Schlagwort: Rassismus

Lauschangriff und Lesestoff vom 26. März 2021

Als es am Montagmorgen still in der Wohnung geworden war, dachte ich an den Frühling und daran, dass ein nächster Lockdown nur leichter werden könne … Weil ich ihn einfach zum größten Teil im Garten und draussen verbringen würde. Ich höre jedenfalls schon die Vögel singen. Das rettete mich über den Tag. Und ich fragte mich, ob ich so wie jetzt, während dieser Pandemie, in Krisenzeiten immer handeln würde? Ob der Mensch immer versucht, sein Leben möglichst normal weiterzuführen? Wie ist das, wenn man in einem Kriegsgebiet lebt, fragte ich mich. Bringt man auch dann die Kinder jeden Morgen zur Kita und in die Schule und die Hunde raus? Freut man sich über die Entwicklungsschritte des Babys, fährt man zur Arbeit, macht man einfach weiter? Wahrscheinlich schon. Ich weiß es nicht. Das besonders Verrückte an dieser Pandemie ist ja, dass wir nicht wissen, was danach ist. Bleibt das Leben „anders“? Ich finde gar nicht, dass es darum geht über richtig und falsch zu diskutieren, über zu wenig Impfstoff oder gar keine Impfung, über unsinnige, vernünftige oder nicht faire Beschlüsse der Regierung. Ich glaube, es geht darum, zu überlegen, was wir alle anders machen können, damit es überhaupt nicht mehr so weit kommt. „Man kann nicht alles haben“, ist ein blöder Spruch aber ich finde ihn je mehr ich darüber nachdenke, ziemlich gut. Irgendwann haben Menschen angefangen, zu glauben, sie könnten eben doch alles haben. Aber das stimmt nicht. Hier liegt das Problem. Irgendwas und somit auch wer bleibt immer auf der Strecke. Und so gilt es, für sich selbst festzulegen, was wirklich wichtig ist …

Auf der Internetseite https://www.zukunftsinstitut.de beschreiben Forscher vier mögliche verschiedene Szenarien, wie ein Leben nach der Pandemie aussehen könnte. Es ist interessant zu lesen und sich dann vielleicht ein Wunschszenario auszusuchen oder auch selbst auszumalen …

Pandemüde oder schlapp?

Das Süddeutsche Magazin hat ein Thema aufgegriffen, auf das ich vor zwei Wochen bereits hier in meiner Lauschangriff-und Lesestoff-Serie hingewiesen hatte. Da ging es um den Podcast mit Dr. Anne Fleck. Nun erzählt sie auch im Süddeutsche Magazin, ab wann wir bei Müdigkeit die Notbremse ziehen müssen. Sie sagt beispielsweise: „Wer sich pausenlos durch den Tag snackt, kommt nie in den wichtigen Prozess der Autophagie, in der der Körper Zellschrott recycelt. Wer dauernd isst, fordert Leber und Magen-Darm-Trakt zur ständigen Arbeit heraus. Der Körper kriegt keine Ruhe, es fehlt die Zeit der Regeneration.“ Das gilt übrigens auch für Kinder …

Unter Männern …

Dieser Podcast beinhaltet ein interessantes Gespräch unter Männern: Veit Lindau und Bestseller-Autor und Coach Lars Amend sprechen eineinhalb Stunden lang sehr offen und ehrlich über die Liebe, über Männer und darüber, wie die Liebe bleibt (vor allem was Veit Lindau dazu zu sagen hat, ist schön: Man muss nicht immer einer Meinung sein, aber Liebe ist, wenn man das ehrliche Interesse daran nicht verliert, zu erfahren, warum die Meinung des anderen so ist, wie sie ist …) Lars Atmend stellt darüberhinaus die interessante Frage (ungefähr ab Minute 50), wie Männer in der heutigen Zeit eigentlich ihre männliche Energie beibehalten können, „ohne dass es gegen die Frau geht“. Ein aufschlussreiches Gespräch – bestimmt nicht nur für Männer. 

Auch dieses Gespräch ist eins unter Männern. Es geht um Rassismus. Die ehemaligen Nationalspieler Erwin Kostedde und Gerald Asamoah im Interview mit dem Zeit Magazin. Wichtig und berührend.

Exklusiv-Zeit

Jetzt kommt ein Bericht über zwei Mädels. Was Katja Kröger in ihrem aktuellen Artikel auf wasfürmich schreibt, kann ich gut nachvollziehen und diese Exklusiv-Zeit mit Mama ist für die Kinder wahnsinnig wichtig. Für meine Fünfjährige gibt es Exklusiv-Zeit in Nicht-Lockdown-Zeiten jeden Montag Mittag ab viertel nach eins. Da habe ich keine Termine, das Date mit ihr ist fest im Kalender eingetragen. Es tut ihr so gut. Und mir auch. Kürzlich war das Wetter mal besonders schlecht und wir haben einfach zusammen einen Film geschaut. Ich schaue kaum fern. Natürlich hatte ich ein schlechtes Gewissen, dachte, das sei pädagogisch bestimmt jetzt totaler Mist – es war wunderbar. 

