, auch denjenigen, die sich das Internet nicht mehr zutrauen, fährt sie ihr eigenes Tablet zu den Kunden nach Hause. 75 Minuten später holt sie das Tablet ab, manchmal bringt sie es direkt zum nächsten.  

Senioren machen Online-Yoga

„Zu sehen, wie sich die Senioren reinfuchsten, das war unheimlich schön. Die haben sich auch was einfallen lassen, da half dann das Enkelkind oder so.“ Alle ihre Kurse sind jetzt online. Sie vermutet, dass sie ungefähr 20 Prozent ihrer Kundschaft verloren hat. Silke arbeitet zusätzlich als Spiraldynamik-Pädagogin. Sie kämpft dafür, Einzelstunden weiterhin anbieten zu dürfen – und siegt. „Ich konnte nicht zulassen, dass meine Kunden, die mit ihrer Schmerztherapie auf einem guten Weg waren, wieder vermehrt Schmerzen spüren.“ Ihre Kosten kann sie auch mit vorhandenen finanziellen Reserven tragen. Trotzdem sagt sie: „Bei jedem Kunde, der mir sagt: ‚Online mache ich nicht mit‘, tut es trotzdem weh.“

Enorm findet sie den Aufwand, den das ganze Online-Geschäft mit sich bringt. „Die Organisation, Videolinks, Einladungslinks, Aufnahmen komprimieren, dazu noch das Studio, das ja weiterhin da ist – das ist alles anstrengend. Ich muss meine Mitarbeiter bezahlen, musste das Equipment anschaffen und muss immer darauf achten, dass alles klappt, dass das Mikro geladen ist, der Laptop läuft, …“

Sie spüre Existenzängste, vor allem, weil niemand sagen kann, wie lange die Situation andauert aber sie sagt auch: „Wenigstens läuft es nun. Es ist entspannter geworden. Ich bin nicht mehr hilflos bei dem Gedanken an ‚Online‘. 

Zoom? Was ist das?

Isabelle Bartmann ist Inhaberin und Yogalehrerin des isayoga in Regensburg. Ein Teil des Kursplanes läuft nun online. Wenn sie an den Tag vorm Lockdown im März denkt, kann sie heute lachen. „Eine österreichische Freundin hatte mir früh gesagt: ‚Stell um auf online. Deutschland wir betroffen sein von diesem Virus.‘ Ich war völlig irritiert. Zoom? Was war das? So etwas hatte ich noch nie gehört. ‚Wir brauchen ein Mikro‘, hieß es dann und wir haben einfach irgendwas ausprobiert und schnell festgestellt, dass das nicht ging. Ich hatte wirklich null Ahnung.“ Einen Tag bevor alle Läden schliessen sollten, fährt sie zu einem großen Elektromarkt. „Ich brauche Air Pods“, sagte ich zum Verkäufer.  Der schaute mich an, sagte, ‚ja ich habe eine Lieferung gekriegt‘ und dann kam er mit einem Paar und sagte mir: ‚So dann wären die jetzt auch wieder ausverkauft.‘ Ich bin naiv dahin gefahren und hatte also ein Schweineglück.“

isayoga: Die Matten warten auf ihre Schüler. Wie lange noch, weiß niemand.

Nach einer Woche war sie dann bereit. Nach und nach stieg sie dahinter, wie die Qualität besser werden könnte. Sie erhält viel Unterstützung aus ihrem Team. „Am Anfang war alles verrückt“, sagt sie. „Wir hatten unser Wohnzimmer ausgeräumt, weil es im Yogastudio noch gar keine Internetverbindung gab.“ Ihre Kunden waren geduldig. „Ich glaube, sie waren einfach sehr dankbar, dass wir irgendwas anbieten.“ Auch sie entwickelt in der Krise Ideen. Ihr kommt in den Sinn, ihre Kunden zu fragen, ob sie für andere Kunden Yoga spenden wollten. Sie nennt das Projekt „Soforthilfe Yoga“. Damit möchte sie vor allem diejenigen unterstützen, die von der Pandemie besonders betroffen sind. Das Feedback überwältigt sie. Anderen Selbstständigen, die ihr sagen: ‚Isa, es tut uns leid, Yoga ist finanziell bei uns gerade nicht drin‘, gibt sie einfach die Zugangsdaten für die Onlinestunden. „Ich finde, in so einer Situation muss man zusammenhalten.“ Nach den Stunden finden online Gespräche statt. „Die Community ist mir wichtig. Ich gebe allen die Möglichkeit, miteinander in Verbindung zu bleiben.“

