Schlagwort: Selbstverwirklichung

Lauschangriff und Lesestoff vom 12. Februar 2021

Gerade übe ich wieder sehr viel Yoga in Form von Asanas, also Körperhaltungen. Das ist der Teil von Yoga, der bei uns im Westen ja auch am bekanntesten ist. In den vergangenen Jahren war das bei mir unterschiedlich. Manchmal übe ich viel auf der Matte, manchmal lese ich mehr, dann beschäftigt Yoga mich wieder fast ausschließlich im Kopf. Manchmal atme ich einfach besser und manchmal versuche ich zu lernen, Weisheiten einer Philosophie in meinen wilden Alltag mit zwei kleinen Kindern zu integrieren. Und dann stehe ich plötzlich wieder auf den Händen oder balanciere auf einem Bein. Im vergangenen November wollte ich am liebsten auf der Matte nur atmen. Und jetzt bin ich gerade wieder so richtig heiß auf Power Yoga. Vielleicht liegt es daran, dass die Asana-Praxis wirklich eine praktische Erfindung ist, wenn man viel Zeit auf wenig Raum verbringt. Und während ich noch im Herbst dachte, die Yoga-Praxis muss doch gerade nicht anstrengend sein, denk ich jetzt: Warum eigentlich nicht? Schließlich können wir noch so viele 7-Minuten-Workouts zuhause machen, wir bewegen uns trotzdem zu wenig. Yoga habe sich immer in das verwandelt, was die Menschen gerade brauchten, sagte der Yogahistoriker Mark Singleton einmal im Interview mit dem Magazin GEO ( Mark Singleton im Interview mit G. Gottschalk: Yoga? In: GEO Wissen Gesundheit. Yoga & Meditation. Nr. 13. Hamburg: Gruner & Jahr GmbH. S. 116). Deswegen: Warum also nicht in körperliches Training in einer Zeit, in der der menschliche Körper von 99 Prozent unserer Gesellschaft nicht mehr dafür genutzt wird, wofür er eigentlich mal konstruiert wurde, nämlich die Bewegung. 

Durchs Wohnzimmer turnen

In der Pandemie nehmen alle zu, vor allem die Kinder. Kein Wunder. Die dürfen ja auch nicht mehr Turnen gehen und Fußball spielen und wer will schon als Fünfjähriger im Park joggen? Da sind mal wieder die Eltern gefragt, aber die wollen ja gerne, dass die Politiker ihnen alles abnehmen. Aber auch Frau Merkel hat nun leider keine Zeit, meine Kinder an der Hand zu nehmen und mit ihnen durch mein Wohnzimmer zu turnen. Das muss ich schon selber tun. Mache ich auch. Heute habe ich sie als „böses Monster“ ungefähr 27 Runden durch die Wohnung gejagt. Sie juchzten und sind dabei fast an ihrem eigenen Lachen erstickt. Sie wären gerne noch 27 weitere Runden gerannt, aber ich musste (glücklicherweise) dann meinen Zoom-Yogakurs unterrichten. Als ich bei Google die Begriffe „Gewichtszunahme“ und „Pandemie“ eingab, spuckte die Suchmaschine reihenweise Texte aus. Vermutlich ist dieser hier der, den ich empfehlen kann. Traurig machte mich der Beitrag auf ndr.de am vergangenen Mittwoch. Auch das ist natürlich keine überraschende Entwicklung. Kinder kriegen es doppelt und dreifach ab, wenn niemand da ist, der das alles für sie auffangen kann. 

Momentan mache ich gerade eine Fortbildung zur Kinderyoga-Lehrerin. Ich glaube nämlich, dass man nicht früh genug damit anfangen kann, die Yogamatte zu entdecken. Und ich hoffe, dass ich irgendwann, wenn es dann wieder möglich ist, Kindern etwas geben kann, was sie wirklich brauchen. Nämlich ein stärkeres Selbstbewusstsein, den Spaß an der Bewegung und die Freude an diesem irre-schönen Leben. 

Den eigenen Weg gehen …

A propos schönes Leben – noch eine Leseempfehlung aus dem SZ-Magazin: Im Interview erzählt Trauerredner und Schauspieler Carl Achleitner was ein gutes und erfülltes Leben ausmacht. Unbedingt lesen. Von der SZ gibt es übrigens kostenlos jeden Montag den Newsletter „Einfach leben“. Der ist auch schon lesenswert. 

Falls du Lockdon-Langeweile hast und ziemlich genau 2 Stunden und 40 Minuten deiner Zeit für einen einzigen Podcast übrig hast, dann empfehle ich dir die aktuelle Folge von The Rich Roll Podcast mit Alexi Pappas, Olympiateilnehmerin über 10.000 Meter, preisgekrönte Autorin und Filmemacherin, die in diesem wahnsinnig tiefsinnigen Gespräch von ihren Talenten aber vor allem auch ihren Traumata erzählt und wie sie daraus die Kraft gezogen hat, ihre Träume zu verwirklichen und ihren ganz eigenen Weg zu gehen.

Und jetzt kommt ein Rezept, das angeblich einfach sein soll, gluten- und einfrei und natürlich vegan. Ich hab es noch nicht ausprobiert, aber das werde ich tun. Denn wenn das alles stimmt, klingt es wie ein Volltreffer. Ich wette, es schmeckt auch Kindern gut …