Wichtig aber nicht systemrelevant

Das hier ist nicht neu, sondern aus dem Februar, aber ich wollte es als kleine Erinnerung noch einmal hier erwähnen. Mir ist schon öfter aufgefallen, dass manche Leute sich von dem Begriff „systemrelevant“ triggern lassen. Dabei heißt „nicht systemrelevant“ überhaupt nicht, dass der Job nicht wichtig oder gut ist. Kristin Rübesamen erklärt das sehr schön.

Ist Yoga systemrelevant? Nein, ist es nicht. Wir Yogalehrer können niemanden retten, bei dem die Lunge versagt.

Kristin Rübesamen, YogaEasy

Darum geht es bei diesem Begriff. Um nichts anderes. Und damit weiterhin Menschen gerettet werden können – übrigens nicht nur die, bei denen die Lunge versagt, sondern alle, die in ein Krankenhaus müssen, dort liegen oder Gefahr laufen, dort zu landen, sind auch beispielsweise Erzieher/innen systemrelavent, denn die Kinder der Menschen, die in der Gesundheitsbranche arbeiten, müssen schliesslich betreut werden. Dann brauchen wir auch noch was zu essen, sonst läuft gar nichts. Punkt. Das ist es eigentlich. Ziemlich simpel. Das heißt aber nicht, dass deine Arbeit oder du nicht wichtig (b)ist. 

Quinoa-Eier?!?

Und jetzt kommt das, worauf ich mich schon freue, wenn die Osterfeiertage, neudeutsch: Ruhetage, äh oder jetzt doch nicht, eintreten. Danke Lynn, das Rezept kommt wie gerufen und ist endlich mal was anderes als all die Rezepte über vegane Osterideen, die es sonst so gibt. Ich habe gepoppten Buchweizen zuhause, klappt damit bestimmt auch. 

https://de.heavenlynnhealthy.com/knusprige-ostereier-mit-quinoa/

In den nächsten Tagen werde ich viel aufschreiben, Yoga üben, Gewichte stemmen (weil mir das gerade so gut tut) und Over Night Oats vorbeireiten. Und das Rezept dazu verlinke ich dann nächste Woche.

Lauschangriff und Lesestoff vom 22.1.2021

Schon im Februar 2019 titelte das i-D Magazin: „Die Wellness-Industrie hat ein Problem mit Diversität“. „Wellness und Weißsein sind in der westlichen Gesellschaft zum Synonym geworden“, heißt es da. Der Artikel hatte mich hart aus meiner rosaroten Yogablase gerissen. Dabei war es mir in Kalifornien, wo ich meine Yogalehrer-Ausbildungen absolviert hatte, natürlich auch schon aufgefallen: Immer mal wieder begegnete ich auch Yogalehrern und -schülern mit dunkler Hautfarbe. Aber selten. Einer meiner Lehrer war Arturo Peal, er ist dunkelhäutig und ich habe mir natürlich nie Gedanken darüber gemacht. Dass heißt aber auch, dass ich ihn nie darauf angesprochen habe, dass es in der Yogaszene, die mir bekannt ist, doch recht wenige People of Color gibt und wie er sich eigentlich damit fühle. Eigentlich hätte ich das tun müssen. Dass ich es nicht getan habe, sondern dieses Thema verschwiegen habe, zeigt eigentlich nur, wie wenig Weiße über Rassismus wissen, auch wenn sie von sich selbst behaupten, es natürlich nicht zu sein. Stefanie Luxat hat das sehr schön in einem Artikel zum Thema Rassismus auf ihrem Blogmagazin Ohhhmhhh ausgedrückt: „Du stellst dich deiner Scham, doch nicht so viel zum Thema Rassismus zu wissen, wie du immer dachtest.“ Das ist es wohl. Wie so oft hatte sie ein Gefühl mit den richtigen Worten beschrieben. In dem Artikel aus dem i-D-Magazin schrieb Stacie Graham, die Gründerin von OYA: Body-Mind-Spirit Retreats: „Schwarze Frauen und Women of Color nehmen sich selbst nicht als die Zielgruppe von Wellness wahr.“ Dieser Satz hatte mich tief berührt. Und wahrscheinlich auch beschämt. Und die Frage, was ich als weiße privilegierte Yogalehrerin tun kann, um das zu ändern, ist immer noch unbeantwortet. In dieser Woche hat Yeama Bangali auf rosamag über das Thema geschrieben. Dass Wellness für jeden eine eigene Definition hat, ist ebenso wichtig zu erkennen. Bangali schreibt: „Es ist okay, wenn du nicht um 6:30 Uhr für eine Yoga-Einheit aufstehen, den gesunden Grünkohl-Smoothie schlürfen willst oder dich der Gedanke an Meditation eher stresst. Was dir gut tut, ist das Richtige für dich.“

Lockdown-Tipps? Her damit!