Alle Gefühle

Im ersten Lockdown habe sie so ziemlich alles gefühlt. Sie wollte hinschmeissen, hatte dann wieder unbändige Energie, dann ganz viel Wut. „Ich habe mich oft gefragt, wie ich das alles schaffen soll. Und dann begann ich, zu sehen, was mir Corona Positives gebracht hatte. Mehr Zeit beispielsweise. Weniger Termine. Ich arbeite viel, kann mir die Zeit aber auch freier einteilen. Ich habe das Gefühl, die ganze Welt ist so überdreht. Und nun bekamen wir die Möglichkeit, herunterzukommen. Wir sehnen uns einerseits nach einer Pause, wenn sie als Geschenk einer Zwangspause kommt, können wir sie allerdings schlecht annehmen.“ 

Sie bleibt im Vertrauen. „Das große Ganze können wir jetzt noch nicht sehen. Ob mein Studio, das in den letzten sechs Jahren fantastisch lief, überlebt, weiß auch ich heute nicht. Aber für mich ist da auch eine Erkenntnis, dass es immer einen Weg gibt.“ Was schmerze, sei, dass das, was die Seele nähre in vieler Hinsicht nicht erlaubt sei. Kunst, Musik, Theater, Bewegung, Massage, … während Shops geöffnet blieben. 

Sie appelliert an die Kunden, die sagen: ‚Ich warte bis die Studios wieder öffnen‘, die Pause nicht zu lang werden zu lassen. Wir dürfen nicht damit warten, bis Studios wieder offen sind. Denn vielleicht gibt es sie dann nicht mehr. Vielleicht kann die Lieblingslehrerin dann nicht mehr bezahlt werden, vielleicht macht sie dann lieber was anderes. Und deswegen: buch Onlinestunden. Verschenk Yoga-Gutscheine. Verschenke große Portionen Mut. Meckern nützt nichts. Die Gespräche mit diesen vier unterschiedlichen Frauen haben mich sehr inspiriert – unabhängig von diesem Artikel. Und da war vor allem der Gedanke von Zusammenhalt, von „Sisterhood“ – allerdings gleich welchen Geschlechts. Einander helfen bringt mehr als egoistisch zu handeln, das ist glaube ich, eine der großen Erfahrungen dieser Krise. Findest Du nicht auch?

Diese vier Frauen und die genannten Yogastudios stehen stellvertretend für viele andere. Mir geht es nicht darum, für genau diese Studios Werbung zu machen. Alle vier Frauen kannte ich vor unseren Gesprächen nicht persönlich.

Essen, Schlafen, Atmen

Auf vielen Blogs, die ich selbst gerne lese, wird zurzeit über Strategien berichtet, wie wir uns die  Pandemie-Zeit verschönern können. Oder auch: wie wir sie überleben können. Ich nehme mich da nicht aus, ich habe das auch in den vergangenen Artikeln schon mehrfach getan. Basteltipps, die Kinder beschäftigen, Rezepte, die gute Laune machen, Inspiration für Sport an der frischen Luft, der das Immunsystem stärken soll, Dinge, die uns glücklich machen und dann natürlich das, was sowieso immer hilft: sich bewusst machen, wofür man eigentlich dankbar sein kann – tolle Tipps. Sie helfen wirklich. Und machen wirklich gute Laune.

Es gibt aber drei Komponenten, die wir nicht vergessen sollten, und ich weiß aus eigener Erfahrung, dass wir sie vergessen. Regenerationsspezialist Thorsten Ribbecke, der an der Trainerakademie des Deutschen Olympischen Sportbundes in Köln arbeitet, sagt: „Schlaf, Ernährung und Atmung – das sind die drei Bereiche unseres Lebens, die für bestmögliche Erholung sorgen. Und was für Leistungssportler gilt, sollte für jeden Menschen gelten.“

