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Lyrics beim Yoga? Oh yeah!

Vielleicht hast du dir auch schon mal die Frage gestellt, ob Musik eigentlich zur Yogapraxis gehört. Diese Frage lässt sich, wie so vieles beim Yoga, vermutlich nicht einfach so mit Ja oder nein beantworten. Manchmal ist Musik wunderbar, um Yoga zu üben, vor allem, wenn man Asanas üben möchte. Und manchmal ist es eben störend. Ich glaube, es kommt sehr darauf an, was man als Yogalehrer nun überhaupt bezwecken möchte. Mich hatte einmal eine Schülerin angesprochen aufgrund meiner Playlist. Es war eine Vinyasa Flow Stunde. Ihr habe die Stunde ganz gut gefallen, sagte sie. Cool, das Positive zuerst … Aber – kurze Pause – ob ich nicht künftig auf Musik mit Text verzichten könne. Sie fühle sich dadurch abgelenkt. Hm. Okay. Ich verstehe das. Auch ich habe während meiner Ausbildung gelernt, dass Lyrics störend während der Yogapraxis sein können. Wir sollten damit sparsam umgehen. Das mache ich auch. Trotzdem waren sie Bestandteil meiner Playlists. Bis dahin. An dem besagten Abend, als die Schülerin mich darauf angesprochen hatte, stellte ich meine Playlists – die mir bislang immer sehr gut gefallen hatten (und ich weiß, dass Musikgeschmack etwas sehr sehr persönliches und individuelles ist!!) – in Frage. Ich grübelte auf dem Nachhauseweg, wie ich dem Wunsch der Schülerin nachkommen könne, ohne mein gesamtes Vermögen bei iTunes zu lassen. Und dann, zuhause, bastelte ich an einer neuen lyricsfreien Playlist für die nächste Vinyasa Flow Stunde. Ich war unzufrieden mit meiner neuen Playlist aber ich spielte sie schön brav in der kommenden Stunde ab.

Darf Robbie mit?

Ein neuer Monat kam und mit ihm eine neue Playlist. Es war ausgerechnet der Monat Dezember. Ich hatte vor, einige bekannte Weihnachtssongs zu spielen, zusätzlich wollte ich unbedingt Robbie Williams Single „Love my life“ mit in meine Liste aufnehmen. Hallo?!? Ich habe eine Power Yoga Ausbildung. Ganz ehrlich, ich finde dieses Lied wirklich ungeheuer passend für eine Yogastunde, den ersten richtigen Flow, wenn meine Schüler warm werden sollen. Alles was Williams da singt für seine Kinder wünsche ich meinen Schülern. All das ist der Sinn von Yoga, oder? „I love my life, I am powerful, I am beautiful, I am free, I love my life, I am wonderful, I am magical, I am me, I love my life“.

Das muss man nicht übersetzen, das muss man nicht erklären. Das ist Yoga. Wahrscheinlich denkt Robbie Williams dabei nicht an Yoga. Aber das spielt keine Rolle, denn nicht für jeden ist Yoga die Antwort auf alle Fragen. Für mich jedenfalls ist klar, dass man bei diesem Lied wenn man denn abgelenkt wird, nichts negatives davonträgt. Abgelenkt durch die Lyrics? Ja, das kann passieren. Aber wirst du auch sicher nicht abgelenkt durch deine Mattennachbarin wenn sie hustet? Schaust du dir in Savasana manchmal die Decke des Yogastudios an und denkst darüber nach ob die Farbe richtig gewählt ist? Das ist dir bestimmt schon mal passiert. Und? Es ist nicht schlimm. Ich finde, dass Worte auch im Unterbewusstsein wirken können. Und das ist doch wunderbar, wenn es sich um positive, motivierende, uns stark machende Worte handelt. Theoretisch müssen ja gar nicht Lyrics in einem Song vorkommen und das Lied kann einen trotzdem an irgendetwas erinnern; vielleicht an etwas hochemotionales, vielleicht an ein Erlebnis, eine Person oder was auch immer. So also kommen wir wieder zu der Frage ob überhaupt Musik während der Yogapraxis gespielt werden soll. Zum Glück ist Yoga nie schwarz oder weiß.