Der Podcast „Die friedvolle Geburt“ widmet sich in seiner neuesten Ausgabe dem Thema „Herausforderungen im Lockdown für Familien“. Kristin Graf interviewt dazu die Lerntherapeutin Jovita Bose. Tja, was soll ich dazu sagen, ein paar Tipps können wir sicher alle gut gebrauchen. Sehr spannend finde ich auch die Arbeit des Deutsch-Dänischen Instituts für Familientherapie. Ich habe den Podcast „Die friedvolle Geburt“ hier schon mal vorgestellt und erwähne ihn gerne wieder, weil ich vermute, dass Menschen, die nicht gerade kurz vor einer Geburt stehen, nicht immer daran denken, reinzuhören. 

Yoga und Aktivismus

In dieser Woche habe ich noch einen besonderen Podcast-Tipp. Die Yogalehrerin und Redaktionsleiterin von Fuckluckygohappy Ulrike Schäfer spricht im aktuellen Podcast von studio36 über ein wahnsinnig spannend und brennend heißes Thema: Was hat Yoga mit Aktivismus zu tun? Und wie verhilft uns Spiritualität dabei, positiv gestimmt ins neue Jahr zu gehen? Ulrike Schäfer erklärt, warum sie sich als Yogini natürlich Sorgen um die Klimakrise macht und warum es so wichtig ist, dass Aktivisten sich gut um sich selbst kümmern. Außerdem erzählt sie, was ihr während der Corona-Krise bis jetzt dabei geholfen hat, locker zu bleiben. Das war nämlich nicht immer unbedingt Yoga, sondern TRX-Training, High Intensive Training und Tanzen. Die Routinen aufzubrechen, helfe, um festzustellen, was man gerade eigentlich braucht.

Nicht mein Gemüse!

Gemüseabteilung made in America

Dieses Foto hier habe ich aufgenommen, als ich im Januar 2014 in die USA gezogen bin und dort dann das erste Mal in einen Supermarkt marschierte. Es hatte mich belustigt und schockiert gleichermaßen; ich schickte es meinen Freunden nach Deutschland als ersten Gruß und musste dabei schmunzeln. Wie grauenvoll es ist, wußte ich natürlich damals schon. Es war übrigens für mich der Beginn eines Lebens, in dem ich ausschließlich Obst und Gemüse in Bioqualität kaufen wollte – eine Konsequenz, die tatsächlich aus meiner Zeit in den USA entstanden ist und von einigen meiner Bekannten vermutlich als ein bisschen radikal eingestuft wird. Dieser aktuelle Artikel auf Schrot und Korn erklärt deutlich, warum ich diese Entscheidung getroffen habe und auch in Deutschland nicht davon abweichen möchte. Ich bin sehr froh und schätze es, dass ich – seit wir in Kiel leben – direkt bei einem wahnsinnig guten Biobauern einkaufen kann. Dort durfte ich das Gemüse sogar schon selbst ausbuddeln. Mir ist es ziemlich egal wie krumm und schief eine Karotte aussieht. Diese Erkenntnis sollte wirklich ziemlich schnell in jeden einzelnen Kopf kommen – vor allem in diejenigen Köpfe, die sich um  die Bestimmungen des Lebensmitteleinzelhandels kümmern.

Beim Lob übertreiben …

Nun aber schnell noch ein Thema, bei dem wir uns ein bisschen entspannen können: Im Interview des Süddeutsche Magazins mit dem Geschmacksforscher Maik Behrens geht es darum, wie wir gesunde Lebensmittel in unsere Kinder reinkriegen. Er sagt, wir sollten dabei bloss nicht die Geduld verlieren, niemals Zwang mit einem Lebensmittel verbinden aber durchaus hartnäckig dabei bleiben, wenn es darum geht, etwas zum Probieren anzubieten. Er sagt dabei so schön: „Es ist übrigens auch erlaubt, ein bisschen zu übertreiben mit dem Lob des Brokkolis, um so die Neugier der Kinder für Lebensmittel zu wecken, die zu einer gesunden Ernährung beitragen können.“ Darin bin ich tatsächlich ziemlich gut …

Ich bin ein Fan von selbstgemachte Granola und Frühstück mit Abwechslung. Hier also noch schnell ein Frühstückstipp, da kommst du aus dem Oh und Ah sagen gar nicht mehr raus. Übertreiben ist also nicht notwendig. Hab ein schönes Wochenende.