Ernährung ist immer emotional

Ich bin Yogalehrerin. Stimmt. Aber schaue ich mir die drei Bereiche in meinem Leben genauer an, dann tut sich mir die erstaunliche Realität auf: Die drei Komponenten lassen bei mir zu wünschen übrig. Ich glaube, der Bereich Ernährung ist noch der, der mir am besten gelingt. Immer noch nicht so gut, wie ich es eigentlich möchte, aber immerhin. Ich würde gerne mehr Ayurveda einbringen, gelingt mir noch nicht. Auch wenn ich hier auf dem Blog gerade jede Menge Komfort-Food feiere, achte ich sehr darauf, womit ich meinen Körper nähre. Ich kaufe nie Fertiggerichte, wir kochen immer bis auf ganz wenige Ausnahmen – wenn wir mal Thai-Food holen, weil es gerade organisatorisch nicht anders geht – selbst, kaufen ausnahmslos Bioprodukte und zwei Mal die Woche decke ich mich beim Ökobauer meines Vertrauens mit reichlich Obst und Gemüse ein. Sogar die Nüsse kaufe ich mittlerweile beim Demeter-Bauer. Ich süße wenn, dann meistens mit Honig, Datteln oder Ahornsirup und esse kein Fleisch. Ich trinke nie mehr als zwei Tassen Kaffee am Tag – mein Arzt behauptet übrigens, der zweite wäre so wichtig … Ich trinke nie Alkohol, keine Limonaden. An die letzte Cola kann ich mich nicht erinnern. Muss man so nicht machen. Ich sage damit nur, erstaunlicherweise ist die Komponente Ernährung vermutlich die, die am besten bei mir funktioniert. 

Schlaf wird nicht überbewertet

Schlaf?! Toll. Nehme ich. Glaubt man Ribbecke, ist das der Punkt, der am wenigsten für Diskussionen sorgt. „Das ist jedem, wenn es um Regeneration geht, klar. Das ist auch, im Vergleich zu Ernährung beispielsweise, kein Thema, das emotional schnell hochkochen kann, weil plötzlich auch noch so etwas wie Ethik oder Umweltschutz eine Rolle spielt und weil Ernährung generell ein sehr persönliches Thema ist.“ Die meisten Menschen schlafen ja auch gerne. Aber gut? Ich schlafe seit über fünf Jahren wirklich meistens schlecht. Ich habe seit über fünf Jahren nicht mehr durchgeschlafen. Angefangen hat das in meiner ersten Schwangerschaft; mir war da fünfeinhalb Monate lang so schlecht, dass ich mir morgens wünschte, es wäre Abend und nachts wünschte ich mir, es wäre Tag. Ich hatte nachts ständig Durst und musste demnach natürlich auch dauernd aufs Klo. Ich nahm es mit Humor, dachte mir: „Super, dann wird das mit dem Baby ja nachts ein Klacks.“ So war es auch. Natürlich schliefen meine Babys nicht durch, aber es störte mich auch nicht, sie nachts zu stillen. Morgens fühlte ich mich –spätestens nach einem Kaffee – total fit. Ich bin Langzeitstill-Mama, deswegen schlafe ich heute noch schlecht. Mein Körper hat sich nach zwei Stillkindern einfach daran gewöhnt, nachts mehrmals wach zu werden. Zusätzlich dazu ist immer was: Die Kinder haben schlecht geträumt, kommen garantiert an dem Tag morgens um fünf Uhr auf den Gedanken, aufstehen zu wollen, wenn ich mal abends ganz spät ins Bett bin oder sie haben sich mitten in der Nacht versehentlich geweckt. Ich habe mir nie so viele Gedanken darüber gemacht, doch in den letzten Tagen bin ich schon um 21 Uhr ins Bett. Ich dachte, ich müsse vielleicht mal Schlaf nachholen. Gerade hat übrigens Claudia Schaumann von Wasfürmich ganz süß darüber gebloggt. Sie hat auf Instagram ein Profil gefunden, das sich nur um das Thema Naps, Ausschlafen und Entspannung dreht: @thenapministry und findet es unheimlich angenehmen, einfach nur diesen Account zu scrollen.

Bezahlen um zu atmen …

Tja und Atmung? Hust. Hust. Was habe ich mir einen abgeatmet die letzten Jahre! Immer mit dem Anspruch effektiv zu atmen, den Sauerstoff in jede Zelle meines Körpers zu schicken, Kohlendioxid abzutransportieren und innere Ruhe zu bewahren. Hat nicht wirklich funktioniert. Ich sage es gleich: Yogalehrerin zu werden, bedeutet nicht, dass man auch direkt lernt, vernünftig zu atmen.