Wie meine Entscheidung ausgefallen ist …

Ich habe mich entschieden, weiterhin die Playlists so zu wählen, wie ich sie wählen möchte. Weil ich ja auch so Yoga unterrichte, wie ich es möchte. Ich habe einen gewissen Stil und der passt nicht jedem. Deswegen darf ja auch jeder den Yogalehrer auswählen, den er will. Und das ist gut so. Ich spiele Musik während ich unterrichte, und wenn ich Lieder aussuche, die Lyrics enthalten, müssen meine Schüler damit leben. Das ist meine Art zu unterrichten. Manchmal unterrichte ich aber auch ohne Musik – zum Beispiel bei Privatstunden. Oder in Unternehmen. Da schaue ich mir zunächst einmal an, mit welchen Berufsgruppen ich es zu tun habe und wenn ich dann der Meinung bin, dass diesen Menschen in ihrem Arbeitsalltag ein wenig Stille guttun würde – was ja meistens so ist, lasse ich die Musik aus. Bei meinen Playlists achte ich darauf, welche Lyrics vorkommen. Aber jedes gesungene Piep muss nicht immer analysiert werden. Ich hatte übrigens später wieder eine Schülerin in einer meiner Stunden, die mich nach der Musik fragte. „Spielst du in dieser Stunde immer Musik?“, fragte sie mich. „Ja, das ist schon das Konzept“, sagte ich. „Das ist gut und in Ordnung“, sagte sie zu mir. „Weißt du, ich liebe Musik. Mir gefiel die Musik sehr gut, die du ausgewählt hast, aber ich liebe Musik eben so sehr, dass ich mich dann gar nicht mehr richtig auf Yoga konzentrieren kann.“ Diese Schülerin sagte mir, dass es zwar schade sei, sie aber vermutlich in Zukunft eine andere Stunde besuchen werde. Ich fand diese Konversation sehr angenehm. Denn diese Schülerin hatte nicht versucht, mich oder meine Art zu unterrichten, zu verändern. Sie fand es authentisch, nur einfach nicht für sie geeignet.

Foto: Thorsten Pahlke  / pixelio.de

Today: Hot Yoga

Als ich Hot Yoga das erste Mal entdeckte, hörte sich das für mich total abenteuerlich an. Also los ins Studio und ausprobieren ob es wirklich so fabelhaft und effektiv ist, wie es auf vielen Seiten im Worldwideweb nachzulesen ist. Der nicht ganz unumstrittene Inder Bikram Choudhury entwickelte Hot Yoga, das daher auch Bikram Yoga genannt wird mit der Idee, der heiße Raum (zwischen 37 und 40° C) solle eine sichere Muskel- und Sehnenarbeit möglich machen und das Schwitzen den Körper entgiften. Das ist wissenschaftlich nie nachgewiesen worden aber da einige Prominente wie Lady Gaga oder Gwyneth Paltrow behaupteten, durch Hot Yoga hätten sie sehr schnell sehr viel abgenommen, war der Trend geboren. Ich geniesse diese Aussagen mit Vorsicht. Und das hat rein gar nichts damit zu tun, dass Bikram Choudary mittlerweile mehrfach beschuldigt wurde, seine Schülerinnen systematisch sexuell belästigt zu haben.

An einem kalten, stürmischen Dezembermorgen finde ich Hot Yoga ganz passend. Der Trainingsraum ist angenehme erwärmt und ansonsten ist es wie immer mit Yoga: Ist der Trainer gut, finde ich auch das Training toll. Wer Power-Yoga gerne mag, wird auch Hot Yoga gegenüber nicht abgeneigt sein, wenn es ihn nicht besonders stört, dass neben ihm schwitzende Menschen auf der Yogamatte stöhnen. Niemand sollte die Vorstellung haben, dass man sich einfach nur in einen heissen Raum legen muss und schon schmelzen die Kilos dahin. So einfach ist es nicht. Die 26 verschiedenen Bikram-Übungen sind immer dieselben und wirklich anstrengend. Aber nicht alle Hot-Yoga-Kurse halten sich an genau diese Abfolge und das ist auch in Ordnung so. Tatsächlich fühlt es sich an, als habe der Körper nach einer Stunde oder 90 Minuten Hot Yoga sehr viel gearbeitet. Die Wärme hilft dem Körper zwar dabei, sich zu entspannen, aber äußere Wärme allein ersetzt grundsätzlich kein Aufwärmtraining und im Übrigen auch keine körperliche Anstrengung.