2016 habe ich ein Yoga-Buch veröffentlicht, ein Kapitel darin hieß: „Bezahlen, um zu atmen?“ Das sollte natürlich ironisch sein. Die Wahrheit ist: Auch ich gehe nun zur Atemtherapie. Da gebe ich richtig Geld für aus. Wir atmen rund 24.000  Mal am Tag und etwas, das wir so häufig machen, sollte optimiert werden. Das sagt auch Ribbecke. Er sagt auch, dass das Thema, wenn er mal wieder über Regenerationsstrategien referiert, bei den meisten Athleten erst auf Ablehnung stößt. Atmen und Meditation – da müsse er sich schon eine richtig gute Marketingstrategie einfallen lassen, bis die Sportler ihm zuhören würden. Hat er aber jetzt. Er hat sich ein paar amerikanische Badass-Athleten rausgesucht, die nachweislich meditieren und das ziehe immer, sagt er. Wenn er erzähle, das Sportstars wie LeBron James seit Jahren einer regelmäßigen Meditationspraxis nachgingen, dann kämen die Athleten nach seinem Vortrag zu ihm und würden sagen: „Du, gibt es da nicht eine App, die wir nutzen können?“ „Von einer richtigen Atemtechnik profitiert nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Leistungsfähigkeit“, sagt Ribbecke. „Die Atmung erzeugt Reaktionen in unserem Nerven-, Muskel- und Fasziensystem, sowie Knochen- und Gelenksystem und hat Einfluss auf das autonome und das zentrale Nervensystem“, erklärt er.

Welche Muskeln helfen eigentlich beim Atmen?

„Du musst überhaupt erst mal wieder lernen, dein Zwerchfell zu entspannen“, sagte mir meine Pranayama-Lehrerin ganz unverblümt in unserer ersten gemeinsamen Stunde. Das Zwerchfell entspringt an den Rippen, dem Brustbein und den oberen Lendenwirbeln und ist unser wichtigster Atemmuskel. Bei einer ruhigen Einatmung übernimmt das Zwerchfell den Großteil der Atmung und in Teilen die Zwischenrippenmuskulatur sowie die schräge Bauchmuskulatur. Ein Teil des Zwerchfells steht in Kontakt mit den unteren Rippen und der Brustwand. Dieser Teil wird unter anderem von der Bauchmuskulatur kontrolliert. Wenn das Atmen ganz schwer wird, helfen auch noch Teile der Muskulatur des Schultergürtels und des Halses, die sogenannte Atemhilfsmuskulatur. Voraussetzung für eine effektive Atmung ist immer, dass die Atemmuskeln gut funktionieren. „Ist dieser Bereich gestört, kann es zu einer ineffizienten Atmung durch einen verminderten Zwerchfelldruck kommen, der querverlaufende Bauchmuskel, der für die Stabilisation im Lendenwirbelbereich und auch für die Atmung wichtig ist, wird nicht richtig eingesetzt und dadurch verändern die anderen Muskeln, die an der Atmung beteiligt sind, ihrerseits ihre Funktion und laufen Gefahr, zu überlasten“, sagt Ribbecke.

…ausgerechnet die Atmung können wir beeinflussen

So weit muss es natürlich nicht kommen, aber wir sollten uns dessen bewusst sein, dass wir ausgerechnet die Atmung im Vergleich zu allen anderen vegetativen Funktionen unseres  Körpers beeinflussen können. Verrückt, oder? Atmen wir effektiv, sinken Puls und Bluthochdruck. Ich bin schwer am Üben. Atme vor mich hin, spüre ganz bewusst meinen Bauch, der sich beim Einatmen hebt und beim Ausatmen senkt. Und lerne, mein Zwerchfell wieder zur entspannen. Das hilft übrigens auch, wenn es zuhause mal wieder stressig wird, weil jemand keine Lust hat, im Winter Schuhe anzuziehen bevor wir dringend los müssen oder wenn sich zwei Kinder um irgendwelches Spielzeug streiten, während ich eigentlich kochen sollte… Einatmen. Ausatmen. Und zwar nicht nur automatisch. Ich gehe im Moment tatsächlich jeden Tag auf die Matte, um Pranayama, also Atemtechniken, zu üben. Die Asana-Praxis ist unwichtiger geworden. Oder auch, ich habe mehr und mehr verstanden, dass Asana dazu da ist, Pranayama zu üben. Im Moment gefällt mir das. Vielleicht liegt’s am Alter …